Hier schreiben Hobbydichter für Lyrik-Freunde – meist Gereimtes und nur Druckreifes! Willkommen also, viel Vergnügen mit unseren Gedichten und deren Bebilderung!

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Bereits seit Jahresbeginn bringen wir neue Folgen an Kalenderblättern und Monatsbildern. Darum herum dann das, was sich an Einfällen so ergibt – man wird sehen! Nun ja, was man auch sieht: wir "unterschlagen" seit einer ganzen Weile auch einen gewissen Anteil an sanfter Erotik nicht länger - die Zeiten sind eben so ...

Wir teilen den Lesern unseres Versbildners mit und bitten um Verständnis, dass wir auch weiterhin das monatliche Angebot auf 6 Beiträge beschränken - die Kontaktarmut dieser Zeit bringt leider auch eine gewisse Ideenarmut mit sich. Neueinstellungen erfolgen damit um die Kalendertage des 1., 6., 11., 16./17., 21./22., 25.-27. eines Monats.

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Freitag, 13. Dezember 2019

Dezember – ein Monatsbild

Hans Thoma (1839-1924): Dezember (Monatsbild aus dem Festkalender);
Mappenwerk, 1924; Seemann Verlag Leipzig; via wikimedia.commons; gemeinfrei.


"Im Dezember schreitet Wotan im blauen Mantel
mit seinen Wölfen durch die vom schwachen
Mondschimmer beleuchteten Wolken." [Hans Thoma]


Dezember

Als Wanderer geht Wotan auf den Wegen,
um unerkannt die Menschen zu ergründen –
der schwache Mond wird sich mit ihm verbünden.
Sein Hut und Mantel schützt bei Wind und Regen –
so kann er still und heimlich sich bewegen.
Er sammelt Wissen an sehr vielen Orten;
jedoch ist sparsam stets mit seinen Worten.

Für ihn gibt’s Grenzen nur zum Überschreiten;
ein Hindernis hat nie er akzeptiert –
es ist die Gabe, die auch Menschen ziert,
denn Mensch und Götter müssen stetig streiten,
und das sehr häufig wegen Nichtigkeiten.
Für Weisheit gab sein Auge er als Preis;        
das überwacht den ganzen Erdenkreis.

Erkenntnis ist für Wotan hehre Pflicht;
er lässt auf neue Möglichkeiten achten --
die Welt aus seiner Höhe zu betrachten;
so zeigt sie sich in einem neuen Licht
der es aus seiner Sicht an nichts gebricht;
doch er kann Grenzen fließend überschreiten,
wir Erdenkinder haben Schwierigkeiten.

© lillii (Luzie-R)
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Anmerkung:
Die Verse sind fünffüßige Jamben (teils übervollständige).
Das Reimschema aller drei Strophen ist "abbaacc".

Sonntag, 17. November 2019

November – ein Monatsbild

Hans Thoma (1839-1924): November (Monatsbild aus dem Festkalender)
Mappenwerk, Seemann Verlag Leipzig; via wikimedia.commons; gemeinfrei.
"Im November gießen unheimliche Wettergeister
aus grauen Wolken die Fülle des Regens
auf die dunkle Erde."  [Hans Thoma]


November

Auf grauen Wolken sitzen Wettergeister.
Sie schütten auf die ausgedorrte Erde,
damit im nächsten Jahr sie fruchtbar werde,
des Regens Fülle aus: da sind sie Meister.
Ein Schauer folgt dem andern, tagelang;
Die Geister machen viele Winde munter;
das letzte Laub fällt von den Bäumen runter:
es ist fast wie ein Weltenuntergang.

Wenn diese Wichter pusten früh am Morgen
mit aufgeblähten Wangen Nebel aus,
dass nicht heraus traut sich die kleine Maus
und sich im Loch fühlt wohlig und geborgen –
dann werden kürzer des Novembers Tage,
auch weil die Sonne sich erst später zeigt
und nicht mehr hoch am Firmamente steigt.
So ist des Herbstes und des Winters Lage.

Die Nebelschwaden über Wald und Wiesen
sie zeigen deutlich: es ist Herbstes Zeit.
Natur ist für den Winter schon bereit;
die ersten Fröste haben dies bewiesen.
Der Übergang zum Herbst – er ist vollzogen;
Altweibersommer, fast vom Wind verweht.
Nicht lange mehr, eh dass der Wind sich dreht,
ist Winterzeit; das Jahr zieht seinen Bogen.

© lillii (Luzie-R)
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Anmerkung:
Die Verse sind fünffüßige Jamben (teils übervollständige). Das Reimschema aller drei Strophen ist "abbacddc" und gleicht darin einem Strophenbau nach Art von Lenau (s. dazu unseren vorletzten Beitrag vom 11.11.2019!)

Dienstag, 15. Oktober 2019

Oktober – ein Monatsbild

Hans Thoma (1839-1924): Oktober (Monatsbild aus dem Festkalender)
Mappenwerk, Seemann Verlag Leipzig; via wikimedia.commons; gemeinfrei.

Der fröhliche Bacchus beherrscht den Oktober, er sitzt
in weinrotem Gewand auf nebeligen Wolken; ein Faun
ist sein Genosse, der ihm etwas vorpfeift." [Hans Thoma]

Oktober

Auf nebligen Wolken sitzt Bacchus im roten Gewande;
der Faun, sein Geselle, erfreut ihn mit fröhlichem Spiel.
Die Gottheit des Weines, des Rausches, knüpft vielerlei Bande –
denn Rebensafts Wirkung war etwas, das jedem gefiel.
Von Nymphen erzogen, zieht heute er noch durch die Lande,
den Anbau von Weinen empfehlend als löbliches Ziel.
"Im Wein liegt die Wahrheit" – so lautet geflügeltes Wort –
die Folgen des Rausches erkennt man nur niemals sofort.

Ein fröhlicher Sinn uns beim Schaffen und Werken begleite!
Die Reben sind prall und an Fülle so überaus reich;
Die Zeit ist gekommen, dass Bacchus den Wein uns bereite,
der Monat mit Nebeln macht nun auch die Trauben noch weich.
Wir selbst müssen ernten und keltern, den Gott an der Seite,
das sind unsre freudigen Pflichten – was käme dem gleich?
Erhebt in der Runde die Gläser zum lebhaften Trank –
genießt Bacchus' Gaben und sagt ihm dafür euren Dank.

© lillii (Luzie-R)
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Anmerkungen:
● Die Verse sind fünffüßige Amphibrachen (teils unvollständige), die zwar von den Lyrikern oft ignoriert werden, die aber (nach den Jamben) den zweithäufigsten Sprechrhythmus beschreiben. Das Reimschema der Strophen ist "abababcc" und gleicht darin den jambisch gebauten Stanzen; die Verszeilen sind jedoch fühlbar länger.
● Der Maler gab jedem Monatsbild eigenhändig einen erklärenden Schriftzug bei, der von den Erklärungen im Textteil des Mappenwerks abweicht. Wer die Handschrift Hans Thoma's zum Oktober entziffern möchte – bitte:

Donnerstag, 12. September 2019

September – ein Monatsbild

Hans Thoma (1839-1924): September (Monatsbild aus dem Festkalender)
Mappenwerk, Seemann Verlag Leipzig; via wikimedia.commons; gemeinfrei.

September

"Der September bringt mit seiner Waage
die Gleichheit von Tag und Nacht,
der heilige Michael, der Engel der Gerechtigkeit, mit starker Wehr,
hat den Drachen der Zwietracht unter seinen Füßen." [Hans Thoma]

Die Übergänge bei den Jahreszeiten –
die wollen nie versteckt vorübergleiten.
Der Sommer hat erneut nun ausgedient;
Sankt Michael wird ihn hinüberleiten.
Dem Tag wie auch der Nacht teilt er gerecht
die Stunden zu nun schon seit Ewigkeiten.
Der böse Drache unter seinen Füßen,
von ihm besiegt im Kampfe schon beizeiten,
ist machtlos, denn des Engels scharfes Schwert
hält nieder – würde ihm den Tod bereiten.

September, Herbstes allererster Mond,
der mit den Farben die Natur belohnt;
die Tage – warm, die Nächte merklich kühler:
ein Übergang, von alters her gewohnt.
Die Erntezeit, sie geht dem Ende zu;
des Bauern Feldarbeit hat sich gelohnt.
Des Sommers Frucht kann nun genossen werden.
Die Vogelnester sind nicht mehr bewohnt.
Es blühen rosa noch die Herbstzeitlosen,
denn sie sind Herbstes Kühle ja gewohnt.

Das Wesen der Natur ist sich bewegen;
doch was heranwächst, gilt es zu umhegen.
Insektenwelten leben nochmals auf
und emsiges Gesumm ist stets zugegen.
Die Vögel sammeln sich zum Zug nach Süden,
was überwintert, braucht sich nicht zu regen.
Das Gras wird jetzt zum letzten Mal gemäht.
Verharren dann, wie um zu überlegen …
Die nicht sehr lange, wohlverdiente Pause
schließt einen Kreis, ohn' ihn zu widerlegen.

© lillii (Luzie-R)

Dienstag, 13. August 2019

August – ein Monatsbild

Hans Thoma (1839-1924): August (Monatsbild aus dem Festkalender)
Mappenwerk, Seemann Verlag Leipzig; via wikimedia.commons; gemeinfrei.

           Erntezeit

Es tanzt, wenn grelle Sommerwetter schweigen,
August mit seiner Windsbraut bunten Reigen.
Sie drehn sich wirbelnd um und um im Tanze.
Geschmückt sind beide mit dem Blütenkranze
aus Blumen, die im Felde sich gewiegt,
und das – gemäht – im Abendlicht nun liegt.

Der Sommer bleibt nicht allzu lange mehr,
sobald das Korn gemäht, die Felder leer.
Der Tag wird kürzer und die Nächte länger,
auch schweigen bald des Waldes muntre Sänger;
doch ehe uns der Sommer ganz verlässt,
beginnt als Dankeschön das Erntefest.

Gewunden wird ein bunter Erntekranz;
die Helfer finden alle sich zum Tanz,
und schau doch, wie zum Klang der frohen Geigen
August und Windsbraut tanzen ihren Reigen!
Ganz still und heimlich stehlen sie sich fort,
Wohin – wird nicht verraten, dieser Ort …

© lillii (Luzie-R)

Samstag, 13. Juli 2019

Juli – ein Monatsbild

Hans Thoma (1839-1924): Juli (Monatsbild aus dem Festkalender)
Mappenwerk, Seemann Verlag Leipzig; via wikimedia.commons; gemeinfrei.
Sommerzeit

Man denkt: das Jahr- es hat gerade erst begonnen
und glaubt es kaum, dass schon sechs Monde sind zerronnen.
Der Juli zeigt uns seine Wetterkapriolen;
die Luft, sie schwirrt, es ist zu heiß zum Atemholen.
Die Sommerhitze hat den Juli so erregt,
dass er im Zorn den Donnerhammer schon bewegt.
Er schlägt erzürnt aus Wolkenmeeren heiße Blitze;
nur kurze Schauer folgen dieser Affenhitze.

Die erste Heumahd hat der Bauer eingebracht,
fast klagend klingt es durch die warme Sommernacht;
das Lied der Drossel, deutlich ist es nun zu hören,
ihr "drü-drü, zit"; mit ihm kann sie ein Herz betören.
Sie singt auch nach der Sommersonnenwende weiter.
Ihr spätes Lied stimmt froh und macht die Herzen heiter.
Die andren Sommersänger suchten längst die Stille,
das, was noch immer munter ist, das ist die Grille.

Die Weizenfelder sind vanillegelb gebleicht,
die Erntezeit, sie ist in kurzer Zeit erreicht.
Die Wiesen haben sich erholt von erster Mahd,
ihm nächsten Blütenkleid sich schon die zweite naht.
An Bäumen, Sträuchern reifen schon die ersten Früchte;
die wecken Gaumenfreuden und erzeugen Süchte.
Auf heller Wolke sitzend, es der Juli sieht,
was nun zu dieser Zeit auf Mutter Erd' geschieht.

Der Sonne Wärme, Freude und der Kinder Lachen
ist wie ein Traum, nicht einer möcht daraus erwachen.
Zwar fegt die Mittagshitze Platz und Straßen leer,
wer es sich leisten kann, der flieht hinaus ans Meer.
Behaglich räkelt Juli sich mit leichtem Stöhnen;
"Ich bin ein Held, wer kann - wie ich - die Welt verwöhnen?"
Er hat ja recht, an trägen, warmen Sommertagen,
da sollte man nicht kleinlich sein und hinterfragen!

© lillii (Luzie-R)

Sonntag, 9. Juni 2019

Juni – ein Monatsbild

Hans Thoma (1839-1924): Juni (Monatsbild aus dem Festkalender)
Mappenwerk, Seemann Verlag Leipzig; via wikimedia.commons; gemeinfrei.
  
Rosenmond

Als Jovis-Zeus der Juno gab sein Wort,
da brachen ringsum alle Rosen auf –
die Rosenblätter regneten zuhauf,
doch ist die Götterwelt der Ausgangsort.
Der Junimond, in seinem stillen Blau,
beugt sich zur Erde nieder, schau doch, schau!

Im Juni, der auch Rosenmond genannt,
steht die Natur in voller Blütenpracht:
die Knospen springen auf fast über Nacht.
Sein blaues Band hat Juni ausgespannt.
Die Sonne sendet warme Sonnenstrahlen
und das umsonst, nicht einer muss sie zahlen.

Im warmen Licht vorm Haus die Kinder toben,
die Menschen treibt es aus den Häusern raus:
ein riesengroßer Wiesenblumenstrauß
schmückt nun den Tisch: man hört die Hausfrau loben.
So manches Schwätzchen hält man nun im Freien,
das stärkt Gemeinschaft, wird sie nicht entzweien.

Manch Liebespaar tauscht heiße Küsse aus;
doch oft ist Küssen für sie nicht genug;
entdecken sich im eignen Höhenflug.
Vergessen Zeit und Raum im Sturmgebraus.
Wann immer Jovis, Juno sich begegnen,
dann lassen sie die Rosenblätter regnen.

© lillii (Luzie-R)
Juni-Statue mit Rosenstrauß
Trauzimmer, Haus des Gastes, Diesbar-Seußlitz b. Meißen
 (Foto&©: elbwolf, 09.06.2019)

Donnerstag, 9. Mai 2019

Mai – ein Monatsbild

Hans Thoma (1839-1924): Mai (Monatsbild aus dem Festkalender)
Mappenwerk, Seemann Verlag Leipzig; via wikimedia.commons; gemeinfrei.

Maienzeit

Der alte Winterzausel ist vertrieben;
die Blumengeister ziehen durch die Welt:
und unterm lichten, blauen Himmelszelt
sich Blütenblätter aus den Knospen schieben.
Die Maienkinder winden Blumenkränzchen –
Schalmeien spielen auf zum frohen Tänzchen.

Der Bub fasst sich die Maid, schwingt sie im Kreise;
sie drehn sich lachend unterm Maienbaum
und träumen ihren eignen Frühlingstraum.
Das Jauchzen in den Stimmen hört man leise.
So lassen wir den Beiden ihr Vergnügen;
sie werden wohl zu zweien sich genügen.

Im Mai legt jedes Vögelchen ein Ei.
So wurde es uns schon als Kind beschrieben.
Geändert hat sich nichts, so ists geblieben –
Wohlan, auch Menschlein sind im Mai dabei.
Wo immer auch wird Leben angelegt,
es wird, wenn's da ist, lieb und gern gepflegt.

Nach vorn, es ist nun endlich an der Zeit;
begrüßen wir den Mai mit frohem Sinn.
Das Grünen der Natur ist schon Gewinn;
und diese spricht nun voller Heiterkeit:
"Ich lass für euch die kleinen Glöckchen läuten,
Ihr ahnt es wohl, was dies hat zu bedeuten."

Die Sonne wird am Tage länger scheinen;
den Bauern zieht es nun hinaus aufs Feld –
die Zeit, sie drängt, der Acker wird bestellt
und Schlüsselblumen blühn an Feldes Rainen.
Der Wonnemonat steht für uns bereit.
Lasst euch nicht bitten – freut euch dieser Zeit
.

© lillii (Luzie-R)

Samstag, 13. April 2019

April– ein Monatsbild

Hans Thoma (1839-1924): April (Monatsbild aus dem Festkalender)
Mappenwerk, Seemann Verlag Leipzig; via wikimedia.commons; gemeinfrei.

April, aber nicht April-April

Da sitzt der alte Wintergreis und grollt:
den Frühlingsboten misst sein strenger Blick.
Die Blumengeister sind ihm gar nicht hold -
sie zeigen ihm eindeutig sein Geschick:
" Nun geh schon Alter, es ist an der Zeit,
mach endlich Dich zum Abgange bereit."

"Noch nicht", meint der,"schenkt mir ein wenig Zeit,
Ich weiß ja wohl, ihr könnt es kaum erwarten.
Bei mir macht sich die Müdigkeit schon breit
und ihr, ihr wollt hinaus in Feld und Garten –
Geduld, die ist so gar nicht eure Stärke,
doch glaubt es mir, schon lang ich dies bemerke."

Den jungen Frühlingsboten drängt das Jahr,
er solle seine Aufgaben erfüllen -
bestünde doch ansonsten die Gefahr
dass, wenn Natur sich will in Blüten hüllen
der Wintergreis noch ausübt seine Macht
und dann wärs aus mit neuer Blütenpracht.

Der junge Bursche unterm Regenbogen
nimmt seinen Sonnenspiegel schnell zur Hand
und blendet nunmehr gegenwartsbezogen
den alten Herrn mit diesem Gegenstand.
Der alte Grantler macht sich jetzt von dannen;
will bis zum nächsten Winter sich entspannen.

Die Blumengeister hüpfen vor Vergnügen,
sie machen sich nun hurtig auf den Weg.
Die Frühlingssonne wird es bald schon fügen
es ist seit Ewigkeit ihr Privileg.
Der Winter hat sein Werk getan, muss gehen.
So kann, wie stets, auch dieses Jahr bestehen.


© lillii (Luzie-R)

Donnerstag, 14. März 2019

März– ein Monatsbild

Hans Thoma (1839-1924): März (Monatsbild aus dem Festkalender)
Mappenwerk, Seemann Verlag Leipzig; via wikimedia.commons; gemeinfrei.

Märzenwind

Der Winter sitzt als Greis noch in den Wolken;
man sieht, der Abschied fällt ihm sichtlich schwer.
Der Frühling kommt mit frischem Wind daher,
er hat die grauen Wolken schon gemolken.
In seiner Nachhut drängt das neue Leben,
in der Natur liegt es; ein ewig Streben.

Nicht nur vom Frühling wird der Greis bedrängt;
ein Götterbote geht im
Schritt voraus,
zeigt ihm und Winterspielen den Garaus -
am Arm er ihn zu einem Absprung zwängt.
Der sträubt sich und gibt weiter zu bedenken:
er hätte allerhand noch zu verschenken.

Des alten Winters Bitten sind vergebens,
der Mohr hat seine Schuldigkeit getan.
Es steht nun mal in Gottes ew'gem Plan:
für alles kommt einmal der Herbst des Lebens.
Die Hoffnung bleibt auf eine Wiederkehr,
wo nimmt in diesem Fall man Hoffnung her?

Naturgesetze sind nicht zu umgehen,
sie gelten in der Schöpfung immerzu;
ob Mensch,
ob Baum, ob Strauch ob Kakadu;
es hilft kein Zetern, Bitten oder Flehen.
Es ist, wies ist, so fang nicht an zu klagen,
beantwortet wird keine Deiner Fragen.


© lillii  ( Luzie-R)