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Montag, 5. März 2018

Der Gesang (2) – Die Tenöre

"Die Sänger von Finsterwalde"; Foto-Atelier Karras, Finsterwalde (Niederlausitz)
Postkartendruck im Verlag VEB Bild und Heimat, Reichenbach i. V., (1963 ff)
* am 30.07.1973 gelaufene Postkarte, privat zugestellt erhalten *
Der Gesang (2) – Die Tenöre

Sie brauchen keine Partitur – Tenöre –
um kunstvoll darzubieten manches Lied:
sie sind partout das Rückgrat aller Chöre.
Die viere hier, die brauchen, wie man sieht,
nur Handschuh, Fräcke, Westen und Zylinder,
dazu noch jeder einen weißen Binder!

Ich sitz im Publlikum, ganz Ohr, und höre
mir jede ihrer Noten einzeln an.
Ich bin mir ziemlich sicher – nein: ich schwöre:
dass ich die Noten auch so singen kann.
Bald geh ich als Tenor und sing den Helden –
dann hab ich endlich auch was zu vermelden.

Die Frauen, die ich mit Gesang betöre,
sobald die höchsten Noten ich erklimm –
wenn mich nicht eine einzige erköre,
da stünde es um mein Gesangstum schlimm!
Sie werden rühmen mich ob meiner Weisen
und mich mit ihrem Liebesstöhnen preisen.

Dass sich, so hoff ich, niemand daran störe,
wenn ich der Schönsten schriebe ein Gedicht,
vertonte es und säng's für diese Göre –
wie wäre sie danach auf mich erpicht!
Im siebten Himmel würde ich dann schweben,
zu meiner kleinen Göttin sie erheben …

Die Allermeisten bleiben Amateure,
für die kein Stern am Himmel oben glänzt;
sie wären gern des Schicksales Dompteure,
die man mit Lorbeerzweigen grün bekränzt –
doch stehender Applaus geht nicht zu zwingen,
zu selten will das hohe "C" gelingen.

© Luzie R., Wolfgang H. (Teamwork) 
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PS:
Mein Interesse und die Beteiligung an der "Reimerei" rühren
daher, dass ich Finsterwalde in der Niederlausitz einst recht
gut kannte. Beide Großeltern hatten die Umsiedlungen nach
Kriegsende dorthin verschlagen, und ich durfte Jahr für Jahr
meine großen Ferien in der Sängerstadt verbringen … aber
sängerisch abgefärbt hat es trotzdem nicht! W.H.

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