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Donnerstag, 12. April 2018

Lebenssinn und Lebensinhalt

Hamlet, mit Yoricks Schädel; /5. Aufzug, 1. Auftritt *)/
Zeichner: Henry Courtney Selous (1803-90; Zeichnung ~1868?)

Lebenssinn

Manch einer möchte dauernd
den Lebenssinn ergründen,
und fragt sich dann, erschauernd,
worin wird das noch münden.

Wer kann schon Wahrheit künden,
sei Suchen selbst beständig –

erst wenn Gedanken zünden,
dann wird der Sinn lebendig,

Gesucht wird meist vergeblich.
Der Sinn ist: einfach "leben";
nimm's leicht, dann wird erheblich
Gewinn sich draus ergeben.

Dein Leben, leicht ob schwer,
nimm's an, wie's ist: leger.

© Luzie -R. (lillii, 9.3.2018)


Lebensinhalt

Wer wollte es dir denn verübeln,
dass du den Lebenssinn ergründest,
mit anderen, die auch so grübeln,
zu diesem Zwecke dich verbündest.

Ist man mit weiteren im Bunde,
verfällt man nicht so schnell in Trance;
das wäre eine gute Kunde
und gäbe dir manch neue Chance.

Verbringst du Zeiten auch mit Suchen,
erfüllst du trotzdem dir dein Leben
und kannst es als Erfolg verbuchen,
denn schließlich wird sich eins ergeben:

Dein Dasein hat zum Lebenssinn,
dass du es ausfüllst mit Gewinn!

© Wolfgang H. (elbwolf; 10.3.2018)
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Anmerkung:
Beide kleinen Gedichte sind in der Art des englischen Sonetts abgefasst, weisen aber weniger Versfüße auf. Zudem ist die Reimstellung mit Kreuzreimung in allen drei Quartetten und immer neuen Reimsilben einfach auszuführen. Es wäre aber ein Anreiz gegeben, die Gedichtinhalte in die vollständigen Sonettformen umzuschreiben, deren Reimschemata deshalb hier angefügt sind:

altitalienisch: abababab – cdecde         (nur jambische Elfsilber)
englisch:       abab – cdcd – efef – gg
deutsch:       abba – abba – {ccd-eed, cdd-cee, cdc-dee, cdc-ede, cde-cde}

*) Die Stelle, auf die sich die IIlustration bezieht, lautet:
Erster Totengräber. … Dieser Schädel da war Yoricks Schädel, des Königs Spaßmacher.
Hamlet. Dieser? (Nimmt den Schädel.)
Erster Totengräber. Ja, ja, eben der.
Hamlet. Ach, armer Yorick! – Ich kannte ihn, Horatio, ein Bursche von unendlichem Humor, voll von den herrlichsten Einfällen. Er hat mich tausendmal auf dem Rücken getragen, und jetzt, wie schaudert meiner Einbildungskraft davor! Mir wird ganz übel. Hier hingen diese Lippen, die ich geküsst habe, ich weiß nicht wie oft. Wo sind nun deine Schwänke, deine Sprünge, deine Lieder, deine Blitze von Lustigkeit, wobei die ganze Tafel in Lachen ausbrach? Ist jetzt keiner da, der sich über dein eigenes Grinsen aufhielte? Alles weggeschrumpft? Nun begib dich in die Kammer der gnädigen Frau und sage ihr, wenn sie auch einen Finger dick auflegt: so ’n Gesicht muss sie endlich bekommen; mach sie damit zu lachen! – Sei so gut, Horatio, sage mir dies eine.
Horatio. Und was, mein Prinz?
Hamlet. Glaubst du, dass Alexander in der Erde solchergestalt aussah?
Horatio. Gerade so.

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