Hier schreiben Hobbydichter für Lyrik-Freunde – meist Gereimtes und nur Druckreifes! Willkommen also, viel Vergnügen mit unseren Gedichten und deren Bebilderung!

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Bereits seit Jahresbeginn bringen wir neue Folgen an Kalenderblättern und Monatsbildern. Darum herum dann das, was sich an Einfällen so ergibt – man wird sehen! Nun ja, was man auch sieht: wir "unterschlagen" seit einer ganzen Weile auch einen gewissen Anteil an sanfter Erotik nicht länger - die Zeiten sind eben so ...

Wir teilen den Lesern unseres Versbildners mit und bitten um Verständnis, dass wir auch weiterhin das monatliche Angebot auf 6 Beiträge beschränken - die Kontaktarmut dieser Zeit bringt leider auch eine gewisse Ideenarmut mit sich. Neueinstellungen erfolgen damit um die Kalendertage des 1., 6., 11., 16./17., 21./22., 25.-27. eines Monats.

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Dienstag, 23. Januar 2024

Winterkunst

Urheber: 4028mdk09: Gelb blühender Winterjasmin (Jasminum nudiflorum);
Foto: Heidelberg, 07.03.2010; via Wikimedia Commons; Liz.: CC BY-SA 3.0


Winterkunst

Äste und Zäune Raureif umhüllt
Glitzernde Pracht im Spiegel
Grell strahlenden Lichts.
Sonnenbrillentag. –

Spinnennetz hat die Tarnkappe verloren,
Kraftvolles Werk aus Kristall.
Vergänglich kalte
Winterkunst.

Hagelzuckerrand an den Blättern.
Einzelnes, leuchtendes Gelb
Im Dickicht der Hecke.
Winterjasmin,

Den der Winter schon lange narrte,
Schaut mit erstarrtem Blick
Auf das Ende
Vereister Schönheit.

Heckenrosenroter Streifen Licht
Östlich hinter dem Turm
Eröffnet den Tag
In winterlicher Pracht.

© A. Weinhart

Sonntag, 11. Dezember 2022

Die Seele. Die Stille.

Die Seele

Nicht sichtbar, nicht sezierbar,
nicht operierbar,
nur fühlbar.
         Fragst du mich, ob ich die meine kenne,
         sage ich ja.
Fragst du mich, wo ich sie finde,
dann sage ich:
Vier Finger breit unter dem Schlüsselbein,
zwei Finger breit links der Mitte.
         Nur für mich lokalisierbar.

Die Stille


Stille ist laut, denn sie lebt.
Ist es still, wenn du denkst, dass es so ist?
Es wird immer ein Laut sein, der die Stille stört.
Ein Rauschen, ein Rascheln, ein Klopfen,
ein Brummen, ein Ton, ein Laut.

Wenn du glaubst, es ist still,
dann ist es der Herzschlag,
der dröhnt, und der Zeiger der Uhr,
der die Sekunde misst.
Stille wird erst sein, wenn nichts mehr ist.


        © immergruen (A.W.)



"Sometimes, we hide behind only see half of people, world and even ourselves."
"Manchmal verstecken wir uns hinter etwas und sehen nur die Hälfte der Menschheit, der Welt und sogar von uns selbst."

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Foto: Valu Pulipati, 8.2.2020; Standort: 52° 8' N, 11° 38' E (bei Magdeburg)
via Wikimedia Commons; Liz.: CC BY-SA 4.0

Freitag, 17. April 2020

Stadtlyrik/8 – Vertickt (Perdita Klimeck als Gast)

Minutensprunguhr nach dem Vorbild der Bahnhofsuhr Zurüch
Design: Hans Hilfiker, Liz.: als gemeinfrei ausgewiesen

Vertickt

Die Uhr am Bahnhof zeigt eine Zeit
Die sich endlos durch die Kälte tickt
Einsamkeitsratten hüllen den Bahnhof
In geschwätziges Schweigen

Eckensteher versprechen Geborgenheit
Gegen Cash und ohne Gewähr
Liebe wandelt im grellen Neonlicht
Auf seltsam ausgetretenen Pfaden

Und weiße Kristalle vernebeln
Die Sicht auf den lebenden Morgen
Der genau wie anderswo
Langsam um das Erwachen kämpft

© Perdita Klimeck
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Quelle:
Asphaltgeflüster- Stadtlyrik;
Lyrik aus dem Sperling-Verlag, Nürnberg, 2014
S.112 – Abdruck mit Einverständnis der Autorin

Freitag, 11. Oktober 2019

Stadtlyrik/2 – Neonreigen; Stadtschatten (Perdita Klimeck a. G.)

Interieur der Mall The Shoppes auf Marina Bay Sands in Singapur
Beleuchtete Korridore, Aufzüge und ein gewölbtes Glasdach
Foto+©: Basile Morin, 05.06.2018; via wikimedia.commons; Liz.: CC BY-SA 4.0

Neonreigen
Lichtgaukler spiegeln
sich in die Leere
grauer Riesen.
Schlagen Worte
kunstvoll
auf den Asphalt.
Walk of fame
durch aufgeplatzte Neonröhren.
Nur der Himmel weiß,
dass niemand je
seine Sterne berühren wird.

stadtschatten
die stadt zählt
ihre letzten schatten
noch klopft das leben
im roten wein
betonherzen bröckeln
und faseln von liebe
der clown am nebentisch
verschenkt sein lachen -
nur nicht allein sein
wenn der vorhang fällt
und die nacht trauert sich
langsam ins licht
und atmet tränen

© Perdita Klimeck
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Anmerkung:
Der Walk of Fame ist ein Gehweg in Los Angeles. Er erstreckt sich beidseitig des Hollywood Boulevard über 15 Häuserblöcke und noch drei weitere quer dazu. Auf diesen Abschnitten sind bis zum 23. Mai 2019 insgesamt 2.664 Sterne eingelassen worden. Mit ihnen werden Prominente aus der amerikanischen Unterhaltungsindustrie in den fünf Kategorien Film, Fernsehen, Musik, Radio und Theater geehrt. /nach Wikipedia/

Freitag, 20. September 2019

Stadtlyrik/1 – stadt im regen (Perdita Klimeck a. G.)

Alfred Smith (1854-1932)
Strömender Regen, Place de la Concorde, Paris (1888)
Abb.: Tylwyth Eldar, 29.10.2018; via wikimedia.commons; Liz.: gemeinfrei

stadt im regen

der sonnenmaler
hat seine pinsel eingepackt
nur hie und da erinnert noch
ein tupfen rot und gelb
an seine meisterwerke
sie leuchten aus dem graugemisch
wie tausendjährig sterne
die doch schon längst
erloschen sind

ein schwarzer schirm
begegnet mir
ein hut in braun
tief in die stirn gezogen
in einer pfütze spiegelt sich
die kirchturmspitze
und kunterbunte gummistiefel
springen lachend
dem regen ins gesicht

© Perdita Klimeck
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Veröffentlicht in "Asphaltgeflüster/Stadtlyrik", Lyrik aus dem
Sperling-Verlag, Nürnberg, 2014. ISBN 978-3-942104-29-6

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Wir vom Versbildner freuen uns, dass unsere Gastautorin Perdita Klimeck über die Dauer eines Jahres unserem Blog einen monatlichen Gedichtbeitrag zur Verfügung stellt – überwiegend freie Lyrik!

Perdita Klimeck, Jahrgang 1961, hat ihre Kindheit in Wolfenbüttel und Bonn verbracht. Sie lebt seit 1978 in Euskirchen (NRW); beruflich arbeitet sie im Bankgewerbe.
Lyrik hat sie schon immer begeistert, bis sie sich endgültig dem "poetischen Wort" verschrieb und ab 2009 in Lyrikzeitungen und Anthologien erste Beiträge veröffentlichte.
Im damals noch recht jungen Sperling- Verlag erschien 2011 ihr Lyrikband Randerscheinungen, dem 2013 dann der Lyrikband wortgefecht (gemeinsam mit Brigitta Wullenweber, Florian Scharf und Frank Seidel) folgte. Im März 2017 erschien dort ebenfalls ihr dritter Lyrikband Rabenschreie und Erdbeermond - gemeinsam mit Marina Maggio und Ingrid Herta Drewing.

Über das Gefühlsmäßige im Umgang mit Lyrik meint Perdita Klimeck in "wortgefecht", "Lyrik dürfe nicht im Netz verschwinden":
"Wörter sind für mich wie Pusteblumensamen. Sie sind einfach da, irgendwo in der Luft, auf dem Asphalt, in Einkaufspassagen und unter Parkbänken. Ich suche sie nicht, aber aus irgendeinem mir völlig unerklärlichen Grund finden sie mich. Überall. Sie krallen sich an mir fest und werden dann wieder fortgeweht. Mir ist dann so, als hätte es sie nie gegeben.
Manche bleiben ein wenig länger. {…} Diese Worte fange ich behutsam ein und gebe ihnen den Rahmen, den sie verdient haben. {…}
Aber da sind auch die, die unter meine Haut kriechen. An mir wachsen, in mir wachsen. {…} Auch hier fertige ich Rahmen an. Weniger glänzend, weniger schön. Aber intensiv gefärbt, mit jenen Farben, die mir in dunkleren Momenten zur Verfügung stehen."

Montag, 14. Januar 2019

Wort-Akrostichon nach Goethen

1 Tagewerk vermutlich zweier Fresken-Maler, die über Kreuz arbeiteten 
(einer malte die Floralornamentik, der andere die Tiere), von ca. 1180 (Romanik).
Autor: Markoz, Foto: 11.12.2014; via wikimedia.commons; Liz.: CC BY-SA 3.0

Doppeltes Wort/Strophen-Akrostichon
 (nach einem Vers von J. W. v. Goethe)

Ein  

Tag hat seine vierundzwanzig Stunden
wie soll man die bloß füllen? Was tu


ich
Guter
selbst? Frühes Aufstehn sichert Schwung,
der dann auch halten müsste bis an


den
Abend
hin, und das bedeutete, einen vollen lieben langen Tag! Wie stets im großen


Ganzen
kommt
es darauf an, sich niemals zu verlieren:
schnell vertrödelt ist er nämlich, der helle


Tag.
Heran
schleicht sich die Dunkelheit; unvollendet
liegenbleibt, was bis dahin noch nicht


getan.
Wenn
wir uns hielten an die großen Vorbilder – 
dazulernen könnten wir auch von unsrem


Goethe

elbwolf, 13.11.2018
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→ Lit.: STUMMER, S. 106/7