Hier schreiben Hobbydichter für Lyrik-Freunde – meist Gereimtes und nur Druckreifes! Willkommen also, viel Vergnügen mit unseren Gedichten und deren Bebilderung!

Aufrufe unseres Blogs erfolgen automatisch mit Sicherheitsprotokoll "https". Am 18. Mai 2022 hatten wir unseren 600. Beitrag in den Blog gestellt!

Bereits seit Jahresbeginn bringen wir neue Folgen an Kalenderblättern und Monatsbildern. Darum herum dann das, was sich an Einfällen so ergibt – man wird sehen! Nun ja, was man auch sieht: wir "unterschlagen" seit einer ganzen Weile auch einen gewissen Anteil an sanfter Erotik nicht länger - die Zeiten sind eben so ...

Wir teilen den Lesern unseres Versbildners mit und bitten um Verständnis, dass wir auch weiterhin das monatliche Angebot auf 6 Beiträge beschränken - die Kontaktarmut dieser Zeit bringt leider auch eine gewisse Ideenarmut mit sich. Neueinstellungen erfolgen damit um die Kalendertage des 1., 6., 11., 16./17., 21./22., 25.-27. eines Monats.

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Montag, 30. Dezember 2024

Jahreswende

Autor/Foto: ermell/Reinhold Möller (21.04.2015): Leuchtspuren von Sternen.
(via Wikimedia Commons; Liz.: CC BY-SA 4.0)

 

Jahreswende

Das Jahr ist nun dahin / ein neues will beginnen.
Wie wird es werden / nichts ist mehr wie es mal war.
Die Menschen fürchten sich / es ist nicht absehbar,
wie stark die Hoffnung ist / dies Rennen zu gewinnen.

Die Einsicht fehlt bei vielen / wären sie bei Sinnen –
dann würden sie erkennen / uns – die mittelbar
ums Überleben kämpfen / wär‘s ein Honorar
fürs Innehalten / denn die Zeit wird schnell verrinnen.

Lass doch, o HErr, / uns nicht aus Deinen Händen gleiten;
schenk uns die Zuversicht / in diesen schweren Zeiten,
und lass uns daran glauben / dass Du uns nicht vergisst.

Wenn wir mal an Dir zweifeln / lass Deine Näh' uns spüren;
gib uns den Mut / trotz menschlicher Allüren
Dir zu vertrauen / da Du mit andren Maßen misst.

© Luzie Rudde

Samstag, 9. November 2024

Leben

Edvard Munch (1863-1944, Norwegen): Tanz des Lebens; 1899/1900
Standort: Nationalmuseum für Kunst, Architektur und Design, Oslo;
via Wikimedia commons; Liz.: gemeinfrei

Leben

Das Dasein ist kein Zuckerschlecken;
das Leben beutelt uns zu oft
und außerdem meist unverhofft,
grad so, als wolle es uns necken.

Wer Unheil sieht an allen Ecken,
verdrießlich andre konsterniert –
wer jeden Schwung erneut verliert –
was kann der an Erwartung wecken?

Ein Mensch, der ständig nur bestreitet
der stellt sich doch nur selbst ein Bein,
schnell ist sein Unmut rings verbreitet.

So höre auf, spiel nicht klein-klein!
Nütz deinen Platz in dieser Welt –
dann wird sie besser und gefällt!

© Luzie Rudde

Sonntag, 15. September 2024

Des Pudels Kern

Margret Hofheinz-Döring (1910-1994): Des Pudels Kern (Aquarell, 1960).
Zu Faust I von Goethe; Foto: Peter Mauch; Rechte bei Galerie Brigitte Mauch Göppingen.
(via Wikimedia Commons; Liz.: CC BY-SA 3.0)

 

Des Pudels Kern

″Das also war des Pudels Kern″,
ließ Goethe seinen Faust einst sagen,
als der nach vielen, vielen Fragen
der Wahrheit schaute ins Gesicht –
und einer Wahrheit mit Gewicht!

Oft ist es spät, dass man erkennt:
die Wahrheit liegt ja richtig offen,
doch macht das viele nicht betroffen,
denn Unterhaltung ist oft Trug
und zeigt den Menschen gar nicht klug.

Was nennt man weise, was heißt schlau?
Trennt man das eine von dem andern,
dann sieht man Wahrheit häufig wandern:
urplötzlich hat sie ihr Gewicht
und festen Stand auch vor Gericht.

So wandeln ″dies″ und ″jen‘s″ sich schnell.
Wie leicht ist etwas zu versäumen –
passt jemand auf, wenn wir so träumen?
Und ist sich wer gar selbst genug?
Was ist nun wahr – und nicht Betrug?

© Luzie Rudde 

Freitag, 9. August 2024

Kleine Eselei

Esel im Wildpark Rheingönheim/Rheinland-Pfalz; Liz. CC BY-SA 3.0.
Fotograf: ″4028mdk09″; Foto vom 23.05.2011, via Wikimedia Commons.

 

Kleine Eselei

Als ″Langohr″ einmal dazustehn
nun dávon geht die Welt nicht unter:
denn Menschensicht ist meistens bunter,
was Esel sonst viel ″grauer″ sehn.

Es kann natürlich dies geschehn,
dass einem Mitmenschen mitunter
die Welt erscheint, sie stünd‘ kopfunter,
und ihm blieb‘ nur, sie umzudrehn.

Was wäre denn so Schlimmes dran,
wenn Esel uns zu bieder nennen –
denn schlau sein kann nicht jedermann.

Du brauchst nur nicht gleich wegzurennen …
Denn was im Leben wirklich wichtig,
das unterscheidest du schon richtig!

© Luzie Rudde

Montag, 8. Juli 2024

Das Sein

Holzschnitt des sog. Petrarca-Meisters; Aus Francesco Petrarca:
 „
Von der Artzney bayder Glück / des guoten vnd widerwertigen.
Vnnd weß sich ain yeder inn Gelück vnnd vnglück halten sol. 
Auß dem Lateinischen in das Teütsch gezogen. Mit künstlichen fyguren durchauß / gantz lustig
vnd schön gezyeret.“ Augsburg: Heynrich Steyner 1532

 

Das Sein

Das Sein bedeutet, dass ich bin,
und im Reellen mittendrin;
dass Denken, Fühlen und Erleben
mir von den Eltern mitgegeben
dass sie empfingen es vorzeiten
und ließen sich von Ahnen leiten ...
Doch wisst ihr, was mir manchmal scheint –
ob sie bewusstes Sein gemeint?

Wenn Menschen heute was erleben,
erleben sie es – denn sie leben
ganz einfach in den Tag hinein
und denken nicht ans Ende ... Nein !
An das, was mit uns wohl geschieht
wenn unser Leib die Erde flieht.
Gibt‘s nach gelebter Zeit ein Leben –
wer könnte darauf Antwort geben?

© Luzie Rudde

Donnerstag, 20. Juni 2024

Die Liebe zeigt sich ... später

 

Foto Glenn Loos-Austin (Madison, WI) : ″Body Language″
Aufnahme: 29.09.2005. via Wikimedia commons; Liz.: CC BY-CA 2.0

 

 

Nanu! Im ″Weg in den Sommer″ war die Reimerei in den Strophen
so angelegt, dass sich auf einen Vers in der ersten Hälfte erst
der vierte Vers danach reimt. Das ist zwar gegen die Auffassung
unseres ″Reinpapstes″ Stummer (S. 122), aber ich will es auch
mal versuchen ….

 

Die Liebe zeigt sich … später!

Du bist empfänglich, guter Mann,
und das nicht nur im Wonnemond,
dass dich die Sehnsucht überkommt
im öden täglich‘ Einerlei;
so dass dich Eine schlägt in Bann
und dich dann nirgendwo verschont –
dem Manne dieses sicher frommt:
es steht doch allemal ihm frei.

Gefühl entsteht meist irgendwann;
ist hoffnungsvoll, oft ungewohnt;
braucht Zeit, bis es dann unterkommt
und führt zu einer Liebelei;
ob‘s Liebe wird, das zeigt sich dann 
bei beiden, das sei hier betont;
ob‘s Liebe bleibt, die nie verkommt,
ergibt sich später… denk ich frei.

© Luzie R..

Freitag, 17. Mai 2024

Pfingstochse

Alm-Abtrieb im Zillertal″, hier als Synonym gebraucht für ″Pfingstochse″;
(Kostenlose Nutzung dank Einhaltung der ″Inhaltslizenz″ von Pixabay)


Der Pfingstochse

Herausgeputzt geht mancher Ochs
zu Pfingsten auf die Weide:
das findet keiner paradox
und äußert seine Freude.

Doch hat der Ochs am Blumenschmuck
und all diesem Getue
und unter solchem Leistungsdruck
denn auch ein bisschen Ruhe?

In Reihe, wie‘s die Sitte ist,
ziehn mit ihm viele Leute
Wer ist denn hier schon ein Statist –
der Ochs oder die Meute?

Manch Mensch tut es dem Ochsen gleich
lässt führen sich am Bande –
fühlt sich in solchem Umfeld reich
und meint, er sei ein Grande.

Der Mensch ist seines Glückes Schmied,
doch das ist karg bisweilen.
Es ist nur selten mal splendid
und lohnt kein Sich-beeilen.

© Luzie R.

Montag, 8. April 2024

Pferd vs. Traktor – Scherzgedicht

“Jagsttal mit Nebentälern und angrenzenden Gebieten …“
(Landschaftsschutzgebiet; Nähe Wallfahrts-Kapelle St. Wendel zum Stein;
Im dichten Laubwald wächst und blüht im Monat Mai überreich Bärlauch)
© Roman Eisele; via Wikimedia Commons ; CC BY-SA 4.0; Foto: 15.5.2022.

Pferd vs. Traktor

Das weiß ein jedes Bäuerlein:
sehr bald schon – ehe es zu spät –
muss Korn in Feldes Krume sein;
noch sind die Körner nicht gesät.
Man spannt kein Rösslein da mehr an,
denn längst ersetzt des Pferdes Kraft
der Traktor, mit dem unser Mann
die Arbeit per Mechanik schafft.

Der Bauer sagt nicht hotte-hüh;
er spornt das Pferd zu einem Ritt;
das galoppiert ganz ohne Müh‘
und braucht nicht einen Tropfen Sprit.
Zur Kutschfahrt wird noch angespannt,
Kutschieren geht nicht ohne Pferd –
welch Riesenfreude: Ritt durchs Land;
das ist doch einen Traktor wert!

Im Bilde oben macht man Pause
für eine Bio-Bärlauch-Jause.

© Luzie Rudde

Freitag, 8. März 2024

Frühling – mit Blaumeise

 

Foto: Arnstein Rønning: Blaumeise im Nest (22.05.2010; Larvik, Norwegen)
via Wikimedia Commons; Liz.: CC BY-SA 3.0

Frühling in heutiger Zeit

Der Frühling beginnt stets im Märzen,
das Lüftchen weht linder und lauer,
zwar aufgelegt ist man zum Scherzen –
doch arbeiten muss nun der Bauer.

Die Blumen, ob Tulpen, Narzissen –
sie wagen sich mutig hervor,
die Frühlingsnatur lässt sie wissen:
der Frühling steht wieder vorm Tor.

Die Meisen, sie bauen sich Nester –
bereiten sich vor auf die Brut,
dazwischen im Vogelorchester
da piepsen sie lautstark um Mut.

Wie wär's, wenn wir mit ihnen stimmen
und sängen dem Frühling ein Lied?
Wer kann, soll auch Berge erklimmen;
wer nicht ... trällert eben hinied′.

© Luzie Rudde

Freitag, 9. Februar 2024

Elfenkrokusse

Elfenkrokus (Crocus tommasinianus); Standort: 53°33‘ N, 9°58‘ E;
Foto: L.B.Tettenboom, 9.2.2008); via Wikimedia; Liz.: CC BY-SA 3.0;
(durch Versamung ist dieser Krokus im der Lage, große Kolonien zu bilden)


Elfenkrokusse

Es gibt die Krokusse in vielen Arten,
in weiß, in violett, in gelb und blau;
sie wachsen wild, doch auch in deinem Garten –
in der Natur halt einmal Rundumschau!
Den Krokus lieben Bienen wie auch Hummeln:
du musst nur leise sein – und hörst sie brummeln.

© Luzie Rudde

Mittwoch, 8. November 2023

Gedankenlos

Rudolf Wacker (Bregenz, 1893-1939): Mädchen in Gedanken (1923)
Bleistift auf Papier – Geschenk für einen Kriegskameraden;
via Dorotheum & Wikimedia Commons; gemeinfrei


 

„Gedanken sind nicht stets parat,
man schreibt auch, wenn man keine hat.“
                                   Wilhelm Busch *)

 

Gedankenlos

Die Worte tat der Wilhelm kund –
sie kamen einst aus seinem Mund.
Sie tönen da bis heut‘ ins Ohr;
ich denke dann, mach dir nichts vor
und leg die Feder flugs beiseite;
es wird doch wieder eine Pleite …

Gedanken – nehmen sie Reißaus –
belassen mich allein zu Haus.
Ich flieh ins Freie … mich zu sammeln,
und nicht Gedanken nur zu stammeln,
such im Gehirn, sie dort zu finden –
Gedanken … schwer sind sie zu binden.

Ich seh‘ den Wolken nach – sie fliehen;
seh‘ gleichsam sie mit Wolken ziehen
und wirbeln rund um mich herum;
Ach Gott, denk ich, und bleibe stumm
ich bin heut mal gedankenlos
und eben nur ein Trauerkloß.

Ich wollte schreiben ein Gedicht
von Liebe, Leid – aus meiner Sicht.
Gedanken lassen sich nicht zwingen!
Merk, Mädchen, das! Denn zum Gelingen
langt‘s heute sicherlich nichts mehr,
bin einfach zu „gedankenleer“.

Den Busch als guten Dichtervater
erkür ich mir als den Berater :
schrieb er doch einstens ganz dezent,
wie man mal einen Tag verpennt:
Gedanken sind nie stets parat,
drum schreibt auch, wer mal keine hat.

©
Luzie Rudde

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Der nächste Beitrag wird am 16./17.11.2023 eingestellt.

*) ein gut formulierter Gedanke, aber als Reim? Unmöglich!

Mittwoch, 11. Oktober 2023

Salomos Spruch

Pedro Berruguete (1450-1504): Salomon, ~1500.
Standort: Santa Eulalia, Parades de Nava; via Wikimedia Commons; lizenzfrei.

 

                           – Salomos Spruch –
          Ja, Weisheit übertrifft die Perlen an Wert,
          Keine kostbaren Steine kommen ihr gleich.

 

Salomos Sprüche
– ein Auch-Sonett –

Ein Spruch, wie Salomo ihn brachte,
gehört nicht zu den Billigwaren –
er ist gefügt zu offenbaren,
wie man vom großen Ganzen dachte.

Erfahrungen, die er einst machte
in Stunden, Tagen oder Jahren
gab er uns preis und wir erfahren,
wobei man weinte oder lachte.

Es nutzt uns schon, fortan zu wissen,
was er uns zu berichten hatte,
und das sind nicht nur Kurzgeschichten!

Denn Salomo war nie beflissen;
gab andrerseits auch nie Rabatte
er lehrte einfach uns die Pflichten ...

© Luzie Rudde

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Der nächste Beitrag wird am 16./17.10.2023 eingestellt.

Freitag, 8. September 2023

Lebensalter

 Leopold von Kalckreuth (1855-1928 ): Die drei Lebensalter (1898);
Bayer. Staatsgemäldesammlung; via Wikimedia Commons; gemeinfrei.

 

Wer fragt schon danach?

Vergnüglich ist es nicht, das Älterwerden –
drum fragt auch keiner, ob es mir gefiel;
so wie auch niemand fragt, was für ein Ziel
verfolgte wohl mein Leben hier auf Erden.

Wie kam es überhaupt zum eignen Werden?
Es ging hervor aus fremdem Liebesspiel:
das ist nicht wenig und auch nicht sehr viel
und lässt im Nachhinein nicht zu Beschwerden.

Vergänglich ist das Dasein – wie wir wissen;
voll Mühen oft, was gäb es andre Wahl,
als uns zu ducken in die weichen Kissen?

Das Lebensalter ist nur eine Zahl.
Doch um es auch auf diese Frist zu bringen,
muss man gar manche öden Strecken zwingen.

© Luzie Rudde

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Hinweis:
Nächster Beitrag wird am 15.9. online gestellt!

Donnerstag, 24. August 2023

Erntezeit – seinerzeit

George Stubbs (1724-1806): Bei der Kornernte (1785).
Tate Gal., London; via Wikimedia Commons & The Yorck Project; public domain.

 

Genreszene des 18. Jh. nach der gängigen August-Ikonographie. Herausgeputzte Männer und Frauen bei der Ernte unter Aufsicht eines Berittenen: ein „Bühnenstück“, das die soziale Wirklichkeit der Landbevölkerung konsequent verleugnet.

 

 

Erntezeit – seinerzeit

Sie warfen sich in ihre beste Schale,
wenn es hinaus aufs Feld zum Ernten ging;
sie hofften nur, dass sie ein Künstler male
und sorge, dass der Segen grade hing.

Die Puppen stellte man in langen Reihen
und manchmal spielte man darin Versteck –
der Aufpasser zu Pferd tat's gern verzeihen;
und rührte sich ansonsten nicht vom Fleck.

Doch das ist – erstens! – heute längst vergangen;
heut rattern die Traktoren übers Feld;
und – zweitens! – geht das Korn nur zu erlangen,
wenn man den Acker mühevoll bestellt.

Doch die, die glauben Früheres zu kennen
und wehmutsvoll erzählen es dem Kind,
die sollten wirklich nicht um Altes flennen –
die Zeiten fliegen wie der Wirbelwind!

© teamwork (elbwolf – Str.1+2, Luzie Rudde – Str.3+4)

Dienstag, 8. August 2023

Kleinigkeiten

Trödel in Istanbul.
Foto: Mark Ahsmann, 07.12.2013; via Wikimedia Commons; Liz.: CC BY-SA 3.0

 

Kleinigkeiten

Das Leben ist voll Kleinigkeiten,
die allesamt nicht triftig sind,
wir aber lieben es zu streiten,
sind trotzig wie ein kleines Kind –
zum Trotz lässt man sich schnell verleiten.

Der Streit bringt neue Schwierigkeiten,
die nicht so leicht zu lösen sind,
doch schnell uns aus den Händen gleiten:
man wird fürs wahre Leben blind –
kann gar die Grenzen überschreiten.

Der Ausgangspunkt war'n Nichtigkeiten,
sie formen sich zum Labyrinth;
und nur ein Knäuel kann uns leiten,
das einer Göttin Hand entrinnt –
da zählen auch mal Kleinigkeiten!

© Luzie Rudde

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Hinweis:
Nächster Beitrag wird am 15.8. online gestellt!

Montag, 22. Mai 2023

Kommen, bleiben, gehen

 
"Bewerten und Taxieren"
Quentin Massys (1456/66-1530): Porträt eines Mannes (~1510);
Schottische Nat.-Gal.; via Wikimedia Comm. & The Yorck Project; gemeinfrei

 

Kommen, Bleiben, Gehen

Es ist ein Werden, Bleiben, Wiedergehen
und wiederholt sich stets und überall;
es ändert sich für mich in keinem Fall
zu Wiederkommen oder Fortbestehen.

Die Zeitenuhren lassen sich nicht drehen
und Leben ist nicht wie beim Opernball;
ich ward hineingesetzt ins Weltenall
und nicht zuvor gefragt – es ist geschehen.

An mir ist es, das meiste zu gestalten;
die Fähigkeit, sie liegt bei mir allein –
ich lass dem lieben Gott sein eigen Walten.

Mein Wissen, das erwarb ich nicht zum Schein:
Ich kann nun wählen, wie ich es verwende,
doch wie ich wähle – einmal kommt das Ende.

© Luzie Rudde

Samstag, 6. Mai 2023

Der Dichter

Paul Scheurich (1883-1945): Der Dichter;
Quelle: Scan aus "Das Blatt der Hausfrau", H. 19, Juni 1931;
via Wikimedia Commons; gemeinfrei.

 

Der Dichter

Hat er ein Thema, das ihm passt, gefunden
– das Sinn ergibt und vielversprechend ist –
versucht in seinem Kopfe er mit List,
den Vers zu formen, traditionsgebunden.

Er ist bemüht, den Reim gut abzurunden
und wird allmählich so vom Prosaist,
der er einst war, zum Dichter-Aktivist,
der sich unbändig freut, das zu bekunden.

Den Lorbeerkranz, zum Ruhme ihm geflochten,
sieht er schon über seinem Haupte schweben ...
der Kampf um Anerkennung – ausgefochten!

Dabei steht er im ganz normalen Leben.
Die Sterne ach, wie weit sind sie doch alle ...
Wird er zum Stern – der Dichter in der Falle?

© Luzie R.

Freitag, 21. April 2023

Anno dunnemals gedichtet/02: Vier junge Frauen um mich

Foto: Albaro2020 (25.02.2023): Corso Cochabamba carnaval bolivia.
via Wikimedia Commons; Liz.: CC BY-SA 4.0

Wie hat man "anno dunnemals" gedichtet, sagen wir, in den letzten noch einigermaßen friedlichen Tagen vor dem I. Weltkrieg?
Es gibt da das "Fleißbuch" von Hans Benzmann (Hg), Moderne Deutsche Lyrik, verlegt in 2. Auflage 1907 bei Reclam Leipzig – das auf 629 Seiten 171 Dichter vorstellt, von denen auch die Jüngsten nun an die hundert Jahre verblichen sind. Wir haben es im vorigen Beitrag vom 17.04. 2023 kurz vorgestellt. Es enthält ausreichend viele Namen, an denen wir uns erproben können, indem wir die Ideen der früheren lyrischen Produkte mit heutigen Worten auszudrücken versuchen – nicht ohne sie zumindest auszugsweise auch zu zitieren!
Dies ist also der zweite Versuch, ein "Uralt-Gedicht" neu darzubieten:

 

Vier junge Frauen um mich (Variante II)
Nach einer Idee von Ludwig Jakobowski (vor 1900)

Die Freundin fragt mich, den Getreun:
"Sag mir, tat nie ein Wort dich reun?"
Die Nächste meint: "Wenn er mir spricht,
seh' ich oft müde sein Gesicht. "
Die Dritte äußert forsch im Ton,
dass oft nur Undank sei der Lohn.
Die Vierte nimmt mich in den Arm,
ist still; mir wird ums Herzen warm;
sie hat erkannt, dass Traurigkeit
nur unsern innren Bund entzweit.

© L. Rudde

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Das Gedicht ist mit 4-füßig-jambischen Paarreimern geschrieben.

Donnerstag, 6. April 2023

Frühlingsahnen

Streuobstwiesen im Naturpark Barnim (Lobetal); Aufnahme: 12.05.2017;
Foto: Diplodocus474747; via Wikimedia Commons; Liz.: CC BY-SA 4.0

 

Frühlingsahnen


Ein Frühlingsahnen hat mich eingefangen:
'Ade' sag ich den Tagen mit dem Schnee!
Ganz plötzlich spür ich in mir ein Verlangen
nach hellem Sonnenschein und grünem Klee.


Schon geht der Frühling seine neuen Pfade –
die Sonne scheint mir wärmend ins Gesicht;
dies Neuerleben ist schon eine Gnade;
auch vor mir schrieb man drüber viel Bericht.

Der Frühling ist wie eine neue Liebe,
denn die Natur spürt wieder frische Kraft.
An Bäumen, Sträuchern seh‘ ich diese Triebe –
die Schöpfung jedes Jahr aufs Neue schafft.

Es ist die Kraft der alten Mutter Erde:
was wächst – vergeht, auf dass es wieder werde.

© Luzie Rudde

Freitag, 17. März 2023

Lebensfreude

Karl Donndorf (1870-1941): Schicksalsbrunnen (1914).
Foto: Daderot, 2015; via Wikimedia Commons; Liz.: gemeinfrei.
Standort: Stuttgart, im Oberen Schlossgarten in der Nähe des Opernhauses.
Figuren: links/rechts: Allegorien von Leid/Freude; Mitte: Schicksalsgöttin.

 


Lebensfreude

Genieße jeden Deiner Tage –
es könnte schon der letzte sein!
Gewiss ist eins, Gevatter Hein
erlöst uns aus der letzten Plage.

Was ist Genuss? Nun diese Frage
stellt jeder Mensch sich ganz allein:
Genuss – im Unterschied zum Schein –
verdrängt die Vorstellung von Klage.

Genuss; Verdruss – was sind sie wert?
Sie sind meist flüchtig wie das Leben;
ihr Wechselspiel – nicht unbeschwert.

Die Übung nur nicht aufgegeben!
Genuss ist Freude – doch 'erjagen'
geht leider nicht – ums klar zu sagen.

© Luzie Rudde

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Anm.: Das Gedicht ist ein 4-füßig-jambisches "Auch"-Sonett.