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Montag, 25. September 2017

Der Herbst zieht ein

Herbstwald in Deutschland / Aufnahme: 30.10.2004
Foto + ©: Martin Heiß; Quelle: wikimedia.commons; Liz.: GFDL resp. CC BY-SA 3.0

Der Herbst zieht ein


(1)  Herbstspaziergang

Aufgereiht am Sonnenfaden,
Sommermüde,  träge, leer,   
Kreiseln sie jetzt  kraftentladen,
Vor dem Wind am Boden her.

Ihre Hülle, Gold geworden,
Leuchtet auf im Sonnenlicht,
Das sich in dem Tropfenspiegel
Letzter Nacht in Farben bricht.

Meine Füsse gehen zögernd
Ihren Weg durch welkes Laub,
Denn im Rascheln meiner Tritte
Wird es wieder Erdenstaub.

(2)          Sommerende

Auf leisen Sohlen
Schleicht er sich davon
Und meint, es sei unmerklich.
Doch das Licht,
Das er der Sonne stahl,
Nahmen die Blätter,
Die Wärme seiner Tage
Bekamen die Früchte,
Die Kühle des Morgens
Blieb den Wiesen
Und mit einem
Regentropfenballett
Auf dem Balkongeländer
Meint er,
Er mache mir
Den Abschied
Leichter.
(3)          Herbstmorgen

Am Morgen
Lag der Herbst
Vor meiner Tür.
Altweibersommer
Wiegt ihm
Seine Träume.
In Nebelschleier
Hüllt sich
Das Gesträuch
Und kühler Hauch
Benetzt
Das Laub
Der Bäume.


(4)  HOFFNUNG

Wenn die Blätter sich verfärben
Und der Herbst sein Gold verspinnt,
Wenn die Nebel in den Tälern
Geister weben, dann beginnt
Er sein Spiel auf großer Bühne,
Legt den Vorhang nebelgrau
Luftig leicht wie Zuckerwatte       
In des Herbstes Morgentau. 

Magier der satten Farben
Und der großen Illusion,
Schafft er mit dem Farbenzauber
Einsicht, Weitsicht und Vision.

Abschied nimmt man mit den Augen,
Mit dem Herzen, doch man weiß,
Dass nach langen Winterwochen
Kälte, Finsternis und Eis
Neues Leben wird entstehen,
Neuer Kreislauf, neues Licht,
Neue Farben, neues Sehen.  
Ohne Abschied hofft man nicht.

© immergruen (A.W.)
The tree and the leaf / Der Baum und das Blatt
Urheber: Beyond silence (2004); Quelle: wikimedia.commons; Liz.: CC BY-SA 3.0

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