Hier schreiben Hobbydichter für Lyrik-Freunde – meist Gereimtes und nur Druckreifes! Willkommen also, viel Vergnügen mit unseren Gedichten und deren Bebilderung!

Aufrufe unseres Blogs erfolgen automatisch mit Sicherheitsprotokoll "https". Am 18. Mai 2022 hatten wir unseren 600. Beitrag in den Blog gestellt!

Bereits seit Jahresbeginn bringen wir neue Folgen an Kalenderblättern und Monatsbildern. Darum herum dann das, was sich an Einfällen so ergibt – man wird sehen! Nun ja, was man auch sieht: wir "unterschlagen" seit einer ganzen Weile auch einen gewissen Anteil an sanfter Erotik nicht länger - die Zeiten sind eben so ...

Wir teilen den Lesern unseres Versbildners mit und bitten um Verständnis, dass wir auch weiterhin das monatliche Angebot auf 6 Beiträge beschränken - die Kontaktarmut dieser Zeit bringt leider auch eine gewisse Ideenarmut mit sich. Neueinstellungen erfolgen damit um die Kalendertage des 1., 6., 11., 16./17., 21./22., 25.-27. eines Monats.

Posts mit dem Label Stadtlyrik werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
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Donnerstag, 13. August 2020

Stadtlyrik/12 – Tag/Traum; Fädchen (Perdita Klimeck als Gast)

Letzter Supermond des Jahres 2020 – am 6. Mai, 19:42;
aufgenommen mit einem 300mm-Nikon-Objektiv an einem dunstigen Abend.
Foto + ©: Jessie Eastland; via Wikimedia Commons; Liz.: CC BY 4.0

Der Tag zeigt Traum
Und das Gefühl – ich bin
Wirkt seltsam surreal
Die Nacht zu laut
Und das Gefühl zu sein
Wird mit dem Mond zur Qual

So sitz ich da
Mit diesem Satz – ich bin
Und ich versuch – zu sein
Und fühle mich
Bei all der Prozedur
Zwar substanziell, doch klein.


/ Fädchen /

War einst ein kleines Fädchen,
der Name war Geduld.
Man zog daran,
so dann und wann,
bis es das Handtuch schmiss
und irgandwann zerriss.

Auch ich hab so ein Fädchen,
der Name ist bekannt.
Man zieht daran,
so oft man kann
und wartet nur darauf –
gleich gibt das Fädchen auf.

Doch sieh, mein kleines Fädchen
ist stark und sehr stabil.
Drum zieh daran,
gern dann und wann,
wenn es dir Freude macht.
Hörst du, wie's Fädchen lacht?


© Perdita Klimeck (2013)
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Wir vom Verbildner
beenden mit diesem Beitrag die Serie von Gedichtveröffentlichungen unserer Gastautorin Perdita Klimeck aus NRW, die uns aus diesem Anlass die folgenden Zeilen übermittelte:

Es war mir eine Ehre, hier auf dieser so liebevoll und mit der gebührenden Ernsthaftigkeit gestalteten Lyrikseite meine Werke präsentieren zu dürfen. Für ein ganzes Jahr bot dieser Platz Monat für Monat eine kleine Heimat für meine lyrischen Arbeiten. In der Hoffnung, dem ein oder anderen Leser eine Freude damit bereitet zu haben, mache ich nun den Platz frei für den nächsten Gast. Möge Er oder Sie ebenfalls soviel Bereicherndes erfahren, wie ich. Herzlichen Dank für alles!
Perdita Klimeck
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Quelle für die Gedichte
"wortgefecht"
Lyrik aus dem Sperling-Verlag, Nürnberg, 2013
S. 104 – Tag/Traum;
S.   78 – Fädchen;
Abdruck mit Einverständnis der Autorin

Sonntag, 12. Juli 2020

Stadtlyrik/11 – tagein, tagaus (Perdita Klimeck als Gast)

Andrang auf der Pariser Metro-Station Saint-Augustin
Foto: Cramos, 11.01.2015; via Wikimedia Commons; Liz.: CC BY 3.0

tagein, tagaus
tragen deine gedanken
das gleiche graue gewand
und jeden morgen
bindest du
die schwarzen schuhe
und quälst dich
durch die tristen
stadtoasen

KEIN BEDARF
sagt jedes zweite heimchen
schließt die tür
und du bleibst zurück
mit dem geruch
von dem
was man familie nennt
und leerem magen

zeit
dir ein wenig GELB
zu schenken
bevor du Rot siehst –

irgendwann

© Perdita Klimeck (2013)

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Quelle für das Gedicht:
"wortgefecht"
Lyrik aus dem Sperling-Verlag, Nürnberg, 2013
S. 42 – Abdruck mit Einverständnis der Autorin

Samstag, 13. Juni 2020

Stadtlyrik/10 – Alter Markt / gestern (Perdita Klimeck als Gast)

Klassische Kaffeehausszene; Basel, 5. November 2011
Foto: Thomas Leuthard, Basler Zeitung; via Wikimedia Commons; Liz.: CC BY 2.0


Alter Markt

gestern unter einem Baum

So blau der Himmel.
so blau.

Der leichte Wind
spaziert mit ein paar Worten
vom Nachbartisch
zu mir herüber.

Vertrauter Klang,
der sich mit hellem
Kinderlachen mischt.

Die Sonne flirtet
mit dem Eis
auf meinem Tisch.
Aus einem Fenster
erklingt Musik.

Und irgendwie
da fühle ich,
ein Stück von Heimat,
obgleich ich diesem Schoße
nicht entsprungen bin.

Ein heißer Strom,
der mir den Atem nimmt.
gestern
unter einem baum
- ein Blatt fegte über
meinen fuß –
versuchte ich
der krone über mir
zu erklären
wer ich bin
und welchen platz man mir
in dieser Welt
zugedacht hatte

in der tat
ich fand sogar worte

der herbstwind
erstickte sie
im keim

hoffnungsbeblättert
sitze ich noch immer
drehe und wende
das knisternde welk
mit der linken –
die recht hand
stützt meinen kopf

© Perdita Klimeck (2013)

Baumkrone im Regenwald am Mekong bei Don Det, Laos.
Foto: Basile Morin, 17.09.2006; via Wikimedia Commons; Liz.: CC BY-SA 4.0
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Quelle für die Gedichte:
"wortgefecht"
Lyrik aus dem Sperling-Verlag, Nürnberg, 2013
S. 72 und 56 – Abdruck mit Einverständnis der Autorin

Dienstag, 17. März 2020

Stadtlyrik/7 – Stadtgeflüster; hafen (Perdita Klimeck als Gast)

Zentraler Teil der St. Pauli-Landungsbrücken, Hamburg.
Foto+©: Martina Nolte, 08.06.2013; via wikimedia.commons; Liz.: CC BY-SA 3.0 de

Stadtgeflüster

Schlaglöcher treten nach mir
während schmutzige Gardinen,
die aus grauen Löchern starren,
mich höhnisch angrinsen.

Grün, gelb, rot,
die Lichter quälen den Asphalt.
Die Absätze sind gebrochen,
wie die Gedanken an dich.

Gescheitert, im Schwanengesang
einer lauen Sommernacht.

Schicksal, denke ich trotzig
und hole den Lippenstift
aus meiner Tasche.


hafen

kräne säumen den rand
stahlköpfe, die ihr haupt neigen
manchmal, für dich
oder die dirne dort hinten im wagen

container leuchten schmutz
in blau und gelb
wie reifer weizen, denkst du
und erinnerst dich an den duft
ihrer schenkel im kornblumenblau

träum nicht seemann
lass die alten lieder frei
das meer erzählt andere geschichten
nicht deine


© Perdita Klimeck

Montag, 17. Februar 2020

Stadtlyrik/6 – Immer schon; Randerscheinung (Perdita Klimeck a. G.)

Amsterdamer Gracht mit dem Erotikmuseum, Oudezijdsachterburgwal 54;
Aufnahme: 24. April 2010, 20:52; Public-Domain-Pictures von pixabay.

immer schon

tagträume pulsen über das pflaster
hängen in mauerritzen
längst vergangen und doch
immer wieder neu erfunden

chick lit *) im herzen der mädchen        
 
und die hitze der nacht
trägt blüten aus lust

wie eh und je


Randerscheinung

Hartbeton kratzt am Horizont
Monotoniegewirktes hängt mutlos
hinter blinden Scheiben.
 
Graukreise, aufgereiht wie Perlen
fangen ihn ein,
den Stoff aus dem die Träume sind.
 
Über allem hängt schweigend
der bittere Geruch Resignation.
 
Und zwischen gelben Säcken
spielt ein Kind.

© Perdita Klimeck
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Anmerkung:
*) Unter Chick-Lit (wörtlich etwa „Mädels-Literatur“, sinngemäß „anspruchslose Frauenliteratur“) versteht man [nach Wikipedia] belletristische Literatur, die sich an Frauen und Mädchen wendet. Die abwertende  Bezeichnung stammt aus dem Amerikanischen und setzt sich aus den beiden Wörtern chick und lit zusammen, wobei chick ein umgangssprachlicher und abwertender Begriff ("Küken") für eine junge Frau und lit die Abkürzung für literature, also Literatur ist.

Freitag, 17. Januar 2020

Stadtlyrik/5 – Im Taxi (Perdita Klimeck a. G.)

Nächtliche Taxifahrt durch die Wilhelmstraße in Tübingen
Urheber+©: Dktue, 15.02.2019; via wikimedia.commons; Liz.: CC0 1.0 

Im Taxi

Autoscheiben leicht getönt
lassen Mond in blau erscheinen.
Formvollendet steht das blanke Rund
mehr als erhaben,
fast majestätisch schon,
über meiner Stadt.

Es lockt der Schlaf,
doch bindet Blick
mir das Ersehnte.
  
Das Farbenspiel der Ampeln,
Leuchtspuren auf dem Regennass
schwarzen Asphalts.
Durch leises Motorrauschen
hör ich das stete Klacken
des Taxameters.
Ab und an streift mich
der Blick des Fahrers
und Worte, unausgesprochen,
hängen in der Luft.
 
Wozu auch reden,
zwei Fremde in der Nacht,
die nur durch Zufall
nebeneinandersitzen.
 
Und den selben
blauen Mond betrachten.


© Perdita Klimeck

Dienstag, 17. Dezember 2019

Stadtlyrik/4 – Advent; Markttage (P. Klimeck a. G.)

Weihnachtsmarkt in der Hansestadt Wismar (Mecklenburg-Vorpommern).
Foto+©: Nicole Hollatz, Wismar; aufgenommen am 14.12.2017.
(veröffentlicht auf Versbildner mit spezieller Genehmigung der Urheberin)

Advent II

Geht man abends nun durch Gassen,
die sonst einsam und verlassen,
sieht man jetzt nur hellen Schein.
Strahlend bunte Lichterketten
laden zum Verweilen ein.

In den Zweigen vieler Bäume
hängen tausend Lichterträume,
deren Glanz in Seelen fällt.
Der Advent zeigt hier Facetten
einer Zauberwunderwelt.

Überall sieht man Gefunkel,
und an Fenstern, die einst dunkel,
sind die Scheiben bunt geschmückt.
Ganz im Bann der Herrlichkeiten,
fühlt man sich der Zeit entrückt.

Man vergisst das Hasten, Eilen,
möchte halten und verweilen.
Plötzlich ist dann Sehnsucht da.
Herz pocht in vergang'nen Zeiten
und der Himmel ist ganz nah.


markttage

noch ist er grau
der Himmel über unsrer stadt
die straßen still
und viele fenster sind geschlossen

doch auf dem markt
ahnt man bereits den sonnentag
er schmeckt nach meer
nach äpfeln, birnen und nach blumen

ein süßer duft
der um die alten häuser zieht
und es erwacht
die stadt aus samstäglichen träumen

© Perdita Klimeck
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Liebevolle Anmerkung:
Als Versbildner-Herausgeber hatten wir einige Fragen an unsere Gastlyrikerin und erfuhren von ihr das Folgende.
Die Römisch-Zwei im ersten Titel meine, dass es in ihrem Schreibarchiv bereits eine Römisch-Eins gäbe; außerdem erscheine dieser Beitrag zwischen dem dritten und vierten Advent, so dass "II" gar nicht den laufenden Adventssonntag meinen könne. Und vor den "äpfeln, birnen und blumen" im zweiten Gedicht schmeckt es NICHT "nach mehr", SONDERN tatsächlich "nach meer", weil auf dem Weihnachtsmarkt, auf den sie beim Dichten heruntergesehen hatte, viel Fisch aus dem Meer verkauft wird …  
Klar, dass nun ein Foto vom weltgrößten (?) Weihnachtsmarkt, nämlich dem Dresdner Striezelmarkt, unpassend erschien, denn dessen Verkaufsschlager sind eben Glühwein und Striezeln (als gleichbedeutend mit Stollen). Andererseits ist unser Blog eine gesamtdeutsche Unternehmung und wenn schon Dresden nicht in Frage käme, dann nur im Austausch gegen eine andere ostdeutsche Stadt, aber "mit Meeresfischgeschmack". Von der Hansestadt Wismar gab es beim Googeln das schönste Foto eines Weihnachtsmarktes, und das hat uns die Urheberin, die Journalistin und Fotografin Nicole Hollatz, für eine einmalige, nicht-kommerzielle  Verwendung in diesem Beitrag zur Verfügung gestellt.
Wir danken allen Beteiligten und erklären,
·         dass wir "echt gerührt" sind;
·         einen geruhsamen 4. Advent und danach
·         ein besinnliches Fest wünschen!

Donnerstag, 14. November 2019

Stadtlyrik/3 – nachtschwärmer (Perdita Klimeck a. G.)

Sonnenaufgang in Madrid, Stadtteil Tetuán, 19.12.2007
rechts im Bild: die geneigten Gebäude der Puerta de Europa (Europator)
Foto+©: Luis Garcia; via wikimedia commons; Liz.: CC BY-SA 2.5

nacht(schwärmer)

müde kreist der tag um autolichter
menschen werden aus dem kaufhaus ausgegossen
der verkehr wird langsam etwas dichter
das bürogebäude links wird abgeschlossen

aktentaschen klemmen unter armen
unter stöckelschuhen seufzt der asphalt lieder
neonlichter zeigen kein erbarmen
einsamkeiten spiegeln sich in ihnen wider

langsam leeren sich die grauen straßen
in den kneipen sorgt das bier für illusionen
bettler, die vorhin an ecken saßen -
ausgestoßene auf schlafplatzsuchmissionen

herrchen dreht mit hund noch eine runde
hinter fenstern pulsen blaue fernsehsender
schläge künden dumpf die geisterstunde
ein kaputtes damenrad lehnt am geländer

aus dem stadtpark hört man katzen keifen
an der haltestelle küssen sich zwei frauen
vor der roten ampel quietschen reifen
träg hebt eine eule leicht die augenbrauen

nebelschwaden wandern durch den regen
aus der schwärze sinkt das dröhnen von motoren
äste die sich leicht im wind bewegen
irgendwo wird unter schmerz ein kind geboren

und die nacht taucht ein in zwischenzeiten
hinter träumen liegt das leid der welt verborgen
während manche noch durch diese gleiten
dämmert über dächern schon der neue morgen

© Perdita Klimeck
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Anmerkung:
Als Illustration zum Gedicht unserer Gastautorin haben wir freimütig das Foto einer Morgenstunde (!) in einer europäischen Kapitale gewählt: Madrid mit Blick auf das Europator – ein beliebtes Fotomotiv im Tourismus. Die Kluft zwischen architektonischem Glanz und individueller Verlorenheit ist sehr gut zu erkennen, aber in fotografischer Hinsicht spiegelt sich etwas mehr Hoffnung als bei einem Sonnenuntergang wider – jedenfalls nach unserem Empfinden vom "versbildner".

Freitag, 11. Oktober 2019

Stadtlyrik/2 – Neonreigen; Stadtschatten (Perdita Klimeck a. G.)

Interieur der Mall The Shoppes auf Marina Bay Sands in Singapur
Beleuchtete Korridore, Aufzüge und ein gewölbtes Glasdach
Foto+©: Basile Morin, 05.06.2018; via wikimedia.commons; Liz.: CC BY-SA 4.0

Neonreigen
Lichtgaukler spiegeln
sich in die Leere
grauer Riesen.
Schlagen Worte
kunstvoll
auf den Asphalt.
Walk of fame
durch aufgeplatzte Neonröhren.
Nur der Himmel weiß,
dass niemand je
seine Sterne berühren wird.

stadtschatten
die stadt zählt
ihre letzten schatten
noch klopft das leben
im roten wein
betonherzen bröckeln
und faseln von liebe
der clown am nebentisch
verschenkt sein lachen -
nur nicht allein sein
wenn der vorhang fällt
und die nacht trauert sich
langsam ins licht
und atmet tränen

© Perdita Klimeck
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Anmerkung:
Der Walk of Fame ist ein Gehweg in Los Angeles. Er erstreckt sich beidseitig des Hollywood Boulevard über 15 Häuserblöcke und noch drei weitere quer dazu. Auf diesen Abschnitten sind bis zum 23. Mai 2019 insgesamt 2.664 Sterne eingelassen worden. Mit ihnen werden Prominente aus der amerikanischen Unterhaltungsindustrie in den fünf Kategorien Film, Fernsehen, Musik, Radio und Theater geehrt. /nach Wikipedia/

Freitag, 20. September 2019

Stadtlyrik/1 – stadt im regen (Perdita Klimeck a. G.)

Alfred Smith (1854-1932)
Strömender Regen, Place de la Concorde, Paris (1888)
Abb.: Tylwyth Eldar, 29.10.2018; via wikimedia.commons; Liz.: gemeinfrei

stadt im regen

der sonnenmaler
hat seine pinsel eingepackt
nur hie und da erinnert noch
ein tupfen rot und gelb
an seine meisterwerke
sie leuchten aus dem graugemisch
wie tausendjährig sterne
die doch schon längst
erloschen sind

ein schwarzer schirm
begegnet mir
ein hut in braun
tief in die stirn gezogen
in einer pfütze spiegelt sich
die kirchturmspitze
und kunterbunte gummistiefel
springen lachend
dem regen ins gesicht

© Perdita Klimeck
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Veröffentlicht in "Asphaltgeflüster/Stadtlyrik", Lyrik aus dem
Sperling-Verlag, Nürnberg, 2014. ISBN 978-3-942104-29-6

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Wir vom Versbildner freuen uns, dass unsere Gastautorin Perdita Klimeck über die Dauer eines Jahres unserem Blog einen monatlichen Gedichtbeitrag zur Verfügung stellt – überwiegend freie Lyrik!

Perdita Klimeck, Jahrgang 1961, hat ihre Kindheit in Wolfenbüttel und Bonn verbracht. Sie lebt seit 1978 in Euskirchen (NRW); beruflich arbeitet sie im Bankgewerbe.
Lyrik hat sie schon immer begeistert, bis sie sich endgültig dem "poetischen Wort" verschrieb und ab 2009 in Lyrikzeitungen und Anthologien erste Beiträge veröffentlichte.
Im damals noch recht jungen Sperling- Verlag erschien 2011 ihr Lyrikband Randerscheinungen, dem 2013 dann der Lyrikband wortgefecht (gemeinsam mit Brigitta Wullenweber, Florian Scharf und Frank Seidel) folgte. Im März 2017 erschien dort ebenfalls ihr dritter Lyrikband Rabenschreie und Erdbeermond - gemeinsam mit Marina Maggio und Ingrid Herta Drewing.

Über das Gefühlsmäßige im Umgang mit Lyrik meint Perdita Klimeck in "wortgefecht", "Lyrik dürfe nicht im Netz verschwinden":
"Wörter sind für mich wie Pusteblumensamen. Sie sind einfach da, irgendwo in der Luft, auf dem Asphalt, in Einkaufspassagen und unter Parkbänken. Ich suche sie nicht, aber aus irgendeinem mir völlig unerklärlichen Grund finden sie mich. Überall. Sie krallen sich an mir fest und werden dann wieder fortgeweht. Mir ist dann so, als hätte es sie nie gegeben.
Manche bleiben ein wenig länger. {…} Diese Worte fange ich behutsam ein und gebe ihnen den Rahmen, den sie verdient haben. {…}
Aber da sind auch die, die unter meine Haut kriechen. An mir wachsen, in mir wachsen. {…} Auch hier fertige ich Rahmen an. Weniger glänzend, weniger schön. Aber intensiv gefärbt, mit jenen Farben, die mir in dunkleren Momenten zur Verfügung stehen."