Diesen Blog haben wir 11/2016 neu gestaltet und führen ihn im Team weiter. Das verspricht mehr Vielfalt - wie man wohl schon an unseren Gesichtern ablesen könnte.
Allen Besuchern - herzliches Willkommen und viel Vergnügen bei/mit unseren Gedichten!
Im DEZEMBER 2017 würdigen wir den verdienten Mundart-Dichter Herbert Andert aus der Oberlausitz. Zum Jahresabschluss danken wir unseren Gästen und Helfern und geben allen gute Wünsche mit für 2018. Und sonst - mal sehn!

Mittwoch, 30. November 2016

Traumsplitter

Heinrich Vogeler (1872-1942): Die Erwartung (Träume II, 1912)
(Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum; Quelle. wikimedia/commons; gemeinfrei)
./.
Traumsplitter

Wenn es Nacht wird
Nehme ich mein Traumgewand vom Haken
Und hülle mich
In seine  Stille.
Schlafe unter dem Vollmond
Schlafe unter dem Neumond,
Lege die Träume aus Angst
Ab in einer fernen Galaxie
Und nehme Staubspuren
Des letzten Traumes
Mit in den Morgen.
Dann umschließe ich mein Traumkleid
Mit einer Hülle aus Morgennebel,
Damit sich die Splitter
Vergessener Träume
Zusammenfinden
Zu neuem Traum
In einer anderen Nacht.

immergrün (A.W.)

Dienstag, 29. November 2016

Mehr Verse zum Leierkasten (II)

Heinrich Zille (1858-1929): "Eine kleine Freundin hat doch jedermann" (Zeichnung)
(Grafische Slg. Stiftung Stadtmuseum Berlin; Quelle: wikimedia/commons; gemeinfrei)
./.

Verkehrsampeln
Die Farben einer Ampel,
die regeln den Verkehr.
Heut weiß der letzte Pampel:
bei Rot geht gar nichts mehr.
Mit Gelb beginnt Gekampel –
der Überweg ist leer;
und Grün bewirkt Getrampel,
nun hat man's eilig sehr.

Aufzug
Der Lift in unserm Hause
der ist recht segensreich –
doch macht er nächstens Pause,
kommt kein Monteur sogleich.
Der Mieter bleibt Zuhause,
mit Knien windelweich:
Zehn Treppen! Solche Sause
macht stärk're Männer bleich!

Warnung vor dem Putzen
(nach einem Bonmot von Erich Kästner *)
Das Meiste auf der Welt,
kauft man in einem Laden –
nicht nur, weil es gefällt:
es schmeichelt Unser Gnaden!
Gebrauch, der zwar entstellt,
bringt nie der Sache Schaden.
Wenn Putz sich zugesellt,
geht sie in Bälde baden!

Jahreszeiten
Der Frühling lässt durch Lüfte
keck flattern blaues Band;
Im Sommer weisen Düfte
auf gut bestelltes Land; -
Der Herbst schießt aus der Hüfte
mit Wind - nimmt Hut als Pfand,
und über alle Grüfte
deckt Winter Schneegewand.

Hoffnungsloser Fall
Ziel gut auf mich und triff,
denn das lohnt nämlich immer!
Ich krieg nichts in den Griff –
bin auch nur Trockenschwimmer.
Gesellschaftlichen Schliff
verpasste mir kein Trimmer.
Selbst nach dem letzten Pfiff
hab ich noch keinen Schimmer!

elbwolf (WH)
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
*) Erich Kästner (1899-1974):
"Das Meiste auf der Welt / geht nicht durch GEBRAUCH kaputt, / sondern durch PUTZEN."

Sonntag, 27. November 2016

Mantel der Nacht


Archip Iwanowitsch Kuindschi (1841–1910): Mondlichtflecken im Winterwald (1898-1908)
Standort: St. Petersburg, Russisches Museum; Quelle: wikimedia/commons; lizenfrei
(Bestandteil des Yorck-Projects; gezeigt auf der Peredwishniki-Ausstellung Chemnitz 2012)

Der Mantel der Nacht

Leg ihn mir um, den Mantel der Nacht!
Schwarzblauer Samt hüllt mich ein
mit der Farbe des Winterhimmels.

Weich wie die Haut der Jugendblüte
schmiegt er sich um die Narben
meines Lebens.

Hüll mir das Haupt mit Morgennebel,
damit das Grau meiner Haare
aufleuchtet im Schimmer des ersten Lichts.

Und dann schau zurück
in den Spiegel der Jahre bevor er erblindet,
gezeichnet vom Vergessen.

immergrün (A.W.)

Samstag, 26. November 2016

Friede im Advent

Brückenschlag
© Computergrafik von saxonia (StS) ©

Brückenschlag
Der Ursprung des Advents ist die Erscheinung,
Und wenn im Volk man ihrer gar zu lange harrt,
Dann bildet nach und nach sich diese Meinung,
Ob uns am Ende all das nicht nur schlichtweg narrt.

Es braucht etwas, um sich darein zu hüllen,
Die Möglichkeit vielleicht zu einem Brückenschlag,
Der Zeiten kürzt von Hoffen bis Erfüllen,
Erreichen hilft, was nur am andern Ufer lag.
© elbwolf (2014+16*)

Hoffnung über Land
Den Fluss aus dunkelgrauen Schatten
brückt Licht aus Mond-und Sternenschein
Novembertrauer, die wir hatten,
wird unter diesem Strahlen klein.

Advent – die Ankunft wird gefeiert.
Der Gast ist weithin unbekannt.
Nicht länger ist die Welt verschleiert,
das Licht trägt Hoffnung über Land.
(A.W. 2016)

Erstes Licht
In dunkler Zeit sehnt sich der Mensch nach Licht,
nach Frieden, Wärme und nach Sicherheit.
Wann kommt er, der es sieht als seine Pflicht,
die Welt zu einen in Geborgenheit.

Erwartet und gefeiert Jahr für Jahr:
das erste von vier Lichtern, das nun brennt.
Seit Ewigkeiten wartet sein Altar –
wo bleibt er bloß, den man den Retter nennt …
(L-R 2016)

- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
*) Neueinstellung als Teamwork nach der Erstveröffentlichung in 2014


Freitag, 25. November 2016

Verse zum Leierkasten (I)

Urheber unbekannt: Zwei Pariser Straßensänger mit ihrem Leierkasten.
(L'écho des chansonniers français; Paris 1843; Quelle: wikimedia/commons; gemeinfrei)
In meinem Lieblingsbuch, dem Stummer ("Vers, Reim, Strophe, Gedicht") war mir auf S. 97 ein Vierzeiler aufgefallen:
Ein Traum hat mich bezwungen,
zum Narren mich erwählt.
Mein Herz mit tausend Zungen –
von dir hat es erzählt!"                    
Richard Billinger (1890-1965)
Spielerisch ergänzte ich ihn um weitere 4 Verse:
Du hast dich durchgerungen ,
nicht länger mich gequält:
Ein Chor hat uns besungen –
da waren wir vermählt.
Und da war sie auf einmal da, die eigene Idee:

Neue Idee
Ich sag' jetzt nur, ich brüte
grad aus eine Idee,
die ich zwar noch behüte,
obwohl ich klar sie seh!
Ist sie erst in der Tüte
und nicht mehr scheues Reh,
dann wünschte ich, sie blühte
wie eine Orchidee.

Sperriger Reim
Ein Reim ist stets Versuchung:
er legt sich öfter quer,
bei gar zu schneller Buchung
tut mancher Vers sich schwer.
Beweist mir Untersuchung,
wie heftig seine Wehr,
verzicht ich auf Verfluchung –
zieh ihn aus dem Verkehr.

Verkehrt aufgestanden
Mit dem verkehrten Fuße
stand ich heut morgen auf –
statt wohlverdienter Muße
ein Ganztags-Dauerlauf.
Dann reuevolle Buße
bei heftigem Geschnauf …
"Macht's gut" sagt ich zum Gruße
und heb' nun einen drauf!

elbwolf (W.H.)
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
Einen kleinen Satz von Regeln könnte man noch formulieren::
1. Schwingender Rhythmus; am Zeilenanfang nur unbetonte Silbe (jambisch)
2. Verslänge nur 6 oder 7 Silben – das ist die Herausforderung!
3. Wechselreim entweder durchgehend als "abababab" mit nur zwei Reim-
silben oder aber etwas freier als "ababacac" mit dann drei Reimsilben.
4. Das Layout könnte man auch mit Zeileneinrückungen verzieren.
5. Inhaltliche Ausrichtung: lapidar bis lustig oder skurril. Eignet sich
vermutlich zur Drehwalzen-Orgel (Leierkasten) – mit ihrem "schrumm-ta".

Donnerstag, 24. November 2016

Die Lebensuhr

Astronomische Uhr im Straßburger Münster
(eigene Aufnahme der Verfasserin)


Die Lebensuhr

Die Lebensuhr hat ihr Prinzip
dort funktioniert kein Handantrieb,
die Zeit, sie rinnt in ihr wie Sand,
die Laufzeit ist stets unbekannt.

Die Sanduhr, wenn sie leergelaufen,
sie steht zwar still, doch zu gebrauchen
ist stets sie, mittig umgedreht
rinnt Sand, kein Korn verlorengeht.

Die Lebensuhr, sie zählt die Stunden...
die Tage.... manchmal nur Sekunden..
ganz unbestimmt die Erdenzeit...
bis Azrael uns gibt Geleit.

In seinem Buch steht angeschrieben,
der Endzeitpunkt, da gibts kein Schieben...
denn Leben ist auf Erden endlich...
das ist gerecht und unabwendlich...

© lillii ( L-R

Mittwoch, 23. November 2016

Zwiegespräch

Ilja Semjonowitch Ostrouchow (1858-1929): GoldenerHerbst (1887)
Standort: Moskau, Tretjakow-Galerie; Quelle: Wikimedia/commons; Lizenz: gemeinfrei
(gilt als eines der schönsten russischen Landschaftsbilder überhaupt!)


Zwiegespräch

Erzähl mir, Blatt, von diesem Jahr,
Das deines so wie meines war.

Erzähl vom Sommer im April,
Vom Mai, verregnet, nass und kühl.
Erzähl von Wettern, die dich zausten,
Von Vögeln, die den Baum behausten,
An dessen Ästen du gewohnt.

Erzähl vom wandelbaren Mond,
Erzähl von warmer Sommernacht,
Von lauer Luft und Sternenpracht,
Vom Flüstern unter deinen Zweigen,
Vom Glücklichsein, von sattem Schweigen.

Erzähl vom Herbst, weil ich gern wüsste,
Wie es mit deinem Sterben ist.
Ob du die Welt wohl auch vermisst?
Und ob der Erde, die du deckst,
Alsbald ein neuer Baum erwächst?

Erzähl mir Blatt, von deinem Jahr,
Das ein Jahr lang das meine war.

immergrün (A.W.)

Dienstag, 22. November 2016

Warnung für Besucher unseres Blogs "Versbildner"

Heute ist ein Dienstag - und da haben wir Anlass, die folgende Information an unsere Besucher weiterzugeben und eine Warnung damit zu verbinden:

Herzlichen Glückwunsch, Firefox benutzer! Sie sind heute gewinner!
Sehr geehrter Deutsche Telekom AG benutzer in Dresden.. Sie wurden als ein teil der versbildner.blogspot.de umfrage ausgewählt.
Jeden Dienstag wählen wir zufällig 10 glückliche versbildner.blogspot.de besucher, die ein werbegeschenk von unseren sponsoren erhalten.
Sollten sie ein teil dieser testgruppe werden wollen, dann müssen sie hierfür die folgenden 4 fragen richtig beantworten. als "Dankeschön" werden wir ihnen ein iPhone 6S überlassen.
Frage 1: Sind Sie eine Frau oder ein Mann?
Frage 2: …

Wir 4 Blogspot-Betreiber erklären:
Mit uns sind KEINERLEI Umfragen zu unserem Blog vereinbart worden!
Wir haben KEINERLEI iPhones (egal welcher Marke) zu verschenken!
Wir haben aber Veranlassung, unseren Besuchern von der o.a. Teilnahme ABZURATEN! Denn:
Wir WUNDERN UNS, dass die "Initiatoren" der "Umfrage" kein besseres Deutsch schreiben - das scheint uns nämlich sehr verdächtig!

Am besten und sichersten also:
Hände weg von diesem "Angebot"!

Freitag, 18. November 2016

Scherzhafte Philosophie

Ljubow Sergejewna Popowa (1889-1924): Der Philosoph, 1915
Russisches Museum, St.Petersburg; Quelle: wikimedia/commons; ©: lizenzfrei

SCHERZHAFTE  PHILOSOPHIE

Man braucht zum Leben Lebensmittel
und Geld fürs letzte Lebensdrittel.

Zum Atmen braucht man Atmosphäre,
die auch ansonsten nützlich wäre.

Beim Lesen dient das Lesezeichen
das Wichtigste herauszustreichen.

Zum Denken braucht man Denkanstöße,
denn ohne diese wär es böse.

Zum Feiern sind die Feiertage
an exklusivsten, keine Frage.

Zum Wandern gute Wanderschuhe
sind  nutzlos, ruhn sie in der  Truhe.

Auf Reisen rät der Reiseleiter.
Aus eigner Kraft kommt man oft weiter.

Ein Paddelboot, ein kleines Zelt,
und schon denkt man: Was kost die Welt?!

So hängt ein jedes Menschenkind
an Dingen, die ihm nützlich sind.

Und stundenlang könnt ich dozieren,
was man noch braucht zum vegetieren.

Ein Tipp noch für den Ruhestand:
Ein Narr, der keine Ruhe fand.

Wenn er zurück, nicht vorwärts denkt,
hat er die beste Zeit verschenkt.

(A.W. 1997)

Dienstag, 15. November 2016

Kürbiszeit - ade!

Kürbiszeit - ade! ... Und wer macht mir ein paar Verse dazu?
© Computergrafik von saxonia (StS) ©

(I)
Erloschen ist er nun, der Mond des Gartens
Der mit dem Ginkgo um die Wette strahlt
Und nun beginnt die lange Zeit des Wartens
Bis einer wieder Farbe in die Landschaft malt.

Der Katze kommt das Kürbisgold gerufen
Damit ihr von des Sommers Wärme bleibt
Noch liegt sie träge auf den Gartenstufen
Bevor der Herbst die letzte Strophe schreibt.

immergrün (A.W.)

(II)
Der Kürbis überstrahlt die Katze
mit ihren braun-gelb-weißen Farben;
er kennt die Krallen ihrer Tatze,
die manche Kürbishaut verdarben.
Er hat von Grund auf andre Pläne,
bei denen ihm die Mieze schnuppe,
und hofft auf eines Glückes Strähne –
zu enden bald als Kürbissuppe!

elbwolf (WH)

(III)
Noch ranken Blumen sich um Gartentore,
im Fenster spiegelt sich die ferne Welt.
Die Mieze und der Kürbis als Dekore,
sie runden ab das Bild, das mir gefällt.
Der fahle Himmel in der weiten Ferne
zeigt an, der Herbst sich nun zum Ende neigt.
Schon bald genießen wir der Öfen Wärme,
hör'n stille Weihnachtslieder, fromm gegeigt.

lillii (L–R)

Samstag, 12. November 2016

Anton .... hilf!

Hl. Antonius von Padua, aus dem Stundenbuch des D. Duarte (~1430)
Maler: "Meister mit den goldenen Pinseln"; Quelle: Wikimedia/commons.

Anton .... hilf!

Der Anton, das ist mein Patron
wenn ich mal was verlier;
sehr oft half in der Not er schon-
er kennt schon mein Revier-

Es könnt , denkt ich, auch manchmal sein
mir scheint's, er hat Humor
mich suchen lässt von vornherein
dass ich ihn lob im Chor.

Denn dort, wo ich Gesuchtes fand,
da schaute ich sehr oft.
hab es in Blindheit nicht erkannt
auf Wunder wohl gehofft.

So fleh ich Tünnes weiter an
weil ich ihm stets vertrau,
auf seine Hilf ich bauen kann...
und....
er hilft schon für lau.(umsonst)

© lillii ( L-R )

Samstag, 5. November 2016

Im Moor

Gerhard Wedepohl (1893-1930): Im Moor. Quelle: Wikimedia, gemeinfrei


Im Moor


Mit ihr ging ich durchs wabernde Moor
in meinen Kindertagen.
Sah die gebannte Spinnenlenor
und fühlte ein Unbehagen.
Wo häkelnde Ranken am Strauche sich bogen,
ein Rascheln man hörte im Hage
wars schaurig mir und nicht gelogen,
unheimlich war mir die Sage.

In der Schulbank sitzend sah ich vor mir
den zitternden Knaben rennen,
fürchtete, ihn erfasst ein Vampir -
würd ihn nicht retten können.
übersprang mit ihm Röhricht und Quell,
sah ihn im Moore versinken.
sein Engel am Moorrand sand Hilfe schnell;
ich sah in der Ferne ihn winken.

Erleichtert atmete ich dann auf,
als sich der Knabe gerettet,
Die Angst überstanden und wohlauf,
dass er im Moor nicht gebettet.
Ob die Adelsdame dies selber erlebt,
wer weiß es zu berichten,
Schauermärchen so sagenumwebt,
doch wusste sie trefflich zu dichten.


© lillii (L.R.), September 2016

Laubvögel

Hausspatzen, Søborg, Dänemark; Foto: Donald Hobern, 28.03.2015
Quelle: wikimedia/commons; Liz.: CC 2.0
Laubvögel

Laubvogelschwärme
Herbstluftgetragen
Lautlos
Und taumelnd ergeben dem Wind.
Wirbelnd und steigend,
Gleitend und fallend
Bis sie am Boden gelandet sind.,

Laubvogelfedern
Unter den Füssen.
Schimmernd
Glasiert von nebligem Hauch
Zerstoben, vergangen,
Abschied genommen
Wiederkehrend in Blüte und Strauch.

immergrün (AW)

Schal um die Gurgel



Plakat von Henri de Toulouse-Lautrec: Aristide Bruant mit rotem Schal, 1892.
Quelle: wikimedia/commons; das Kunstwerk ist weltweit gemeinfrei.

Schal um die Gurgel

Neulich sprach ich euch vom Deckel auf dem Kopf –
doch die Kopfbedeckung ist die eine Qual:
Hat man nämlich wohlversorgt den eignen Schopf,
stellt sofort die Frage auch sich nach dem Schal.

Schäler sind verwirrend für den biedren Tropf:
Manche sind zu breit und andre ziemlich schmal.
Jeder kennt das, ist es doch ein alter Zopf,
eines Schals Beschaffenheit ist nie egal.

Mancher Künstler hat 'nen Nischel wie ein Topf,
sonst ist aber alles an ihm recht fatal:
Hemd und Jacke fehlen jeder zweite Knopf,
was jedoch am Halse prangt, ist ein Fanal!

Schmächtig scheint vielleicht ein andrer, wie ein Pfropf,
und sein schmales Halstuch wirkt erst recht banal,
wie ein Schlips gebunden, deckt es kaum den Kropf,
keiner hielte das für eine erste Wahl.

Achtet drum, dass ihr zum Deckel auf dem Kopf
passend wählt für eure Gurgel auch den Schal!
Wohlversorgt sonst wäre nämlich nur der Schopf,
euer Hals jedoch erlitte Höllenqual.

elbwolf (WH), 04.11.2016

Freitag, 4. November 2016

Herbstliche Schnellsprechverse

Der fliegende Robert aus dem Struwwelpeter

Herbstliche Schnellsprechverse

Gleich, wohin ich manchmal gehe         ,
brauche ich noch keine Stütze,
doch worauf ich immer stehe,
das ist eine warme Mütze,
weil ich nur mit solcher Mütze
sicher bin, wie ich das sehe,
dass im Kopf mir meine Grütze
weiter dient zu Wohl und Wehe.

Wie ich's wende oder drehe,
diese Sache mit der Grütze,
ja mir selbst im Wege stehe
und fast brauchte eine Stütze –
wo ich doch gern ohne Stütze
liebend gern auf Achse gehe –
nehm ich ganz bestimmt die Mütze,
wenn ich's draußen stürmen sehe.

Frieren kann mich an der Zehe:
Unten trägt man keine Mütze.
Wie der Fuß auch darum flehe,
fehlt zudem ihm jede Grütze,
denn es sitzt ja alle Grütze
weiter oben, und ich stehe
nach wie vor ganz ohne Stütze,
weil ich nach dem Rechten sehe!

elbwolf, 02.11.2016