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Sonntag, 16. April 2017

Alle Vögel sind schon da (4) – Rotkehlchen

Notabene: Den Titel "Alle Vögel sind schon da" trägt ein sehr verbreitetes Frühlingslied, das Hoffmann von Fallersleben 1835 verfasste. Die Herkunft der Melodie bleibt unbekannt; der Text beschreibt und deutet in drei Strophen die Natur: (1) die Vogelarten als Frühlingsboten , die (2) als Vogelschar Frohsinn verbreiten und damit (3) bewirken, dass auch die Kinder fröhlich sind. Da im Liedtext das Wort "Zugvögel" nicht vorkommt    wollen wir  von allen "Geschnäbelten" sprechen! 
Rotkehlchen (Erithacus rubecula); Aufnahme vom  26.06.2003
Urheber: Toivo Toivanen & Tiina Toppila; Quelle: wikimedia.commons; Liz.: weltweit gemeinfrei

"Alle Vögel sind schon da …"

(4) – Wie das Rotkehlchen zum Namen kam

Vor Sonnenaufgang höre ich es singen –
mit vorgestreckter, rot betonter Brust,
von hoher Warte aus, voll Lebenslust –
hör ich sein Lied die Morgenluft durchdringen.
Als zarte Weise klingt es durch den Morgen;
es singt, als wär die Welt ganz ohne Sorgen.

Sein Name stammt von seinem roten Kehlchen,
das es erwarb, als unser Herrgott litt,
als er am Kreuze mit dem Tode stritt.
Da weinte leis sein mitleidvolles Seelchen;
es sah den Herrn mit seiner Dornenkrone,
die aufgesetzt ihm wurde nur zum Hohne.

Das Blut sah es von seiner Stirne tropfen,
und nichts konnt halten es in seinem Nest;
es flog zum Kreuze, zog am Dorne fest;
dabei hört es sein Herzchen mächtig klopfen.
Ein Tropfen Blut verfärbte sein Gefieder –
seither trägt es das ehrenvoll und bieder.

So glüht dies Rot, das schöner noch als Rosen,
auf jeder Brust der Kehlchen immerfort.
Der Herr, der nie vergißt sein Ehrenwort,
das er vergab an einen Farbenlosen …
So lasst uns lauschen früh und auch am Abend;
uns an den Tönen roter Kehlchen labend.

© L-R, 14.04.2017

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