Diesen Blog haben wir 11/2016 neu gestaltet und führen ihn im Team weiter. Das verspricht mehr Vielfalt - wie man wohl schon an unseren Gesichtern ablesen könnte.
Allen Besuchern - herzliches Willkommen und viel Vergnügen bei/mit unseren Gedichten!
Im NOVEMBER 2017 würdigen wir einen Mundart-Dichter aus dem Thüringischen früherer Zeit. Als eines der letzten (hier noch nie gezeigten) "Gedichte großen Formats" stellen wir die Sestine vor. Und sonst - mal sehn!

Dienstag, 30. Juni 2015

Den Opfern des Germanwings-Absturzes – Chapeau!



Nach Monaten des Wartens
bei schon schmerzvoller Gewissheit
für ihre Lieben und Freunde,
sind nun die Jüngsten
und Hoffnungsvollsten
von einem Ausflug nach Spanien,
das Land der Sonne,

zurückgekehrt

in das kleine Städtchen am See,
am Südrand des Münsterlandes,
das sie auf die Reise geschickt
und gehofft hatte, sie wiederzusehen
im blühenden Leben;
gebracht aber hat man sie leblos,
jeden in einem kleinen hölzernen Haus,
gestellt auf vier Räder.

Wer hätte vermutet, dass jemand
so am eigenen Leben zweifelt,
um nicht nur sich zu entleiben,
sondern auch alle ihm Anvertrauten
mit in den Untergang zu reißen.
Fremde Gedanken werden wir
nie erraten und daher immer wieder
neues Vertrauen aufbringen müssen.
Entbieten wir den von uns Gegangenen
im stillen Gedenken – Chapeau!

Mittwoch, den 10. Juni 2015

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Der Verfasser zeigt sich besonders betroffen, weil er im Beruf sein
Anfängergehalt mit Berechnungen über die technische Gestaltung
von Flugzeugflügeln verdiente, die ein bestimmtes Gewicht tragen sollten.
elbwolf

Haiku




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elbwolf

Sonett auf eine neue Liebe


Newrew, Nikolai Wassiljewitsch (1830–1904):  Brautschau, 1888.
Standort: Moskau, Tretjakow-Galerie;
In den Kunstsammlungen Chemnitz gezeigt auf der Peredwishniki-Ausstellung 2012




Sonett auf eine neue Liebe

Die auch beim zweiten Blick noch wär' adrett,
wär' von Beständigkeit, die nie zerstiebe,
die an Erschwernissen sich nicht zerriebe,
die nähm ich gern, wär' sie auch kaum kokett.

Was stichelt ihr, ich suchte was fürs Bett!
Auch fern vom Laken will ich kein Getriebe,
will ganz im Gegenteil, dass alles mir so bliebe,
ich gebe nicht gern täglich neu Bankett ...

Ihr werdet es ja doch niemals erraten:
ich hab euch eingelullt mit der Idee,
die ich jetzt unter euch werf' als Dukaten.

Fängt jemand sie, so dass es jeder seh?
Ich forme Verse hier auf neue Liebe,
so, wie ein Suchender die eben schriebe …

© elbwolf, 09.06.2015

Montag, 1. Juni 2015

Ungesiebte Luft



Ein fast unpolitisches Gedicht

Des Knackis Lebensqualität zu mindern,
nimmt man zur Strafe ihm der weiten Welten Duft.
An einem aber kann man ihn nicht hindern:
zu atmen nämlich – wenn auch nur gesiebte Luft!

Doch gibt es neuerdings nun eine Gruppe,
für die sind alle andern Bürger einfach Luft;
wo immer sich versammelt diese Truppe,
entströmt ihrem Lokal gleich penetranter Duft.

Sie haben Polizisten als Bewacher
und lassen Schraubenflügler kreisen in der Luft;
sie wähnen allerortens nur noch Kracher,
weshalb sie sich vergraben wie in einer Gruft.

Das sind die europäischen Berater,
sie wirken oft wie so ein Guck-Hans-in-die-Luft,
doch sind sie unsre Eurogeld-Verbrater -
bei Zivilisten gälte mancher schon als Schuft.

Sie kommen jetzt gleich zweimal nach Germanien:
verursachten zunächst in Dresden dicke Luft;
nun schmückt das Bayern-Schloss man mit Geranien,
doch kittet man auch dort bestimmt nicht jede Kluft.

Wir Einfachen erleben viel Bedrängnis,
und mögen nicht, wenn man uns nur andauernd blufft!
Man sperrt uns aus, als säßen wir wie im Gefängnis -
Wir aber wollen stets nur ungesiebt die Luft!

elbwolf, 31.05.2015

Donnerstag, 30. April 2015

Morgendämmerung – Bücherschicksale (1/3)

Beginn des Buches "Genesis" in der Gutenberg-Bibel (1454)
Standort: Staatsbibliothek Berlin; Quelle: wikimedia/commons; Liz.: gemeinfrei

Denen gewidmet, die es lebenslang zu den Büchern zieht!

Bücher haben ihre Schicksale – (1/3)
Habent sua fata libelli.

I. Morgendämmerung

Nicht vom Papyrus und nicht über Pergamente
geht hier die Rede - da regierte Schreibers Hand.
Erst als der Gutenberg zu Mainz den Druck erfand,
da kamen Bücher unters Volk wie Dokumente.

Ein paar Jahrzehnte brauchte es noch an Erfahrung,
und was vor fünfzehnhundert schien besondrer Schmuck,
ist heute Seltenheit; sie heißt nun Wiegendruck.
Den Reformierten galt das Buch als Offenbarung.     

Selbst in den dunklen Jahren Dreißigjähr'gen Krieges
verfasste Opitz deutsch uns die Poeterey.
Von seinen Regeln zehrt noch heut' die Reimerei:     
der Ignorant geht schnell verlustig eines Sieges.

© elbwolf (2014/15)


• • • Sternstunden • • •

Gutenberg (1397/1400 – 1468): 42-zeilige "Gutenberg-Bibel" (B42), 1454/6

Luther: NT; deutsche Übersetzung in Erst-Ausgabe 1522
Martin Opitz (1597 – 1639): Buch von der Deutschen Poeterey, 1624


Martin Opitz: Buch von der Deutschen Poeterey, 1624.
Faksimile aus dem Neudruck von Niemeyer, 1955 (im Besitz des Autors).

Höhenflug – Bücherschicksale (2/3)

Titelseite des ersten Bandes der Encyclopédie (1751)
Quelle: [http://ets.lib.uchicago.edu/ARTFL/OLDENCYC/images]; Liz.: gemeinfrei



Denen gewidmet, die es lebenslang zu den Büchern zieht!

Bücher haben ihre Schicksale – (2/3)
Habent sua fata libelli.

II. Höhenflug

Das Sortiment zerfloss allmählich in die Breite:
es kam die Aufklärung, mit ihr auch Sturm und Drang,
ein Casanova stimmte neuen Minnesang,
der Artenkampf beschrieb des Lebens andre Seite.

Die Bücher, die einst Privileg gehobner Leute,
die wurden später zum erschwinglichen Besitz.
Vom Leser fordert Lesen nicht den Geistesblitz,
viel eher Blick nicht nur allein für hier und heute!

Erinnert euch, als Bücher lichterloh verbrannten,
das Land versank auf Jahre in der Barbarei,
die Dichter, die mitsamt den Werken vogelfrei,
sich langsam wieder reihten unter die bekannten.

© elbwolf (2014/15)
Der zweibändige Erstdruck 1901 / Foto Wikipedia H.- P. Haack
Titel und Autor in Goldprägedruck auf Vorderdeckel und Rücken, Kopfgoldschnitt.
Jugendstildekor in schwarzem Prägedruck auf Vorderdeckel und Rücken, Verlagssignet (S. Fischer) in schwarzem Prägedruck auf dem Hinterdeckel.
* * * Sternstunden * * *
• Diderot / d'Alembert: Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné, 1751-80 •
• Johann Wolfgang von Goethe: Die Leiden des jungen Werthers, 1774 •
• Casanova: Histoire de ma vie (Memoiren), 1789-98; Drucke: 1822; 1960-62 •
• Code civil (CC), durch Napoleon Bonaparte eingeführt am 21.03.1804 •
• Charles Darwin: On the Origin of Species, 24.11.1859 •
• Karl Marx: Das Kapital, 1867 (Band1) •
• Leo Tolstoi: Krieg und Frieden, Moskau 1868-69 •
Thomas Mann: Buddenbrooks. Verfall einer Familie. 26.02.1901, 2 Bde.
^ Nobelpreis
für Literatur 1929 ^

Abendrot – Bücherschicksale (3/3)

Pariser Bouquinisten, hier am Quai de la Mégiserie, Nähe Notre Dame
Foto: Sini Merikallio, 8.10.2011. Quelle: wikimedia/commons; Liz.: CC 2.0 gen.
"Die Seine ist der einzige Fluss in der Welt, der zwischen zwei Bücherregalen fließt."


Denen gewidmet, die es lebenslang zu den Büchern zieht!

Bücher haben ihre Schicksale – (3/3)
Habent sua fata libelli.

III. Abendrot

Die multimediale Zeit mit all dem Neuen
kann Segen sein - wird unversehens vielleicht Fluch,
wenn nach gedrucktem und dem vorgelesnen Buch
wir nun das elektronische erst einmal scheuen.

Autoren schreiben so, als seien sie versessen,
die Druckerpressen sind im Wettlauf gegen Zeit,
manch nagelneues Buch erhält sofort Geleit
zum Supermarkt und wird am Wühltisch schnell vergessen.

Ja staune, Bücherfreund, du sollst ihn lieb behalten,
den grade aufgegriffnen Schatz in deiner Hand.
Ein Buch hat eignes Schicksal - doch verknüpft ein Band
es leicht mit deinem: besser trotzt du dann Gewalten!

© elbwolf (2014/15)


* * * Sternstunden * * *
• Heinrich Mann: Der Untertan (1918, Buchausgabe) •
• Franz Kafka: Der Prozess (1925) •
• Antoine de Saint-Exupéry: Der kleine Prinz (1943, New York) •
• Anne Frank: Das Tagebuch der Anne Frank (25. Juni 1947, Niederlande) •
Ernest Hemingway: Der alte Mann und das Meer (1952)
^ Nobelpreis für Literatur 1954 ^
Winston Churchill: Meine frühen Jahre (1930) / Der Zweite Weltkrieg (1948 ff) •
^ Nobelpreis für Literatur 1953 ^
• Vladimir Nabokov: Lolita (1955, The Olympia Press, Erstausgabe) •
• Gabriel García Márquez: Hundert Jahre Einsamkeit (1967, Buenos Aires) •
^ Nobelpreis für Literatur 1982 ^
• Alexander Issajewitsch Solschenizyn: Der Archipelag Gulag (28.12.1973, Paris) •
^ Nobelpreis für Literatur 1970 ^
• Heinrich Böll: Die verlorene Ehre der Katharina Blum (1974, Erzählung) •
^ Nobelpreis für Literatur 1972 ^
• Umberto Eco: Der Name der Rose (1980) •
• Stephen Hawking: Eine kurze Geschichte der Zeit (1988) •
• J. K. Rowling: Harry Potter (26. Juni 1997, Bd. 1) •
• Michel Houellebecq: Elementarteilchen (1998) •
Ein Antiquariat in Frankfurt-Höchst
Foto: Eva Kröcher, 23.12.2008; Quelle: wikimedia/commons; Liz. GNU&CC
Ein paar Links zum Stöbern:
• Die hundert besten Bücher des 20. Jahrhunderts nach der Zeitung "Le Monde"
ZEIT-Bibliothek der 100 Bücher
• Die 100 besten Bücher des 20. Jahrhunderts nach AbeBooks.de
• Bildersammlung über die Pariser Bouquinisten – live und in der Kunst

Mittwoch, 29. April 2015

Eigenwillige Geburtstags-Statistik



Eigenwillige Geburtstags-Statistik
Freie Strophen in "Brikettform" *)

Wenn Frauen ein Kind zur Welt bringen, haben sie für die-
­ses natürlichste aller Ereignisse sehr verschiedene Worte.
Am bildhaftesten heißt es, wie ich finde, bei der Französin:
Donner le jour à un enfant - einem Kind den Tag schenken.

Am Tage dieses Beschenktwerdens treten wir ins Leben.

In Zeiten mit statistisch gesicherten Verläufen endet für je-
­weils etwa drei unter jedem Tausend von uns das Leben
auch an genau dem Tag, der eigentlich der Mutter Ehren-
­tag sein sollte, aber als unser Geburtstag begangen wird.

Für alle anderen neunhundertsiebenundneunzig in diesem
Tausend bricht der Weg zwischen zwei Geburtstagen ab.
Von den meisten wird man sagen, dass sich ihr Leben im
übertragenen Sinne – nicht nur im direkten – erfüllt habe.

Der Tag dieser Erfüllung scheidet uns vom weiteren Leben.

Über ein Nach-Leben werde ich nicht spekulieren, will aber
noch eine Überlegung mitteilen. Am Rand einer der Auen
eines Karstgebietes besuchte ich ein über viertausend Jah-
­re altes Steinkistengrab einer neolithischen Ackerbausippe.


Ich hoffe, die Jungsteinzeitler nicht sehr gestört zu haben.-
Sicher bin ich mir allerdings, dass niemand in viertausend
Jahren neugierig die Stelle suchen wird, an die man mich
dereinst bettet. So vergänglich sind nun einmal die Zeiten.

elbwolf, 27.04.2015

© für obiges Foto beim Verfasser (April 2015).
Titel: Urgeschichtliches Steinkammer­grab Etteln, Gemeinde Borchen.
Einst standen die Wandsteine der 22 m langen Grabkammer senk-
recht, hatten eine Decke aus Kalksteinplatten mit einem darüber auf­-
geschütteten Erdhügel. Funde sind in der Wewelsburg ausgestellt.

*) Die Bezeichnung "Brikett-Strophe" habe ich mir selbst ausgedacht,
aber die Form habe ich mir bei Ulf Stolterfoth abgeschaut, meinem
Mentor in einem Lyrik-Seminar. Verwendet habe ich sie früher auch
schon, z. B. in "Auf einen Aphorismus Lichtenberg’s
".

Dienstag, 28. April 2015

Von Alphatieren



Von Alphatieren 
(laut Duden was Zoologisches;
nach Wikipedia nicht ganz!)

Als Eigenart von Lebewesen
zeigt sich, dass in so manchem Treff
nur einer schwingt den Kehraus-Besen:
von diesem Trupp ist er dann Chef.

Der Posten oben an der Spitze
ist für gewöhnlich recht begehrt,
und wer bloß kleiner Nörgelfritze,
dem bleibt solch hohes Amt verwehrt.

Falls nun durch wechselnde Geschicke
besagte Stelle mal vakant,
so richten sich gestrenge Blicke
auf alle, die neu hergerannt.

Die nimmt man zügig in die Mangel
und bringt ihnen Benehmen bei;
im unvermeidbaren Gerangel
geht manches Porzellan entzwei.

Dann folgt im Buschfunk neue Kunde,
die alle Mitbewerber schockt:
sie hätten ihre Gunst der Stunde
an einen Newcomer verzockt.

Viel später glätten sich die Wogen,
herrscht wieder Ruhe im Quartier:
wer einst zu kämpfen ausgezogen,
schart sich ums neue Alphatier!



Bei dem Gorilla-Silberrücken
könnt ich die Sache ja verstehn:
um seinen Harem zu beglücken,
darf keiner ihm im Wege stehn …

elbwolf, 26.04.2015

PS:
Der nachdenklich gestimmte Silberrücken ist auf einem Foto von Dozyg aus dem Jahre 2006 zu sehen;
Quelle: wikimedia/commons; Lizenz: gemeinfrei.
Originale Bildunterschrift:
Male western lowland gorilla contemplating life, the universe, and bananas (The Thinker).
Port lympne wildlife park.

Montag, 27. April 2015

April – ein Monatsbild

PC-Grafik-Mix: Osterhasen auf Niveau "Industrie 2.0"                      © saxonia44 ipse fecit
Quelle: Legebatterie und Hasen aus wikimedia/commons – nachgenutzt, da lizenzfrei.
April

Wer mag es schon, wenn man ihn vorsätzlich verschaukelt –
Denn mit den Hasen hat man uns was vorgegaukelt …
Wo nehmen sie die buntbemalten Eier her so schnell,
Und zwar in Mengen, wie man's grade haben will?
In Wahrheit produzieren Hasen längst industriell:
Wer da noch einfältig was andres denkt – April! April!

./.

Kleine weltliche April–Agenda

Monat von unklarer Herkunft
"
April" zu sagen, ist schon fast ein Scherz.
Woher der Name? Da sind wir verlegen ...
doch Karl der Große fasste sich ein Herz
und hieß ihn Ostermond, des Festes wegen.

Aprilwetter
So wetterwendisch schafft kein Renommee!
Mal Regen, Sonnenschein, dazwischen Schnee;
mal trüb und rau, dann wieder hell und mild: 
da steht gleich fest – des Menschen Ebenbild.

Wird der Sommer nass oder trocken?
Blüht die Eiche vor der Esche,
gibt es eine große Wäsche –
blüht die Esche vor der Eiche,
gibt es eine große Bleiche.

Fastenzeit – ade!
Täglich zu essen kann ganz schön belasten!
Ganzjährig hat dieses Thema drum Boom:
einerseits bringt es persönlichen Ruhm,
andrerseits sind vierzig Tage zu fasten!
Nun aber drehn wir wie vorher die Leier:
her mit dem Mahl für die hungrigen Geier!

Osterhasen
Die Osterhasen gaben spät ihr Dasein kund,
doch hundert Jahre früher als der Weihnachtsmann!
Vergeblich forscht man aber bislang nach dem Grund,
wie man sie fürs Geschäft mit Eiern denn gewann.

Osterpostkarten – Kulturdokumente


Wie gut, dass Österreich am 1. September 1869 die Bildpostkarte einführte! England und Deutschland zogen bald nach, dann andere Europäer, und drei Jahre später auch Paris! Weltmeister bei Druck und Verbreitung waren bald – na wer schon – die Deutschen! Sie druckten für die anderen mit, evtl. auch die französische Osterkarte, von der dieser Ausschnitt stammt. Sie ist um 1905 postalisch gelaufen und mehrfach im Web abgebildet – mit und ohne Marke, mit und ohne Geschreibsel; lizenzfrei. Wovon aber legt sie für uns Heutige Zeugnis ab? Vom kolossalen Fortschritt bei der Ostereierproduktion in nur hundert Jahren! Was für ein Eierstrom könnte aus diesem armseligen Ställchen von einst schon hervorgehen? Dagegen kündet das Bild oben im Kalenderblatt von einem derartigen Wachstum, dass man sich fragen muss, wohin die Berge von abgepellten Eierschalen eigentlich gehen … die müssten doch über uns zusammenschlagen. Aber nur keine Beunruhigung: die Schalen exportieren wir bestimmt irgend wohin in die weite Welt … also: "fleißiges Pellen und frohe Ostern"!



Freitag, 6. März 2015

März – ein Monatsbild

Computergrafik "Felder im März"                                          © saxonia44 ipse fecit
Der Traktor "fährt" 24h/7d auf wikimedia/commons und wurde hier nur "ausgeliehen".
März
Im März füllt der Bauer den Tank mit Benzin
Und rüstet den Traktor zum Frühjahrs-Termin.
Er fährt über Felder - pflügt Furche um Furche,
Beachtet beim Eggen die heimischen Lurche.
Dann sät er Getreide - daraus backt man Brot,
Wenn das jeden satt macht, kommt alles ins Lot!

./.

Kleine weltliche März–Agenda

Frühlingsmonat März
Nach Kriegsgott Mars benannt und einst der Jahreseingang,
hieß er bei uns als Frühlingsbringer schlicht und einfach Lenz.
Dem Wetterfrosch ist schon am Ersten Frühlingsanfang,
dem Astronom noch nicht – von wegen eigner Kompetenz.

Auslegung einer Bauernregel
Wie lange hält der Schnee im März?
So lang, wie einer Jungfer Pracht
Nicht länger meist als eine Nacht.
Und keins von beiden ist ein Scherz!

Internationaler Frauentag
Schon mehr als hundert Jahre dürfen Männer schauen
auf diesen achten März als Jahrestag der Frauen!
Selbst die, die gerne heben ihre Augenbrauen,
die sollten blumenlos sich nicht nach Hause trauen.

Die Iden des März
Das ging im alten Rom kein bisschen anders zu als heute:
Diktator Caesar einerseits – und andrerseits die Meute,
darunter Brutus und Longinus – im Gewand die Dolche:
so werden eben auch aus Senatoren letztlich Strolche!

Sommerzeit –  von 2:00 auf 3:00 am 29.
Seit diesen Uhrenschwindel man erfand ,
war von was Eingespartem nie die Rede,
daher heißt es zurecht im ganzen Land:
O schafft das ab! – und möglichst "stante pede".

Wessen Land ist das Land?
Kalenderbild und -spruch mögen teils opportunistisch sein, aber die Felder könnten an einem Ufer liegen! Sie wollen lieber blauen Himmel im Tausch gegen lehmiges Wasser? Und Diesel tanken – der ist aber nicht endbetont, wenn Sie wissen, was ich meinen könnte. Auch ein ganzes Bild in Grasgrün würde die "Grünen" nicht abhalten aufzuschreien, wenn der Bauer hier Frösche, Kröten etc. einfach zusammenharkte …
Trotzdem ist die gestellte Frage "das Fragen-Würdigste" an der Bodennutzung!

Anno 1945/46 wurden aus unserm Heimatdorf die Bauern, Kleinpächter, Tagelöhner ver­trieben; sie fanden sich zum Großteil im Saalkreis der SBZ wieder, profitierten als momentan "landlose Landwirtschaftskenner" von der Bodenreform nach der Devise:
 "Junkerland in Bauernhand".
Nach Jahren individuellen Schuftens, die dem Land immer noch keine hinreichende Produktivität brachten, wurden sie sanft/unsanft in die Genossenschaften gedrängt:
"Bauernland in Genossenschaftshand".
Danach hatten sie eine ganze Reihe von Jahren Qualifizierung, Kinderbetreuung, Jahresurlaube und Kollektivatmosphäre. Als der Staat trotzdem unterging, stand meistens die Treuhand bereit – "Nomen est Omen":
"Genossenschaftsland in Treuhand-Hand".
Das wollte und musste die nun verscherbeln – wer hatte das Kleingeld? – richtig:
"Treuhand-Land in 'Junker'hand".
Aber Produzieren mit den angeheuerten Lawi-Hilfskräften (jetzt fast alle aus der EU, und da müssten sie die Ø-Löhne des "Gastlandes" kriegen!) ist teuer, und daher:
" 'Junker'land in Spekulantenhand".
Land-Veräußerung an Spekulanten, die "Wertschöpfung" zunächst durch Brachlegen betreiben, scheint schon so massiv zu sein, dass es in der GroKo und in einzelnen Landesregierungen umgeht und man Sandkastenspiele mit neuen Gesetzen macht:
"Spekulantenland in Bauernhand".
Was, wenn "die da" glaubten, der Bauer sei so blöd und warte tatsächlich bis Ultimo?
 

© elbwolf, 03.03.2015
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Februar – ein Monatsbild

Urheber: Twice25 & Rinina25 (14.09.2008): Maske aus Burano
Quelle
: wikimedia/commons; Liz.: GNU & CC-BY 2.5
Eine ähnlich schlichte "Kappen-Maske" findet sich in keiner Foto-Galerie sonst!


Februar
Stünde plötzlich diese Maske unter all uns Narren,
ahnten wir vielleicht das Feuer in den Frauenaugen;
unerträglich würde aber jedem dann das Harren,
ob zu dem verheiß'nen Kuss wohl auch die Lippen taugen.
Geistreich mag ja eine Maske sein –  sie bleibt Pläsier;
nur Enthüllung stillt die unbezwingbare Begier.

./.

Kleine weltliche Februar–Agenda

Einst Jahreswende – jetzt nur Winterende
Der Monat Februar gilt uns als Winterende,
dabei führt er seit Rom schon immer diesen Namen,
wo er das Jahr beschloss -  und an der Jahreswende
die Lebenden und Toten Zuwendung bekamen.

Die Namen des Februar
Der Österreicher spricht vom Feber-Mond,
was ihm der Schweizer mit dem Horner lohnt;
doch wer den Monat Hintester getauft,
der hat sich in der Sprache, scheint's, "verlauft".

Bauernregeln
Ist der Februar ganz nass,
wird das Jahr ein Regenfass,
bringt er aber Frost und Wind,
sind die Ostertage lind.

Valentinstag
Partien wurden einst am Tag des Valentin gestrickt –
doch welche Frau glaubt wohl auch heute noch daran,
dass zum Altar sie ausgerechnet führt der Mann,
den sie ganz zufällig an diesem Tag zuerst erblickt?

Karneval – fünfte Jahreszeit
Der große Mummenschanz verlockt zu Narreteien
in dieser fünften Jahreszeit mit nur drei Tagen;
zwar geht nicht jeder Übermut schnell zu verzeihen,
doch wer die Maske schützend trägt, kann schon was wagen!

Ein "Hooligan" erzählt, wie er die Karnevalszeit von 1746 erlebt hat
Wir strolchten eines Tages zu acht und maskiert herum, obgleich es bereits Mitternacht geschlagen hatte, und betraten die Schenke von della Croce. In einem Nebenzimmer entdeckten wir als einzige Gäste drei Männer, die sich mit einer jungen Frau unterhielten. Unser Anführer sagte: "Großartig wäre es, diesen drei das hübsche Weibchen zu entführen, so dass sie sich unter unseren Schutz stellen müsste." Wir traten mas­kiert ins Zimmer, unser Anführer erklärte die drei Männer als im Auftrage des Rates der Zehn für verhaftet und verbrachte sie mit meiner Hilfe auf die Insel San Giorgio, wo wir die drei wieder laufenließen. Dann ruderten wir zurück, trafen die anderen unserer Bande, die mit der weinenden Frau auf uns warteten. "Nicht weinen", sagte der Anführer, "es wird Ihnen nichts geschehen – wir gehen ein Glas Wein trinken und bringen Sie sicher heim."
Im "Gasthaus zu den zwei Schwertern" nahmen wir ein Zimmer, ließen Essen und Trinken holen, schickten die Bedienung weg und legten endlich unsere Masken ab. Der Anblick von acht jungen Gesichtern ließ das Herz der schönen Entführten beruhigter schlagen. Wir taten alles, es ihr durch galantes Benehmen angenehm zu machen. Ermuntert durch den Wein und vorbereitet durch einige Küsse wusste sie bald nur zu genau, was ihrer wartete und schien sich mit guter Miene fügen zu wollen.
Nach unserem Anführer machte ich mich zur zweiten Opferhandlung bereit, und sie nahm mich mit einer Art Dankbarkeit auf, konnte ihr Vergnügen nicht verhehlen, als sie sich dazu ausersehen fand, ebenso viele Glückliche zu schaffen, wie unsere Kumpanei zählte. Nach diesem Räuberstückchen maskierten wir uns wieder alle, zahlten und brachten das fröhliche Opfer zu ihrem Haus, wo sie sich beim Gutenachtsagen mit aufrichtigster Miene von der Welt bei allen von uns bedankte!
Aus: Casanova, Geschichte meines Lebens; adaptiert, nach einer Ausgabe um 1940, ab S. 217 u. ff, Über­s. von J. v. Guenther (Textstelle entspricht in der modern. Ausgabe Bd. 2/12, Kap. 7, S. 190 u. ff.)

© elbwolf, 04.02.2015
./.
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