Hier schreiben Hobbydichter für Lyrik-Freunde – meist Gereimtes und nur Druckreifes! Willkommen also, viel Vergnügen mit unseren Gedichten und deren Bebilderung!

Aufrufe unseres Blogs erfolgen automatisch mit Sicherheitsprotokoll "https". Am 18. Mai 2022 hatten wir unseren 600. Beitrag in den Blog gestellt!

Bereits seit Jahresbeginn bringen wir neue Folgen an Kalenderblättern und Monatsbildern. Darum herum dann das, was sich an Einfällen so ergibt – man wird sehen! Nun ja, was man auch sieht: wir "unterschlagen" seit einer ganzen Weile auch einen gewissen Anteil an sanfter Erotik nicht länger - die Zeiten sind eben so ...

Wir teilen den Lesern unseres Versbildners mit und bitten um Verständnis, dass wir auch weiterhin das monatliche Angebot auf 6 Beiträge beschränken - die Kontaktarmut dieser Zeit bringt leider auch eine gewisse Ideenarmut mit sich. Neueinstellungen erfolgen damit um die Kalendertage des 1., 6., 11., 16./17., 21./22., 25.-27. eines Monats.

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Donnerstag, 17. November 2022

Ballade vom trefflichen Ratgeber

  

Baby / 07.07.2015 / Liz.: CC0
Though she be but little, she is fierce./ Noch klein, aber leidenschaftlich.
(Quelle: https://pixabay.com/photos/baby-sleeping-baby-baby-girl-784608/)


Ballade vom trefflichen Ratgeber

Viel Freude macht, wie hinlänglich bekannt
für Mann und Frau der heilge Ehestand...
Auch Wilhelm Busch beschrieb es schon beizeiten,
dass Babys machen Freude würd bereiten.

Im Ehestand, dies wusste er genau –
dass, wenn ein Mann sich nähert seiner Frau,
sie bald schon hält ein Kindlein auf dem Schoß;
trotzdem bleibt manche Ehe kinderlos.

Man nimmt nun an den Rat von hohen Herren;
die sich herfür tun und auch gern belehren:
doch hilft der Rat nicht einer jeden Frau –
es macht nur Sinn, befolgt sie ihn genau!

Begab sich einstens eine Frau zum Pater
und sah in ihm geeigneten Berater;
Der sprach zu ihr: „"Folg Pilgern in der Spur,
dann kommst Du zu der Wiege Mon Amour.

Dort ruh dich aus, denn mancher Pilgersmann
der rührt aus Unbedacht die Wiege an
und weiter einvernehmlich eine Weile,
denn Pilger haben Zeit, sind nicht in Eile."

So sprach der fromme Mann und ging von dannen;
die Freudentränen bei der Frauen rannen.
Und sie begab sich zu dem Ort der Wunder,
wo bald ein Pilgersmann gab den Erkunder …

Er ging ans Werk nach seinem bestem Wissen.
Und sie? Sie ruhte ganz in ihren Kissen
Es zeigte sich nach nur sehr wenig Wochen,
dass alles eintraf, wie zuvor versprochen.

Wird jemandem ein guter Rat gegeben,
dann ändert das gar manches Mal sein Leben:
Und damit sei auch Euch ein Trost beschieden:
setzt Kinder in die Welt und lebt in Frieden.

© Luzie Rudde

Mittwoch, 23. September 2020

Ballade vom Alten Fritz und den Kartoffeln

Robert Müller (1859-95): Der König überall (1886)
/König Friedrich der Große (1712-86) inspiziert den Kartoffelanbau/
Standort: Deutsches Historisches Museum, Berlin; Liz.: gemeinfrei

Ballade vom Alten Fritz und den Kartoffeln

Fritzen gibt es viele Sorten –
alte ebenso wie groß;
einen finde ich famos,
war bekannt an allen Orten.
"Alter Fritz" ward er genannt,
Herrscher über Preußenland.

Friedrich kannte schon die Knollen,
die in Preußen noch verpönt,
als zum König er gekrönt –
doch die Preußen sie nicht wollen.
Eine List hat er erdacht,
und die Neugier war entfacht.

Er ließ die Kartoffeln pflanzen,
stellte Wachen an das Feld:
"Was bewacht wird, kostet Geld",
dachten Menschen und strawanzen –
heimlich übers Feld, stibitzen
diese Früchte, eh' sie flitzen.

Landesweit herrscht Hungersnot
und dem Volk fehlt es an Nahrung;
machte so nun die Erfahrung:
dass es besser als der Tod,
Unbekanntes zu probieren
und das Leben nicht verlieren.

Roh ist sie nicht sehr bekömmlich,
diese neue Erdenfrucht:
jede Lösung – eine Wucht.
Also war es damals frömmlich,
dass man sie in Wasser garte,
diese unbekannte Sparte.

Fritzens List, sie ist gelungen,
die Kartoffel, erst probiert,
wird sie heute fast hofiert;
hat nun ihren Platz errungen.
Dankesreden, gern gehalten
unserm großen Fritz, dem "Alten".

© Luzie-Rudde

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… man weiß natürlich auch, dass der "A.F." fortan seinen
Armeen den gesamten Proviant im Tross mitschicken konnte …

Samstag, 9. Mai 2020

Ragnarök (Heliane Meyer a. G. )

Emil Doepler (1856-1922): Adler und Wasserfall (~1905)
/aus der Beschreibung der neuen Welt nach der Ragnarök)
Quelle: Wikimedia Commons; Foto: Haukurth; Public Domain
  
Ragnarök
– Ballade –

Er riss schon wieder Federn aus
vom Schwanze deiner Raben.
Ich schicke ihn alsbald nachhaus
und will ihn nicht mehr haben.
Das geht mir wirklich viel zu weit,
er ist wohl nicht mehr ganz gescheit!
Thor soll sich um ihn kümmern.“

„Ach Frigga, sei nicht so gestreng,
er ist ein kleiner Junge.
Du siehst Erziehung ziemlich eng,
drum hüte deine Zunge.
Er wird bestimmt ein tapfrer Held,
hat gar nichts Schlimmes angestellt,
setze dich zu mir, Magni.“


„Bin Opa Odin, wie du weißt,
hab Vieles schon ertragen.
Bewahrst in dir den Asengeist
und musst nicht Raben jagen.
Vertraue ihnen, sie sind klug,
beschützen uns vor Lug und Trug,
lasse sie stets in Frieden.


Merk auf, die beiden helfen mir,
ich kann nicht alles sehen.
Erzählen, was geschieht allhier,
das wirst du bald verstehen.
Auch meine Wölfe lass in Ruh,
sie jagen für uns immerzu,
sichern das Überleben.

Ich reise jeden Tag herum
mit Sleipnir und mit ihnen,
wir schaun uns in den Welten um,
dem Göttervolk zu dienen.
Es war nicht immer leicht, gewiss,
es gab so manches Ärgernis.
Lass es mich dir erzählen:


Die Heimat ward vom Krieg bedroht,
ich musste sie beschützen,
es nahten Tod und Hungersnot,
mein Opfer sollte nützen.
Ich ritt zu Mimir, gab als Pfand
mein gutes Auge rechterhand,
würde es sehr vermissen.


Vom Zauberbrunnen trank ich Met,
erkannte die Gefahren.
Rief unsre Ahnen im Gebet,
sie sollten uns bewahren.
Doch höre Kind, es ging nicht gut,
der Feind nahm Leben uns und Mut,
tötete alle Asen.

Die Ragnarök war unser Tod,
wir waren rasch geschlagen.
Die Schlucht, der Fluss, sie glühten rot,
das Reich voll Heldenklagen.
Die Heimat Asgard war verqualmt,
und Mauern, Brücken, Schloss zermalmt.
Alles erschien verloren.


Dein Vater starb im Schlangendunst,
fast jeder Held durch Riesen.
Manch anderer in Feuersbrunst,
gab keinen Tag wie diesen.
Die Oma starb, die Mutter auch,
die Brüder lagen tot im Rauch.
Küsse erweckten wieder.


Walküren kosten jeden Mund,
wir mussten noch nicht sterben,
und waren wieder kerngesund,
mitnichten dort verderben.
Wir stellten Asgard schöner her
vom Gipfel bis zum weiten Meer.
Hatten den Frieden wieder.

Dein Vater Thor bringt grad geschickt
auf seinem Ziegenwagen
mit Blitz und Donner wohlbestückt
für Midgard Unbehagen.
Sei dankbar, er ist stark und gut,
bewundre seinen großen Mut.
Solltest ihn innig lieben.


Es ist genug gesagt, bedacht,
du musst nun schlafen gehen.
Ich wünsch dir eine gute Nacht
bis wir uns wiedersehen.
Gewiss wird Oma dir verzeihn,
du musst kein Federzupfer sein.
Denk an den hohen Nutzen.“



                        © Heliane Meyer
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Zur Einordnung in die nordische Mythologie:
● Die Ragnarök (= Schicksal der Götter) ist die Sage von Geschichte und Untergang der Götter (der Weltuntergang, nicht "Götterdämmerung") in der Nordischen Mythologie, also in der Gesamtheit der Mythen, die in den Quellen der vorchristlichen Zeit Skandinaviens belegt sind. Im letzten Abschnitt schildert die Ragnarök die neue Welt, die nach dem Untergang der alten entsteht. [nach Wikipedia].

Freitag, 21. Februar 2020

Globetrotter-2/2: Von den Niltempeln endlich wieder heimwärts (Limerick-Ballade)

via Wikimedia Commons; Liz.: CC BY-SA 4.0

Legende, die legendär ist:
Gereist wird noch und noch, bis das Geld alle ist und/oder die Gesundheit streikt.
Spätestens dann aber … da wird erzählt:
"Waren wir doch vor drei Jahren - oder sind es schon vier? - mit dem Reisebüro ..., hach, ich komm jetzt nicht auf den Namen, in äh … Dingsda ..., na, nu  sag schon!"
Ja, so trottet man über den Globus und produziert Kohlendioxyd!


Globetrotter (2/2):
Nach den Niltempeln endlich heimwärts
– Ballade aus einer Folge von Limericks –

Von der wird man ziemlich labil.             
Dran schuld sind die Tempel,       
Die machen plemplempel:            
Es sind ihrer einfach zu viel!                   

Ein Tipp noch betreffs des Oman: *)      
Der gleicht nämlich einem Vulkan –       
          Schon manch einer büßte            
Die Hitze der Wüste                      
Mit seinem Verstand ganz spontan.      

Im Park von Oom Krüger **) die Viecher,
Die sind überhaupt keine Kriecher         
Und nehmen als Beute                 
Nur manche der Leute –               
Sie haben für die einen Riecher!           

Foto: Ernmuhl (lb.wikipedia), Leopard im Kruger National Park (2006);
via Wikimedia Commons; GNU-Liz. f. freie Dok. ab V.1.2

In "Jurop" sind nur Balearen                  
Ein Ziel für teutonische Scharen:           
Die kommen in Haufen,                
Um voll sich zu saufen                  
Und denken beim Bier nicht an's Sparen.

Schluss-endlich bleibt übrig: Paris!        
Doch findet selbst das mancher mies:  
          Beim Turm von Herrn Eiffel ***)    
          Kommt mancher in Zweifel,         
Wie hoch denn der sei – ganz präzis.    

Wer nirgendwo ernsthaft gestrandet     
Und heil ist zu Hause gelandet,             
Erzählt dann haarklein                  
Das größte Latein,                        
Wie rundum der Globus so brandet.      

Es wird sowieso niemand wagen          
Zu stellen noch dümmliche Fragen.      
          Erinnerungslücken                        
Sind übliche Tücken –                   
Die kosten nicht Kopf und nicht Kragen!

© elbwolf (2008 ff., bearbeitet 2020)
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→ Im 1. Teil ging's westwärts zu den hl. Kühen! ←
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**) gemeint ist das größte Wildschutzgebiet Afrikas, seit 1926 benannt nach dem einstigen Präsidenten der SAR, "Oom" Paul Kruger (1825-1904) als Kruger-Nationalpark.
***) Die Höhe des Eiffelturms beträgt seit dem Jahr 2000 (einschließlich der Antennenaufbauten) genau 324,82 m.

Sonntag, 9. Februar 2020

Globetrotter-1/2: Westwärts zu den heiligen Kühen (Limerick-Ballade)

Foto: Alex Proimos, Cinematic New York City / Broadway (2011)
via Wikimedia Commons; Liz.: CC BY 2.0

Legende, die legendär ist:
Gereist wird noch und noch, bis das Geld alle ist und/oder die Gesundheit streikt.
Spätestens dann aber … da wird erzählt:
"Waren wir doch vor drei Jahren - oder sind es schon vier? - mit dem Reisebüro ..., hach, ich komm jetzt nicht auf den Namen, in äh … Dingsda ..., na, nu  sag schon!"
Ja, so trottet man über den Globus und produziert Kohlendioxyd!


Globetrotter-1/2:
Westwärts zu den heiligen Kühen
– Ballade aus einer Folge von Limericks –

Darüber gibt’s keine Debatte:
Die deftigen Reise-Rabatte
Die musst du nicht suchen,
Nur rechtzeitig buchen,
Und schon stehst du mit auf der Matte.

Das Ticket zu kaufen – ein Spiel;
Big Äppel ist strahlendes Ziel.
Am Broadway mal shoppen
Das geht nicht zu toppen –
'Ne Wrangler, die kostet nicht viel.

In Mexiko sind die Vulkane
Mit Eis ganz bedeckt wie mit Sahne:
Nach oben gehts munter,
Nicht aber herunter,
Doch hilft einem da der Schamane.

Für'n Abstecher bis nach Australien
Besorgst du dir Zusatz-Fressalien:
Wenn die Kängurus hüpfen
Ist's vorbei mit Entschlüpfen
Zwecks Suche nach mehr Naturalien.

Überflieg' dann getrost Philippinen;
Das erspart dir entsprechend Zechinen:
Nur Inseln vorhanden –
Das lohnt nicht zu landen!
Du lässt dich woanders bedienen.

Mount Everest – monumental !
Du wirst dann im Frühjahrs-Quartal
Mit Kräften nach oben
Von Sherpas geschoben –
Nur DANN ist das Trekking nicht Qual.

Foto: Marc Shandro, Eine Kuh, heiliges Tier in Indien, im Straßenbild (2004);
via Wikimedia Commons; Liz.: CC 2.0 Gen

Der indische Subkontinent
Ist so, wie ihn jeder schon kennt:
Nicht die Spur eines "Muh!"
Sagt die heilige Kuh,
Die über den Haufen dich rennt.

© elbwolf (2008 ff., bearbeitet 2020)
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→ Im 2. Teil geht’s endlich wieder heimwärts! ←
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Anmerkungen:
1) Der Broadway ist eine breite Avenue in New York City, die Manhattan in ganzer Länge durchzieht und dann noch die Bronx. Er ist die älteste Nord-Süd-Hauptverkehrsader der Stadt.
2) Wrangler Jeans bekam man einst in Deutschland schon für € 49.99; jetzt hat man meist von 59,95 an aufwärts zu berappen – vielleicht also doch besser in "Big Äppel" shoppen?!

Sonntag, 21. Juli 2019

Ballade-8: Perseus (Heliane Meyer a. G.)

Benvenuto Cellini (1500-71, Florenz): Perseus,
mit dem Haupt der Medusa, stehend auf deren restlichem Körper;
Bronze auf Marmorsockel; Loggia dei Lanzi, Florenz; aufgestellt 1554.
Foto & ©: Jastrow, 2005; via wikimedia.commons; Liz.: CC BY 2.5

Perseus
- Ballade -

Es kam in alten Zeiten ein Jüngling frisch daher,
der tötete Medusa, es fiel ihm gar nicht schwer.
Er tat es hinterhältig und überaus gemein,
so konnte er auch lange nicht wirklich glücklich sein.

Herr Zeus, das war sein Vater, der zeugte ihn mit List.
Von Haus aus Schwerenöter und schlimmer Bigamist
umhüllte er mit Goldstaub die schöne Danaë,
sie konnte ihn nicht sehen auf ihrem Kanapee.

Gebar bald einen Knaben, den sie Perseus nannt,
sie ahnte nicht, welch Schicksal vor ihnen beiden stand:
Akrisios, der Opa, mocht seinen Enkel nicht,
es wurde ihm geweissagt, er würd ein Bösewicht.

Drum sperrte er die beiden in eine Kiste ein,
ließ sie im Meere treiben, verängstigt und allein.
Weil ihnen Götter halfen, kam’s nicht zur Katastroph,
es fand sie Polydektes, nahm sie an seinen Hof.

Der sorgte gern für Unbill, war ziemlich intrigant,
war tief in seinem Herzen für Danaë entbrannt.
Perseus stand im Wege, so gab es ständig Zwist,
bald sorgte Polydektes für die infame List:

Er wusste, dass Athene Medusas Feindin war:
Es sah die weise Göttin, war eifersüchtig gar,
im Tempel die Gorgone nah bei Poseidon ruhn!
Die Tempelherrin ahnte, sie müsse etwas tun:

So strafte sie die Schöne mit einem Schlangenhaupt,
was durchaus bei den Göttern von damals war erlaubt,
gab ihr dazu den stechend, gar tödlich bösen Blick,
für jeden, der sie ansah, ein schlimmes Missgeschick.

Athene ließ nicht locker, sie war in großer Wut,
sie brauchte einen Jüngling mit wildem Heldenmut.
Der böse Polydektes wollt endlich freie Bahn,
er stiftete Perseus zum Abenteuer an.

Das Schlangenhaupt Medusas sollt Mutters Kaufpreis sein,
da willigte der Jüngling aus Mutterliebe ein.
Wohl wissend, dass sein Vater an seiner Seite stand,
schritt er mit leichtem Fuße und Zuversicht durchs Land.

Es schenkten ihm die Nymphen nicht nur den Mantelsack,
auch Flügelschuh und Kappe entsprachen dem Geschmack:
Die Zauberschuh, er wusste, sie trügen schnell und weit,
die Zauberkappe nähme ihm jede Sichtbarkeit!

Der Götterbote Hermes gab eine Sichel her,
als kleine, feine Waffe und leichter als ein Speer.
Athene übergab ihm ein spiegelnd Zauberschild,
so musste er’s nicht sehen, Medusas Schreckensbild.

Mit diesen Gaben zog er erwartungsvoll durchs Land,
bis er dann eines Tages Medusa schlafend fand.
Er trennte der Gorgone das Haupt vom Rumpfe ab,
post mortem sprang Pegasus aus ihrem Hals im Trab.

Was kümmerte Perseus das flüglig Dichterross?
Er gab es ohn Bedenken an einen Reitertross.
Dann knöpfte er den Schädel im Mantelsacke ein,
er sollte ihm auch weiter Garant für Stärke sein.

Perseus war nicht mutig, er tötete mit List.
Nur durch der Götter Hilfe geriet er nicht in Zwist.
Sah sich als großen Helden, bereute nicht die Tat,
hat voller Stolz und Freude sie obendrein bejaht.

Doch musste er sie büßen im Kampf an jedem Ort,
bis er die Mutter löste aus ihrem schrecklich Tort.
Der Heißsporn blieb noch lange sehr wild und impulsiv -
am Ende wurd er stiller, zuweilen depressiv …


 © Heliane Meyer
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Zur Einordnung in die griechische Mythologie:
Perseus ( griechisch Περσεύς) ist einer der berühmtesten Heroen in der griechischen Mythologie und ein Sohn des Zeus. Zeus zeugte ihn mit der schlafenden Danae, der Tochter des Königs von Argos (14. Jh. v.u.Z.), der er sich in Gestalt eines sie überschüttenden Goldregens näherte.

Im Balladentext ist die Betonung einiger griechischer Namen ggf. dem deutschen Rhythmusverlauf anzupassen. Laut Duden wären als Betonungen Per|seus und  Da|na|e anzunehmen.

Das Team von Versbildner dankt der Berliner Gastautorin Heliane Meyer herzlich für die zur Publikation auf unserem Blog überlassenen insgesamt zwölf Beiträge samt der ihr als Markenzeichen dienenden Silhouettenbildchen. Wir hoffen, die Zusammenarbeit über dieses bislang vereinbarte Maß bei Gelegenheit weiterführen resp. erneuern zu können.

Donnerstag, 16. Mai 2019

Ballade-6: Gleichnis (Heliane Meyer a. G.)

Roger & Renate Rössing (1929-2006 resp. 2005) – Aufnahme: Leipzig, 1952:
"Tischler bei der Ausbildung"; Quelle: Deutsche Fotothek (df roe-neg 0006290 005);
via wikimedia.commons; Liz.: CC BY-SA 3.0 de


Gleichnis
- Ballade -

Es dachte sich ein junger Mann:
„Ich möchte Tischler werden.
Sofort, und nicht erst irgendwann,
der beste hier auf Erden.“
Drum suchte er und fand sogleich
im Wald, nicht wirklich einfallsreich,
das Holz, sich zu beweisen.

Nahm Beil und Hobel eilig her,
begann den Klotz zu formen.
Erzählte stolz und ringsumher
vom großen, ja, enormen
Erfolg, der schließlich kinderleicht,
denn seine Kunst sei unerreicht,
selbst Meister würden staunen.

Das Eigenlob war trügerisch,
ihm fehlte jedes Wissen.
Denn schief gerieten Stuhl und Tisch,
sogar die Balken rissen.
Nahm weder Rat noch Hilfe an -
er dachte nicht im Traum daran -
Kritik war ihm zuwider.

Sah keinen einzgen Fehler ein,
verkannte jede Tücke.
Vergessen wurd er, blieb allein,
schuf niemals Meisterstücke.
Und was beweist uns die Geschicht?
Verlache Rat und Freunde nicht,
denn ohne gehst verloren.
© Heliane Meyer

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Bemerkung:
• Versbildner zeigt sich erfreut, nach längerer Pause wieder einen Beitrag
seiner Berliner Gastautorin bringen zu können.
Sie hat auch etwas über die Balladenform von Gedichten zusammen-
gestellt, das → hier nachzulesen geht.
• Unsere Leser könnten nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden zum
vorherigen Beitrag suchen, der ebenfalls als Ballade ausgewiesen war.
• Am Foto zu diesem Beitrag fällt auf, wie genau die Gesichter die schon
erreichte Nähe zum gewählten Beruf widerspiegeln.
Dem Lehrling sieht man seine Zweifel an, ob er je die Zimmermannssäge
so führen kann, um vom langen, schmalen Scheit ein fingerdickes Brettchen
abzusägen.

Sonntag, 12. Mai 2019

Das Kräutlein Nies-mit-Lust (Ballade)

Niesmitlust, lat. Sternumentum libidonensis Manfredi subsp. alba mult.
Abb.: Raritäten-Herbarium M. Albertus, 10.05.2019
(mit kollegialem Dank für die Abb. der seltenen Subspezies "alba mult.")

 Das Kräutlein Nies-mit-Lust (Ballade)
- nach Motiven eines Märchens von Hauff -

Ein Märchenkönig hatte zu Besuch
einst einen Gast, der als Gourmet bekannt.
Dem galt 'Geschmack' nicht als versiegelt Buch –
im Gegenteil, er war darauf gespannt,
was Königs Tafel denn zu bieten hätte:
"Ach … Bestes nur? – Dagegen eine Wette!"

Die Speisesäle sahn indes im Schloss
bei jedem Mahl, wie sich die Tafel bog,
wenn die Besucher samt dem ganzen Tross
den Bauch sich füllten – bis der Gast erwog,
dass an der Zeit es wäre für Pasteten –
da ahnte man, woher die Winde wehten ...

            Bald zwei Wochen stand am Feuer
            schon der Koch. Ganz ungeheuer
            schien des Gastes unstillbarer Appetit.
            Nichts bisher war irgend schimpflich,
 alles lief gottlob! recht glimpflich,
 nur Pasteten ließ er weg – nicht sein Gebiet.

Gerad in dem Moment ward nun der Koch
befohlen vor den König, wo der Gast
ihm sagte: "Kerl, kein aber und kein noch:
dein Essen liegt im Magen mir als Last.
Gleich morgen back Pastete Suzeräne –
sonst endet jählings deines Glückes Strähne."

            Wie der Koch sich gegenstemme –
            jetzt nun saß er in der Klemme:
            niemals hörte er zuvor von dem Rezept.
            Doch die Gans Mimi, die kannte
            Suzeräne und benannte,
            was dazu gebraucht – der Koch ward ihr Adept.

Den Folgetag verkündete im Rund
der Hofmeister als den Pasteten-Tag;
und wie die Zeiger wiesen Mittagsstund,
trug man beim allerletzten Glockenschlag
zur Tafel auch mit Pomp die Suzeräne –
der Koch, der Ärmste, litt schon an Migräne.

            Als der Gast sich niederbeugte,
            argwöhnisch das Mahl beäugte,
            klopfte gleich dem Koch das Herz bis hoch zum Hals.
            Nach Verkosten einer Probe,
            gabs nur Tadel, keine Lobe:
            "Kräutlein Nies-mit-Lust – das fehlt hier jedenfalls!"

Ganz fürchterlich war diesmal Königs Groll;
an Aufschub gab dem Koch er einen Tag:
"Ich dreh den Hals dir um – das Maß ist voll,
wenn morgen wieder niemand essen mag."
Doch hat die Gans Mimi dem Koch verraten,
dies Kraut, das wüchse zwischen den Salaten.           

Den Tag darauf geriet der hohe Gast
in sinnliches Entzücken – dergestalt,
dass an der Tafel ihn die Lust erfasst
zu niesen – und mit welcher Urgewalt!
Es kam zur Explosion der Kräuterdüfte,
was jedermann aufs höchlichste verblüffte.

            Nicht den Koch! Der ohne Weile
            griff Mimi an einem Flügel
            und mit ihr in Windeseile
            floh ins Land der sieben Hügel,
            wo er sie verzaubern ließ in eine Frau:
            sie nur kannte "Nies-mit-Lust" derart genau!

© elbwolf, 09.05.2019
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Anmerkungen:
• Die Themenwahl verdanke ich einer Eingebung, als ich an anderer 
Stelle eine Serie bedichteter Kräuter (etwa Waldmeister) von einer
mir bekannten Poetessa sah und überlegte, dass das ein genügend 
"weites Feld" wäre, um mich auch einmal daran zu erproben.
Ähnlich wie einst bei "Alle Vöglein sind schon da", wo ich auf den 
Archäopteryx verfiel, kam mir hier das Kräutlein Nies-mit-Lust in
den Sinn. 
Ich kannte es aus dem Zigarettenbilderalbum Deutsche 
Märchen (1939) mit 100 Illustrationen von Paul Hey (1867-1952), die
aber noch einige Jahre ©-geschützt sind. Mein Vater hatte mir, dem 
Vierjährigen, das Album übergeben, als er 1941 ins Feld ziehen musste.
Auf meine Anfrage im Albertus-Herbarium fand sich dort tatsächlich ein Foto der seltenen 
alba-Subspezies, das ich hier nachnutzen durfte.
• Die Gedichtform ist die einer Ballade "mit verteilten Rollen", wie das die unsterblichen 
Verse "Fest gemauert in der Erden ..." und "Er zählt die Häupter seiner Lieben ..." aufzeigen.
Rhythmus, Reimung und Verslängen sind daher in den beiden Strophenarten unterschiedlich 
festgelegt, was ein Deklamieren nicht gerade leicht macht. Aber nach dem zehnten Versuch 
sollte es ohne Versprecher gehen.