Diesen Blog haben wir 11/2016 neu gestaltet und führen ihn im Team weiter. Das verspricht mehr Vielfalt - wie man wohl schon an unseren Gesichtern ablesen könnte.
Allen Besuchern - herzliches Willkommen und viel Vergnügen bei/mit unseren Gedichten!
Im DEZEMBER 2017 würdigen wir den verdienten Mundart-Dichter Herbert Andert aus der Oberlausitz. Zum Jahresabschluss danken wir unseren Gästen und Helfern und geben allen gute Wünsche mit für 2018. Und sonst - mal sehn!

Montag, 29. Mai 2017

In deutschen Landschaften (1) – Odenwald


Notabene: Nicht: "Deutsche Landschaften" heißt es hier, sondern: "In deutschen Landschaften"! Natürlich werden die Gedichte unserer losen Folge sicher auch Orte, Bauwerke, Berge, Flüsse und Seen beschreiben – wichtiger aber sind Gedanken, Inspirationen, Gefühle und die Menschen, die unsere Gedichteschreiber bei ihren Aufenthalten dort erlebt haben!
Typische Landschaft im Odenwald
Autor&©: Heinz Niepoetter, 29.03.2013; Quelle: wikimedia.commons; Liz.: CC-BY-SA 3.0

"In deutschen Landschaften … "
(1)   – Im Odenwald

Das Wäldchen stellt die Jalousie auf Lücke,
die Felder stehn in neongelbem Licht,
der Fluss umtanzt die Pfeiler seiner Brücke
und keine Wolke trübt der Augen Sicht.

Die Sonne zeichnet Kringel auf die Blätter.
Die Stille hallt ganz laut in meinem Kopf,
und dieses erste warme Sommerwetter
beschert den Weiden einen grünen Zopf.

Ich gebe den Gedanken weite Schwingen.
Die Zeit tropft träge auf gesenktes Lid.
Um mich herum ein Summen und ein Singen.
Und wieder ist's ein Bild, das sich entzieht.

Die Bäume rascheln leise mit den Zweigen,
im hohen Blau ein schriller Schwalbenschrei.
Sie sind zurück! Jetzt müssen sie sich zeigen.
Ach, bliebe er doch immer, dieser Mai!

© A.W. (Mai 2017)

Freitag, 26. Mai 2017

Bäume schlagen aus & grünen (4) – Die Espe


Notabene: Jeder kennt den volksliedhaften Vers "Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus" – und wie machen es die Nadelbäume? Und dann noch aus jenem Musical "Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühn" – als ob sie dort die "Grünblüher" hätten! Aus beiden Liederzeilen haben wir ein eigenes Motto gemacht, das logischer erscheint. In einer Endlosfolge lassen wir hier Bäume jeglicher Art durch den Mund unserer Gedichteschreiber sprechen – auf denn!
Espen (Populus tremula) bei Marburg in Hessen
Autor&©: Willow, 29.4.2007; Qoelle: Wikimedia.commons; Liz.: CC-BY-SA 2.5

 "Bäume schlagen aus & grünen … "
(4) – Die Espe

Es wiegt sich die Espe im Winde,
dann spricht sie zum grünen Gesinde:
Ich sag' euch jetzt, wenn auch gelinde,
weshalb ich dem Sturm mich verbinde,
und was, wenn er weht, ich empfinde,
auch ferner, bis einst ich verschwinde:

Ach, soll doch der Stamm mir zersplittern,
nur – fühlt' ich die Blätter erzittern!

So sind wir, oft trutzig wie Bäume,
und hängen uns lange an Träume,
die vage nur sind, mehr wie Schäume.
Wer fürchtet nicht, dass er versäume,
bevor er es sattle und zäume,
was ständig erfüllt seine Räume:

Nur einmal vor Lust ganz erzittern,
dann möge das Leben zersplittern.

elbwolf (WH, 08/2016)

Mittwoch, 24. Mai 2017

Bäume schlagen aus & grünen (3) – Wenn Bäume alt werden (Flora von Bistram a. G.)


Notabene: Jeder kennt den volksliedhaften Vers "Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus" – und wie machen es die Nadelbäume? Und dann noch aus jenem Musical "Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühn" – als ob sie dort die "Grünblüher" hätten! Aus beiden Liederzeilen haben wir ein eigenes Motto gemacht, das logischer erscheint. In einer Endlosfolge lassen wir hier Bäume jeglicher Art durch den Mund unserer Gedichteschreiber sprechen – auf denn!
"Bäume schlagen aus & grünen … " (Flora v. Bistram a. G.)
(3) – Wenn Bäume alt werden
. / .
Der alte Kirschbaum (Ballade)

Ich gehe durch verlass'nes Land,
verschlungen stehen Kraut und Blumen,
zerborsten ist schon lang die Wand
des Hauses, und die dunklen Krumen

der Erde liegen hart und schwer,
doch sehe ich im Nähergehen,
mit Zweigen, völlig blätterleer,
den dürren Kirschenbaum dort stehen.

Die Stimme seufzt im leichten Wind:
"Oh bitte, hör und lass mich fragen,
wo meine ganzen Kräfte sind?
Ich möchte wieder Blüten tragen!

Ich möcht der Kinder Jubel sehn,
ihr Klettern fühlen in den Zweigen,
wenn blutrot dann die Kirschen stehn,
will ich für sie die Äste neigen."
Ganz zart berühr ich Ast um Ast,
umarme ihn dann voll Erbarmen,
fühl rau und rissig, schmerzend fast,
die harte Rinde an den Armen.

"Sei ruhig, bleib ruhig, nimm Kraft von mir,
davon kann ich so viel verschenken,
vielleicht kann meine Liebe dir
die Lebenssäfte zweigwärts lenken.“

Nach Tagen geh ich durch die Au,
erlebe tief das Frühlingsgrüßen.
Als ich zum alten Kirschbaum schau
seh glücklich ich die Knospen sprießen.

Dann neulich rief er mir laut zu:
"Schau her, ich habe mich bemüht,
den Lebensspender riefest du."
Ganz herrlich war ein Zweig erblüht!

                                       Und nun steckt er geballte Kraft
                                       in einen Ast, der Kirschen zeigt.
                                       Beweis, dass man noch vieles schafft,
                                       sogar, wenn sich das Leben neigt.


© Flora von Bistram; veröffentlicht u. a. in:
Licht und Schatten II, ISBN: 373474184X; BoD

. / .

Die alte Eiche und der Frühling

Die alte Eiche lässt sich Zeit,
sie schaut dem munt'ren Treiben zu
und wartet ab, in aller Ruh -
noch ohne neues Blätterkleid.
Auch wenn um sie schon alles blüht,
sie kannte niemals Hast.
Zwar steht voll Knospen jeder Ast,
doch ist sie nicht bemüht,
schon jetzt die Blätter zu entfalten.
Im Herbst wird sie sie lang behalten.

© Flora von Bistram; veröffentlicht u. a. im
Blog "Gedichte Lyrik Poesie"


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Unsere heutige Gastautorin, Flora von Bistram, beschreibt in ihrem Profil auf community.seniorentreff, was sie schätzt und mag:  Erzählende Stille; staunendes Schweigen; seelenfüllende Worte; Menschen, die menschlich sind. Alles weitere über sie müsse man sich schon die Mühe machen herauszufinden. Die anderen aber kennt sie genau und meint: Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und zum Schluss gewinnst Du …
Flora hat eine große Homepage floras nachtfluege, die wir auch im Blogroll von Versbildner listen (s. rechts) und die u. a. eine große Auswahl ihrer Gedichte enthält. Dort lässt sie auf der Seite "ich bin ich" den interessierten (oder bloß neugierigen) Leser auch Details über sich und ihre Familiengeschichte und über ihre veröffentlichten Bücher erfahren. Übrigens hat sie beide hier wiedergegebenen Fotos selbst aufgenommen (Rechte von ihr vorbehalten).
Wir sind Flora für ihren Gastbeitrag auf Versbildner sehr verbunden und dankbar!

Montag, 22. Mai 2017

Bäume schlagen aus & grünen (2) – Die Weide


Notabene: Jeder kennt den volksliedhaften Vers "Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus" – und wie machen es die Nadelbäume? Und dann noch aus jenem Musical "Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühn" – als ob sie dort die "Grünblüher" hätten! Aus beiden Liederzeilen haben wir ein eigenes Motto gemacht, das logischer erscheint. In einer Endlosfolge lassen wir hier Bäume jeglicher Art durch den Mund unserer Gedichteschreiber sprechen – auf denn!
Trauerweiden im "Monumental Garden" von Cornjum, Martenastate Rijksmonument, Niederlande
Autorin&©: Agnes Monkelbaan, 14.04.2017; Quelle: wikimedia.commons; Liz.: CC-BY-SA 4.0

"Bäume schlagen aus & grünen … "
(2) – Die Weide im Frühling

Guten Morgen, kleine Weide!
Heut im frühlingszarten Kleide?
Hat dein Zieren jetzt ein Ende,
weil du plötzlich ganz behände
deine junge Schönheit zeigst?

Denn du präsentierst das zarte,
außerordentlich aparte
zauberhafte blättergrüne,
doch recht ungewöhnlich kühne
Hutmodell für die Saison.

Und der Spatz, kein großer Sänger,
tschilpt mal kürzer oder länger
dir zu Ehren die Kanzone
ganz hoch oben in der Krone –
völlig ohne Partitur.

© immergruen (A.W., Mai 2017)

Bäume schlagen aus & grünen (1) – Der Ahorn


Notabene: Jeder kennt den volksliedhaften Vers "Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus" – und wie machen es die Nadelbäume? Und dann noch aus jenem Musical "Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühn" – als ob sie dort die "Grünblüher" hätten! Aus beiden Liederzeilen haben wir ein eigenes Motto gemacht, das logischer erscheint. In einer Endlosfolge lassen wir hier Bäume jeglicher Art durch den Mund unserer Gedichteschreiber sprechen – auf denn!
Ahorn im Wandel der Jahreszeiten
Urheber&Fotomontage: Agnostizi, 22.08.2011; Quelle: wikimedia.commons; Liz.: gemeinfrei gestellt
 "Bäume schlagen aus & grünen … "

(1) – Der Ahorn

Der Ahorn zeigt im Lauf der Jahreszeiten
nicht nur das Grün gleich anfangs der Saison,
das Farbenspiel der luftig-hellen Kronen,
in denen starke Zauberkräfte wohnen,
das gibt dem Frühling gleichsam die Fasson;
welch lustig Spiel sind selbst die Schattenseiten!
In ihnen spürt man neue Energie,
Gelassenheit und Ruhe, Harmonie.

Ein Ahornbaum – als Schutz im eignen Garten –
vermittelt Ruhe und Geborgenheit.
Sein fünffingriges Blatt ist wie die Hand,
die Unheil wehrt; Lebendigem – Garant.
Die Säfte seines Stammes sind bereit
für Kranke bei Beschwerden vieler Arten.
Und fällt man ihn zuletzt, gibts kein zurück –
er wird zum vielgeliebten Möbelstück.

Das Ahornblatt schmückt vielerlei Symbole.
Mit Stolz flaggt Kanada das Ahornblatt:
den Sportlern dort ist das ihr Markenzeichen,

das sie beflügelt, Siege zu erreichen.
Auch Sagen gibts, die nur der Ahorn hat –
erscheint es nicht wie eine Kapriole,

dass dieser Baum dem Ares war geweiht?
Nicht Ahorn ist, was ständig uns entzweit!

© lillii (L-R, Mai 2017)

Mittwoch, 17. Mai 2017

Ein Park im Mai

Foto & ©: Die Verfasserin

Ein Park im Mai

Noch unbewandert liegt der Park …

Mein Schritt ist langsam, ohne Hast.
Hier lasse ich der Seele Last,
und meine Augen dürfen sehn,
derweilen meine Füße gehn.

Der Rasen grün und kurz geschoren,
er räkelt sich wie neu geboren.
Die Blätter bieten sich der Sonne,
zu ihrer Freud', zu meiner Wonne.

Das Immergrün im Schutz der Mauer
erscheint im Schatten dunkelblauer.
Mit seinem saftig grünen Blatt
streicht es die Sorgenfalten glatt.

Und mit der Sonne steigt der Tag …

© A.W.,  Mai 2017

Sonntag, 14. Mai 2017

Mundart-Verse (2) – Höchstalemannisch (E. Blumenstein als Gast)

Notabene: Fortsetzung der losen Folge von Gedichten, die ihre Verfasser/Innen in Mundart schreiben. Der Begriff mag für Sprachwissenschaftler etwas unscharf sein – hier steht er für Gedichte, die man in solcher "Würze" nur in "Regionalsprachen" findet. Auch sind sie den formalen poetischen Auflagen durch das Hochdeutsche weit weniger (oder nicht) verpflichtet.
Für Unkundige, die gar manches Mal "begriffsstutzig" sein würden, gibt es im Fall der Fälle eine hochdeutsche Übertragung (wenn gereimt, in dabei üblichen Akzent- oder Knittelversen).

Teichrosen auf dem See in einem Vogelschutzgebiet
Foto&©: Oksana Golovko, 29.07.2013; Quelle: wikimedia.commons; Liz.: CC BY-SA 3.0

 Vor e paar Wuche (1991)


Vor e paar Wuche händ
d Teichrose dusse em Weijer
no blüeht ond en Fischer hät
stoisch uf en Bess g warted.

D Libälle händ tanzend
ond nomol Hochzit g fired,
wie wänn si g wüsst hätted,
dass eri Zit bald verbi esch.

Es flocked, Nordloft loht schudere;
d Bank bem Feschstäg esch läer.
Näbelschwade liged uf em Wasser;
es dampfd we inere Häxechuchi.

Jo, d Libälle händ recht g ha
vor e paar Wuche.

Churz abonde (1992)

We goht s?
S goht.
We spoht esch es?
Spoht.
Besch zwäg?
Schoh. Ond du?
Ech au.
Chan ech dr hälfe?
Worum?
Ech ha nume g meint.
Aha dorum.

D Narre sterbed us (1995)

Früehner hät mer g säit
d Chind ond d Narre
säged d Worret.

D Chind säged sie hütt noh
d Narre stärbed us.
Wie doch d Zit vergoht (2015)

Früehner
ben i de Zit
emmer wiit voruus g si.

Hüt
lauf ech ere hindeno.

© Ernst Blumenstein
(aus den Jahren 1991 – 2015)
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Unsere heutiger Gast wurde 1942 in der Gemeinde Baden im Kanton Aargau, Schweiz, geboren; Baden liegt wenig südlich vom Mittelstück des Hochrheins. Beruflich ein Tausendsassa, von den Neigungen ein Weltenbummler; lebt Ernst jetzt als Rentner in Tägerig a. d. Reuss im gleichen Kanton.
Er schreibt seit längerem Mundart-Gedichte in der südlichsten Version des Alemannischen (vereinfacht Schwyzerdütsch genannt), die er seit einiger Zeit als Jahresgaben der Familie und Freunden schenkt.
Ernst führt einen Internet-Blog über Gott und die Welt, über Reisen, Natur, Begebenheiten usw.
Mehr alemannische Mundart-Lyrik haben er und weitere Mitstreiter auf eine Webseite gestellt.
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Übertragung (keine Nachdichtung!) in "Schriftdeutsch":
???  "Häxechuchi" - "besch zwäg?" – "Worret" – "hindeno"  ???
Hier drunter findet sich der Rätsel Lösung!

Vor ein paar Wochen (1991)

Vor ein paar Wochen haben
die Teichrosen draußen am Weiher
noch geblüht und ein Fischer hat
stoisch auf einen Fischbiss gewartet.

Die Libellen haben getanzt
und nochmals Hochzeit gefeiert,
wie wenn sie gewusst hätten,
dass ihre Zeit bald vorbei ist.

Es tröpfelt, Nordluft lässt einen frösteln;
die Bank beim Fischersteg ist leer.
Nebelschwaden liegen über dem Wasser;
es dampft wie in einer Hexenküche.

Ja, die Libellen hatten recht gehabt
vor ein paar Wochen.

Kurz angebunden (1992)

Wie geht's?
Es geht.
Wie spät ist es?
Spät.
Bist du auf dem Damm?
Schon. Und du?
Ich auch.
Kann ich dir helfen?
Warum?
Ich hab nur so gemeint.
Aha, darum.

Die Narren sterben aus (1995)

Früher hat man gesagt
die Kinder und die Narren
sagen die Wahrheit.

Die Kinder sagen sie heute noch
die Narren sterben aus.
Wie doch die Zeit vergeht (2015)

Früher
bin ich der Zeit
immer weit voraus gewesen.

Heut
lauf ich ihr hinterher.

Nach den alemannisch/schwyzerdütschen Originalen von Ernst Blumenstein

Donnerstag, 11. Mai 2017

Eos und ihr Lied


  
Eos und ihr Lied
(Canzone toscana)


Es war im Mai, die Nacht war voller Töne.
Sie lag noch schlafend unter blauem Pfühl.
Der Morgen öffnete die Augenlider.
Und Eos stieg empor, die junge Schöne,
im Morgentau erschien sie frisch und kühl –
mit ihr kam Duft von neu erblühtem Flieder.
Und plötzlich hört ich`s wieder,
das Lied voll Sehnsucht und so viel Gefühl!
Es wärmte mir das Herz mit seinem Klange.
Sein Echo blieb. Ich hörte es noch lange.


© immergruen (A.W., 2016)

 W. A. Bouguereau (1825-1905): L'Aurore / Morgenröte / Eos (1881)   
Birmingham Mus. of Art, USA; wikimedia.commons; gemeinfrei   

Montag, 8. Mai 2017

Die Morgengabe

Buchtitel einer Anthologie aus Ausgaben
der Deutschen Buchgemeinschaft; Anfang der 1920/30er Jahre


Die Morgengabe
Stanzen o. Ottaverimen

Erkenntlichkeit durch eine Morgengabe
bezeugt der Mann ihr nach verbrachter Nacht,
wie sehr er sich im Nachhinein noch labe
an all dem Neuen, das er nie gemacht;
und erst die Dinge, die man vor sich habe,
sind überhaupt nicht einmal angedacht.
Am ersten Morgen ginge das als Sicht,
auf Dauer brauchte es wohl mehr an Licht.

Da stünde Morgengabe für das Hoffen,
das man beim Kennenlernen nur erahnt,
in Wahrheit fühlt man sich doch leicht betroffen –
es ist nicht abzusehn, was sich noch bahnt.
Denn Mögliches steht nie auf ewig offen,
zur Eile andrerseits sei nicht gemahnt …
Wie wahrt man also eigenes Gesicht,
und äußert andrerseits nicht den Verzicht?

Was wäre eine Gabe für den Morgen
an einem nahezu schon jeden Tag?
Was nähme unversehens alle Sorgen,
die Misslichkeiten, die man gar nicht mag?
Ihr wollt euch hier von mir Ideen borgen?
Ich ahne es: ihr nehmt mich in Beschlag …
So wisst –  ich kenne ein Vergissmeinnicht
und widme der Erwählten ein Gedicht!

elbwolf, 7.5.2017

Freitag, 5. Mai 2017

Mai – ein Monatsbild

Gerard Horenbout u. a.: Breviarium Grimani, Monatsbild Mai (Buchmalerei/Pergament, ~1510)
Standort: Nationale Markusbibliothek, Venedig; Quelle: wikimedia.commons; gemeinfrei.
Die Wortwurzel von Mai, *mag, weist auf Wachstum und Vermehrung und reiht damit den Monat
in das ursprüngliche römische Bauernjahr ein; das Vieh wurde nun wieder auf die Weide getrieben.
Etwa seit dem 13. Jh. wird der Mai in Europa mit Maifeiern, -umgängen und -ritten gefeiert.
Mai – ein Monatsbild

Gefeiert wird der Monat Mai,
löst endlich er doch alle Bande,
stellt jedem die Bewegung frei –
belebten Orts wie auf dem Lande.

Man rüstet sich zu frohem Fest;
nur ist die Lustbarkeit verschieden,
der eine zehrt schon jetzt vom Rest,
der andre gibt sich selbstzufrieden.

Die Knappen blasen turbulent
mit vollen Backen die Posaune;
ein Grünrock, nächst dem Dirigent,
zeigt lächelnd seine gute Laune.

Im Sattel sitzt die holde Frau,
wie's schicklich ist für eine Dame.
Sie stellt in Wahrheit sich zur Schau,
hofft auf dezente Fühlungsnahme.

Die Ränke schmiedet man gewandt,
formt sie zur handfesten Intrige
und wartet schließlich wie gebannt,
wer dieses Jahr denn wen noch kriege.

© WH (elbwolf, 05.05.2017)
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○ Link auf eine populäre Darstellung des Mai in mittelalterlicher Zeit.
○ Link auf eine Sammlung von Lyrik- und Prosa-Titel über den Mai.