Hier schreiben Hobbydichter für Lyrik-Freunde – meist Gereimtes und nur Druckreifes! Willkommen also, viel Vergnügen mit unseren Gedichten und deren Bebilderung!

Aufrufe unseres Blogs erfolgen automatisch mit Sicherheitsprotokoll "https". Am 18. Mai 2022 hatten wir unseren 600. Beitrag in den Blog gestellt!

Bereits seit Jahresbeginn bringen wir neue Folgen an Kalenderblättern und Monatsbildern. Darum herum dann das, was sich an Einfällen so ergibt – man wird sehen! Nun ja, was man auch sieht: wir "unterschlagen" seit einer ganzen Weile auch einen gewissen Anteil an sanfter Erotik nicht länger - die Zeiten sind eben so ...

Wir teilen den Lesern unseres Versbildners mit und bitten um Verständnis, dass wir auch weiterhin das monatliche Angebot auf 6 Beiträge beschränken - die Kontaktarmut dieser Zeit bringt leider auch eine gewisse Ideenarmut mit sich. Neueinstellungen erfolgen damit um die Kalendertage des 1., 6., 11., 16./17., 21./22., 25.-27. eines Monats.

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Montag, 25. März 2024

Vom Büchersammeln-3: Bücherlisten aus Text- und Bild-Infos

Liebe Lyrik-Liebhaber, die Sie auch Büchersammler sind!
In den ersten beiden Beiträgen dieser kleinen Reihe habe ich vom „Büchersammeln an sich“ und dem Platzbedarf bzw. dem Umfang einer eigenen Büchersammlung gesprochen.

Heute nun werden die Grundelemente informatorischer Arbeit an/mit Büchern behandelt: digital(isiert)e Bücherlisten aus Text und Bild.

Die platz- und zeitmäßigen Verhältnisse hier im Blog machen allerdings die Beschränkung auf ein illustratives Einzelbeispiel notwendig: ich habe mich für die Serie historische Kriminalromane aus der DDR-Zeit des Verlags Das Neue Berlin entschieden, dessen Schicksal übrigens in dem nebenstehenden Buch von Christoph Links (dort S. 205/6) dargestellt ist.

 Und selbstverständlich dürfen Sie sich Gedanken machen, warum die Serie mit dem Jahr 1989 „offenbar beendet“ war!

Historische Kriminalromane (Vlg. Das Neue Berlin, 1971-89)

Historische Kriminalromane im Format 10,5x17 cm;
Karton-Einbände von Klaus Ensikat.
Die (mit ø) gekennzeichneten 8 Titel fehlen in meinem privaten Buchbestand, die übrigen (mit v) gekennzeichneten sind vorhanden.
Die Fehltitel sind nachfolgend auch mit ihren Umschlag-Illustrationen gelistet:

Nr      Autor / Titel / Jahr der (Erst/Zweit-)Auflage
01 ø  Anzengruber, Ludwig: Unter schwerer Anklage. 1984
02 v
  Auerbach, Berthold: Die Geschichte des Diethelm v. Buchenberg. 1971
03 ø  Boßhart, Jakob: Der Grenzgänger. 1983
04 v
  Bourget, Charles-Joseph-Paul: André Cornélis. 1989
05 v
  Chester, George Randolph: Das Geld auf der Straße. 1983
06 v
  Chesterton, Gilbert Keith: Das unlösbare Problem. 1977
07 ø  Collins, William Wilkie: Der Mondstein. 1985
08 v
  Collins, William Wilkie: John Jagos Geist. 1984
09 v
  Deledda, Grazia: Der Efeu. 1988
10 v
  Dumas, Alexandre: Gabriel Lambert. 19872
11 v
  Ebenstein, Erich: Das Geheimnis vom Brintnerhof. 1987
12 v
  Elvestad, Sven: Das Geheimnis des Alten. 1989
13 ø Fontane, Theodor: Unterm Birnbaum. Ellernklipp. 1985
14 v
  Gaboriau, Émile: Akte 113. 1989
15 v
  Gaboriau, Èmile: Der Fall Lerouge.19802
16 v
  Gaboriau, Émile: Monsieur Lecoq. 1982
17 v
  Glauser, Friedrich: Wachtmeister Studer. 1988
18 ø  Goetz, Kurt: Die Tote von Beverly Hills. 1975
19 v
  Gorki, Maxim: Pawel, der arme Teufel. 1977
20 ø  Heyse, Paul: Andrea Delfin. Fräulein Johanne. 1988
21 v
  Hornung, E. W.: Raffles als Richter.1979
22 ø  Huch, Ricarda: Der Fall Deruga. /z. Z. kein Online-Angebot!/
23 v
  Hume, Fergus W.: Das Geheimnis des Fiakers. 1984
24 v
  Leroux, Gaston: Das Geheimnis des Gelben Zimmers. 1978
25 v
  Lindau, Paul: Der Prozeß Graef. 1985
26 v
  Mark Twain: Wilson, der Spinner. 1986
27 v
  Meinhold, Wilh.: Maria Schweidler, die Bernsteinhexe. 1984
28 v
  Mérimée, Prosper: COLOMBA. 19872
29 v
  Serner, Walter: Die Tigerin. 1985
30 v
  Sudermann, Hermann: Die Reise nach Tilsit. 1988
31 ø  Theden, Dietrich: Menschenhasser. 1985
32 v
  Tschechow, Anton: Ein Drama auf der Jagd. 1987
33 v
  Zangwill, Israel: Das große Geheimnis der Bow Street. 1985
34 v
  Zola, Émile: Thérèse Raquin. 1983


Bucheinbände meiner derzeitigen Fehlbände № 01, 03, 07, 13, 18, 20, 22, 31.

Die Krimis sind als Genre noch nicht alt –
Doch sind inzwischen sie geadelt!
Wer sie mit links abtut, der merkt sehr bald,
Dass man die guten lobt, nicht tadelt.
Und hebt sie einer gar bis in den Himmel,
So hat er eben einen Krimi-Fimmel!

elbwolf (W.H.)
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Der nächste Beitrag bringt Vorschläge zur Thematisierung von Titellisten.

Donnerstag, 16. November 2023

Vom Büchersammeln-2: Platz brauchen sie schon!

 

Der Lesesaal des British Museum in London.
Foto von Diliff (~2006); via Wikimedia Commons; Liz.: CC BY 2.5


Liebe Anhänger unseres Lyrik-Blogs,

nicht gleich erschrecken, denn SO VIEL an Platz für Bücher ist gut und erforderlich für das British Museum – aber für uns einfachere Leute mache ich hier drunter gleich eine vernünftigere (wenn auch durchaus anspruchsvolle) Rechnung auf!

Wieder habe ich mich nach einem Kronzeugen umgese­hen, um mir nicht alle Einzelheiten selbst ausdenken zu müssen, und wieder habe ich einen gefun­den, d. h. eine Kronzeugin, nämlich die Autorin des nebenstehend abgebildeten Buches:

Gabriele Goettle: Deutsche Sitten. 1991 im Eichborn-Verlag in einer veränderten Zweitauflage erschienen.

In ihrem Buch zählt Frau Goettle – gänzlich unkommen­tiert! – den gesamten Nachlass eines Anfang 1987 verunglückten Münchener Gymnasiallehrers auf. Und aus dieser Quelle kennen wir (neben etwa der Anzahl der Krawatten dieses Herrn) auch die Anzahl der Bücher und der Bücherschränke seiner Privatbibliothek. Beides ist so interessant, dass ich nicht zögere, dies in Form eines längeren Zitats wiederzugeben [ a.a.O., S.46/47]:

·        ~300 Bände Lexika und Nachschlagewerke;

·          ~300 Fachbücher Medizin, Chemie, Physik, Mathematik;

·         ~200 Sachbücher Pflanzen, Tiere, …, Kochbücher, …, Heimwerker;

·          ~  70 Bildbände;

·          ~100 Bände Erotica, Romane u. ä. m.;

·         ~750 Bände Philosophie, Psychologie, Soziologie, darunter

o   die ges. Werke von S. Freud, W. Benjamin;

o   die vollst. Werke von E. Bloch, Th. W. Adorno;

o   die Cotta’sche Ausgabe von J. W. v. Goethe;

o   die MEW (Marx-Engels-Werke), bis auf 2 Fehlbände.

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~1920 Bände insgesamt

Für diese Bücher war an Stellfläche in lfd. Metern verfügbar:

·        2 Bücherschränke à 1,50 m breit; je 5 Fächer *) = ~ 15 m

·        6 Bücherregale à 1 m breit, je 4 Fächer *)           = ~ 24 m

·        9 Hängeregale à 1 m breit *)                               = ~   9 m

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48 lfd. Meter insgesamt für 2,5 cm/Band *)

Damit vorhandene Stellfläche für                        = ~1920 Bände

 

Die angenommenen Kapazitäten *) sind durchschnittlich, aber völlig realistisch, und das Resultat ist geradezu verblüffend! Selbst wenn wir einmal schmeichelhaft annehmen wollen, dass Romane und Philosophen heutigentags die Plätze getauscht haben könnten.
Überprüfen Sie doch einmal Ihren eigenen Bestand an Büchern und an Stellplatz und Sie werden sehen, dass hier nicht getrickst worden ist!
Das nächste Mal kommen wir dann endlich auch zu Rezepten für das Sammeln.

         Wie jede Sache in der Welt
         Braucht auch ein Buch so richtig Platz;
         Wird‘s einfach ins Regal gestellt,
         Fühlt sich geschmäht der kleine Schatz –
         Drum gebt ihm Raum in den vier Wänden
         Und nehmt erneut ihn euch zu Händen!

elbwolf (W.H.)

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Der nächste Lyrikbeitrag erscheint hier am 23./24.11.2023.

Samstag, 11. Februar 2023

Poesie des Poesiealbums (4/4) – Textbeitrag

Poesiealben – wie sie aussehen und inhaltlich gestaltet werden können – das haben wir in den vorherigen drei Beiträgen dieser kleinen Serie gezeigt.

In Wirklichkeit – und um die Katze aus dem Sack zu lassen – würden wir gern ein

Poesiealbum des Versbildners

einrichten und die Besucher unseres Blogs einladen, es nach und nach zu füllen. Zu diesem Zweck werden wir in Kürze eine Möglichkeit beschreiben, uns Einträge in Bild/Text-Form zuzuschicken, die wir dann für den jeweiligen Einsender (mit Klartext- oder chiffriertem Namen) in einem Unterblog "Poesiealbum" veröffentlichen.


Um interessante Einsendungen zu ermöglichen, nennen wir heute einige der zahlreichen Buchveröffentlichung zu/über Poesiealben, die teils sogar im Buchhandel lieferbar sind, die aber vor allem auf Trödelmärkten oder in den vielerorts bereits bestehenden Büchertausch-Vitrinen greifbar sind.
Da einige dieser Buchausgaben streng auf ©-Rechte pochen (vor allem, wenn sie eigene Verse des Buchautors oder eine gediegene künstlerische Gestaltung des Buchumschlags beinhalten), müssen wir uns hier auf ein werbetechnisches Minimum von Angaben zu diesen Büchern beschränken, wobei wir ausdrücklich unsere nicht-kommerziellen Absichten betonen!

elbwolf (WH) / 11.02.2023
Hinweis: Die unten gezeigten Titel sind sämtlich im Besitz des Verfassers!



Anm.: Vom Inhalt her sind die Titel (1) und (2) identisch. Für Titel (5) besteht kein ©.
./.
Gemeinhin dächte man, dass ein Eintrag ins Poesiealbum immer wenigstens ein Zweizeiler sein müsste. Im Titel (7) aber gibt es einen Einzeiler - von wem? Von unserem "Friedrich":
"Ein jeder zählt nur sicher auf sich selbst."

Sonntag, 16. Januar 2022

Männer lesen/01 – "Ein Mann Ein Buch"

Ein Buch von Eduard Augustin, Philipp v. Keisenberg & Christian Zaschke
 für Süddeutsche Zeitung Ed., 2007; © Süddt. Zeitung GmbH, München


   Liebe Freunde und Besucher unseres Blogs!

Die berühmte Osiandersche Verlagsbuchhandlung bewirbt diesen Titel mit
"
Ein schlaues Handbuch [...], auf das Tick, Trick und Track neidisch wären."
(egal, dass diese drei Figuren in den Neuen Bundesländern keiner kennt),
lässt dem aber noch diese zu Herzen gehenden Worte folgen:

Das Kultgeschenkbuch – auch für Frauen, die sich für Männer interessieren

Männer pflegen andere Vorlieben und Interessen als Frauen. Wäre dies ein Buch für Frauen, müsste man einige Kapitel darin streichen, zum Beispiel: Wie man eine Boeing 747 landet, wie man in die Fremdenlegion eintritt, wie man eine Fliege bindet, wie man einen guten Anzug kauft, wie man Kriminalkommissar wird, wie man ein Bier zu Hause braut, wie man ein ordentliches Loch bohrt, wie man Papst wird, wie man nach dem Sex wachbleibt oder wie man bei der Geburt eines Kindes dabei ist, obwohl man es nicht selbst zur Welt bringt.
Ein Mann sollte einige Dinge wissen über das Leben.

 

Und da liegt die Werbung wieder auf Kurs, denn in den NBL gibt es doch tatsächlich Frauen, die sich für Männer interessieren!

Allerdings darf man bezweifeln, ob "ein Mann" tatsächlich wissen sollte, wie er eine Boeing 747 landet, in die Fremdenlegion eintritt (die hat z. Z. gerade noch 10.000 Mann) oder Papst wird – in den NBL besteht dafür vermutlich nur geringes Interesse.
Aber eines werden die gesamtdeutschen Frauen AUF JEDEN FALL zu schätzen wissen – WIE (besser: DASS) ein Mann nach dem Sex wachbleibt!
Ehrlich, das sollte selbst die Männer "mannweise" interessieren.

Liebe Freunde und Besucher unseres Blogs!
Wir werden versuchen, jeden Monat eine kleine Pikanterie aus besagtem "Handbuch" herauszupicken und sogar ein Gedichtlein darüber zu schreiben – es dürften aber in den meisten Fällen doch wohl Glossen herauskommen!

 

Pro Mann – dies Buch!
/ eine Parodie in Amphibrachen /

Beim Stöbern da fand ich ein Buch
das widmete sich dem Versuch,
den Männern, die dauernd belehren,
zunächst einmal selbst zu erklären,
dass vor jedem ersten Versuch
"Mann" schaute zuerst in dies Buch!

Der Mann hält sich wach nach dem Sex –
das fordert doch nicht nur 'ne Hex
und ist er davor auch gekommen –
warum ist so ganz er benommen –
das fragt sich doch heut' jede Hex
was hätte sie sonst denn vom Sex?

Als Ziel schwebt euch vor – Harmonie.
Das Buch gibt dazu Wann und Wie.
Am besten: gemeinsames Lesen,
das ändert am schnellsten sein Wesen:
"Mann" weiß bald von selbst – Wann und Wie.
Solch Glück heißt bei ihr ... Harmonie.

© gitte, 15.01.'22

Sonntag, 21. November 2021

Kehraus-II bei eigenen Versen

Buchumschlag für das geplante Bändchen "Gedichte II"
Titelvignette:
Vilhelm Pedersen (1820-59):
Das Schäferstündchen des Schornsteinfegers (1849); Liz.: gemeinfrei.

  

Kehraus-II bei den eigenen Versen …

ja, liebe Fans und Zufalls-Besucher dieses Blogs!
Nach der Information über den ersten Teil eines Kehraus meiner Verse,
https://versbildner.blogspot.com/2020/12/kehraus-bei-den-eigenen-versen.html
habe ich einfach weitergeschrieben und bin jetzt ans Ende des zweiten Teils gekommen.
Vor dem abschließenden dritten Teil wird es nun Zeit, erst einmal die Möglichkeiten des "Gedruckt-Werdens" zu untersuchen. Eine Glosse drüber hatte ich schon geschrieben, nämlich unter
https://versbildner.blogspot.com/2021/10/wer-ist-noch-nicht-gedruckt-glosse.html
Wenn ich also zwar (noch) nicht gedruckt bin, so bin ich doch unter Druck, denn wenn man ÜBER Gedichte schreibt, ist es schwer, auch noch selber welche zu schreiben.
Bitte drückt mir die Daumen für eine erfolgreiche Suche und seid mit mir guter Hoffnung!

elbwolf (© für den Umschlagsentwurf)
(Pandemie-Spätherbst 2021)

Samstag, 16. Dezember 2017

Mundart-Verse (9) – Oberlausitzisch (Hommage auf Herbert Andert, 1910-2010)

Notabene: Fortsetzung der losen Folge von Gedichten, die ihre Verfasser/Innen in Mundart geschrieben haben. Der Begriff mag für Sprachwissenschaftler etwas unscharf sein – hier steht er für Gedichte, die man in solcher "Würze" nur in "Regionalsprachen" findet. Auch sind sie den formalen poetischen Auflagen durch das Hochdeutsche weit weniger (oder nicht) verpflichtet.
Für Unkundige, die gar manches Mal "begriffsstutzig" sein würden, gibt es eine hochdeutsche Übertragung oder eine Reihe von Worterklärungen.
Spreequelle ("Spreeborn") in Ebersbach im Lausitzer Oberland (aus: wikimedia.commons)
links: Postkarte von 1907, Zenodot Verlagsgesellschaft; Urheber: H. Richter, Zittau; gemeinfrei.
rechts: Aufnahme von Frank Lehmann, 23.10.2016; Liz.: CC BY-SA 4.0
 
Herbert Andert (Ebersbach, 1910-2010; verdienter Mundart-Forscher)

Musike an Kraatschn
(Quelle: Greifenverlag-Anthologie, S. 328)

Musik im Kretscham
(= in der Schenke)

An Kraatschn is heute Musike,
kumm, Maajdl, do gih mer mit hie!
Iech tanz ju fersch Labm su garne
mit dir und mit kenner sunst mih.

Ann Walzer, dan warrn mer schunnt breetn.
Irscht raajchts, derno links tu mer'ch drähn.
Und 's Käppl, doas muß de ganz nohnde
a miech, a mei Harze droaa lähn.

Und blosn se goar Pfaarewechsl,
do tu mer, oas wenn mer'sch ne hiern.
Mir lussn'ch vu kenn andern Karln
a unsn schinn Walzer do stihrn.

An Kraatschn is heute Musike.
Kumm, Maajdl, sunst krieg mer kenn Ploatz!
Und heemzu, doas soi'ch derr schunnt itze,
do krigs de ann ganz soaaftchn Schmoatz.
Im Kretscham ist heute Musike,
komm, Madl, da gehen wir mit hin!
Ich tanz ja fürs Leben so gerne
mit dir und mit keiner sonst noch.

~, den werden wir schon bringen.
~, danach links tun wir uns drehn.
Und 's Köpfchen, ~ ganz nahe
an mich, an mein Herz anlehnen.

Und blasen sie gar "Pferdewechsel",
da tun wir, als wenn wir's nicht hören.
Wir lassen uns von keinen ~ Kerlen
bei unserm ~ Walzer doch stören.

Im Kretscham ist heute Musike.
Komm, Madl, sonst ~ keinen Platz!
Und heimzu, ~ sag ich dir schon jetzt,
da kriegst du ~ saftigen Schmatz.


Oalls minander
(Quelle: Greifenverlag-Anthologie, S. 328/9)

Alles miteinander
(= gemeinsam)
Mir gihn a de Foabrike,
de Frooe und iech.
Mir wabern a enn Sticke,
's wabt kees für siech.

Minander wird geurbert
und feste gewurgt,
minander wird derheeme
de Wirtschoaft besurgt.

Minander wird gefeiert,
's gehirrt mit derzu,
weil's derno lechter leiert –
doas woar schunnt immer su.

Ju, beede tu mer wabm,
de Frooe und iech.
Und be ann sickn Labm
denkt kees oack a siech.
Wir gehen in die Fabrik,
die Frau und ich.
Wir weben an einem Stück,
es webt keiner für sich (allein).

Miteinander wird gearbeitet
und feste geschuftet,
Miteinander wird zu Hause
die Wirtschaft besorgt.

Miteinander wird gefeiert,
's gehört mit dazu,
weil's danach leichter (= besser) läuft –
das war schon immer so.

Ja, beide weben wir,
die Frau und ich.
Und bei einem solchen Leben
denkt keiner nur an sich.


Zum neu'n Juhre
(s. Rhein-Neckar-Zeitung-Anthologie, S. 225)

Zum neuen Jahr

A neues kimmt – a aales gitt.
Und wenn'ch's ees amol raajcht besitt:
Woaas is gewaast? – Woaas woar'schn
Do sois de goar ne vill derrzu.           \ nu?

De Juhre gihn, de Juhre kumm,
und wie se senn, warrn se genumm.
Moanchmol, do leeft die Fuhre gutt,
a andrmol wird imgeschutt.
Und tut dar Plautz o noa su wieh,
oack wetter gitt's mit "Hutte-hüh"!

Fängst weder'sch Juhr vu vurne oaa,
machs dch a de neue Fuhre droaa
und weßt ne, wenn's de Drähe nimmt,
ob schunn de letzte Fuhre kimmt.

Drum hill dch derrzu! Mach derr an Spoaß!
Wenn's raajnt, wird's vu oalleene noaaß.
Oack immer munter roaa a'n Spaajk,
kenn Arger ieber jedn Draajk.
's is uff dr Walt genung schunn schlaajcht,
mach du oack deine Sache raajcht!
Ein neues kommt – ein altes geht.
Und wenn man's mal recht besieht:
Was ist gewesen? – Was war's nun?
Da sagst du gar nicht viel dazu.

Die Jahre gehen, die Jahre kommen,
und ~ sind, werden sie genommen.
Manchmal läuft die Fuhre gut,
ein andermal kippt sie um.
Und tut der Plauz auch noch so weh,
geht’s weiter doch mit "hott und hü"!

Fängst wieder 's Jahr von vorne an,
machst dich an die neue Fuhre dran,
und weißt nicht, wenn's zu Ende geht,
ob schon die letzte Fuhre kommt.
                                                 / Spaß!
Drum halte dich dazu! Mach dir 'nen
Wenn's regnet, wird 's von allein nass.
Nur immer munter ran an den Speck,
keinen Ärger über jeden Dreck.
's ist auf der Welt genug ~ schlecht,
mach du nur deine Sache recht! 

Gestattungsvermerk statt eines förmlichen ©:
Die Wiedergabe aller drei Mundart-Gedichte erfolgt mit Kenntnis und ausdrücklicher Zustimmung der Tochter und Erbin von Herbert Andert.
./.
Der verdiente Mundart-Forscher Herbert Andert ist auch der Autor dieser drei Mundart-Gedichte. Er wurde 1910 in Ebersbach geboren, dem heutigen Ebersbach-Neugersdorf im Kreis Löbau in der Oberlausitz (Sachsen), und erreichte ein Alter von fast hundert Jahren.
Sein Interesse für mundartliches Sprechen und Sprachgut rührt aus der Familie – vom Vater und vom älteren Bruder. Er studierte Pädagogik an der Leipziger Universität und arbeitete als Lehrer in Ebersbach. Zu seinen Pionierleistungen gehört u. a. die Veröffentlichung der ersten Schallplatte in Oberlausitzer Mundart 1938. Mit seinem Bruder zusammen arbeitete er an Sammlung und Kartierung des Oberlausitzer Wortschatzes.
Herbert Andert wurde 1983 mit dem Kunstpreis der Oberlausitz ausgezeichnet und 1994 zum Ehrenbürger seiner Heimatstadt ernannt; 2003 erhielt er das Bundesverdienstkreuz für sein Lebenswerk und den Lausitz-Dank in Gold. Seine umfangreiche Liste von Veröffentlichungen endet erst 2002: "Oallerlee aus unser Heemte – a unser Sproche" (ehem. Lusatia-Verlag, Bautzen). Andert ist ein personeller Artikel in der Wikipedia und ein Eintrag im "Biographischen Lexikon der Oberlausitz" gewidmet.
Zu den Quellen, die das Andenken an Herbert Andert wach halten, gehören zwei verbreitete Mundart-Anthologien: die in unserer vorherigen Folge genannte von 1990 aus dem kurz darauf untergegangenen Greifenverlag zu Rudolstadt (für die ersten beiden Gedichte oben) und die der Herausgeber B. J. Diebner und R. Lehr (s. Abb. links) im Verlag der Rhein-Neckar-Zeitung, Heidelberg 1995 (für das dritte Gedicht).
./.
Die Oberlausitzer Mundart, Äberlausitzer Sproche, ist ein Dialekt, der im Süden der Oberlausitz gesprochen wird. Er gehört zu den mitteldeutschen Dialekten, genauer klassifiziert zur lausitzischen Dialektgruppe – seine Herkunft und die Beziehungen zu anderen Dialekten sind recht schwer einzuordnen. Einen Überblick über die Verbreitungsgebiete geben ein Beitrag in der Wikipedia und im Detail eine Verbreitungskarte der Oberlausitzer Mundartgebiete (dort als Südlausitzisch bezeichnet) wieder. Zu den Besonderheiten zählt vor allem das Vorhandensein vieler sich vollkommen von der Standardsprache unterscheidender Begriffe, die häufig aus den benachbarten slawischen Sprachen entlehnt sind.

Samstag, 25. November 2017

Mundart-Verse (8) – Südthüringer Itzgründisch (Arthur Schmid †; Günter Langhammer als Gast)

Notabene: Fortsetzung der losen Folge von Gedichten, die ihre Verfasser/Innen in Mundart geschrieben haben. Der Begriff mag für Sprachwissenschaftler etwas unscharf sein – hier steht er für Gedichte, die man in solcher "Würze" nur in "Regionalsprachen" findet. Auch sind sie den formalen poetischen Auflagen durch das Hochdeutsche weit weniger (oder nicht) verpflichtet.
Für Unkundige, die gar manches Mal "begriffsstutzig" sein würden, gibt es eine hochdeutsche Übertragung oder eine Reihe von Worterklärungen.
Sonneberger Panorama im Herbst, Aufnahme: 10.10.2008.
Urheber: Holger Mohaupt; Quelle: wikimedia.commons; Liz.: CC BY-SA 3.0


Arthur Schmid (Heßberg b. Hildburghausen; 1898-1952)


Die Hauptsach
(Quelle: siehe die nachfolgend angegebene Anthologie, S. 113)

Guck! Namm dirsch net so arg ze Harzn:
Es wärd schö widdr warn.        
Es gitt halt net bloß süße Mandl,
es gitt ah bittre Karn!

Denn siehste, wenn ichs racht bedenk
un mei Betrachtns hah:
Es greuft än jedn von uns armn
Karl manchmal richtig ah!

Ich mään: Es hat a jeder was,
was  ne so richtig wörcht!
Ich aber denk: Nu grade net!
Nu grad wärd sich net gförcht!

Was hilfts denn ah? M'r könne uns
gekümmer un gehärm;
un wenn m'r alles zammeschlagn
un 's gitt än Heidenlärm:

Davoh, da ändert sich doch nix!
Mir müssn annerscht mach!
Vonn inne raus – v'rstehste mich? –
da wärds ä annre Sach!

Drüm sag ich: Namms net gar so arg!
Es wärd schö widder warn:
Die Hauptsach bleit, daß du net bloß
ä Schaln hast – ah än Karn.
Schau! Nimms dir nicht so sehr zu
Es wird schon wieder werden.   \ Herzen:
Es gibt halt nicht bloß süße Mandeln,
es gibt auch bittre Kerne!

Denn siehst du, wenn ich's recht bedenk
und meine Ansicht habe:
Es setzt einem jeden von uns armen
Kerlen manchmal richtig zu!

Ich meine: Es hat jeder was,
das nicht so richtig läuft!
Ich aber denke: Nun erst recht!
Jetzt grade wird sich nicht gefürchtet!

Was hilfts denn auch? Wir können uns
bekümmern und härmen;
und wenn wir alles zusammenschlagen
und 's gibt einen Heidenlärm:

Davon, da ändert sich doch nichts!
Wir müssen 's anders machen!
Von innen raus - verstehst du mich? -
da wird’s eine andere Sache!

Drum sage ich: Gib nicht so viel drauf!
Es wird schon wieder werden:        / bloß
Die Hauptsache bleibt, dass du nicht eine Schale hast – auch einen Kern.

Anm.: siehe den Disclaimer am Ende des gesamten Beitrags!


Günter Langhammer (Haselbach, jetzt OT von Sonneberg; geb. 1937)


Wos mir ells ham
(Quelle: Anthologie, S. 134)

Was wir alles haben


Wir ham uns en Winter eigefange
un in weiße Gefriertruhn gesperrt.
Er liefert uns fresche Erdbeer un junge Erbsen raus
und Fläsch, Fläsch, sehr viel Fläsch.
Jetzt brauchen wir en Weihnachtsbroten nimmer
vursch Fanster zu hänge, deß er sich ja hält.

Wir ham en Bach a neis Bett gegossen.
Es is schnurgerod un aus Beton.
Jetzt brauchen mer kä Angst mehr zu ham,
deß Hochwasser die Wies ieberschwemmt.
Die drei Kopfweiden stunne ower im Wag.

Wir ham uns Farbfernseher gekäft.
Jetzt brauchen wir ner nuch auf Tasten zu drecken
un sahn, wenn se in Amerika boxen un in
                                                  Japan Fußball spieln.
Unnern Spartplatz mißten se meh
un die zwee Tor reparier.

Mir ham's besser.
Ower hammersch ah schänner?
den Winter eingefangen


Fleisch
Weihnachtsbraten
vors Fenster zu hängen

dem Bach ein neues Bett
schnurgerade
keine Angst

standen aber im Wege

gekauft
nur noch ~Tasten zu drücken
und sehen

Unsern Sportplatz müssten
                              \ sie mähen

Wir haben es besser.
Aber haben wir's ~ schöner?

© Günter Langhammer; Wiedergabe erfolgt mit ausdrücklicher Erlaubnis des Autors!

./.
Die Autoren unseres November-Beitrags haben uns auch viele Jahre nach der Erstveröffentlichung ihrer Verse noch etwas zu sagen – kluge Worte wirken eben lange nach!
Leider sind manche Spuren der Dichter – bis eben auf die durch das gedruckte Buch übermittelten – verblasst. Für eine Mundarten–Anthologie, verlegt 1990 im Greifenverlag (s. Abb.!), konnte der Mitarbeiter der Friedrich-Schiller-Universität Jena und Erforscher thüringischer Mundarten, Heinz Sperschneider (1927-2009), damals schon als Herausgeber nur wenige Lebensdaten erheben.

Arthur Schmid (1898-1952) war in Heßberg bei Hildburghausen ansässig. Er war Lehrer an verschiedenen Schulen in der Umgebung. Ihn führt der heutige  Thüringer Literaturrat im Verzeichnis seiner Autoren mit einer ansehnlichen Reihe von Werken auf.

Günter Langhammer wurde 1937 im heutigen OT Haselbach der Kreisstadt Sonneberg geboren. Er war Fachlehrer für Deutsch, ging 1990 in Vorruhestand. Er veröffentlichte Beiträge in itzgründischer Mundart, meist in Anthologien, zuletzt in einer von 2007, die in Sonneberg erschien, und 2014 in einem Band des Arbeitskreises "Mundart Südthüringen e.V." Der Thüringer Literaturrat führt Günter Langhammer ebenfalls in seinem Autorenverzeichnis.
./.
Einen Überblick über die Verbreitungsgebiete der thüringischen Mundarten, darunter des Itzgründischen um Hildburghausen und Sonneberg, gibt ein Beitrag in der Wikipedia wieder. Namensgeber für diesen mainfränkischen Dialekt ist die Itz, ein rechter Nebenfluss des Mains in Thüringen und Oberfranken; gesprochen wird der Dialekt in den Tälern der Itz und ihrer Zuflüsse.

Disclaimer
Die Betreiber von "Versbildner" erklären, dass angesichts der beiden Umstände – (1) der Greifenverlag hörte 1992 nach Insolvenz auf zu exstieren und sein Verlagsarchiv wurde auf der Heidecksburg/Rudolstadt eingelagert und (2) der Anthologie-Herausgeber Sperschneider verstorben ist – eine Gestattung für das erste der zwei wiedergegebenen Gedichte nicht beizubringen war. "Versbildner" würde aber auf einen berechtigten Anspruch hin das Gedicht unverzüglich von seiner Webseite entfernen – wenn auch mit Bedauern.