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Mittwoch, 24. April 2019

Schillers "Göttinnen der 7 Künste"/1: Architektur

Die Baukunst. Modell: Albert Wolff, 1868. Ausführung: Eduard Stützel, 1871.
Figur am Mittelbau des Orangerieschlosses, Potsdam, Sanssouci; via wikimedia.commons
Bundesarchiv, Bild 170-705 / Foto: Max Baur (1898-1988) / CC-BY-SA 3.0

Die Schutzgöttinnen der Künste sind in der griechischen Mythologie
die olympischen Musen: 9 an der Zahl, wie von Hesiod überliefert;
 dargestellt z. B. im Musen-Peristyl des Achilleion auf Korfu (~1890).
Betrachtern fällt auf, dass unter diesen neun die bildenden Künste fehlen,
 aber Astronomie, Geschichte sowie 4 literarische und 3 musikalische Gattungen
 vertreten sind! Auch Friedrich Schiller verließ das alte Muster und benennt in der
 "Huldigung der Künste" (1804) als "der Künste Schar des Schönen" und Göttinnen:
 Architektur, Skulptur, Malerei, Poesie, Musik, Tanz und Schauspielkunst.

  
Schillers "Göttinnen der 7 Künste"/1: Architektur

Dem Menschen reichte anfangs für sein Leben
ein sichres Plätzchen unterm Himmelszelt –
eh er in Höhlen kroch; doch sein Bestreben
galt der Eroberung der ganzen Welt.
Die Göttin wies ihm wohl den Weg zum Bauen,
gab Werkzeug für ein Arbeiten mit Holz,
doch leicht Vergänglichem war schwer zu trauen,
der Steinbau erst erfüllte ihn mit Stolz.
Des Arbeitsvolkes endloses Gewimmel
stemmt bald steil auf das Mauerwerk gen Himmel.

Doch schnell genügten Bauten nur aus Steinen
nicht mehr den Bauherrn, denn ein neues Maß
wies Nützliches mit Schönem zu vereinen –
sie bauten nun mit Stahl, Beton und Glas.
Wo schaust du, Göttin, hin, wenn solche Türme
an Wolken kratzen, schaukeln dort im Wind;
ob sie wohl überleben auch die Stürme,
für die sie gar nicht vorgesehen sind.
Da wird manch Architekt vergeblich hoffen –
hat seine Göttin nie jemals getroffen!

© elbwolf, 04/2019; bearb, 09/2019

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Der Verfasser dieses Versuchs ist sich sehr wohl bewusst, dass man zwar
die Schiller'sche Metrik aus der "Huldigung der Künste" nachbilden kann,
dass aber niemand Schillers Wortgewaltigkeit und die Tragweite seiner Worte
erreichen könnte – und bittet daher um Nachsicht.