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Donnerstag, 26. Januar 2017

Die Dichtkunst als Ernährerin

Angelika Kauffmann (1741-1807): Die Dichtung umarmt die Malerei (1782)
Standort: Sammlung Lord Iveagh Bequest, London;
Quelle: The Yorck Project via wikimedia.commens; Liz.: weltweit gemeinfrei.



Die Dichtkunst als Ernährerin

Die Dichtkunst, sagte meine Mutter,
ist ein Geschäft ohn Brot und Butter.
Kein Mensch, von dem sie Kunde hätte,
läg nachts nicht sorgenvoll im Bette,
wär Dichtung nur sein Broterwerb.

Drum sollte ich was Rechtes lernen,
die Kunst verbannen in die Fernen,
mich fest auf meine Füße stellen
und meinen Geist mit dem erhellen,
was eine Frau zum Leben braucht.

Als braves Mädchen, das ich war,
befolgt ich das so manches Jahr,
doch blieb in meinem Hinterkopf
ein Zupfen an dem alten Zopf –
ich wollte ihn nicht tragen.

So nahm ich Stift mir und Papier
Und schrieb, ich kann ja nichts dafür,
so manchen Reim mir heimlich auf
und legt ihn auf den Stapel drauf,
für meinen Seelenfrieden.

Doch irgendwann war es mir leid,
hab' nur die eine Lebenszeit.
Ich suchte mir Gedichte aus
und machte mir ein Büchlein draus.

Ganz ohne wen zu fragen!

© A.W. (immergruen, 26.01.2017)

1 Kommentar:

  1. Glückwunsch zu diesem Gedicht!
    Die als Solitär dastehende allerletzte Verszeile sagt, dass Du letztlich Deinen Weg gefunden hast, eben "ganz ohne wen zu fragen".
    Es steht zu vermuten, dass auch Dein Mütterlein mit Dir zufrieden gewesen wäre.
    Angelika Kauffmanns Bild ist nicht die einzige Illustrationsmöglichkeit zur schreibenden Frau; wie auch Malerinnen, gab es sie schon lange, die Dichterinnen.
    Hier könnte man also durchaus noch weitere Bilder finden, reale und allegorische.
    Mit besten Grüßen - WH (elbwolf)

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