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Sonntag, 4. Dezember 2016

Noch etliche Leierkasten-Verse (III)

Drehorgelspieler auf der Prager Karlsbrücke
(Autor/cz: ŠJů; Foto: 5.
11. 2008; Liz.: Creative Commons 2.5 Gen.)
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Das Messer des Kochs
(… sei seine Seele – sagt man in Japan)
Das Messer ist die Seele
von Nippons jedem Koch:
Selbst eines Nörglers Kehle
ist ihm kein Anreiz noch.
Wie sehr sein Zorn auch schwele,
er lässt das Messer doch:
ihn bringt keine Querele
so nebenbei ins Loch!  

Hang-Huhn
Mein Huhn lebt nur am Hang,
und um ein Ei zu legen,
folgt es stets gleichem Drang:
sich pickend zu bewegen.
Von links läuft drum sein Gang
dem Hang-Rand rechts entgegen;
dort wendet es – gleich lang
bleibt Bein mit Bein deswegen.

Katzen-Gemaunz
Die Katzen geh'n nachts schnüren
mit Katerchen im Sinn,
und wenn sie einen spüren,
dann schmelzen sie dahin –
ihr Maunzen soll verführen
zu neuem Spielbeginn. –
Einander sich erküren,
gilt als ein Hauptgewinn!

Falkenjagd
Der Falke jagt die Tauben –
und niemals umgekehrt!
Die da was andres glauben,
die sehn die Welt verkehrt.
Doch lohnt's, ihnen zu rauben
die Einfalt, die sie ehrt,
und die, gleich Daumenschrauben,
an unsren Nerven zehrt?

Statt Tätigkeiten ... Betätigung
Der eine baut stets Stuss,
der andre schwebt in Sphären.
Daraus zieht man den Schluss –
wozu wem was erklären?
Entscheidend ist Genuss,
wie stets bei den Affären;
und nach dem Überdruss
kommt man zum Regulären.

elbwolf (WH)


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Spezielle Leierkastentexte sind selten, weil sie auch selten geschrieben wurden. Hier die mir beiden bekannten – als anklickbare Links:
(1) Theobald Tiger (alias Kurt Tucholsky): Berliner Drehorgellied (1919).
(2) Adolf Schults: Leierkastenlieder (1849); Bayerische Staatsbibliothek.
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