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Im NOVEMBER 2017 würdigen wir einen Mundart-Dichter aus dem Thüringischen früherer Zeit. Als eines der letzten (hier noch nie gezeigten) "Gedichte großen Formats" stellen wir die Sestine vor. Und sonst - mal sehn!

Dienstag, 25. April 2017

Eseleien

Rudolf Neumann (1889, Christiansau/Friedland i. B. – 1960, Finsterwalde) ipse fecit:
Müller mit störrischem Esel (Schnitzwerk, Lindenholz),
aufgenommen vor Gauguins Gemälde "Goldene Ernte" (Detail);
Geschenk des Schnitzers von 1946 für ein heutiges Team-Mitglied von Versbildner.


Eseleien
Groteske

Verkennt mir nur den Esel nicht;
er ist charakterstark.
Wer meint, er sei ein armer Wicht,
der irrt, er ist autark.
Man schimpft ihn störrisch, träg, stupid –
nur weil "Iiaah" sein einzig Lied.

Im Esel schlummert jedoch mehr,
in ihm steckt ein Rebell;
er stellt sich häufig einfach quer;
ist eigen, der Gesell.
Ihn störts nicht, wenn er gilt als Tropf –
er hat nun mal 'nen eignen Kopf.

Als Vorbild gilt er manchem Mann –
auch der will oft groß raus;
und weil er's eben doch nicht kann,
geht ihm die Luft mal aus.
Rührt schließlich nichts mehr sich vom Fleck,
dann steckt die Karre tief im Dreck.

Die zieht nur noch ein Pferd heraus!

© lillii (L-R)

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