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Dienstag, 30. Juni 2015

Den Opfern des Germanwings-Absturzes – Chapeau!



Nach Monaten des Wartens
bei schon schmerzvoller Gewissheit
für ihre Lieben und Freunde,
sind nun die Jüngsten
und Hoffnungsvollsten
von einem Ausflug nach Spanien,
das Land der Sonne,

zurückgekehrt

in das kleine Städtchen am See,
am Südrand des Münsterlandes,
das sie auf die Reise geschickt
und gehofft hatte, sie wiederzusehen
im blühenden Leben;
gebracht aber hat man sie leblos,
jeden in einem kleinen hölzernen Haus,
gestellt auf vier Räder.

Wer hätte vermutet, dass jemand
so am eigenen Leben zweifelt,
um nicht nur sich zu entleiben,
sondern auch alle ihm Anvertrauten
mit in den Untergang zu reißen.
Fremde Gedanken werden wir
nie erraten und daher immer wieder
neues Vertrauen aufbringen müssen.
Entbieten wir den von uns Gegangenen
im stillen Gedenken – Chapeau!

Mittwoch, den 10. Juni 2015

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Der Verfasser zeigt sich besonders betroffen, weil er im Beruf sein
Anfängergehalt mit Berechnungen über die technische Gestaltung
von Flugzeugflügeln verdiente, die ein bestimmtes Gewicht tragen sollten.
elbwolf

Haiku




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elbwolf

Sonett auf eine neue Liebe


Newrew, Nikolai Wassiljewitsch (1830–1904):  Brautschau, 1888.
Standort: Moskau, Tretjakow-Galerie;
In den Kunstsammlungen Chemnitz gezeigt auf der Peredwishniki-Ausstellung 2012




Sonett auf eine neue Liebe

Die auch beim zweiten Blick noch wär' adrett,
wär' von Beständigkeit, die nie zerstiebe,
die an Erschwernissen sich nicht zerriebe,
die nähm ich gern, wär' sie auch kaum kokett.

Was stichelt ihr, ich suchte was fürs Bett!
Auch fern vom Laken will ich kein Getriebe,
will ganz im Gegenteil, dass alles mir so bliebe,
ich gebe nicht gern täglich neu Bankett ...

Ihr werdet es ja doch niemals erraten:
ich hab euch eingelullt mit der Idee,
die ich jetzt unter euch werf' als Dukaten.

Fängt jemand sie, so dass es jeder seh?
Ich forme Verse hier auf neue Liebe,
so, wie ein Suchender die eben schriebe …

© elbwolf, 09.06.2015

Montag, 1. Juni 2015

Ungesiebte Luft



Ein fast unpolitisches Gedicht

Des Knackis Lebensqualität zu mindern,
nimmt man zur Strafe ihm der weiten Welten Duft.
An einem aber kann man ihn nicht hindern:
zu atmen nämlich – wenn auch nur gesiebte Luft!

Doch gibt es neuerdings nun eine Gruppe,
für die sind alle andern Bürger einfach Luft;
wo immer sich versammelt diese Truppe,
entströmt ihrem Lokal gleich penetranter Duft.

Sie haben Polizisten als Bewacher
und lassen Schraubenflügler kreisen in der Luft;
sie wähnen allerortens nur noch Kracher,
weshalb sie sich vergraben wie in einer Gruft.

Das sind die europäischen Berater,
sie wirken oft wie so ein Guck-Hans-in-die-Luft,
doch sind sie unsre Eurogeld-Verbrater -
bei Zivilisten gälte mancher schon als Schuft.

Sie kommen jetzt gleich zweimal nach Germanien:
verursachten zunächst in Dresden dicke Luft;
nun schmückt das Bayern-Schloss man mit Geranien,
doch kittet man auch dort bestimmt nicht jede Kluft.

Wir Einfachen erleben viel Bedrängnis,
und mögen nicht, wenn man uns nur andauernd blufft!
Man sperrt uns aus, als säßen wir wie im Gefängnis -
Wir aber wollen stets nur ungesiebt die Luft!

elbwolf, 31.05.2015