Hier schreiben Hobbydichter für Lyrik-Freunde – meist Gereimtes und nur Druckreifes! Willkommen also, viel Vergnügen mit unseren Gedichten und deren Bebilderung!

Aufrufe unseres Blogs erfolgen automatisch mit Sicherheitsprotokoll "https". Am 18. Mai 2022 hatten wir unseren 600. Beitrag in den Blog gestellt!

Bereits seit Jahresbeginn bringen wir neue Folgen an Kalenderblättern und Monatsbildern. Darum herum dann das, was sich an Einfällen so ergibt – man wird sehen! Nun ja, was man auch sieht: wir "unterschlagen" seit einer ganzen Weile auch einen gewissen Anteil an sanfter Erotik nicht länger - die Zeiten sind eben so ...

Wir teilen den Lesern unseres Versbildners mit und bitten um Verständnis, dass wir auch weiterhin das monatliche Angebot auf 6 Beiträge beschränken - die Kontaktarmut dieser Zeit bringt leider auch eine gewisse Ideenarmut mit sich. Neueinstellungen erfolgen damit um die Kalendertage des 1., 6., 11., 16./17., 21./22., 25.-27. eines Monats.

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Montag, 6. September 2021

Eiszeit mit Wespen (Limericks)

(lizenzfrei von Pixabay)
 
Eiszeit mit Wespen (Limericks)
  

Als nach sonnigen Stunden am Abend
ich genüsslich beim Eis saß, mich labend,
         da fanden sich ein
         fünf Wespen gar klein –
voller Freuden am Eis bei mir grabend.

Also macht' ich ein Experiment,

und ich löffelte ganz vehement
         um die Wespen herum.
         doch ich hört' kein summ, summ!
denn sie naschten am Kirsch' im Moment.

Doch die Kirsche enthielt Alkohol,
und der tat diesen Tierchen nicht wohl:
         sie wurden besoffen

         und sagten betroffen
dieser Eiswelt im Nu Lebewohl ...

© Luzie-R.

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Nachgefragt:

Und? Zogen "die Süßen" Schlussfolgerungen?

Zunächst wurden Wespen mal sauer,
dann machten sie sich aber schlauer:
         sie wetzten den Stachel
         recht scharf an 'ner Kachel
zum Brauchen auf längere Dauer.
         Sie pfiffen auf Eis
         und ähnlichen Schei... –
sie legten fortan sich auf Lauer –
und piksten dann deutlich genauer!

Das fand ein Kommentator heraus.
Mahlzeit!

Montag, 21. Juni 2021

Juni - Ein Monatsbild: Zwei Limericks auf die Blumenpracht

Frühsommer-Blüher am Haus – Salbei und Rote Schafgarbe, neben anderen;
Foto-©: die Verfasserin


 
Zwei Limericks auf die Blumenpracht
 

Hier blüht sie noch leuchtend am Hause,
die Blaue Salbei – kein Banause
         erhält je Pardon,
         der Hustenbonbon
verschmäht und vertauscht gegen Brause.

Die Schafgarbe gleich welcher Färbung,
die bleibt sich nicht treu bei Vererbung.
         Nur eins ist ihr wichtig
         und bleibt immer richtig:
sie sieht sich so gern in der Werbung.

© lillii (Luzie-R)

Dienstag, 9. März 2021

Aktuelle Leierkastenverse

Olga Ernst (Foto): Saharastaub auf der Schwäbischen Alb
Aufnahme vom 06.02.2021 (Detail); via Wikimedia Commons; Liz.: CC BY-SA 4.0


  Aktuelle Leierkastenverse *)

Stachliges
Ich mag, wenn sie am Gaumen
mit Wohlgeschmack zergehn,
doch wird man diese Pflaumen
bei mir nicht wachsen sehn.
Seit Zeiten, schon geraumen,
kann eins ich nicht verstehn:
auch ich hab 'grünen Daumen' –
nur leider bei Kakteen!

Staub
Die Hitze unsrer Sonnen
weht den Saharastaub
zu hunderttausend Tonnen
bis Brüssel, wie ich glaub.
Bald fehlt uns Nass im Bronnen,
vertrocknen wird das Laub –
noch eh wir uns besonnen,
sind wir des Klimas Raub.

Testerei
Von "Kullern" ganz verpestet
der Globus, wie man schaut,
doch wird jetzt scharf getestet:
wir zeigen uns erbaut!
Noch ist fast nichts vernestet,
so dass die 'action' flaut –
schon sind ein paar gemästet,
dass Augen man kaum traut.

Zahlenspiele
Man findet in Annalen
die Wochen-Inzidenz
mit immer andren Zahlen –
die haben die Tendenz,
dass sie gut untermalen
der Kugeln Virulenz!
Wir selber leiden Qualen
in 'Lockdown'-Permanenz.

elbwolf (08.03.2021)

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*) Anmerkung:
Die ersten Leierkastenverse wurden auf Versbildner am 22.11.2016 gepostet. Dort stehen auch ein paar Regeln. Die Bezeichnung ist eine "eigene Erfindung". Im Sinne bekannter lyrischer Formate handelt es sich um eine Art von Sizilianen (die ja nur 2 Reimsilben haben, abababab), deren Verse hier aus dreifüßigen Jamben bestehen.

Donnerstag, 5. Dezember 2019

Omi und die neuen Medien

Quelle: Favorite images - Yandex.Collections.ru
vor 2013; kein Autor, kein Lizenzhinweis
(Omi-Sprechblasen von der Verfasserin hinzugefügt!)

Omi und die neuen Medien

Die Omis strickten früher Strümpfe
für Mann und Kind und überhaupt –
war es doch einer ihrer Trümpfe.
Und Mützen für jedwedes Haupt.
Doch diese Kunst, sie kam abhanden –
Im Internet sie sie nun fanden.

Schnell wird der Laptop hochgefahren.
Gibt sie bei Tante Google ein,
was unisono ging vor Jahren
bei Omis wie von ganz allein.
Zuerst die Maschen aufgeschlagen –
das ging noch ohn lang zu fragen.

Drei Nadeln sind bestückt mit Schlingen,
zu einer Runde nun gefasst.
Zwei rechts, zwei links – vor allen Dingen
nichts fallen lassen - Aufgepasst!
Das Bündchen ist schnell lang genug;
jetzt macht man sich bei Google klug.

Wie war das, wie strickt man die Ferse?
Das Internet die Antwort weiß.
Dabei kommt es zur Kontroverse,
die Münder redeten sich heiß.
Es wird gegoogelt und gestrickt,
die Sache scheint doch sehr verzwickt.

Doch Omis lassen sich nicht schocken –
sie zappen sich durchs Strickprogramm
und fertig sind alsbald die Socken;
das Stricken wird kein Melodram.
Jetzt sitzt bis nachts um drei die Omi
vorm Läppi, wird so schnell zum Promi.

© lillii (Luzie-R; 27.11.2019)
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Eine englische Version von Versen über die eifrigen Omis
findet sich im Internet → hier

Samstag, 9. Juni 2018

Am 27. Mai war "Purzelbaumtag"!

Nevit Dilmen (2007): Rolle vorwärts.
via wikimedia.commons; Liz.: CC BY-SA 3.0

Zum "Welttag des Purzelbaums" – am 27. Mai

Die meiste Zeit ist ja was los
zum Schutz vor langer Weile,
denn jeder findet es famos,
gibt's mal nicht Krach und Keile;
man wartet auf den Paukenschlag –
des Purzelbaums Weltfeiertag!

Den gibt es erst seit zwanzig-neun
und vorher – keinen Schimmer!
Ein Pastor wollte uns erfreun,
Jörg Brandtner, und für immer.
Geglaubt hat er's wohl selber kaum –
er schlug den Ehren-Purzelbaum!

Dem Akrobat bleibt freie Wahl:
wer will, kann vorwärts rollen,
und wem die Richtung piepegal,
rollt rückwärts aus dem Vollen –
nur rundherum! Sonst wär der Traum
schnell ausgeträumt vom Purzelbaum.

© Wolfgang H. (elbwolf, am 26.5.2018,
mitten im Training zum Purzelbaum-Tag)
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Anmerkungen:
  Die paar Scherzverse gehen auf eine Anregung durch einen Artikel von Bernd Klempnow in der "Sächsischen Zeitung" (26.5., S. 9) zurück. Die Zeitung hat sich wohl auch die 24 € geleistet, um eine alte Illustration beizustellen, für die sich Getty Images die Lizenzrechte bestimmt schon vor Urzeiten gesichert hat.
Der Aktionstag selbst wurde 2009 durch den evangelischen Theologen und Pfarrer Jörg Wilkesmann-Brandtner für den 27. Mai. eingeführt.
  Unsere Dichterfürsten scheinen den Purzelbäumen abhold gewesen zu sein – Fans könnten das ja mal nachprüfen. Aber in der zweiten Reihe wird man fündig:
  Christian Morgenstern bedichtet den Purzelbaum in den Galgenliedern.
  Bei Frank Wedekind findet sich der Purzelbaum unter seinen Zitaten.

Sonntag, 13. Mai 2018

Universelles Gedicht zum Geburtstag oder Jubiläum

Im Haushalt ist alles da; mit der Kamera ist man schon um die halbe Welt gereist

 Universelles Gedicht zum Geburtstag oder Jubiläum

● Ab einem gewissen Alter für jede/n und jedes Jubiläum geeignet!
● Einfachste Zusammenstellung aus vorgefertigten Strophen!
● Mit einer eingeschmuggelten originalen Strophe von Schiller!

(1)
Vollendest wieder heut ein Jahr,
doch dieses Mal ein zehntes!
Was wünschst man dir, du Jubilar,
was wäre lang Ersehntes?
(1a)
Vollendest wieder heut ein Jahr,
an sich nicht ungewöhnlich.
Was wünscht man dir, du Jubilar,
so ganz für dich persönlich?

(2)
Sag selbst, was ich dir wünschen soll,
ich weiß nichts zu erdenken.
Du hast ja Küch' und Keller voll,
nichts fehlt in Deinen Schränken.
(2a)
Sag selbst, was ich dir schenken soll!
Mich martert ein Gedanke:
weil jedes Plätzchen bei dir voll,
weist du mich ab, sagst "danke!"

(3)
Es geht auch nicht um Leibes Not,
sein Wohl erscheint bewiesen -
Nein, Freude, die sich niemals bot,
die sei dir angepriesen.

(4)
Bei Reisen um die halbe Welt
bestauntest du manch Wunder,
gingst achtsam um mit gutem Geld,
dich blendete kein Plunder.

(5)
Du handhabst stets mit Meisterschaft
die Camera "obscura"
und bannst auf Fotos zauberhaft
Gestelltes wie "natura."
(5a)
Zu Hause ist die Staffelei
dein häufiger Begleiter,
du stimmst mit deiner Malerei
Betrachter immer heiter.
(5b)
Berühmt macht dich noch dies Talent,
verschweigen wäre schade:
Ist doch fast jeder Int'ressent
an deiner Marmelade.

(6)
Wir alle hier bewundern dich
und Deinen Blick für Weiten,
verbunden sind wir (schwesterlich)/(brüderlich)/(hoffentlich)
noch lange, lange Zeiten.
(6a)
Du hast ein festgefügtes Heim
und diesen Blick fürs Weite.
darauf macht sich auch seinen Reim
(dein Partner dir)/(die Partnerin) zur Seite.
(6b, nur für sie)
Ein jeder hier bewundert dich
und Deinen Blick für Weiten:
der Taube und dem Täuberich
noch lange, gute Zeiten!
(6c, nur für ihn) 
Ein jeder hier bewundert dich
wo nahmst du her solch Täubchen?
Bist eher gar kein Täuberich,
du bist vielmehr ein Räupchen!

Gemälde, Kalender, Marmelade
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Das ist ein Angebot zur freien Nachnutzung:
hier kann sich jeder "ein/sein" Geburtstags- oder Jubiläums-Gedicht frei zusammenstellen – fast 50 Varianten sind möglich!
Das geht so:
Aus den Absätzen 1 … 6 wählt man je eine Strophe aus und schreibt sie untereinander; eingerückte Strophen schiebt man dabei an den linken Rand. In (6) oder bei Wahl von (6a) ist nur der gewünschte Klammerinhalt übrigzulassen. Die Nummerierung der Stophen kann bleiben oder nicht.
Und nicht vergessen:
eine der Strophen ist absolut original von Schiller – ja, ja – vom Friedrich!
-------------------------------------------------------------------------- 

Beispiel: Verwendung der Strophen 1b,2b,4,5c,6(hoff)  (ohne 3!)

Vollendest wieder heut ein Jahr,
an sich nicht ungewöhnlich.
Was wünscht man dir, du Jubilar,
so ganz für dich persönlich?

Sag selbst, was ich dir schenken soll!
Mich martert ein Gedanke:
weil jedes Plätzchen bei dir voll,
weist du mich ab, sagst "danke!"

Bei Reisen um die halbe Welt
bestauntest du manch Wunder,
gingst achtsam um mit gutem Geld,
dich blendete kein Plunder.

Berühmt macht dich noch dies Talent,
verschweigen wäre schade:
Ist doch fast jeder Int'ressent
an deiner Marmelade.

Wir alle hier bewundern dich
und Deinen Blick für Weiten,
verbunden sind wir hoffentlich
noch lange, lange Zeiten.

Anm.: Schillers Strophe ist in dieser Auswahl leider nicht enthalten!

Wolfgang H. /elbwolf

Dienstag, 28. November 2017

Das Glück der Vollschlanken (Limericks, im Team geschrieben)

Arthur Thiele (1860-1936) – Thieles Œuvre ist gemeinfrei –
 deutscher Kunstmaler, Maler, Zeichner, Aquarellist, Illustrator und Dekorationsmaler.
(nur Repros von Postkarten mit Firmennamen sind evtl. durch © geschützt)
./.
Auf Deutsch ist als Inschrift verbreitet. "Sie konnten zusammen nicht kommen",
auf Polnisch dagegen: ~ "Sie schwammen im Glück und tranken die Lust von ihren Lippen".

Vollschlanke – Wege und Auswege

● zu den Ursachen

Es liebten die beiden das Essen
und waren darauf wie versessen.
Sie wollten aufs Küssen
verzichten nicht müssen,
doch schien das nicht mehr im Ermessen.
                                                                     lillii
● was dann kam

Sie können zusammen nicht kommen,
da hilft auch kein Flehen der Frommen.
Sie packt ihn am Kragen;
er soll es doch wagen –
sie hätte ihn gerne genommen.
                                                                     lillii

● wie es schlecht endete

Sie waren halt beide zu dick –
in diesem Fall war das nicht schick;
und weil sie so rund
und dazu auch bunt,
da gabs für die beiden kein Kick.
                                                                     protes' Kommentar
         
● wie es gut endete

Wo manche schon längst nichts mehr wagen
beschlossen sie, nicht zu verzagen:
sie standen in Flammen
und fanden zusammen –
voneinander entzückt, sozusagen.
                                                                             elbwolf

Arthur Thiele (1860-1936) – "Ein wirklicher Kavalier" (Postkarten-Motiv).

● eins draufgesetzt!

Noch schöner ist's freilich zu dritt –
zwei Damen nimmt "Gockel" sich mit
und bietet mit Charme
gleich jeder den Arm.
Der Schirm zählt zum eignen Habit:
          so bleiben nicht trocken
          den Damen die Locken
bei Regen – und Kleider nicht fit –
ja … brauchen sie die noch en suite?
                                                                     elbwolf
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Dies hier ist lediglich als eine Fingerübung im Limerick-Schreiben anzusehen, wobei die letzte Strophe einen sog. Spiegel-Limerick darstellt.
Dem Urheber dieser Postkarten, Arthur Thiele, ist ein Wikipedia-Eintrag gewidmet.

Mittwoch, 22. Februar 2017

Schildkröt–Nonsens (Teamwork vor Fasching)

Schildkröten gibt es seit 220 Mio Jahren in den Kalibern Zwerge, Normale und Riesen
links: Gelbgesprenkelte Flussschildkröten vom Amazonas (Foto: Charlesjsharp, 2015)
rechts: Pärchen Griechische Landschildkröten beim Turteln (Foto: Peter van der Sluijs, 2012)
unten: Aldabra-Riesenschildkröte von den Seychellen im Zoo Krefeld (Foto: FakirNL, 2014)
Quelle: wikimedia.commons; Fotos allesamt lizenziert nach CC 1.0 bis 4.0.



Der desensibilisierte Schildkröt
(nichts als Nonsens)

Ein Schildkröt war entsetzlich
Sensibel und verletzlich.
Er schafft sich einen Panzer an,
Und keiner kommt mehr an ihn ran.

Dann eines Tages zieht er los,
Die Welt herum, sie ist so groß.
Drei Tage bleibt er fern den Lieben –
Und wünscht, er wär daheim geblieben.

Wer ihn da sieht im Gras – der staunt:
Der Schildkröt ist nicht gut gelaunt,
Er zieht den Kopf ein und er denkt,
Er habe sich nun abgelenkt.

Doch unverhofft, wie meist im Leben,
(Es hat sich einfach so ergeben),
Erscheint sein Pfleger und Besitzer
Und nimmt ihn mit, den Panzerflitzer.

Der Schildkröt ist jetzt überglücklich,
Zufrieden wieder augenblicklich.
Er pfeift auf die Verletzlichkeit;
Sensibeln – das ist Schwerarbeit!

© A.W., 16.02.2017

Der unberechenbare Schildkröt
(Nonsens – was sonst)


In Griechenland lebt bei den Dardanellen
ein Schildkröt – einer von den seltnen schnellen!
Er wollte all die Leute abbestellen,
die nur aus Neugier sich zu ihm gesellen.

Er bräuchte irgend etwas um zu schellen,
denn schließlich kann er nicht wie Hunde bellen.
Sein Panzer aber hat so viele Dellen –
der könnte noch vom Draufhaun ganz zerspellen.

Dann tat ihn der Gedanke recht erhellen,
wie's ging, die Menge insgesamt zu prellen:
Der Schildkröt warf sich in die Meereswellen,
schwamm ohne Zwischenhalt auf die Seychellen!

Dort auf Aldabra konnte ich ihn stellen,
schlug ihn, nein: nicht in Hand-, in Beineschellen!

Wo wär der Flüchtige gut aufgehoben?
Hab ihn zurück nach Hellas abgeschoben!

© WH, 18.02.2017

Der aufklärungsbedürftige Schildkröt
(Nonsens – schlicht, aber echt)

Komm ich mal mit mir selbst nicht klar
und mag mich gar nicht leiden,
spiel ich den stolzen Adebar –
schon tut man mich beneiden.

Steh stolz auf einem Beine nur
und hab das Glück im Schnabel,
von Hochmut bei mir keine Spur
und mir geht’s gleich passabel!

Kein Panzer und kein dickes Fell,
ich klappere stets heiter,
die Welt ist rings um mich ganz hell,
der Frohsinn mein Begleiter.

Ich nenn dir, Schildkröt, deine Chance:
Besorg dir eine Rassel,
Erlern auf Pfoten die Balance
und ende dein Gequassel!

© L-R, 20.02.2017

Dienstag, 29. November 2016

Mehr Verse zum Leierkasten (II)

Heinrich Zille (1858-1929): "Eine kleine Freundin hat doch jedermann" (Zeichnung)
(Grafische Slg. Stiftung Stadtmuseum Berlin; Quelle: wikimedia/commons; gemeinfrei)
./.

Verkehrsampeln
Die Farben einer Ampel,
die regeln den Verkehr.
Heut weiß der letzte Pampel:
bei Rot geht gar nichts mehr.
Mit Gelb beginnt Gekampel –
der Überweg ist leer;
und Grün bewirkt Getrampel,
nun hat man's eilig sehr.

Aufzug
Der Lift in unserm Hause
der ist recht segensreich –
doch macht er nächstens Pause,
kommt kein Monteur sogleich.
Der Mieter bleibt Zuhause,
mit Knien windelweich:
Zehn Treppen! Solche Sause
macht stärk're Männer bleich!

Warnung vor dem Putzen
(nach einem Bonmot von Erich Kästner *)
Das Meiste auf der Welt,
kauft man in einem Laden –
nicht nur, weil es gefällt:
es schmeichelt Unser Gnaden!
Gebrauch, der zwar entstellt,
bringt nie der Sache Schaden.
Wenn Putz sich zugesellt,
geht sie in Bälde baden!

Jahreszeiten
Der Frühling lässt durch Lüfte
keck flattern blaues Band;
Im Sommer weisen Düfte
auf gut bestelltes Land; -
Der Herbst schießt aus der Hüfte
mit Wind - nimmt Hut als Pfand,
und über alle Grüfte
deckt Winter Schneegewand.

Hoffnungsloser Fall
Ziel gut auf mich und triff,
denn das lohnt nämlich immer!
Ich krieg nichts in den Griff –
bin auch nur Trockenschwimmer.
Gesellschaftlichen Schliff
verpasste mir kein Trimmer.
Selbst nach dem letzten Pfiff
hab ich noch keinen Schimmer!

elbwolf (WH)
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
*) Erich Kästner (1899-1974):
"Das Meiste auf der Welt / geht nicht durch GEBRAUCH kaputt, / sondern durch PUTZEN."

Samstag, 5. November 2016

Schal um die Gurgel



Plakat von Henri de Toulouse-Lautrec: Aristide Bruant mit rotem Schal, 1892.
Quelle: wikimedia/commons; das Kunstwerk ist weltweit gemeinfrei.

Schal um die Gurgel

Neulich sprach ich euch vom Deckel auf dem Kopf –
doch die Kopfbedeckung ist die eine Qual:
Hat man nämlich wohlversorgt den eignen Schopf,
stellt sofort die Frage auch sich nach dem Schal.

Schäler sind verwirrend für den biedren Tropf:
Manche sind zu breit und andre ziemlich schmal.
Jeder kennt das, ist es doch ein alter Zopf,
eines Schals Beschaffenheit ist nie egal.

Mancher Künstler hat 'nen Nischel wie ein Topf,
sonst ist aber alles an ihm recht fatal:
Hemd und Jacke fehlen jeder zweite Knopf,
was jedoch am Halse prangt, ist ein Fanal!

Schmächtig scheint vielleicht ein andrer, wie ein Pfropf,
und sein schmales Halstuch wirkt erst recht banal,
wie ein Schlips gebunden, deckt es kaum den Kropf,
keiner hielte das für eine erste Wahl.

Achtet drum, dass ihr zum Deckel auf dem Kopf
passend wählt für eure Gurgel auch den Schal!
Wohlversorgt sonst wäre nämlich nur der Schopf,
euer Hals jedoch erlitte Höllenqual.

elbwolf (WH), 04.11.2016