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Roger & Renate Rössing (1929-2006 resp.
2005) – Aufnahme: Leipzig, 1952:
"Tischler bei der Ausbildung";
Quelle: Deutsche Fotothek (df roe-neg 0006290 005);
via
wikimedia.commons; Liz.: CC BY-SA 3.0 de
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Gleichnis
- Ballade -
Es dachte sich ein junger Mann:
„Ich möchte Tischler werden.
Sofort, und
nicht erst irgendwann,
der beste hier
auf Erden.“
Drum suchte er
und fand sogleich
im Wald, nicht
wirklich einfallsreich,
das Holz, sich
zu beweisen.
Nahm Beil und
Hobel eilig her,
begann den Klotz
zu formen.
Erzählte stolz
und ringsumher
vom großen, ja,
enormen
Erfolg, der
schließlich kinderleicht,
denn seine Kunst
sei unerreicht,
selbst Meister
würden staunen.
Das Eigenlob war
trügerisch,
ihm fehlte jedes
Wissen.
Denn schief
gerieten Stuhl und Tisch,
sogar die Balken
rissen.
Nahm weder Rat
noch Hilfe an -
er dachte nicht
im Traum daran -
Kritik war ihm
zuwider.
Sah keinen
einzgen Fehler ein,
verkannte jede
Tücke.
Vergessen wurd
er, blieb allein,
schuf niemals
Meisterstücke.
Und was beweist
uns die Geschicht?
Verlache Rat und
Freunde nicht,
denn ohne gehst
verloren.
© Heliane
Meyer
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Bemerkung:
• Versbildner
zeigt sich erfreut, nach längerer Pause wieder einen Beitrag
seiner Berliner
Gastautorin bringen zu können.
Sie hat auch
etwas über die Balladenform von Gedichten zusammen-
• Unsere Leser
könnten nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden zum
vorherigen
Beitrag suchen, der ebenfalls als Ballade ausgewiesen war.
• Am Foto zu
diesem Beitrag fällt auf, wie genau die Gesichter die schon
erreichte Nähe
zum gewählten Beruf widerspiegeln.
Dem Lehrling sieht
man seine Zweifel an, ob er je die Zimmermannssäge
so führen kann,
um vom langen, schmalen Scheit ein fingerdickes Brettchen
abzusägen.
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