Hier schreiben Hobbydichter für Lyrik-Freunde – meist Gereimtes und nur Druckreifes! Willkommen also, viel Vergnügen mit unseren Gedichten und deren Bebilderung!

Aufrufe unseres Blogs erfolgen automatisch mit Sicherheitsprotokoll "https". Am 18. Mai 2022 hatten wir unseren 600. Beitrag in den Blog gestellt!

Bereits seit Jahresbeginn bringen wir neue Folgen an Kalenderblättern und Monatsbildern. Darum herum dann das, was sich an Einfällen so ergibt – man wird sehen! Nun ja, was man auch sieht: wir "unterschlagen" seit einer ganzen Weile auch einen gewissen Anteil an sanfter Erotik nicht länger - die Zeiten sind eben so ...

Wir teilen den Lesern unseres Versbildners mit und bitten um Verständnis, dass wir auch weiterhin das monatliche Angebot auf 6 Beiträge beschränken - die Kontaktarmut dieser Zeit bringt leider auch eine gewisse Ideenarmut mit sich. Neueinstellungen erfolgen damit um die Kalendertage des 1., 6., 11., 16./17., 21./22., 25.-27. eines Monats.

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Sonntag, 15. September 2024

Des Pudels Kern

Margret Hofheinz-Döring (1910-1994): Des Pudels Kern (Aquarell, 1960).
Zu Faust I von Goethe; Foto: Peter Mauch; Rechte bei Galerie Brigitte Mauch Göppingen.
(via Wikimedia Commons; Liz.: CC BY-SA 3.0)

 

Des Pudels Kern

″Das also war des Pudels Kern″,
ließ Goethe seinen Faust einst sagen,
als der nach vielen, vielen Fragen
der Wahrheit schaute ins Gesicht –
und einer Wahrheit mit Gewicht!

Oft ist es spät, dass man erkennt:
die Wahrheit liegt ja richtig offen,
doch macht das viele nicht betroffen,
denn Unterhaltung ist oft Trug
und zeigt den Menschen gar nicht klug.

Was nennt man weise, was heißt schlau?
Trennt man das eine von dem andern,
dann sieht man Wahrheit häufig wandern:
urplötzlich hat sie ihr Gewicht
und festen Stand auch vor Gericht.

So wandeln ″dies″ und ″jen‘s″ sich schnell.
Wie leicht ist etwas zu versäumen –
passt jemand auf, wenn wir so träumen?
Und ist sich wer gar selbst genug?
Was ist nun wahr – und nicht Betrug?

© Luzie Rudde 

Sonntag, 11. September 2022

Ein Mann – ein Buch/7: Der sich bewegende Mann

Alexandru Ceobanu – Campion Arnold Classic Europe;
Foto: Alexceo17, 2.4.2020; via wikimedia commons
; Liz.: CC BY-SA 4.0.

 

Der sich bewegende Mann

1.      Prolog
Macht es Sinn, dass der Mann sich bewegt,
wo der Mann sich doch grad nur mal regt?
Setz ein Ziel, das er immer gewollt –
und du siehst, wie es ihn überrollt!

2.      Szenario
Unser Buch, das hat Rat auch für ihn:
Was er braucht, das ist viel Disziplin.
Darf ein Bier nicht bloß so trinken gehen,
wo die Fahnen der Fitness jetzt wehn.

Doch auch hier hat die Sach' zwei Gesicht:
ist nun alles darauf ausgericht:
sind das Training und Essen stets Plan,
scheitern Leben und Liebe daran.

Er hat Sixpack und viel Kondition.
Alles das wäre nur Illusion,
gäb es dafür nicht andren Gebrauch,
als eben den, den Frau jetzt meint auch!

3.      Epilog
Wünscht die Frau, dass der Mann sie betört,
hat er nun, was die Frau gern beschwört:
keinen Bauch, der sich dort länger rundet,
wo die Frau doch gern andres erkundet.

© gitte, im Mond des September

Samstag, 26. Juni 2021

Hanebüchene Physik-6: Operatoren (Teamwork)

©: Dr. Klaus Retzlaff; 22.04.2006, via Wikimedia Commons; Liz.: CC BY-SA 3.0
"Ein Kind rechnet mit den Fingern
oder eine Rechenoperation verknüpft Objekte mit einem Operator."

Die Physiker, wie wir (Nichtphysiker!) sie uns vorstellen, scheinen sich vornehmlich zwei großen Tätigkeitsfeldern zu widmen. Zum einen äußern sie "Vermutungen", die oft rein spekulativ sind, von ihnen aber Hypothesen genannt und sofort zu Theorien ausgewalzt werden. Zum andere versuchen sie, mittels raffinierter Messungen diese Theorien zu bestätigen oder zumindest zu stützen oder … zu widerlegen – und sei's auch nur in einem einzigen, also singulären Fall, womit die zugrunde liegende Hypothese … wie sagen wir's … "notgeschlachtet" wäre. Dann beginnt sich das Karussell erneut zu drehen und sorgt dafür, dass die Physiker nie ohne Beschäftigung sind.

 

Die Physiker sind nicht die großen Kinder,
        sie sind eher die allergrößtmöglichen
!

Der Physiker fühlt sich wie neugeboren,
wenn er die Trampelpfade liegen lässt –
da bleibt kein Rechenvorgang ungeschoren
und jede Hausnummer ist ihm ein Fest.
Er findet das erstrebte Hochgefühl
am Ende dann im eigenen Kalkül!

Der geht rasant und kennt nicht seinesgleichen,
der will die "Butter bei die Fische tun":
die alten Rechenkladden müssen weichen,
nur noch die neuen sind jetzt opportun.
Wer aber auf Erfolge spekuliert,
hat sich bestimmt schon mal verkalkuliert ...

Da macht es schon der Knirps hier an der Tafel
doch ziemlich gut und kommt zum Resultat;
er rechnet nicht mit Quarks und solch Geschwafel –
er "operiert", wie ihn der Lehrer bat,
verkündet stolz und ohne sich zu scheun:
"Als Summe habe ich genau die Neun!"

© Teamwork (Manfred Albert & elbwolf/W.H.)

 

Als Zugabe
wollen wir und ein paar Überlegungen zu den Daten anstellen, die die Physiker in unvorstellbarer Anzahl gewinnen. Und wir unterschlagen bewusst die "mess-system-bezogenen Anhängsel" dieser Daten ("Dimension") und bleiben bei den reinen Maßzahlen, benennen aber den Vorgang, bei dem sie anfallen.

Angenommen, wir messen zwei verschiedene Wegabschnitte mit den Maßzahlen a und b aus und heften ihnen diese beiden Zahlen wie zwei Erkennungszeichen an (es sind die "Parameterwerte"). Nun ermitteln wir die Gesamtlänge, wenn man b an a anlegt oder a an b. Dabei verwenden wir das Additionszeichen als "Operator" zwischen den Parameterwerten, die als Operanden auftreten:
         a + b = b + a       (d. h. die Operanden sind vertauschbar!)
Die Fläche eines rechtwinkligen Vierecks mit den anliegenden Seiten a, b oder b, a beschreibt man mit dem Multiplikationszeichen als Operator:
         a х b = b х a        (d. h. die Operanden sind vertauschbar!)
Den Rest einer Verminderung von a um b erhält man mit dem Operator -
         a – b                    (die Operanden sind nicht vertauschbar!)
Die "restlose" Aufteilung von a auf b erhält man mit dem Operator /  
         a / b                     (die Operanden sind nicht vertauschbar!)
Neben diesen so genannten "zweistelligen" Operatoren gibt es auch "einstellige", von denen das Wurzelziehen erwähnt sei:
         √a     (bezieht sich auf den unmittelbar folgenden Operanden)
         √(a + b)  (mit Klammern wird die "Reichweite" von √ festgelegt).

Damit dürften viele Laien bereits bedient sein – nicht so die Physiker! Die möchten nicht nur mit den Maßzahlen rechnen, nein, auch mit den Operatoren selbst. Und da ihnen dafür zu wenig typografische Zeichen zur Verfügung stehen, erfinden sie welche oder sie definieren sich "Super-Operatoren". Und das geht so, obwohl es hier nur an ziemlich kindischen Beispielen gezeigt werden kann:
         bino1 ≡ a
х a + b х b
         bino2 ≡ (a + b)
х (a – b) ≡ a х a - b х b
         bino3 ≡ (a + b)
х (a + b) ≡ a х a + 2 x a х b + b х b
Diese letztere Formel würde die hanebüchene Physik nun so schreiben:
         a bino3 b ≡ a bino1 b + 2 x a
х b
Vorrang- oder Prioritätenregeln bewirken die korrekte Abarbeitung.

Damit sind wir auch hier am Ende aller Fahnenstangen für Laien, aber auf eine Verknüpfung mit den Zahlenfolgen ("Progressionen") wollen wir noch hinweisen.
Sei "op" ein Operator mit zwei Operanden, der folgendes leistet:
         a op b ≡ a
х b - b ≡ (a - 1) х b      (**)
Wir betrachten die Ergebniswerte, die dieser op nacheinander für folgende Parameterwerte a,b liefert:
a,b:        3,0    4,1    5,2    6,3    7,4    8,5    9,6    10,7    11,8    12,9
a op b:     0       3       8      15     24     35     48      63       80       99
Zwischen Nachbar-Ergebnissen geben wir die Differenz des Anstiegs an:
Differenz:     3        5       7       9      11     13     15       17      19
Und mittig zwischen den Differenzen geben wir deren Anstieg an:
Diff. der Diff's;   2       2       2       2        2       2        2         2

Wie führt man uns "Laien" nun auf den Leim? Man verwendet einen Elementar-Operator, gaukelt uns aber solche "Rechnungen" vor:
         11 + 8  → 80    oder, ähnlich behämmert,   11
х
8  → 80
In Wirklichkeit sind das Operatoren, die "semantisch überfrachtet" wurden, und zwar wie hier oben in (**), so dass korrekt zu notieren wäre:
         11 op 8 = 80 bei Gültigkeit der Definition für op wie in (**).

Donnerstag, 6. Mai 2021

Wertungen

 
A tap dancer jumping during a performance at a concert of the
NW Fusion Dance Company, Foto: Jim Lamberson (Lambtron), 23.1.2014;
via Wikimedia Commons; Liz.: CC BY-SA 4.0

 

Wertungen

Legst du Wert auf Volkes Achtung –
tanze niemals aus der Reih.
Bist du etwa doch so frei,
spürst du schon mal auch Verachtung ...

Stelle ich mir nun die Frage:
"Ist mir guter Ruf was wert?
Lohnt es, dass ich – hochgeehrt! –
mich für die noch überschlage?"

Solltet ihr mit mir erleben,
dass ich lieber per Distanz
sichtbar aus der Reihe tanz,
bin ich grad dabei zu schweben.

Lass' zu gern die Leute schwatzen,
mich tangierts von fernher nur,
liege nicht in deren Spur.
Hört, es zwitschern laut die Spatzen.

© Luzie Rudde

Donnerstag, 5. November 2020

Das Jahr 2020 im Sauseschritt – oder?

Foto + © Magnus Ullmann: Heuschreckenschwarm im SW von Marokko, Nov.2004.
via Wikimedia Commons; Liz. CC BY-SA 3.0.
(kein schlechter Vergleich mit einem Viren'schwarm', nur größer und sichtbar)


 Das Jahr 2020 im Sauseschritt – oder?

Grad eben war das Neue Jahr
mit eitlen Plänen angebrochen,
da kam das Virus angekrochen –
erst solo, dann als ganze Schar.
Nun scheiterte die alte Planung
und jeder Nerv lag blank fürwahr,
denn bald ergriff uns eine Ahnung …

… zu Ostern ist das nicht vorbei!
Das wird wohl eine Weile dauern,
wir alle werden schnell versauern –
erscholl ringsum ein Wehgeschrei.
Doch ehe wir's uns recht besahen
kam schon der Lockdown-Monat Mai:
den hatte man schlicht zu bejahen …

… begann danach doch Urlaubszeit,
die Zeit der wundervollen Reisen
mitsamt der Gourmet-Götterspeisen –
man tut sich doch nicht selber leid!
Doch klebt als Regel eine Strähne
voll Pech am Urlaubsend-Bescheid:
Erholung schließt mit Quarantäne …

… so dass das Volk bald Lockrung will,
mit Partys, Demos und mit Spielen
die gerne aus dem Rahmen fielen –
man hielt doch schon so lange still!
Die angedrohte zweite Welle
der Viren käme laut und schrill
und keineswegs als Bagatelle …

… was stimmt: der neueste Lockdown
der raubte, statt dass er uns stärkte,
zuallererst die Weihnachtsmärkte –
wo wir so gern ins Glas reinschaun!
Verhalten wir uns wie die Braven
und haben wir mehr Selbstvertraun,
sonst schickt man uns zum Winterschlafen …

© elbwolf (04.11.2020)

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Anmerkung:
Das Gedicht ist aus Septetten (7-versige Strophen) gebaut, die als einzelne lyrische Form in den Verslehren nicht geführt werden. Für die 7 Verse sind 3 Reimsilben erforderlich, wobei der Mitreimer eines Reimwortes spätestens in der 3. Folgezeile auftritt.
Es sind zwei unterschiedliche Reim-Varianten möglich, von denen wir eine bereits vor über einem Jahr im Gedicht "
Lange Leitung – kurze Leitung" vorstellten. Hier nun die andere:

Zwei selbständige Quartette abba acac werden zu abbacac zusammengezogen, wobei der Inhalt der zwei mittleren Verszeilen mit a-Reim zu einer verdichtet wird.

Freitag, 29. Mai 2020

Tierkreiszeichen/05: Zwillinge – Teamwork

Als wir zur Verabschiedung des alten Jahres schon einmal ein solches Bilder-Tableau entwarfen – und zwar zum doppelgesichtigen Janus – entstand der Gedanke, es monatlich über ein Jahr hinweg mit den Tierkreiszeichen genauso zu versuchen und mit einem "Ulk"-Horoskop zu verbinden. Zudem fiel uns auf, dass von den zwölf Tierkreiszeichen die Mehrzahl (nämlich acht) ohne weibliches Pendant sind, die Jungfrau unbemannt ist, die letzten drei dagegen (modern aufgefasst) geradezu divers wirken. Hier haben wir es mit "Zwilling*in" zu tun. Augenzwinkernd!

Zwillinge / Gemini *)
vom 22.05.2020 ← gültig → bis 21.06.2020
(Zeitraum des scheinbaren Sonnendurchgangs)

          
  
Zwillinge – natürlich zweieiige …

Ein Kind unter Wirkung dualer Faktoren
wird weder im Licht noch im Schatten geboren.
Kein Sonnenkind kann ohne Schattenkind sein,
sonst stimmt unser Gleichgewicht nur noch zum Schein.
Zum Guten das Böse, zum Heitren die Trauer,
Nur dieses bewährt sich als Standpunkt auf Dauer.
Die beiden, die wissen sich in uns zu trennen –
sie wollen nicht gleichzeitig lachen und flennen.
Doch bleiben die beiden für uns – Zwillingskinder,
mit eignem Terrain, einmal mehr, einmal minder.

© Manfred Albert a. G.                

© Manfred Albert a. G.: originale PC-Grafik, 05/2020
"Sonnen- und Schattenkind und ihr angedeuteter Ursprung"
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*) Nach Ptolemäus (~100-160 u.Z.) sind die Zwillinge männlich – können also ein- oder zweieiige sein.
Dagegen waren auf dem Tierkreis des oberägyptischen Hathor-Tempels in Dendera (jede Nilkreuzfahrt legt dort an!) die Zwillinge als Mann und Frau dagestellt und können dann nur zweieiige sein.

Quellen zu den Bildern im Zwilling-Tableau ganz oben
(sämtlich lizenziert und via Wikimedia Commons):
links: Sternbild des Zwilling, Foto: Till Credner, 27.08.2003; © CC BY-SA 3.0.
oben: am linken Portal der Kathedrale von Amiens; Foto: Vassil, 18.04.2007.
unten: Book of Hours, the Fastolf Master, Bodleian Library, Oxford, ~ 1440-1450.
rechts: Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz; Faltkalender ~1400

Die PC-Grafik wurde vom Autor mit einem eigenen Grafikprogramm erstellt.

Mittwoch, 5. Juni 2019

O heilige Einfalt (mit 'verseschreiber' a. G.)

O heilige Einfalt – 
selbstkritisch zum eigenen Bildnis

Da sitze ich und muss ein wenig grinsen,
weil keiner sieht, auf was ich grade schau,
doch griene ich, weil ich mich etwas trau
und hoff, es ginge nicht gleich in die Binsen!

An vielen Lebenstagen gibt’s nur Linsen,
im Magen fühlt man sich ein wenig flau;
ist dann der Himmel auch noch dunkelgrau,
erscheint die Welt als Konto ohne Zinsen.

Ich sitz ja aber fest auf dieser Bank,
und dass ich grinse, ist mir sehr bewusst:
ich sag dem Schicksal nämlich meinen Dank.

Natürlich hätte ich das nicht gemusst,
doch ward ich achtzig grad an jenem Tage –
ob an die neunzig ich mich wirklich wage?


© verseschreiber (30.05.2019)
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Wir vom Versbildner stellen heute unseren geschätzten Leserinnen und Lesern
einen Gast vor, der  Verse nicht nur als Hobby schreibt, sondern sich diese
Bezeichnung an anderer Stelle auch als Pseudonym gegeben hat. Ein bisschen
Überredung unsererseits hat es diesmal schon gebraucht, aber gelegentlich
werden wir wieder auf ihn zählen können.

Mittwoch, 9. Mai 2018

Mensch – Maschine – Monologe* (1)

El Lissitzky (1890-1941) – russischer Avantgardist, Hauptvertreter des Konstruktivismus.
links: Studio per Proun** G7 (1922/23); rechts: ‘Neuer’ (Der neue/erneuerte Mensch, 1923);
Quelle. via wikimedia.commons; Liz.: gemeinfrei.

Maschine im Menschen

Ich bin dein Schrittmacher, jetzt und hinfort,
du nur mein Mitmacher, an jedem Ort.
Ich bin Veranlasser, dass du was wagst,
wie auch der Aufpasser, falls du versagst.
Ich bin ein Wortloser, der nie verschnauft,
wenn sich ein Ruhloser die Haare rauft.
Nimm's als Bekräftigung und nicht als Last,
sieh die Vergünstigung, die du nun hast.


Mensch mit Maschine

Ich bin auf Ehrenwort – ein Mitmacher,
und du bist immerfort – der Schrittmacher;
bei dem, was schon gesagt – der Abwäger;
wie sehr es auch gewagt – kein Ankläger;
du bist kein Zuchtmeister – bist niemals schroff;
bist mein Gewährleister – auf den ich hoff;
statt Beifallsäußerung – brauch unbesehn
ich stets Ermunterung – bleib ja nicht stehn!

Wolfgang H. (elbwolf, 2.5.2018)
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* Monologe (und nicht Dialoge), weil man nicht miteinander redet, sondern übereinander!
** Monografie von Katrin Simons, Insel TB 1376: El Lissitzky – Proun 23 N oder
'Der Umstieg von der Malerei zur Gestaltung als Thema der Moderne'.

Mittwoch, 4. April 2018

Der Gesang (3) – Sopranistinnen, die "BBW" der Musik

Mitte: Montserrat Caballé (*1933, Barcelona) auf dem Festival
in Aix en Provence 1980 in der Rolle der Sémiramide von Rossini.
links: Anna Aglatova; Martina Serafin 2015 als Tosca;
rechts: Denise Leigh; Stephanie Blythe 2013 am Metropolitan Opera House.
(alle Abb. in Ausschnitten; via wikimedia.commons; Details s. Anhang!)

Der Gesang (3) – Sopranistinnen,
               die BBW *) der Musik

Was wäre ohne sie die Opernbühne?
Die Sopranistin ist wie stets Garant
für volles Haus und darum oft bekannt
als wohlbeleibte Dame, durchaus kühne
Beherrscherin von heißem Minnesang –
gleich fühlt sich manch Tenor ums Herze bang.

Wenn sie erst lieblich lässt die Stimme klingen
aus wohlgeformtem Leib und voller Brust,
fühlt angeregt sich des Verehrers Lust,
mit ihr vereint ein Liebeslied zu singen.
Die zwei vereinen sich drauf im Duett –
erst auf der Bühne, dann im Kabinett.

Das Publikum erlebt sie auf den Brettern;
sie als Soubrette, ihn als stolzen Held,
und beider Oberkörper brustgeschwellt,
wenn sie die Arien herunterschmettern:
sie treffen selbst die höchsten Töne rein –
erweichen muss das einen Marmelstein!

Der Sopranistin ist die Kunst zu eigen,
dass ihre Stimme andere entzückt
und deren oft profanen Alltag schmückt,
wie Zuhörer mit Ovationen zeigen.
Ich schließe mich mit Beifall einfach an –
und singe selbst so gut ich eben kann.

Luzie R. (lillii, 2.4.2018)


Nach einer Zeichnung von Olaf Iversen (1902-59) zu:
W. Deneke: "50 Jahre jung verheiratet", Hesse & Becker Verlag, 1938, Leipzig.
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Nachweise für die Aufnahmen + Autoren/© + Liz.:
  • Aglatova: 9.9.2014; Franz Johann Morgenbesser, Wien; CC BY-SA 2.
  • Serafin: 6.7.2015; Christian Michelides (Opernfestival St. Margarethen); CC BY-SA 4.0
  • Caballé: 1980; germanuncut77; CC BY-SA 2.0
  • Leigh: 5.9.2009; Garry Knight; CC BY-SA 2.0
  • Blythe: 21.12.2013; Ralph Daily; CC BY-SA 2.0
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Wir fanden es unwiderstehlich, die Iversen'sche Zeichnung zum Schluss anzufügen: Es handelt sich um … keine Operndiva, die gerade zu einer Arie anhebt, vielmehr um eine erboste Hausfrau, die den betrunken heimkehrenden Gatten an der Haustür mit einem Riemen (wegretuschiert!) in der Hand erwartet. Eine Gestattung können wir leider nicht beibringen, da der ehem. Simplizissimus-Zeichner und der Buchautor lange verstorben sind und Buchverlag wie Satirezeitschrift nicht mehr existieren. Aber ein Buchexemplar ist in unserem Besitz.
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*) Die Abkürzung BBW steht für "Big Beautiful Women" (wohlbeleibte schöne Frauen) und ist die Benennung für eine Subkultur im Internet, bei welcher das Augenmerk auf die Attraktivität von übergewichtigen Frauen gerichtet wird.

Sonntag, 12. Februar 2017

Haselkätzchen

Kätzchen am Haselnussstrauch in meines Nachbars Garten.
Eigenes Foto der Verfasserin – Aufnahme vom 06.02.2017.
 Die Kätzchen am Haselnussstrauch

Schön blühen die Kätzchen am Haselnussstrauch –
des Vorfrühlings liebliche Boten.
Die winzigen Blüten, die roten
erwarten nun einen belebenden Hauch …
im Herbst dann die nahrhaften Nüsse sich zeigen,
die Eichhörnchen graben sie ein unter Zweigen.

Ich schnitt einen Zweig ab vom Haselnussbaum
und hängte ihn gleich mir zu Hause
als Frühlingsgruß in meine Klause –
erfreute mich an diesem goldenen Traum.
Als ich nach zwei Tagen ihn zärtlich berührte
war ich die vom Goldregen listig Verführte.

Die goldgelben Wolken umhüllten mein Haupt,
gepudert war ich, leicht erschrocken:
ich wollt doch die Kätzchen nicht locken.
Nun hoff ich, dass niemand was anderes glaubt
und frage mich, wer führte hier denn Regie –
wars Fehlgriff nur oder ganz einfach Magie?

© lillii (L-R)

Donnerstag, 26. Januar 2017

Die Dichtkunst als Ernährerin

Angelika Kauffmann (1741-1807): Die Dichtung umarmt die Malerei (1782)
Standort: Sammlung Lord Iveagh Bequest, London;
Quelle: The Yorck Project via wikimedia.commens; Liz.: weltweit gemeinfrei.



Die Dichtkunst als Ernährerin

Die Dichtkunst, sagte meine Mutter,
ist ein Geschäft ohn Brot und Butter.
Kein Mensch, von dem sie Kunde hätte,
läg nachts nicht sorgenvoll im Bette,
wär Dichtung nur sein Broterwerb.

Drum sollte ich was Rechtes lernen,
die Kunst verbannen in die Fernen,
mich fest auf meine Füße stellen
und meinen Geist mit dem erhellen,
was eine Frau zum Leben braucht.

Als braves Mädchen, das ich war,
befolgt ich das so manches Jahr,
doch blieb in meinem Hinterkopf
ein Zupfen an dem alten Zopf –
ich wollte ihn nicht tragen.

So nahm ich Stift mir und Papier
Und schrieb, ich kann ja nichts dafür,
so manchen Reim mir heimlich auf
und legt ihn auf den Stapel drauf,
für meinen Seelenfrieden.

Doch irgendwann war es mir leid,
hab' nur die eine Lebenszeit.
Ich suchte mir Gedichte aus
und machte mir ein Büchlein draus.

Ganz ohne wen zu fragen!

© A.W. (immergruen, 26.01.2017)

Sonntag, 22. Januar 2017

Der arme Poet

Carl Spitzweg (1808-85): Der arme Poet (1839, II. Fassung des Motivs)
Standort: München, Neue Pinakothek; Quelle: The Yorck Project via wikimedia.commons; Gemeinfrei


Der arme Poet

Des Denkens müde, sucht er zu ergründen,
ob doch dem Tag wär' etwas abzuringen ...
Die Welt, beschäftigt mit ganz andern Dingen,
ist Hilfe nie: sie wird sich nicht verbünden.

Der träge Geist muss sich zuerst entzünden,
will der Poet, dass Reime ihm gelingen,
die ihm den dringenden Erfolg auch bringen
und seinen Ruhm weit in das Land verkünden.

So liegt er still, genießend nun das Wunder,
dass Verse fügen sich in einem Guss,
es blitzt, wie wenn der Funke fällt in Zunder.

Begrüßen lasst uns diesen Musenkuss,
der Dichters Denken nicht verdammt als Plunder,
und er sein Letztes gibt – zu gutem Schluss.

© L-R   (lillii)

Samstag, 12. November 2016

Anton .... hilf!

Hl. Antonius von Padua, aus dem Stundenbuch des D. Duarte (~1430)
Maler: "Meister mit den goldenen Pinseln"; Quelle: Wikimedia/commons.

Anton .... hilf!

Der Anton, das ist mein Patron
wenn ich mal was verlier;
sehr oft half in der Not er schon-
er kennt schon mein Revier-

Es könnt , denkt ich, auch manchmal sein
mir scheint's, er hat Humor
mich suchen lässt von vornherein
dass ich ihn lob im Chor.

Denn dort, wo ich Gesuchtes fand,
da schaute ich sehr oft.
hab es in Blindheit nicht erkannt
auf Wunder wohl gehofft.

So fleh ich Tünnes weiter an
weil ich ihm stets vertrau,
auf seine Hilf ich bauen kann...
und....
er hilft schon für lau.(umsonst)

© lillii ( L-R )

Donnerstag, 30. Oktober 2014

Mühlentag

Andreas Achenbach (1815-1910): Westfälische Wassermühle (1863)
Standort: Bremen; Quelle: The Yorck Project via wikimedia/commons; © gemeinfrei

Vereinfachte, aber keinesfalls ungenaue und zudem
recht einprägsame Beschreibung einer Mühle und
deren eigentlicher Bestimmung, nämlich eine sagenhaft
große Anzahl von Körnern in Mehl verwandeln zu können.

Aufklärungsbericht für ahnungslose Brotesser,
 und das nicht nur am Tag der offenen Mühlen zu Pfingstmontag

Es klappert die Mühle am rauschenden Bach -
Der dreht dort das Mühlrad dem Müller.
Das alles macht ziemlich gewaltigen Krach,
Weit lauter als einfache Brüller.

Die Hauptsache spielt in der Mühle sich ab,
Beginnt, wie bekannt, mit dem Trichter.
In den rieselt Mahlgut aus Säcken hinab -
Der Mühlstein spielt dann den Verrichter:

Zermalmt jedes Korn wie auf stummen Befehl
Zu Pulver, und das fällt nun sachte
Noch tiefer ein Stockwerk, zum Sack für das Mehl,
Bis diesen ganz randvoll es machte.

Zum Schluss kommt persönlich der Müller ins Spiel:
Der schneidet zum Binden recht dicke
Stück Strippe sich runter, jedoch nicht zuviel,
Und schnürt sie um Säcker Genicke.

Ich zeigte die Verse dem Müller voll Stolz
Und fühlte mich schon als Gewinner …
Der klopft an die Stirn mir – es klang wie auf Holz:
"Zieh Leine, du städtischer Spinner!"

© elbwolf (2012-14)