Diesen Blog haben wir 11/2016 neu gestaltet und führen ihn im Team weiter. Das verspricht mehr Vielfalt - wie man wohl schon an unseren Gesichtern ablesen könnte.
Allen Besuchern - herzliches Willkommen und viel Vergnügen bei/mit unseren Gedichten!
Im SEPTEMBER 2017 setzen wir mit "Kölsch" von einer Kölner Poetessa die Mundart-Dichtung mit eingeladenen Gästen fort. Außerdem ergänzen wir bereits begonnene Serien, u. a. über "Verschwindende Wörter". Und sonst - mal sehn!

Donnerstag, 29. Juni 2017

Villon / im ehem. Greifenverlag (2) – Eroberung der Frau

Diese Folge aus Einleitung und vier Gedichten ist einem ehem. Verlag gewidmet,
dem Greifenverlag zu Rudolstadt und seinen Buchkünstlern,
anhand des historischen Romans "Villon, den ganz Paris gekannt"
von Autorin Johanna Hoffmann; illustriert von der Grafikerin Erika Müller-Pöhl
 
Illustration: Erika Müller-Pöhl, 1973 im Greifenverlag; zu Buchseite 143
– z. Z. sind keine weiteren Angaben verfügbar –  *)
 
Villon / im ehem. Greifenverlag
(2) – Eroberung der Frau
          (Canzone toscana)

Villon ist einundzwanzig grad geworden,
besteht an der Sorbonne den Magister –
und wird gar nicht so sehr vom Stolz ergriffen.
Die Lust bedrängt ihn, will schier überborden:
die er gewählt, für sie zieht er's Register.
Im Heiratsantrag – jedes Wort geschliffen!
Doch was die Spatzen pfiffen,
ist eben doch nicht bloß so ein Geknister …
Jetzt soll die stolze Kathrin sich entscheiden:
den Burschen nehmen oder lieber meiden?

Missfällt ihr doch sein Leben ab der Wiege,
Gerüche von der Straße, biedre Kleider;
sie tändelt, wartet drauf, dass er erlahme.
Bald greift die eingefädelte Intrige –
ein Adelsspross hat eben bessre Schneider,
gewinnt bald Herz und Geld der jungen Dame.
Das ist ja das Infame:
es macht Villon zum lebenslangen Neider.
Sein Ziel, die Frau der Träume zu erringen,
das wird er fortan niemals mehr erzwingen.

Wolfgang H. (elbwolf, Juni 2016; durchgesehen Juni '17)

*) Disclaimer
Der Blogger dieser insg. 5-teiligen Folge hat große Anstrengungen unternommen, den evtl. Rechteinhaber für die reproduzierten Illustrationen ausfindig zu machen, jedoch ohne Ergebnis. Er gibt hiermit seiner Überzeugung Ausdruck, dass es der Künstlerin lieber sein würde, dieser bescheidenen Ehrung auch ungefragt zuzustimmen, bliebe doch sonst nur die ungenannte Präsenz auf Wühltischen von Trödelmärkten.
Auf begründete Forderung hin würden die Abbildungen natürlich gelöscht.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen