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Montag, 28. Mai 2018

Ballade-5: Laotse (Heliane Meyer a. G.)

Ikarashi Shunmei: Laozi on water buffalo, holding scroll in right hand (18thC).
Painting, hanging scroll. Ink and colour on silk. Signed and sealed.
Quelle: The British Museum; via wikimedia.commons. Liz.: gemeinfrei.

 Laotse

Es herrschten Chaos und Verfall,
der Sohn betrog die Schwester,
und Dummheit gab es überall,
die Schlinge zog sich fester.
Die Menschen litten große Not,
sie gaben her das letzte Brot –
ein Weiser hob die Stimme.

Er sprach vom Wasser, welches stets
den mächtgen Stein besiege,
von starken Kräften des Gebets,
das mehr als Schwerter wiege.
Er zeigte Liebe, Zuversicht,
jedoch, das Volk vertraute nicht
den Versen und den Worten.

Vor Christus lebte jener Mann,
es drängte ihn nach Ruhe,
drum schickte er sich damals an,
nahm Esel, Brot und Schuhe,
verließ das altvertraute Tal,
sah sich nicht um, kein einzig Mal,
brach auf, es zu vergessen.

Als er trat ein ins Himmelreich
erschien ein junger Streiter.
Der hielt das Wissen fest sogleich
und gab's dem Volke weiter.
Der Weise wird noch heut verehrt,
die Worte, die er einst gelehrt,
sie werden nicht verstummen.


© Heliane Meyer
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Anmerkungen:

   Laotse: ein legendärer chinesischer Philosoph, der im 6. Jahrhundert v. Chr. gelebt haben soll. Je nach Umschrift wird der Name auch Laotse, Lao-Tse, Laozi, Laudse oder Lao-tzu geschrieben (nach Wikipedia).
    Laotse gilt als Begründer des Taoismus. Das ihm in der Legende zugeschriebene Werk ist das "Tao Te King".
   Das bekannteste moderne lyrische Werk um Laotse und das Tao Te King ist Bertold Brechts "Legende von der Entstehung des Buches Taoteking auf dem Weg des Laotse in die Emigration" von 1938 (s. Wikipedia und als vollständiger Text)

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