Hier schreiben Hobbydichter für Lyrik-Freunde – meist Gereimtes und nur Druckreifes! Willkommen also, viel Vergnügen mit unseren Gedichten und deren Bebilderung!

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Bereits seit Jahresbeginn bringen wir neue Folgen an Kalenderblättern und Monatsbildern. Darum herum dann das, was sich an Einfällen so ergibt – man wird sehen! Nun ja, was man auch sieht: wir "unterschlagen" seit einer ganzen Weile auch einen gewissen Anteil an sanfter Erotik nicht länger - die Zeiten sind eben so ...

Wir teilen den Lesern unseres Versbildners mit und bitten um Verständnis, dass wir auch weiterhin das monatliche Angebot auf 6 Beiträge beschränken - die Kontaktarmut dieser Zeit bringt leider auch eine gewisse Ideenarmut mit sich. Neueinstellungen erfolgen damit um die Kalendertage des 1., 6., 11., 16./17., 21./22., 25.-27. eines Monats.

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Mittwoch, 6. Juli 2022

Die Freude flieht – der Ärger kommt

Franz van Severdonck (1809-1889): Buntes Federvieh (1875);
via Wikipedia Commons; Liz.: public domain.

 

"Die Freude flieht auf allen Wegen,
Der Ärger kommt uns gern entgegen."
                   Wilhelm Busch (1832-1908);
                          aus: Balduin Bählamm,
                          der verhinderte Dichter.

  

Sie flieht, die Freude ...
oder
Umständliches Geständnis

Die Freude flieht auf allen Wegen;
Der Ärger kommt uns gern entgegen.

So ist es morgens in der Früh:
das allerliebste Federvieh
schon munter und krakeelt umher –
gibt Ruhe nicht und mir fällts schwer,
den wohlverdienten Schlaf zu finden
will ihn an meine Träume binden ...
doch steht der Hahn erst auf dem Mist,
so schafft man's nur mit guter List.

Die Hennen kakeln schon 'ne Weile,
denn Eierlegen, das hat Eile.
Sie sitzen zwar noch auf der Stange
jedoch ganz sicher nicht mehr lange.
So streue ich den Hennen gütlich
die Körner hin und ganz gemütlich
geh ich zu meiner Liegestatt;
die Hennen waren ja nun satt.

Doch Freude flieht auf allen Wegen;
der Ärger kommt uns gern entgegen.

Der Hahn, der Hennen angesichtig,
kommt sich nun vor besonders wichtig:
sein Kik'riki lässt er ertönen
will seine Hennen nun verwöhnen
Ich wünschte zwar, ich hätte Ruh,
bekomm' jedoch kein Auge zu ...

Den ganzen Morgen dies Gehakel,
der Hennen dauerndes Gekakel –
das treibt mich aus dem Bett heraus!
Da fragt mich meine süße Maus:
„Ach Liebster, sei nicht so heut früh
und lass das dumme Federvieh."
Man kann auch so sein Bestes geben,
sich freu'n fast jeden Tag im Leben,
und flieht die Freude manche Tage,
sie kehrt doch wieder – keine Frage!

© Luzie Rudde

Montag, 9. September 2019

Moritat von der Gräfin und ihrem Ritter

Moritz von Schwind (1804-71): Der Ritt Kunos von Falkenstein (1850-60) *)
Leipzig, Museum der bildenden Künste; via The Yorck Project Nr.8948; gemeinfrei.

Moritat von der Gräfin und ihrem Ritter       **)
# mit Ghasel-Strophen nacherzählt #
/Ursprungsvariante: Parodie in mutwillig-drastischer Reimung; ***)
Ansbacher Morgenblatt Nr.44 von 1847; Autor: Reritz./

1
Die Gräfin schaut schon lange aus des Burgfrieds Scharte: 
sie sucht am Horizont nach einer Feldstandarte,                    
denn unablässig stellt der Frau sich diese Frage,                   
ob nicht vielleicht der heiß geliebte Mann sie narrte,              
und draußen gar nicht nur als tapfrer Ritter kämpfe –                        
der Mann, den selber sie mit Ungeduld erwarte.                     

2
Sie hört ganz deutlich das Gezirp des Heuschrecks schrillen;
empfindet Sehnsucht, ihre Leidenschaft zu stillen.                 
Ach käme er nur heil zurück aus seinen Kämpfen,                
sie wäre ihm mit Leib und Seele ganz zu Willen.                    
Nur nicht an ihre Stelle eine andre setzen –                            
dann möge auf dem Rost ihn der Gehörnte grillen!                

3
Die Frau beginnt sich ihrem Gram zu überlassen,                  
auch wurden alle Taschentücher längst zu nassen …            
Da sieht sie im Vorüberlaufen etwas liegen –                          
die alte Flinte! Prompt kriegt sie die jetzt zu fassen,               
legt an und schießt sich auf der Stelle über'n Haufen.            
Da lag sie nun, um unverzüglich zu verblassen.                     

4
Kaum war der Gräfin Selbstentleibung so geschehen,          
sieht man am Horizont des Ritters Fähnlein wehen.              
Schon sprengt den Burgberg er herauf zur Brücken              
erklimmt den Söller – doch welch Unglück muss er sehen? 
Er stampft verzweifelt auf mit seinen Reiterstiefeln                
beim Anblick ihrer Leiche – er kann's nicht verstehen.          

5
Was hilft es, mit der Rüstung und den Spor'n zu klirren?      
Das dient dazu, den Mann nur weiter zu verwirren.                
Warum hat bloß der Mut die Gräfin jäh verlassen,                  
beginnt es ihm durch sein zermartert Hirn zu schwirren        
Noch einen Augenblick – er hätte ihr gewunken,                    
sie würde jetzt entzücken ihn mit ihrem Girren.                       

6
Sein Auge blitzt und dann entreißt er wild-verwegen             
der Scheide am Gehänge seinen Ritterdegen;                       
den schwingt er heftig, stößt die wohlgeschärfte Spitze        
sich in die Brust – verscheidet, und das ohne Segen.            
Das Schicksal hat sie beide erst vereint im Tode:                   
den starb sie seinet-, er darauf nun ihretwegen.                     

7 (Moral)
Ist unklar eine Lage – mach um sie den Bogen!                     
In Eile und mit Vorurteil wird nichts erwogen,                          
Den Degen und die Flinte lasse ganz beiseite:                       
sie bringen Gutes nicht – du bist doch gut erzogen.               
Am eigenen Geschick darfst niemals du verzweifeln,            
sonst schaufelst du dein eignes Grab – ist nicht gelogen!    

© elbwolf /für die Nacherzählung; 04.09.2019/

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Meine eigene Fassung von "Gräfin und Ritter" habe ich erst entworfen und ausgeführt, als die komplizierte Rückverfolgung der ursprünglichen Gedichtidee bis zur Quelle aufgeklärt und der Urheber ermittelt war. Die Schritte dieser Recherche sind im Beitrag hier unmittelbar drunter beschrieben.

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Anmerkungen:
*) Sarkastisch gemeint:
Moritz von Schwind muss, wie man an der Abbildung ersieht, Gräfin und Ritter wohl zu deren besten Zeiten gemalt haben …
**) Moritat
ist eine schaurige Ballade und das Erzähllied eines Bänkelsängers, der sein Publikum direkt anspricht und dabei moralische Forderungen einstreut. Handelt der Bänkelsang von einer Mord- oder Gräueltat, so spricht man von einer Moritat. /nach Wikipedia/
***) Der Parodiebegriff
in der Literaturwissenschaft stimmt weitgehend mit der Definition überein, die Gerhard Hess (1907-83); Gründungsrektor Uni Konstanz) gab: "Parodie ist aufzufassen als Schöpfung, die ein anderes Werk, eine Werkgattung oder eine Stilrichtung nachahmt und dabei in beabsichtigter Weise Komik und antithematische, d. h. gegen die Vorlage oder deren engeres Umfeld gerichtete Kritik für denjenigen erkennbar zum Ausdruck bringt, der die Vorlage kennt und das zur Wahrnehmung einer Parodie erforderliche intellektuelle Verständnis besitzt.”

Samstag, 20. April 2019

Anleihe bei Altreimer Busch (Teamwork)


Wilhelm Busch (1832-1908): Der Virtuos, Szene 12
Scan (2007) nach der Busch Gesamtausgabe in 4 Bänden, Band 1
Quelle: wikimedia.commons; Liz.: gemeinfrei
Wilhelm Busch: Gemartert (nach 1848)
Ein gutes Tier
ist das Klavier,
Still, friedlich und bescheiden,
Und muss dabei
Doch vielerlei
Erdulden und erleiden.

Der Virtuos
stürzt darauf los
Mit hochgesträubter Mähne
Er öffnet ihm
Voll Ungestüm
den Leib, gleich der Hyäne.
Und rasend wild
das Herz erfüllt
von mörderischer Freude
Durchwühlt er dann,
Soweit er kann,
Des Opfers Eingeweide.

Wie es da schrie,
das arme Vieh,
Und unter Angstgewimmer
Bald hoch, bald tief
Um Hilfe rief,
Vergeß ich nie und nimmer. *)


Anleihe bei Altreimer Busch
'n bättken Moral
PC-Muffel
Ich denk mir mal,
es ist egal,
was andre von dir glauben,
denn du bist DU,
nicht Müllers Kuh,
der man's Gehörn will klauben.

Es streiten sich
ganz fürchterlich
sehr viele um Moneten;
eh du dich biegst,
nimm, was du kriegst
und guck nicht so betreten!

Der Leute Schwatz
ist eine Hatz
und bringt hervor nur Neider.
Hör gar nicht drauf,
nimm es in Kauf;
dann bist du aus dem Schneider.

Drum bleib Dir treu,
hab keine Scheu.
lass Deine Meinung wissen!
Verlogne Ehr,
nützt dir nicht sehr,
sie kannst du durchaus missen!
Es tut recht weh,
wenn der PC,
an den einst alle glaubten,
mit Ironie
und Infamie
sich ständig will behaupten.

Dem Laien scheint,
wenn jener greint,
ein Update als vonnöten,
doch kann damit
in einem Schritt
sich die Maschine töten.

Das Internet
spielt gern Roulett,
wenn man mal Hilfe bräuchte;
Man googelt rum,
nimmt nie was krumm,
wenn's einen nur erleuchte.

Doch ich, Idiot,
komm nie ins Lot –
so kann's nicht weitergehen!
Drum lass voll Hohn
den Rechner schon
ich künftig einfach stehen!
                                    © lillii, 14.04.2019
                           © elbwolf, 15.04.2019, **)

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*) Das Originalgedicht von Busch steht in allen Gesamtausgaben abgedruckt und ist im Internet mehrfach verfügbar – samt einer Gedichtanalyse!
Wir entnahmen die Fassung der Anthologie "Die komischen Deutschen – 881 gewitzte Gedichte aus 400 Jahren" in Hoffmanns Verlag bei Zweitausendeins, 2004 ff, 940 S.; ISBN 978-3-86150-598-3.
**) Parodien auf Gedichte Busch's hatten wir auf Versbildner früher auch schon.

Dienstag, 19. September 2017

Ach lieber guter Wahl-O-Mat! (Parodie)

Titel der Wahl-O-Mat-App *)


Ach lieber guter Wahl-O-Mat! (Parodie)

Da hab' in Reinkultur ich den Salat:
zum ersten Male weiß ich keinen Rat
und bin aus diesem Grund mir nicht zu schad',
zu flüchten mich in diesen Wahl-O-Mat!

Ich fleh dich an, den Wahl-O-Maten,
ach kannst du mich geschickt beraten:
wie finde ich die Kandidaten,
selbst die, die mich noch nie vertraten.

Der Wahl-O-Mat hält sich für unerreicht
und solch Begehren scheint ihm kinderleicht:

Es werden 38 Fragen (Thesen genannt) vorgelegt, die der Wähler einzeln zustimmend, neutral oder ablehnend beantworten und sogar besonders gewichten oder aber auch überspringen kann.
Es sind 32 Parteien angetreten, von denen jede auf der Basis ihres Programms ebenfalls zu allen Fragen Stellung nimmt und in Form von Zustimmung, Enthaltung oder Ablehnung zusammenfasst.
Aus den 32 kann der Wähler bis zu 8 heraussuchen. Der Wahl-O-Mat vergleicht dann die Antworten des Wählers mit denen der herausgesuchten Parteien, rechnet die Übereinstimmung in % aus und listet sie auf. Die Partei mit dem höchsten %-Satz könnte? sollte? müsste? der Wähler eigentlich dann auch wählen – oder?

Nicht länger viel mit Worten rumgeseicht …
doch was herauskam, hat mir schon gereicht!

Was kam denn nun beim Wahl-O-Mat heraus-e?
Er spielt ein wenig mit mir Katz und Maus-e:

Unter den Ergebnissen (die ich nach und nach sogar für alle 32 Parteien ermittelte!) waren diese drei die erstaunlichsten:
1. CDU und SPD würden meine Auffassungen jeweils zu 48,4 % vertreten, was ja keine Mehrheit ist, schon gar keine qualifizierte ! Wählervolk – wenn das nicht wieder nach GroKo riecht!
2. Die Linke würde mich genau so gut vertreten, wie die … na? wie die Veganer!
3. Ein Elchtest ist fehlgeschlagen (was nur am Wahl-O-Mat liegen kann!). Die Gesundheitspartei hat alle 38 Fragen neutral beantwortet, weil sie NUR die Gesundheit interessiert, die kommt aber in den 38 Fragen nicht vor, nur die Krankenversicherung.
Ich habe also einmal alle 38 Fragen auch neutral beantwortet, dann 2 Parteien herausgesucht, darunter die Gesundheitspartei, und erwartete 100 % "Wahlempfehlung" für die Gesundheitspartei!
Denkste – die Antwort lautete:
Leider kann der Wahl-O-Mat auf der Grundlage Ihres Antwortmusters kein individuelles und zuverlässiges Ergebnis berechnen.

Bei diesem Stand erfasste mich ein Graus-e:
wenn's wirklich hoch kommt, bleibe ich …-e.

elbwolf, am Abend der vorletzten ARD-Prognose vor dem 24.9.
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*) Herausgegeben von der "bpb" (Bundeszentrale für politische Bildung) – in Zusammenarbeit mit weit über 50 Medienpartnern (von SPIEGELONLINE bis zu P()INTER.de ). In der Einleitung heißt es: "Der Wahl-O-Mat ist keine Wahlempfehlung, sondern ein Informationsangebot über Wahlen und Politik."

Dienstag, 15. August 2017

Der Arbeitnehmerflügel (Parodie)

Parteien, die zur Bundestagswahl 2017 in welchem Bundesland wählbar sein werden
(auch die, die ihre Beteiligung angezeigt, aber keine Landeslisten eingereicht haben).
Urheber: THAWonderland, 28.07.2017; Quelle: wikimedia.commons; Liz.: CC BY-SA 4.0

 Der Arbeit|geber|nehmerflügel (Parodie)

Vergangnen Samstag kam ins Ruhrgebiet,
um dort den Wahlkampf endlich zu forcieren,
die Kanzlerin! Auch einmal zu probieren ,
wie man die Massen ordentlich bekniet,
die man nicht eben offen führt am Zügel, …
… nur nebenher – als Arbeitnehmerflügel!

Die Sozis hatten einst im Ruhrgebiet
in Dortmund ihre Hochburg – unbestritten.
Dort fuhr die Kanzlerin mit ihnen Schlitten:
den Arbeitnehmer, wie man staunend sieht,
den braucht sie selbst – natürlich gleich in Massen!
Der soll von ihr sich nun berieseln lassen …

Denn Arbeitnehmer gibt’s in großer Zahl:
in summa haben sie die meisten Stimmen;
und um im Bu~tag Sitze zu erklimmen,
stürzt selbst die Kanzlerin sich in die Wahl.
Sie hat fast vierzig Punkte als Prognose –
und das geht deshalb kaum noch in die Hose!

Doch ist der Wahlkampf nirgends ein Plaisier:
ein Landes-Chef merkt's grad in Niedersachsen,
wo Bäume von Vau-We zum Himmel wachsen:
Der zeigte dort ein wichtiges Papier
dem Arbeitgeberflügel – und der sollte
verändern, was er dran nicht haben wollte.

Ein Sozi – der die Arbeitgeber fragt:
"Warum nicht auf den saubren Diesel schwören";
"Ihr werdet sonst Vertrauen nur zerstören" –
doch Halt! das hat die Kanzlerin gesagt.
. . .
Gehörst du auch zum Arbeitnehmerflügel?
Dann freu dich nach der Wahl auf neue Prügel!

elbwolf (Dienstag, 15.08.2017)

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Nachgehakt:
Anregung zu dieser Parodie erhielt ich durch die "Frankfurter Allgemeine – Zeitung für Deutschland", die am 14.08.2017 (gestern!) auf der Titelseite u. a. mitteilte:
- Merkel sagte … in Dortmund …: Die 'Lücken in den Abgastests' hätten "Vertrauen zerstört";
- Schulz warf /in einem ZDF-Interview/ den Fahrzeugherstellern vor, sie hätten "ihre Zukunft verpennt".

Samstag, 12. August 2017

Besuch bei der Aubergine

Eierpflanze (Aubergine) mit Frucht und Blüte
Foto+©: Miya (Jap.), 6.5.2006; Quelle: wikimedia.commons. Liz.: CC BY-SA 3.0

Besuch bei der Aubergine (Parodie)

Es war erst jüngst an meinem Ehrentag,
als jeder von den eingeladnen Gästen
mir irgend etwas – auch, was ich nicht mag – 
verehrte, selbstverständlich nur vom besten.
Ein Pflänzlein war im Gabenhaufen drunter,
das schien vor Wassermangel kaum noch munter.

Nun haben solch Geschenke den Effekt ,
dass ihre Geber später uns noch plagen
und gänzlich ungeniert und sehr direkt
uns stellen immer ewig gleiche Fragen:
So fragte mich ein Freund mit Unschuldsmine:
"Wie geht’s denn meiner kleinen Aubergine"?

Da hatte ich nun endlich den Bescheid,
was da im Gartenbeet sein Dasein fristet,
und wie ich grüble, hat der Freund mit Schneid
mich mühelos noch einmal überlistet:
"Ich schaue gleich mit Dir nach 'unsrer' Pflanze –
die duldet keine Halbheit, die will's Ganze!

Die wird am Ende fast zwei Meter lang;
sie braucht jetzt unverzüglich ein Gestänge,
denn Auberginen wachsen als Behang –
sie sind des Gartens leuchtendes Gepränge!
Du musst nur fleißig und mit Nährsalz gießen,
dann werden viele dunkle Früchte sprießen!"

Da hatte ich ganz plötzlich nie mehr Zeit.
Zunächst ließ ich den Sommerurlaub sausen,
gab Golf und Herrenabend das Geleit
und schlug mir aus dem Kopf die blonden Flausen.
So ändert man sein Leben dank Gemüse –
ist meine bitter-süße Analyse!

© WH (elbwolf, 23.06.2016, überarb. 07 '17)

Montag, 10. April 2017

Alle Vögel sind schon da (1) – Archaeopteryx

Notabene: Den Titel "Alle Vögel sind schon da" trägt ein sehr verbreitetes Frühlingslied, das in vielen Kinder- und Schulliederbüchern steht – wie lange noch? Hoffmann von Fallersleben verfasste es 1835. Die Melodie ist eine schon lange gebräuchliche Volksweise, deren Herkunft aber unbekannt bleibt.
Der dreistrophige Text beschreibt und deutet die Natur: (1) die Vogelarten als Frühlingsboten , die (2) als Vogelschar Frohsinn verbreiten und damit (3) bewirken, dass auch die Kinder fröhlich sind. 1)
Es werden zwar im Liedtext Amsel, Drossel, Fink und Star genannt, aber das Wort "Zugvögel" steht nicht dort. Wenn wir es also nicht ausdrücklich bemühten, dann könnte die Rede auch von allen "Geschnäbelten" gehen – auf denn!
Lebendrekonstruktion des Archaeopteryx nach wissenschaftlichen Studien von 2012
Künstlerische Ausführung: Nobu Tamura, 2012-04-09;
Quelle: wikimedia.commons; Liz.: CC-BY-SA 3.0

"Alle Vögel sind schon da …" 
(1) – der Archaeopteryx

Was heißt hier "schon" – fragt Archaeopteryx
sich konsterniert: das sei er doch wohl immer!
Wer das nicht weiß – so denkt er hinterrücks
der hat von ihm als Vogel keinen Schimmer.
Sein Ursprungsland liegt heute im Nirwana –
zur Kreidezeit hieß es jedoch Gondwana.

Was er als erster konnte, war der Flug
von hohen Klippen, mindestens ein Segeln,
denn ob es Bäume gab, ist vielleicht Trug.
Beim Starten blieb ihm also viel zu regeln:
der freie Flug war anfangs schwer zu schaffen,
doch später konnten Dinos nur noch gaffen!

Ob winters unser Vogel südwärts zog?
Lag ihm das Gold schon damals in der Kehle,
will sagen, was zum Singen ihn bewog?
Wohl besser, dass die Wahrheit ich verhehle.
In einem ist der Archaeoptryx Sieger –
bleibt ohne Zweifel allererster Flieger!

© elbwolf (WH, April 2017)

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1) siehe Liedtext und Noten in der Wikipedia und eine Interpretation des Textes im Liederlexikon.

Freitag, 7. November 2014

Auf der Heide und im Wald (Parodie)

Lüneburger Heide, Blick vom Wilseder Berg (2007)
© Willow; Multi-license with GFDL and Creative Commons CC-BY 2.5

Auf der Heide und im Wald
Parodie auf “Im Wald und auf der Heide“
(Bornemann/Gehricke, 1816/1827).

Ich zieh’ mit großer Freude,
Statt dass ich Zeit vergeude,
Hinaus in Heid’ und Wald.

Die Kräutelein zu riechen,
Die Büsche zu durchkriechen -
Solch’ Lust lässt mich nicht kalt.

Ein Flachmann - meine Flasche;
Paar Münzen in der Tasche:
Da leidet man nicht Not!
Mir fehlt ein richt'ger Bello,
Grüß selber jeden "Hello" -
Dies ist mir stets Gebot!

Bin müde, will mich strecken
Und ruhen unter Hecken,
Erfreu'n mich an Natur.
Aus Angst vor einer Streife
Verzicht’ ich auf die Pfeife -
Ist trotzdem Leben pur!

Ein Hase läuft zick-zack-schnell,
Das Moorhuhn ruft gack-gack-gell,
Doch ich bin nicht auf Pirsch!
Das Füchslein gar, das rote,
Das reicht mir seine Pfote,
Ich brauch auch keinen Hirsch.

So zieh ich durch die Heide,
Sie dient dem Schaf als Weide,
Und schmecket ihm wie Seim.
Wenn Sonne sich dann neiget,
Der Nebel sachte steiget,
Dann kehr’ gestärkt ich heim.

(c) elbwolf (2009; 2014)

Montag, 3. November 2014

Handarbeit – erotische Parodie (2/2)



Parodie auf die „Argumentationskunst“ im bekannten Gedicht von
Wilhelm Busch (1832-1908) “Die Selbstkritik hat viel für sich“ aus
der Sammlung „Kritik des Herzens“ .
Hier versehen mit einer Illustration des zu Busch zeitgenössischen,
damals weithin bekannten Malers – sogar Hofmaler des Zaren – und
Grafikers Mihály Zichy.
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|    Da selbst heute noch - nach über 100 Jahren -     |
|     dieser Meister erotischer Illustrationskunst     |
|    an das sittliche und/oder ästhetische Empfinden   |
|      von Betrachtern seiner Werke rühren könnte,     |
|       wird eine Grafik von ihm im Extrafenster       |
|   erst nach einem Klick auf folgenden Link gezeigt   |
|                    Zum Zichy-Bild                    |
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| Klicken oder nicht klicken – das ist hier die Frage! |
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Mihály Zichy (1827-1906): Aus dem Zyklus „Erato – Die Freuden der Liebe“.
Quelle: wikimedia/commons (dort als Blatt Liebe-5 geführt) – Liz.: gemeinfrei!
Buchausgabe „Erato“ von 1989 bei Kiepenheuer (Blatt 7), ISBN 3378003464.

Handarbeit
Erotische Parodie auf „Die Selbstkritik …“ von W. Busch

Die Handarbeit hat viel für sich.
Gesetzt den Fall, ich handwerk mich …
So hab' ich erstens den Gewinn,
Dass ganz entspannt ich nachher bin;

Zum zweiten denkt man, dass ein Weib
Der Mann nicht braucht als Zeitvertreib.
Doch hab ich drittens solchen Bissen
Mir schon klammheimlich aufgerissen;

Und viertens hoff' ich außerdem,
Dass Handarbeit auch ihr genehm –
Wär sie zu solchem Tun bereit,
Betrieben Handwerk wir zu zweit!

© elbwolf (2009-2014)

Enthalten im Almanach "Liebe, prickelnd wie Sekt"
Edition Wendepunkt, Weiden, ISBN 978-3-938728-21-5

Sonntag, 2. November 2014

Stündchen – erotische Parodie (1/2)



Parodie auf das Gebaren eines vorgeblich in Liebesdingen erfahrenen
Lebemanns – nach dem gar nicht so bekannten Gedicht „Ständchen“
von Wilhelm Busch (1832-1908). Ausgerechnet unser „Altreimer“ gibt
den Schwerenöter, wobei er doch von sich selbst gesagt hatte: „Ich
werde nie heiraten ... Bei meiner Schwester habe ich es nun auch gut.“

Ein großartig passender „Bildschmuck“ findet sich bei dem zu Busch etwa
zeitgenössischen Maler Félix Vallotton (1865-1925), dessen Werk eine
solche Galerie verlockender Schönheiten umfasst, dass der Leser selbst
per Klick entscheiden soll, welche er sich zum „Stündchen“ laden würde!
(dieses Nichteinbinden in den Text umgeht evtl. Fragen der Lizenzierung)

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|     Maid-1             Maid-2             Maid-3     |
|                                                      |
|     Maid-4             Maid-5             Maid-6     |
|                                                      |
|           Super-Maid-1        Super-Maid-2           |
|                                                      |
|                       Favoritin                      |
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Stündchen
Erotische Parodie auf „Ständchen“ von W. Busch
 
Der Abend ist so heiß und schwül,
Das Bett gedeckt mit weichem Pfühl,
Es wartet, Liebes, nur auf dich -
Geliebte du,
Auch ich erwart dich inniglich!!
So komm herein zu Kerzenschein
In unser Liebes-Kämmerlein:
Befrei dich von der Kleider Fülle,
Leg ab und zeig dich ohne Hülle -
..........Gleich jetzt!

Dass du nicht kleidest mehr die Glieder!
Leg splitternackt dich zu mir nieder.
Lass deine Brüste meiner Hand -
Dein Körper raubt mir den Verstand.
Erfühlst du schon die Wolke neun?
Wirst nichts bereun -
Vertraue, Liebes, ganz auf mich,
Geliebte du.
Zu dieser Wolke bring ich dich -
..........Jetzt gleich!

© elbwolf (2009-2014)

Enthalten im Almanach "Liebe, prickelnd wie Sekt"
Edition Wendepunkt, Weiden, ISBN 978-3-938728-21-5