Hier schreiben Hobbydichter für Lyrik-Freunde – meist Gereimtes und nur Druckreifes! Willkommen also, viel Vergnügen mit unseren Gedichten und deren Bebilderung!

Aufrufe unseres Blogs erfolgen automatisch mit Sicherheitsprotokoll "https". Am 18. Mai 2022 hatten wir unseren 600. Beitrag in den Blog gestellt!

Bereits seit Jahresbeginn bringen wir neue Folgen an Kalenderblättern und Monatsbildern. Darum herum dann das, was sich an Einfällen so ergibt – man wird sehen! Nun ja, was man auch sieht: wir "unterschlagen" seit einer ganzen Weile auch einen gewissen Anteil an sanfter Erotik nicht länger - die Zeiten sind eben so ...

Wir teilen den Lesern unseres Versbildners mit und bitten um Verständnis, dass wir auch weiterhin das monatliche Angebot auf 6 Beiträge beschränken - die Kontaktarmut dieser Zeit bringt leider auch eine gewisse Ideenarmut mit sich. Neueinstellungen erfolgen damit um die Kalendertage des 1., 6., 11., 16./17., 21./22., 25.-27. eines Monats.

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Sonntag, 11. Juli 2021

Ein bisserl lyrischer Nonsens

The solution to the Sam Loyd donkey puzzle;
Urheber: Sakurambo, 03.07.2016; via Wikimedia Commons; gemeinfrei.

Vom Epigramm zum Limerick:
Wir greifen auf gut Glück zu den Humanisten-Epigrammen "Galle und Honig" [RUB 942, S. 89] und finden bei Georg Schüler (1508-60) das Epigramm

Ein Dieb durchsuchte nachts das Haus
          des Bankrotteurs Philen:
Vergeblich", rief der, "stöberst du:
          Ich kann auch tags nichts sehn."                       /G. Schüler/

Das nehmen wir als Anregung zu einem Limerick:

Sie hätten mich nachts fast bestohlen –
drauf hab ich den Dieben empfohlen:
        "Was soll diese Plage –
        kommt lieber am Tage                                    /nach Schüler/
und seht, es gibt kaum was zu holen!"                        /© elbwolf/


Noch einen Spiegel-Limerick (9-zeilig):

Begrenze für anstehnde Feste
die Zahl der geladenen Gäste,
          denn höchstens neun Musen
          sind noch zu verknusen –
du hast nur ein Haus, nicht Paläste;
          zumindest drei Grazien
          lass knabbern Pistazien –
und Dach überm Haus ist das Beste,
weil Regen dann keinen durchnässte!

 

Und nun Kreuzworträtselwörter – "um die Ecke gedacht"

Lasst uns nun so um die Ecke denken, wie uns das die Autoren gewisser Kreuzworträtsel zumuten: sie verpacken die gesuchten Rätselwörter so, dass man oftmals den Eindruck hat, sie machten sich über die armen Aufrater lustig.
Ein Beispiel:

         Schreiber bei Goethe, wegen Kopflosigkeit als Reiseführer ungeeignet.

Goethes "Schreiber" hieß ... Eckermann! Unter den Reiseführern gibt es auch die von Neckermann; fehlt einem solchen der Kopf, also der erste Buchstabe (ich meine: den Neckermann, nicht den Goethe!), ist das Eintragungswort gefunden.
Hier in dieser Abteilung ist das gesuchte Wort nicht nur textlich spitzfindig beschrieben, es ist bereits in ein Sprüchlein verreimt worden! Sie sollen nun herausfinden, wie das Lösungswort heißt, das dann schon ins Kreuzworträtsel einzutragen wäre:

Gezogen wie geschoben
(1)     Das Weib folgt wie die Lücke seinem Schritt,
         und nichts zu sehen, was sie sonst noch eint;
         dem Bau wie Jahr folgt er sofort im Tritt,
         doch ist beileibe Baujahr nicht gemeint.

Ein Schnaps vom Wachholder
(2)     Tschaikowski sucht vergeblich einen Namen
         für seine Oper, sie damit zu rahmen;
         trinkt dann 'nen einzelnen Wachholderschnaps,
         als er ganz unerwartet ruft: "Ich hab's!"

Verschränkte Hände
(3)     Ein Mann, der uns die Reize einer Frau
         beschreibt und das zudem auch sehr genau
         und ohne zu gebrauchen seine Hände –
         der ist ein Mann! Doch oft genug Legende.

Schlechte Lehren
(4)     Die Ariadne hat solch einen Faden,
         für rein und wieder raus am Labyrinth;
         wer ungeachtet dessen leidet Schaden,
         der merkt, dass manchmal jede Lehre spinnt.

Dicke Luft
(5)     Nicht jede 'dicke Luft' ist hausgemacht,
         und diese hier vermindert gar den Schaden;
         falls es beim Autofahren einmal kracht:
         da will gestaute Luft sich auch entladen.


© elbwolf, Juli 2021
Ja, die Lösungen ... die finden Sie hier unter dem Strich!
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Markt / Onegin ("Ein Gin") / Gentleman / Irrlehre / Airbag

Montag, 21. Dezember 2020

Kehraus bei den eigenen Versen

 Kehraus bei den eigenen Versen

 Liebe Leser dieser (und ich meine damit eingeschränkt – meiner eigenen) Verse!

Es war das Corona-Jahr "2020", das mit der Impfmöglichkeit nun doch noch auf das Licht am Ende des Tunnels zuzugehen scheint. Da wird man schon einmal zurückschauen dürfen, was trotz allem geworden ist.

 Diese Rückschau ist für mich umso mehr angezeigt, als ich nach 14 Jahren Mitgliedschaften in vier verschiedenen Communitys mich wieder zum "Single" gemacht habe. All die Gängelei, alles Unverständnis von Seiten der "Administratoren und Administratorinnen" liegt hinter mir. Ich versuche nun, meine immer umsichtig bewahrten Texte auf die Reihe zu bringen.

Und dabei den Leitspruch dieser Gemeinschaften,

"Spaß – nicht Versmaß!"

wieder vom Kopf auf die Füße zu stellen, wie ich es stets gehalten habe:

→ Versmaß – macht erst richtig Spaß! ←

Das Vorhaben ist, meine eigenen Beiträge nach drei Themenkreisen zu ordnen – und damit den unterschiedlichen Kenntnissen von Lesern entgegenzukommen. Sie möchten vielleicht selber produktiv sein oder werden, aber ihren bislang mehr intuitiven Umgang mit der Lyrik beibehalten und durch Möglichkeiten des Vergleichens lieber sicherer werden.
Entsprechend sollen diese drei Gebiete umfassen:

● Nonsens, Scherz und Spaß
● Wege zu großen Strophen
● Erato's Reich – Erotik, Lust und Liebe.

Ganz oben zeigt das heutige Titelbild meine Vision zum Teil-1 mit dem Kopfschmuck für das Kapitel der Vierzeiler-Epigramme. Und hier drunter folgen einige Verse, die bislang unter den Tisch gefallen sind oder gerade erst entstanden.

Klapphornverse

Zwei Knaben gingen durch das Korn,
der hintre träumt, er ginge vorn,
doch vorn ging schon der erste
und nicht durch Korn – durch Gerste!

Zwei Mädchen reichte das Geklingel –
sie machten schon zu lang auf 'Single'!
Sich mal per Agentur verlieben ...
so sind sie 'Singles' auch geblieben.

Es lebt – fest angestellt – hienieden
ein Kroko bei den Pyramiden.
Dort frisst es alle die Besucher,
die Eintrittspreise fanden Wucher.

 Leierkastenverse

  Hoffnungsloser Fall 

Ziel gut auf mich und triff,
denn das lohnt nämlich immer!
Ich krieg nichts in den Griff –
bin eben Trockenschwimmer.
Gesellschaftlichen Schliff
verpasste mir kein Trimmer;
selbst nach dem letzten Pfiff
hab ich noch keinen Schimmer …


Epigramm


Limerick




 
 
 
 
 
 
 

 
 
 
 
 
 
 
Allen Lesern ein friedliches Weihnachten 2020 – elbwolf

Sonntag, 9. August 2020

Ein Witz, wie schnell ein Witz kein Witz mehr ist!

Lieber Simplizissimus – Hundert Anekdoten;
Kleine Bibliothek Langen, Bd. 43. Verlag Albert Langen, München 1908.
(Zur Zeit in keinem Online-Antiquariat im Angebot!)

Lieber Simplizissimus – Hundert Anekdoten (1908)

An einer der Stellen, wo ich nun schon viele Jahre ostdeutsche Bücher vor dem Untergang rette und in neue Leserhände weitergebe, kam mir ein handliches Büchlein in die Hände, dessen massiver dunkler Leineneinband sofort verriet:
etwas Älteres, so um 1900!
Es war der erste Titel einer Serie von damals bereits 5 Titeln gleichen Namens: "Lieber Simplizissimus" – Verlag von Albert Langen München 1908. Langen hatte 1896 die wichtigste satirische Wochenschrift Deutschlands gegründet, im gleichen Jahr, wie Hirth & v. Ostini "Die Jugend".
In diesem ersten Simplizissimus-Sammelbändchen waren 100 Anekdoten vereint, unter denen ich mit vollen Händen zu schöpfen gedachte, um sie dem Versbildner-Publikum vorzulegen, garniert jeweils mit einem Epigramm, das dem scharfen Text eine noch schärfere Spitze aufsetzen sollte.
Oh weh!
Sie waren in etwas über hundert Jahre stumpf geworden, die alten Witze. Mehr noch, sie waren geradezu gefährlich geworden! Sie haben sich in Beispiele für Dünkel, Rassismus, Sexismus und ähnliche Abscheulichkeiten verwandelt, die ihre Verbreiter zum Objekt amtlicher Beobachtung machen könnten oder der #me-too-Bewegung in die Hände spielen würden.
Mit einem Wort, ich hatte ziemliche Mühe, 3 – 4 Simplizissimus-Witze in die Neuzeit herüberzuretten, ohne gleich selbst Kopf und Kragen zu riskieren.
Und das für etwas, das einst als "Witz" auf die Welt gekommen war!

Epigramme auf Simplizissimus-Witze von 1908
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Motto: Ein Witz, wie schnell ein Witz kein Witz mehr ist – und gefährlich!

(1) Die Beichte /S.14, etwas gekürzt/
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| Ein Mann hatte seine beträchtlichen Sünden gebeichtet,
| schien dem Pfarrer aber immer noch bedrückt. Der fragte:
| "Mein Sohn, hast du noch etwas hinzuzufügen?"
| "Ja, eins schon, Herr Pfarrer: ich bin a Biehm."
| "Nun," sagte der Pfarrer, "eine Sünd' ist das net, aber eine
| Schweinerei schon!"
+ ------------------------------------------
Nur gut, dass unser Biedermann bloß "Biehme",
denn wenn er gar als Ungarmann erschiene
(befasst von Kindesbeinen nur mit Schweinen),
wär heut ein weitrer los von allen Leinen.

(1)  Polizeiliches Führungszeugnis /S.143, umgetitelt!/
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| In einer kleinen Garnisonsstadt mit Sitte und Gottesfurcht
| beschuldigte man eine junge Dame mit Namen X., gegen
| die guten Bürgertugenden verstoßen zu haben. Bei ihrem
| Prozess wurde folgendes Führungszeugnis verlesen:
| "Das Zimmer der X. war wie bei einer Dirne ausgestattet –
| so befanden sich an den Wänden die Bilder von Offizieren
| sämtlicher Waffengattungen der hiesigen Garnison."
+ ------------------------------------------
Nur fühlt der Leser sich auch durchs Gericht betrogen:
das hatte leider überhaupt gar nicht erwogen,
dass all die Herren vorher auch schon blankgezogen!
Und das ist sicher nicht "erstunken und erlogen"!

(3) Fachmännischer Rat /S.123/
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| Jochen will heiraten, traut sich aber nicht recht. Er fragt
| seinen verheirateten Freund Hinrich:
| "Du kennst dat nu, sall ick heirohde"!
| "Du? Heirohde? Dohn et – un du laachst dich kapot!"
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Solche Auskunft ist ein wirklich guter Rat,
jetzt ist Jochen klar –  er soll es ruhig machen!
Wer nun aber keinen seiner Freunde bat,
denkt, es gäbe in der Ehe nichts zu lachen!

(4) Columbus /S.133, erweitert/
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| Fragt Durchlaucht seinen Sekretär: "Lese da eben, äh, von
| diesem, äh, Christoph Columbus. Kommt mir bekannt vor,
| äh, wirklich bekannt! Was war der Mann doch eigentlich?"
| "Columbus war ein großer Entdecker, Durchlaucht!"
| "Ah, sehr richtig! War das nicht der, welcher, äh, die Eier
| nach Europa gebracht und gezeigt hat, äh, wie man sie
| auch auf die Spitze stellen kann?"
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Heute stellt Columbus keine Eier auf die Spitze!
Heutzutage kröche der in jede kleine Ritze!
Heute stürzt den Dämlack lieber man von seinem Sockel,
als Vernichter indigener Völker – dieser Gockel!

© versemacher (für die Epigramme)
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Und so sah eine Nummer der Satirezeitschrift im Original aus:

Mittwoch, 28. August 2019

Epigramme/4 – auf Aphorismen über Frauen & Liebe

Hans Georg Lewerenz (1915-2006): Der Laufsteg.
Foto&©: Onkel Walter, 12.04.2008; Liz.: CC BY-SA 3.0
Notabene:
Nach den Epigrammen auf Kontaktanzeigen, Politikerwitze und die Aussprüche Großkopfeter sollen heute einige bekannte Aphorismen über das Dauerbrennerthema Frauen & Liebe "kommentiert" werden.
Das lyrische Genre der Epigramme beansprucht öffentliche Meinungsfreiheit, weil es sich per se gegen jedwede Anschuldigungen behaupten kann, wie fortgeschritten moderne Maulkorb-Verteilungs-Systeme auch bereits wieder gediehen sein mögen.


(1) Christine von Schweden (1626-1689):
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"Die Natur macht die Frauen verschieden – die Mode macht sie gleich."

'Die Mode mache alle Fraun zu Gleichen' –
lässt das nicht jede Frau sofort erbleichen?
Und auch die Männer wären längst verblichen,          
wenn von Natur die Fraun sich alle glichen.

(2) Wilhelm Busch (1832-1908):
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"Enthaltsamkeit ist das Vergnügen an Dingen, welche wir nicht kriegen."

Enthaltsamkeit ist nichts auf lange Sicht!
Auch macht ein einfach Ding kein recht Vergnügen.
Warum mit Brosamen denn sich begnügen –
verlockend sind nur Dinge von Gewicht.

(3) Jean-Baptiste Molière (1622-1673):
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"In der Ehe geht – wie auch sonst – Zufriedenheit über Reichtum."

Zufriedenheit herrscht dann in einer Ehe,
wenn auch bei Kassen-Ebbe keiner schmollt;
Man tritt sich oft genug noch auf die Zehe,
vor allem, wenn der Rubel reichlich rollt.

(4) Chinesische Sprichwort-Weisheit:
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"Liebenden schmeckt sogar das Wasser süß."

Selbst Wasser schmeckt so süß wie Limonade,
ist einer ausreichend genug verliebt –
und wer die Liebe eher schon versiebt,
dem schmeckt selbst Limo nur wie Wasser: fade!      

(5) Søren Aabye Kierkegaard (1813-1855):
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"Die Ehe ist und bleibt die wichtigste Entdeckungsreise, die der Mensch unternehmen kann."

Was Kierkegaard bei Ehereisen fand,
dient heute nicht einmal als Episode:
entdeckt wird vor der Ehe alles Land,
selbst sie kommt ja schon langsam aus der Mode.

(6) August Strindberg (1849-1912):
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"Sollte es wirklich einmal zu einem Kampf zwischen den Geschlechtern kommen, dann werden die Frauen siegen, weil die Männer die Frauen mehr lieben, als die Frauen die Männer."

Die Männer werden doch nicht unterliegen –
und Frauen im Geschlechterkampfe siegen?
Das fürchten Männer, die den Fraun nicht trauen,
denn mehr als Männer lieben Fraun, scheints, Frauen.

(7) Napoleon Bonaparte (1769-1821):
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"Fähigkeiten sind nichts ohne Möglichkeiten."

Die eignen Fähigkeiten werden schwach,
steht es mit Möglichkeiten mehr als zach.
Doch stehen solche oft auch längst bereit,
nur sind dann Fähigkeiten nicht so weit.

Das dachte Bonaparte als Stratege –
doch stand er auch privat sich nicht im Wege
und fand der Möglichkeiten endlos viele,
wo er mit Fähigkeiten kam zum Ziele.

(8) Joachim Günther (Ingenieur in den 1970ern, Chemnitz):
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"Der Mann bleibt für sinnliche Liebe länger attraktiv als fähig, die Frau länger fähig als attraktiv."

Da ist ein Punkt, wo einstellt sich Balance
und Paare fürs Begehren sich genieren.          
Dabei ergäbe sich die Riesen-Chance,
Begierden einmal 'umzudefinieren'.

© elbwolf (WH, 24.8.2019)
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Die hier epigrammatisch kommentierten und sämtlich bekannten Aphorismen 1-7 wurden der Sammlung "Wassermann", Neumann & Göbel Verlagsgesellschaft (Köln) unter den folgenden Kalenderdaten entnommen:
21.1., 13.2., 19.2., 6.4., 26.6., 10.7. und 8.9.
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Dieser Beitrag zeigt Epigramme in ihrem heutigentags gebräuchlichsten Format des Quartetts aus 5-füßigen (meist jambischen) Versen in den Reimungen aabb, abab, abba. Diese formale Seite tritt aber hinter den Inhalt zurück, der sich mittels ironischer Formulierungen eines speziellen merk- oder kritikwürdigen Umstands annimmt.

Samstag, 5. Januar 2019

Epigramme/3 – auf jüngste Aussprüche Großkopfeter

French political cartoon (1814): Le cabinet littéraire en plein vent
Standort: Bodleian Libraries, Oxford; via wikimedia.commons; gemeinfrei
Notabene:
Nach den Epigrammen auf Kontaktanzeigen und auf Politikerwitze sollen heute die "Großkopfeten" selber beim Wort genommen werden. 
Das lyrische Genre der Epigramme beansprucht öffentliche Meinungsfreiheit, weil es sich per se gegen jedwede Anschuldigungen behaupten kann, wie fortgeschritten moderne Maulkorb-Verteilungs-Systeme auch bereits wieder gediehen sein mögen. Und von UNWAHRHEITen kann ja hier wirklich nicht die Rede sein, da die Großkopfeten höchstselbst als Quellen "gebeten" werden.

(1)
Bundespräsident Steinmeier sagte nach einem Besuch bei den Rodlerinnen Februar 2018 im olympischen Pyeongchang:
"Am aufregendsten fand ich es, als mir die Rodlerinnen angeboten haben, auf dem Doppelschlitten mal mit runterzufahren."

Gut getan, Termine vorzuschützen,
statt im Eis die Rinne langzuflitzen!
Kurvenreich ist sie und recht gefährlich,
für den Staatsmann deshalb zu beschwerlich.

(2)
Bundesverkehrsminister Scheuer erklärte am 25.4.2018 nach einem Besuch des weiter im Bau befindlichen Hauptstadtflughafens BER:
"Ich akzeptiere es nicht, wenn die Welt über diese Baustelle lacht."

Na schön – sie lacht nun aber mal, die Welt,
so schallend, dass es in den Ohren gellt!
Und wem das mit dem BER partout missfällt,
der frage noch: wohin fließt all das Geld?

(3)
Altbundeskanzler Gerhard Schröder erwiderte im November 2018 auf die Frage, warum er nicht zurück in die Politik gehe:
"Ich finde keinen Ortsverein der SPD, der mich vorschlägt."

Da hat seit Schröders Abgang aus der Kanzlerschaft
sich von der SPD wohl zu viel abgeschafft …

(4)
Die Bundeskanzlerin sagte in ihrer Abschiedsrede als CDU-Bundesvorsitzende am 29.10.2018 auf dem Parteitag in Hamburg:
"Wir haben uns auch gegenseitig etwas zugemutet. Ich Euch. Aber ich erlaube mir zu sagen, dass es auch - ganz, ganz selten natürlich - auch mal umgekehrt war."

Den eignen Streitern - manches zugemutet,
dagegen andersrum hat kaum jemand geblafft.
Doch wie ergreifend man ins Horn jetzt tutet –
wir andern sind zum großen Teil geschafft.

(5)
Bundesinnenminister Seehofer (CSU) erklärte im Juli 2018 vor einem CDU/CSU-Spitzentreffen:
"Ich lasse mich nicht von einer Kanzlerin entlassen, die wegen mir Kanzlerin ist."

War's der, dem man was "zugemutet" hatte?
Der dann als Einziger gedreht den Spieß?
Schnell ward die Sache dann verpackt in Watte
und keiner mehr "ein Spielverderber" hieß.

(6)
Am Rande eines Besuchs von Bundes­präsident Steinmeier in Südafrika sagte dessen Präsident Cyril Ramaphosa auf einer Pressekonferenz:
"Deutsch verstehe ich nur am Donnerstag."

Der Bundespräsident wahrt Etikette,
nur für den Rückbesuch ist er doch zag:
denn Afrikaans versteht – was gilt die Wette? –
er selber weder Diens- noch Donnerstag!

(7)
Die britische Premierministerin May "warb" auf dem Sondergipfel zum Brexit am 25.11.2018 mit diesen Worten:
"Das ist der beste mögliche Deal. Es ist der einzige mögliche Deal."

Wenn wir an Möglichkeiten eine zählen,
dann kann das automatisch nur die beste sein!
Denn gäb es zwei – so müssten wir ja wählen,
da haben wir bei einer ausgesprochen Schwein.

elbwolf, 4.1.2019
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Die verwendeten Aussprüche stammen aus der Zusammenstellung "Gesagt, getan – Zitate des Jahres", die am 30.12.2018 auf der Titelseite des Magazins der Sächsischen Zeitung erschien. Da kein Bearbeiter oder Verantwortlicher genannt wird, ist davon auszugehen, dass der Redakteur des Magazins verantwortlich zeichnet. Von den insg. 18 Zitaten wurden folgende nicht berücksichtigt: Donald Trump, Bill de Blasio, Elon Musk, Jimmy Kimmel, Alexander Gerst, Sebastian Wood, Alexander Gauland, Silvio Berlusconi, eine unbekannte Chemnitzerin, der Papst und Feine Sahne Fischfilet.

Freitag, 9. März 2018

Epigramme auf Politiker-Witze

Gipfelteilnehmer des 12. Treffens der G20 in Hamburg, 7.+8. Juli 2017
Urheber des Fotos: Präsidialamt des Präsidenten von Mexico; Liz.: CC BY 2.0
./.
Rund 31.000 Polizisten wurden zum Schutz des Gipfels und der Stadt eingesetzt.
Zehntausende brachten ihren Protest gegen den Gipfel zum Ausdruck.
Bei Ausschreitungen und Polizeiübergriffen wurden hunderte Personen verletzt.
./.
Die Anklagen gegen Protestierende wurden im Februar 2018 fallengelassen, u. z.
genau an dem Tag, als der Hamburger OB in Berlin den SPD-Vorsitz übernahm.

Unter den Alt-Bundeskanzlern war einer mit knappsten Englisch-Kenntnissen.
Vor dem Antrittsbesuch beim US-Präsidenten gibt man ihm den Rat, er solle seine Begrüßung auf einen Spickzettel schreiben, den in die Schlaufe der Krawatte stecken und gleich von dort unbemerkt ablesen! Gesagt, getan – und abgelesen:
- "Mr. President, nice to meet you. Hundert Prozent Polyester."

Nach der Begrüßung veranstaltet der Präsident einen Umtrunk und lässt dem Kanzler ein helles Bier, sich ein dunkles servieren; bringt dann den Toast aus:
- "To your health!"
Der Deutsche ist erfreut, weil er von allein das Passende zu antworten weiß:
- "To your Dunkls!"

Zur Politik geht's notfalls ohne Abitur – 
das brauchen doch viel eher die Berater.
Gehört man später selbst zur ersten Garnitur, 
fragt keiner mehr: "Von welcher Alma mater?"

Schlendern der amtierende bisherige und der designierte nächste Finanzminister beim Schaufensterbummel durch Berlin. Sagt der Amtierende zum Designierten:
- "Sieh Dir bloß diese freundlichen Preise an – wir haben eben immer noch das alte Wirtschaftswunder: ein Hemd 5 €, ein Mantel 15 € und ein ganzer Anzug nur 20 €!"
Der Designierte stutzt einen Augenblick, erblickt das Ladenschild und grinst:
- "Wir stehen ja auch gerade vor einer Chemisch-Reinigung"!

Es ist nicht alles Gold, was gülden glänzt, 
und manches schnelle Statement trügt,
weil sich herausstellt, dass es dreist "ergänzt"
die Wirklichkeit – will heißen: lügt.

Informiert sich der Landwirtschaftsminister vor Ort über Maßnahmen gegen die Schweinepest. Die Presseleute twittern und knipsen fleißig, aber in der Redaktion ist man sich uneins über die Unterschrift zu einem Bild, das den Minister zeigt, wie er gerade in einer Gruppe von Schweinen steht:
- 3. Redakteur: "Der Minister unter Schweinen – das geht nicht."
- 2. Redakteur: "Der Minister umringt von Schweinen – geht noch weniger."
- 1. Redakteur: "Im Zentrum – wie immer -  der Minister! Das geht."

So ein Minister ist doch stets umringt von einer Meute –
das wirkt so populär und bringt sein Image unter Leute.
Die Lobby ist wie stets nicht weit, doch wahrt sie strikt den Schein,
und bei der Presse hat der Gute sowieso stets Schwein.

Ein MdB kommt zu spät zur Bundestagssitzung und fragt den Einlassdienst:
- "Hat der erste Redner schon angefangen?"
- "Ja, vor einer Viertelstunde!"
- "Und worüber spricht er?"
- "Das wollte er gerade in diesem Moment sagen!"

Die Redezeit ist zwar beschränkt, doch nicht für Alpha-Tiere!
Begibt sich eins von denen voll Elan ans Rednerpult,
so spannt's den Zuhörer gewaltig-mächtig auf die Folter.
Der lechzt nach Wahrheiten;
rasch scheint es ihm, er stünde Schmiere –
so hat der Wortschwall ihn nach kurzer Zeit schon eingelullt.
Erst dann beginnt der Redner ein gemäßigtes Gepolter:
ätschi-bätschi!

Rutscht am Bundeskanzleramt ein Tourist aus und fällt längelang auf den Rücken.
Kommt zufällig der Kanzleramtsminister heraus, sieht das Malheur und hilft beim Aufstehen. Sagt dann zum Touristen mit verbindlichem Ton:
- "So, dafür geben Sie bei der nächsten Wahl Ihre Stimme der Kanzlerin-Partei!!"
Antwortet der Hingefallene – zudem ahnungslos, wer ihm da geholfen hat:
- "Mei Guter, ich bin uff'n Rücken gefollen, ne uff'n Kopp!"

Zu preisen ist doch der, ich sag es etwas barsch,
der, wenn er schon mal fällt, fällt rücklings auf den Arsch.
Ein andrer fällt – nicht ohne Raffinesse –
von ganz allein nach vorn und auf die Fresse!

Klingelt im Willi-Brandt-Haus das Telefon und eine Stimme fragt:
- "Könnt ihr uns sagen, wer nächster Kanzlerkandidat der CDU werden sollte, unter dem ihr auch wieder in die Regierung als Juniorpartner eintreten würdet?"
Antwortet der in der SPD-Zentrale:
- "Das wüssten wir selber gerne, aber im Moment haben wir zu viel um den Kopf. Fragt das lieber die im Konrad-Adenauer-Haus!"
Entgegnet der Anrufer mit den Worten:
-"Habt ihr schlecht zugehört? Hier IST das Konrad-Adenauer-Haus!"

Das kommt nicht gänzlich unerwartet:
dass andre besser sind im Bild?
Ist wirklich auch nicht abgekartet:
die führn Eigenes im Schild!
Man hebt ja selber auf den Schild,
den keiner je hat dort erwartet.
Allmählich rundet sich das Bild
und stellt sich raus als … abgekartet!

./.

Stellt doch das Dresdner Blatt "DNN" in der Wochenend-Ausgabe vom 11. Februar 2018 diese - eher rhetorische - Frage:
"Hat das alternde Deutschland ein Problem mit jungen Leuten, die Verantwortung tragen?"

Junge Leute, die Verantwortung schon tragen
So was echt Banales darf man doch nicht fragen! 
Müssten ja die Älteren zunächst mal wagen,   
Jüngeren Verantwortung zu übertragen! 

./.

© Wolfgang H./elbwolf, 14.2.2018
(für alle Verse sowie für die Wiedergabe
der Politiker-Witze mit gänzlich eigenen Worten)
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Das beeindruckende Icon für EU-Politiker
Autor: Masterdeis (2011); via wikimedia.commons; Liz.: CC BY-SA 3.0
Epigramme heißen knappe (einstrophige) Verse, die einen einprägsamen Ausspruch oder eine Feststellung enthalten – eher also ein Genre abstecken! Das wird durch zugespitzte Behandlung von Personen oder Sachlagen erreicht. In heutiger Zeit darf man dabei (fast) jedes Versmaß einsetzen, nicht mehr nur ein antikes oder auf dem Alexandriner basierendes.

Vollreimende Vierzeiler bevorzugen übrigens diese Reimungen aaaa, aabb, abab.
Früher hatte ich bereits Epigramme auf Kontaktanzeigen veröffentlicht