Hier schreiben Hobbydichter für Lyrik-Freunde – meist Gereimtes und nur Druckreifes! Willkommen also, viel Vergnügen mit unseren Gedichten und deren Bebilderung!

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Bereits seit Jahresbeginn bringen wir neue Folgen an Kalenderblättern und Monatsbildern. Darum herum dann das, was sich an Einfällen so ergibt – man wird sehen! Nun ja, was man auch sieht: wir "unterschlagen" seit einer ganzen Weile auch einen gewissen Anteil an sanfter Erotik nicht länger - die Zeiten sind eben so ...

Wir teilen den Lesern unseres Versbildners mit und bitten um Verständnis, dass wir auch weiterhin das monatliche Angebot auf 6 Beiträge beschränken - die Kontaktarmut dieser Zeit bringt leider auch eine gewisse Ideenarmut mit sich. Neueinstellungen erfolgen damit um die Kalendertage des 1., 6., 11., 16./17., 21./22., 25.-27. eines Monats.

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Dienstag, 1. Juni 2021

Unser Gast: Erika Müller-Pöhl mit Buchgrafik/6

© Erika Müller-Pöhl: Illustration zu R. Hohberg: 'Der Birnbaum und der Tod';
aus: Schachtelhälmchen – Pflanzenmärchen aus aller Welt, ehem. Postreiter-Vlg, 1987; S. 104-13.


Anmerkung:
Unseren Gast, die Buchgrafikerin Erika Müller-Pöhl, hat der 'Versbildner-Blog' bereits Mitte Januar vorgestellt – Vita, grafisches Werk, Bibliografie sowie den Buchumschlag zu den beiden Novellen 'Carsten Curator' und 'Der Herr Etatsrat', im I. Quartal 2021 hier gezeigt.

Unter ihren buchgrafischen Arbeiten hat Erika-Müller-Pöhl die zur Ausgestaltung von Rainer Hohbergs 'Schachtelhälmchen – Pflanzenmärchen aus aller Welt" besonders liebe­voll ausgeführt und ihnen auch hier unter den Kalenderblättern einen größeren Raum ein­räumen wollen. Sintemal (um mal ein der Vergangenheit verhaftetes Wort zu gebrauchen) es sich um eine Edition des Hallenser Postreiter Verlags handelte, der noch 1994 – wie zum Hohn – mit dem Kinderbuchverlag "fusionierte", ehe er gänzlich verschwand.

Die dritte Illustration in diesem Quartal gehört zur Geschichte um den Birnbaum und den Tod. Dieses Märchen ist im rumänischen Märchenschatz zu Hause, gehört aber in ähnlicher Form zu den Märchen-erzählungen auch anderer Völker.

/elbwolf al. W.H./

Samstag, 1. Mai 2021

Unser Gast: Erika Müller-Pöhl mit Buchgrafik/5

© Erika Müller-Pöhl: Ill. zu R. Hohberg: 'Vom Bauern Ansis, der die Sprache der Bäume verstand';
aus: Schachtelhälmchen – Pflanzenmärchen aus aller Welt, ehem. Postreiter-Vlg, 1987; S. 80-91.


Pflanzenmärchen: Bauer Ansis

... da stieg der Mann – unser gutmütiger Bauer Ansis – seufzend vom Ofen herab, schulterte seine Axt und ging in den Wald. Doch jeder Baum, den er auswählte, um ihn auf Geheiß der Bäuerin zu Brennholz zu schlagen, bat ihn um Schonung – Ansis verstand seine Sprache!
Während die Bäuerin immer ungehaltener wur­de, weil das Holz ausblieb, gewann Ansis die Achtung der Waldmutter, die sich bereit erklär-te, Ersatz zu schaffen und die immer umfang-reicheren Wünsche der Bäuerin zu erfüllen. 
Doch das Maß lief über, als eine Brücke zur wärmenden Sonne gewünscht wurde. Die Frau erklomm sie auch sofort, doch in schwindeln-der Höhe über dem Meer schwankte der Steg, zer­brach und ver­sank mit der Frau.
Ansis ging in den Wald, um den Bäumen sein Leid zu klagen – doch konnte er deren im Wind säuselnde Stimmen nicht mehr verstehen.

Männer mit einer Xanthippe   /© W. H./

Nicht jedermann ist Sokrates und Weiser –
der nahm sich die Xanthippe gar zur Frau;
er meint, die würde mit der Zeit schon leiser
und stelle nicht beständig Macht zur Schau.

Doch Bauer Ansis war nicht gut beraten:
ihn hat die Seinige nur schikaniert –
sie war darin ein wahrer Teufelsbraten,
und Ansis war sehr schnell introvertiert.

Die Frau schickt ihn zum Holzschlag mit dem Beile,
doch jeder Baum hat Ansis schnell erbarmt;
die Waldesmutter sah das eine Weile
und hat den Bauern dankbar dann umarmt.

Die Bäurin wollte statt nur Holz jetzt Güter:
ein Hof, ein Herrenhaus, ein Sonnensteg –
fort war die Waldesmutter als Behüter!
Und nur die Bauernkate blieb am Weg.


Anmerkung:
Unseren Gast, die Buchgrafikerin Erika Müller-Pöhl, hat der 'Versbildner-Blog' bereits Mitte Januar vorgestellt – Vita, grafisches Werk, Bibliografie sowie den Buchumschlag zu den beiden Novellen 'Carsten Curator' und 'Der Herr Etatsrat', im I. Quartal 2021 hier gezeigt.
Unter ihren buchgrafischen Arbeiten hat Erika-Müller-Pöhl die zur Ausgestaltung von Rainer Hohbergs 'Schachtelhälmchen – Pflanzenmärchen aus aller Welt" besonders liebevoll ausgeführt und ihnen auch hier unter den Kalenderblättern einen größeren Raum einräumen wollen. Sintemal (um mal ein der Vergangenheit verhaftetes Wort zu gebrauchen) es sich um eine Edition des Hallenser Postreiter Verlags handelte, der noch 1994 – wie zum Hohn – mit dem Kinderbuchverlag "fusionierte", ehe seine Erdenspuren gänzlich verschwanden.
Die zweite Illustration in diesem Quartal schmückt die Geschichte um den Bauern Ansis. Sie erinnert den deutschen Märchenliebhaber natürlich sofort an den 'Fischer und seine Frau', die ihren biederen Mann mit immer neuen Wünschen auf Vermehrung des Besitzes schikanierte. Erfüllungsgehilfe des Fischers war der 'Buttje inne See', der sich auch ins Zeug legte – bis ihm der Wunsch der Fischersfrau, endlich auch Päpstin zu werden, zu bunt schien. Worauf der Buttje das Paar prompt wieder in seine angestammte Fischerkate zurückversetzte.
/elbwolf al. W.H./

Donnerstag, 1. April 2021

Unser Gast: Erika Müller-Pöhl mit Buchgrafik/4


  © Erika Müller-Pöhl: Buchillustration zu Rainer Hohberg: 'Das Kleeblatt',
aus: Schachtelhälmchen – Pflanzenmärchen aus aller Welt, ehem. Postreiter-Verlag, 1987; S. 77.

Pflanzenmärchen: Das Kleeblatt

Er kam zu spät. Zwar konnte er sein Schiff noch sehen, aber es befand sich bereits auf hoher See.
Ziellos irrte er durch die fremde Stadt … so gingen Tage, Wochen, Monate dahin. Einmal legte ein Schiff im Hafen an und brachte eine Nachricht mit: "Oh ja, es war ein stolzes Schiff mit einer goldenen Seejungfrau am Bug. Doch gegen einen Orkan ist halt kein Kraut gewachsen. Kein Mann hat dieses Unglück überlebt."
Unser Mann verstand nicht gleich. Wie-
der und wieder ließ er sich alles erzäh-
len, er lachte und weinte dabei zugleich. Schließlich öffnete er mit zitternden Hän­den seinen Gürtel, fingerte das längst vertrocknete Kleeblatt heraus. Er zeigte es herum und erzählte den Anwesenden seine Geschichte.                  /Auszug/

Das Glück lässt warten        /© W. Herrmann/

Da war ein Mann, von Missgeschick erdrückt.
Sein Glück musst' er darum woanders zwingen –
wo es drauf wartete, dass er es pflückt! 

Zum Hafen ließ er seinen Seesack bringen
und nahm das Schiff, auf dem die Meermaid thront. 
Dort wollt' auf große Fahrt er sich verdingen.  

Spazieren bis zur Abfahrt ... ungewohnt:
ein Kleeblatt nahm des Mannes Blick gefangen,
eins mit vier Blättern, das mit Glück belohnt!
 

Er brach es heimlich, doch die Wächter zwangen
ihn zum Verhör. Zwar kam er wieder frei –
zu spät, um auf sein Schiff noch zu gelangen. 

Er blieb am Ort, ihm war's nun einerlei.
Nach Zeiten brachte dann ein Schiff die Nachricht:
im Sturm ging jenes Segelschiff entzwei.
Verdorrt das Kleeblatt – aber welche Umsicht!


Anmerkungen:
Unseren Gast, die Buchgrafikerin Erika Müller-Pöhl, hat der 'Versbildner-Blog' bereits Mitte Januar vorgestellt – Vita, grafisches Werk, Bibliografie sowie den Buchumschlag zu den beiden Novellen 'Carsten Curator' und 'Der Herr Etatsrat', im I. Quartal 2021 hier gezeigt.

Unter ihren buchgrafischen Arbeiten hat Erika-Müller-Pöhl die zur Ausgestaltung von Rainer Hohbergs 'Schachtelhälmchen – Pflanzenmärchen aus aller Welt" besonders liebevoll ausgeführt und ihnen auch hier unter den Kalenderblättern einen größeren Raum einräumen wollen. Sintemal (um ein der Vergangenheit verhaftetes Wort zu verwenden) es sich um eine Edition des Hallenser Postreiter Verlags handelte, der noch 1994 – wie zum Hohn – mit dem Kinderbuchverlag "fusionierte", ehe seine Erdenspuren gänzlich verschwanden.
Die Geschichte um das Kleeblatt ist dabei gar nicht so außergewöhnlich! Wie oft hat man schon gehört, dass ein Reisender sein Flugzeug oder seine Bahn verpasst hat und dann erfahren musste, dass das Schicksal wieder einmal ein Verkehrsmittel "mit noch freien Plätzen" nicht bis ans Ziel (modern: bis zu seiner Destination) gebracht hatte …

Die Verse, in die die lyrische Hälfe dieses Kalenderblattes gegossen ist, sind Terzinen; s. Stummer S. 76/77.                                                                                                                                                                              /elbwolf al. W.H./