Diesen Blog haben wir 11/2016 neu gestaltet und führen ihn im Team weiter. Das verspricht mehr Vielfalt - wie man wohl schon an unseren Gesichtern ablesen könnte.
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Im DEZEMBER 2017 würdigen wir den verdienten Mundart-Dichter Herbert Andert aus der Oberlausitz. Zum Jahresabschluss danken wir unseren Gästen und Helfern und geben allen gute Wünsche mit für 2018. Und sonst - mal sehn!

Sonntag, 14. Mai 2017

Mundart-Verse (2) – Höchstalemannisch (E. Blumenstein als Gast)

Notabene: Fortsetzung der losen Folge von Gedichten, die ihre Verfasser/Innen in Mundart schreiben. Der Begriff mag für Sprachwissenschaftler etwas unscharf sein – hier steht er für Gedichte, die man in solcher "Würze" nur in "Regionalsprachen" findet. Auch sind sie den formalen poetischen Auflagen durch das Hochdeutsche weit weniger (oder nicht) verpflichtet.
Für Unkundige, die gar manches Mal "begriffsstutzig" sein würden, gibt es im Fall der Fälle eine hochdeutsche Übertragung (wenn gereimt, in dabei üblichen Akzent- oder Knittelversen).

Teichrosen auf dem See in einem Vogelschutzgebiet
Foto&©: Oksana Golovko, 29.07.2013; Quelle: wikimedia.commons; Liz.: CC BY-SA 3.0

 Vor e paar Wuche (1991)


Vor e paar Wuche händ
d Teichrose dusse em Weijer
no blüeht ond en Fischer hät
stoisch uf en Bess g warted.

D Libälle händ tanzend
ond nomol Hochzit g fired,
wie wänn si g wüsst hätted,
dass eri Zit bald verbi esch.

Es flocked, Nordloft loht schudere;
d Bank bem Feschstäg esch läer.
Näbelschwade liged uf em Wasser;
es dampfd we inere Häxechuchi.

Jo, d Libälle händ recht g ha
vor e paar Wuche.

Churz abonde (1992)

We goht s?
S goht.
We spoht esch es?
Spoht.
Besch zwäg?
Schoh. Ond du?
Ech au.
Chan ech dr hälfe?
Worum?
Ech ha nume g meint.
Aha dorum.

D Narre sterbed us (1995)

Früehner hät mer g säit
d Chind ond d Narre
säged d Worret.

D Chind säged sie hütt noh
d Narre stärbed us.
Wie doch d Zit vergoht (2015)

Früehner
ben i de Zit
emmer wiit voruus g si.

Hüt
lauf ech ere hindeno.

© Ernst Blumenstein
(aus den Jahren 1991 – 2015)
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Unsere heutiger Gast wurde 1942 in der Gemeinde Baden im Kanton Aargau, Schweiz, geboren; Baden liegt wenig südlich vom Mittelstück des Hochrheins. Beruflich ein Tausendsassa, von den Neigungen ein Weltenbummler; lebt Ernst jetzt als Rentner in Tägerig a. d. Reuss im gleichen Kanton.
Er schreibt seit längerem Mundart-Gedichte in der südlichsten Version des Alemannischen (vereinfacht Schwyzerdütsch genannt), die er seit einiger Zeit als Jahresgaben der Familie und Freunden schenkt.
Ernst führt einen Internet-Blog über Gott und die Welt, über Reisen, Natur, Begebenheiten usw.
Mehr alemannische Mundart-Lyrik haben er und weitere Mitstreiter auf eine Webseite gestellt.
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Übertragung (keine Nachdichtung!) in "Schriftdeutsch":
???  "Häxechuchi" - "besch zwäg?" – "Worret" – "hindeno"  ???
Hier drunter findet sich der Rätsel Lösung!

Vor ein paar Wochen (1991)

Vor ein paar Wochen haben
die Teichrosen draußen am Weiher
noch geblüht und ein Fischer hat
stoisch auf einen Fischbiss gewartet.

Die Libellen haben getanzt
und nochmals Hochzeit gefeiert,
wie wenn sie gewusst hätten,
dass ihre Zeit bald vorbei ist.

Es tröpfelt, Nordluft lässt einen frösteln;
die Bank beim Fischersteg ist leer.
Nebelschwaden liegen über dem Wasser;
es dampft wie in einer Hexenküche.

Ja, die Libellen hatten recht gehabt
vor ein paar Wochen.

Kurz angebunden (1992)

Wie geht's?
Es geht.
Wie spät ist es?
Spät.
Bist du auf dem Damm?
Schon. Und du?
Ich auch.
Kann ich dir helfen?
Warum?
Ich hab nur so gemeint.
Aha, darum.

Die Narren sterben aus (1995)

Früher hat man gesagt
die Kinder und die Narren
sagen die Wahrheit.

Die Kinder sagen sie heute noch
die Narren sterben aus.
Wie doch die Zeit vergeht (2015)

Früher
bin ich der Zeit
immer weit voraus gewesen.

Heut
lauf ich ihr hinterher.

Nach den alemannisch/schwyzerdütschen Originalen von Ernst Blumenstein

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