![]() |
Arnold
Böcklin (1827-1901): Selbstbildnis mit fiedelndem Tod (1872; Alte Nat.-Gal.)
Foto:
Google Cult. Inst., 2011; via wikimedia.commons; Liz.: gemeinfrei
|
Hier schreiben Hobbydichter für Lyrik-Freunde – meist Gereimtes und nur Druckreifes! Willkommen also, viel Vergnügen mit unseren Gedichten und deren Bebilderung!
Aufrufe unseres Blogs erfolgen automatisch mit Sicherheitsprotokoll "https". Am 18. Mai 2022 hatten wir unseren 600. Beitrag in den Blog gestellt!
Bereits seit Jahresbeginn bringen wir neue Folgen an Kalenderblättern und Monatsbildern. Darum herum dann das, was sich an Einfällen so ergibt – man wird sehen! Nun ja, was man auch sieht: wir "unterschlagen" seit einer ganzen Weile auch einen gewissen Anteil an sanfter Erotik nicht länger - die Zeiten sind eben so ...
Wir teilen den Lesern unseres Versbildners mit und bitten um Verständnis, dass wir auch weiterhin das monatliche Angebot auf 6 Beiträge beschränken - die Kontaktarmut dieser Zeit bringt leider auch eine gewisse Ideenarmut mit sich. Neueinstellungen erfolgen damit um die Kalendertage des 1., 6., 11., 16./17., 21./22., 25.-27. eines Monats.
Mittwoch, 29. Mai 2019
Über die Schulter geschaut
Mittwoch, 21. März 2018
Der Engel der Stadt
|
Marino Marini (1901-80): L’Angelo della Città (in Bronze ~1950).
Skulptur auf der Wasserterrasse der "Peggy
Guggenheim Collection"
im Palazzo Venier dei Leoni am Canal Grande, Venedig.
./.
Eigene Aufnahme unter Inanspruchnahme garantierter Panoramafreiheit.
(das Detail, das man zu sehen vermeint, ist genau
selbiges – siehe den Link!) )
|
Helfer des Don Quixote de la Mancha:
der ritt auf einem Esel, keinem Gaul;
bin auch nicht "der von der traurigen Gestalt",
wiewohl der auf einem Ross daherkam –
für einfältig solltet ihr mich nicht halten!
Götterboten, geflügelt und gewandet,
nicht kenntlich als Frau noch als Mann.
Mein Platz ist vor dem Palast am Wasser,
wo die Hausherrin einst in die Gondel stieg,
sich rudern ließ über den Canal Grande.
erflehe den Segen himmlischer Macht?
Für die Lagunenstadt, die erbaut wurde
auf Millionen in den Grund gerammter Stämme,
dieses unverwechselbare Venedig –
für dich bin ich "der Engel der Stadt",
Über ihre Autobiografie "Ich habe alles gelebt" (ungekürzte
TB-Ausgabe von 1998) heißt es: Sie
sammelte Männer und Kunst. Die Männer gingen, die Kunst blieb. Sie plaudert
anekdotenreich über ihre stürmischen Liebesaffären mit berühmten Künstlern wie
Max Ernst, Jackson Pollock und Marcel Duchamp, über den mächtigen
Guggenheim-Clan sowie über ihre provokanten Kunstausstellungen. Entstanden ist
dabei nicht nur das schillernde Porträt einer außergewöhnlichen Frau, sondern
zugleich auch eine unterhaltsame Dokumentation über einen bedeutenden Abschnitt
der modernen Kunstgeschichte. Samstag, 16. Dezember 2017
Mundart-Verse (9) – Oberlausitzisch (Hommage auf Herbert Andert, 1910-2010)
|
Musike an Kraatschn
(Quelle: Greifenverlag-Anthologie,
S. 328)
|
Musik im Kretscham
(=
in der Schenke)
|
|
An Kraatschn is heute Musike,
kumm, Maajdl, do gih mer mit hie!
Iech tanz ju fersch Labm su garne
mit dir und mit kenner sunst mih.
Ann Walzer, dan warrn mer schunnt breetn.
Irscht raajchts, derno links tu mer'ch drähn.
Und 's Käppl, doas muß de ganz nohnde
a miech, a mei Harze droaa lähn.
Und blosn se goar Pfaarewechsl,
do tu mer, oas wenn mer'sch ne hiern.
Mir lussn'ch vu kenn andern Karln
a unsn schinn Walzer do stihrn.
An Kraatschn is heute Musike.
Kumm, Maajdl, sunst krieg mer kenn Ploatz!
Und heemzu, doas soi'ch derr schunnt itze,
do krigs de ann ganz soaaftchn Schmoatz.
|
Im Kretscham ist heute Musike,
komm, Madl, da gehen wir mit hin!
Ich tanz ja fürs Leben so gerne
mit dir und mit keiner sonst noch.
~, den werden wir schon bringen.
~, danach links tun wir uns drehn.
Und 's Köpfchen, ~ ganz nahe
an mich, an mein Herz anlehnen.
Und blasen sie gar "Pferdewechsel",
da tun wir, als wenn wir's nicht hören.
Wir lassen uns von keinen ~ Kerlen
bei unserm ~ Walzer doch stören.
Im Kretscham ist heute Musike.
Komm, Madl, sonst ~ keinen Platz!
Und heimzu, ~ sag ich dir schon jetzt,
da kriegst du ~ saftigen Schmatz.
|
|
Oalls minander
(Quelle: Greifenverlag-Anthologie,
S. 328/9)
|
Alles miteinander
(= gemeinsam)
|
|
Mir gihn a de Foabrike,
de Frooe und iech.
Mir wabern a enn Sticke,
's wabt kees für siech.
Minander wird geurbert
und feste gewurgt,
minander wird derheeme
de Wirtschoaft besurgt.
Minander wird gefeiert,
's gehirrt mit derzu,
weil's derno lechter leiert –
doas woar schunnt immer su.
Ju, beede tu mer wabm,
de Frooe und iech.
Und be ann sickn Labm
denkt kees oack a siech.
|
Wir gehen in die Fabrik,
die Frau und ich.
Wir weben an einem Stück,
es webt keiner für sich (allein).
Miteinander wird gearbeitet
und feste geschuftet,
Miteinander wird zu Hause
die Wirtschaft besorgt.
Miteinander wird gefeiert,
's gehört mit dazu,
weil's danach leichter (= besser) läuft –
das war schon immer so.
Ja, beide weben wir,
die Frau und ich.
Und bei einem solchen Leben
denkt keiner nur an sich.
|
|
Zum neu'n Juhre
(s.
Rhein-Neckar-Zeitung-Anthologie, S. 225)
|
Zum neuen Jahr
|
|
A neues kimmt – a aales gitt.
Und wenn'ch's ees amol raajcht besitt:
Woaas is gewaast? – Woaas woar'schn
Do sois de goar ne vill derrzu. \ nu?
De Juhre gihn, de Juhre kumm,
und wie se senn, warrn se genumm.
Moanchmol, do leeft die Fuhre gutt,
a andrmol wird imgeschutt.
Und tut dar Plautz o noa su wieh,
oack wetter gitt's mit "Hutte-hüh"!
Fängst weder'sch Juhr vu vurne oaa,
machs dch a de neue Fuhre droaa
und weßt ne, wenn's de Drähe nimmt,
ob schunn de letzte Fuhre kimmt.
Drum hill dch derrzu! Mach derr an Spoaß!
Wenn's raajnt, wird's vu oalleene noaaß.
Oack immer munter roaa a'n Spaajk,
kenn Arger ieber jedn Draajk.
's is uff dr Walt genung schunn schlaajcht,
mach du oack deine Sache raajcht!
|
Ein neues kommt – ein altes geht.
Und wenn man's mal recht besieht:
Was ist gewesen? – Was war's nun?
Da sagst du gar nicht viel dazu.
Die Jahre gehen, die Jahre kommen,
und ~ sind, werden sie genommen.
Manchmal läuft die Fuhre gut,
ein andermal kippt sie um.
Und tut der Plauz auch noch so weh,
geht’s weiter doch mit "hott und hü"!
Fängst wieder 's Jahr von vorne an,
machst dich an die neue Fuhre dran,
und weißt nicht, wenn's zu Ende geht,
ob schon die letzte Fuhre kommt.
/
Spaß!
Drum halte dich dazu! Mach dir 'nen
Wenn's regnet, wird 's von allein nass.
Nur immer munter ran an den Speck,
keinen Ärger über jeden Dreck.
's ist auf der Welt genug ~ schlecht,
mach du nur deine Sache recht!
|
Die Wiedergabe aller drei Mundart-Gedichte erfolgt mit Kenntnis und ausdrücklicher Zustimmung der Tochter und Erbin von Herbert Andert.
Herbert Andert wurde 1983 mit dem Kunstpreis der
Oberlausitz ausgezeichnet und 1994 zum Ehrenbürger seiner Heimatstadt ernannt;
2003 erhielt er das Bundesverdienstkreuz für sein Lebenswerk und den Lausitz-Dank in
Gold. Seine umfangreiche Liste von Veröffentlichungen endet erst 2002: "Oallerlee aus unser Heemte – a
unser Sproche" (ehem. Lusatia-Verlag, Bautzen). Andert ist ein personeller
Artikel in der Wikipedia und ein Eintrag im "Biographischen
Lexikon der Oberlausitz" gewidmet.Montag, 16. Oktober 2017
Mundart-Verse (7) – Ein Dankeschön an unsere Autoren
Für Unkundige, die wohl manches Mal "begriffsstutzig" sein würden, gibt es auch heute und hier die Übertragungen ins Hochdeutsche.
Aus: Weniger
wäri meh (1991):
Mängmol macht's mer Angscht
well emer meh Wohlstand
d'Umwält belaschtet –
weniger wäri meh.
|
Ein Gedicht und fünf kleine Bonmots stehen unter Mai 2017.
Nachtrag: Am 1.12.2017 erschien in den Schorndorfer Nachrichten ein recht informativer Artikel über Fred Boger, der auch seinen Gastauftritt in unserem "Versbildner" erwähnt!
| (1) Rostocker Platt
Heut hab alles bei der
Hand
kann essen, trinken was
ich will,
hab warmes Wasser aus der
Wand;
wenn ich nicht laufen mag,
sitz ich still.
|
(2) Schwyzerdütsch
Manchmal macht es mir
Angst,
weil immer mehr Wohlstand
die Umwelt belastet –
weniger wäre mehr.
|
||
(3) Moselfränkisch
Ich schmelze wie eine
Griebe in der Pfanne
Wenn du mich anschaust.
Und mein Blut wallt vor
Freude
Wenn du es nur wolltest.
Alles Wasser dieser Welt
Singt in deinen Augen
Und darin / Will ich /
Ertrinken.
|
(4) Westerzgebirgisch
Im Sommer nehmen die Tage
langsam ab,
schon ist der Herbst mit
bunten Blättern da.
Und viel, viel schneller
als wir dachten,
haben wir Advent und
feiern Weihnachten.
Nun stehn wir wieder am
Jahresende
und fragen erstaunt, wo
ist die Zeit nur hin.
|
||
(5) Remstaler Schwäbisch
Heut sind die Geister auch
nicht mehr das, was sie schon mal waren
zu faul zum Laufen – sie
wollen auch bloß noch fahren!
Stell dein Radio an, dann
hörst du die Ansage,
auf der Autobahn kommt
einem ein Geisterfahrer entgegen.
|
|||
| |||



