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Zsigmond Vajda (1860-1931): Die Muse (Privatsammlung)
(die Lyra weist sie als Erato aus, die Muse der
Liebesdichtung)
Urheber/Abb.: nagyhazi.hu; via wikimedia.commons;
gemeinfrei
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Die Schutzgöttinnen
der Künste sind in der griechischen Mythologie
aber
Astronomie, Geschichte sowie 4 literarische und 3 musikalische Gattungen
vertreten
sind! Auch Friedrich Schiller verließ das alte Muster und benennt in der
Architektur,
Skulptur, Malerei, Poesie, Musik, Tanz und Schauspielkunst.
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Schillers "Göttinnen der 7 Künste"/4:
Poesie
Ihr denkt, ein leeres Blatt sähe den Reimer
voll Arglist an, erwartend, dass er's füllt?
Was seid ihr doch für brave Pappenheimer –
ihr wähnt, dass der sich in Gedanken hüllt …
Der schreibt! Und bringt sich ein mit Feuereifer,
denn Zeilenenden brauchen ihren Reim,
und sei er auch kein Diamantenschleifer,
ganz rechts im Vers – da zahlt er's jedem heim!
Da geht der Dichter richtig und aufs Ganze
und zäumt den Ochs (nach Lichtenberg *) vom Schwanze.
Ja was denn außerdem gäb's zu beachten,
das nicht beim Schaffen hielte ständig auf?
Den Vers etwa mit Rhythmus zu befrachten –
der nimmt von ganz alleine seinen Lauf!
Schon gar nicht macht der Inhalt bang noch bänger,
denn würden es an Strophen etwas viel,
zieht man die Verse gegen Ende länger
und rettet so sein Thema doch ins Ziel.
- Hört ihr die Göttin der Poetik weinen?
- Und wenn, die hat doch ständig was zu greinen!
© elbwolf, 24.07.2019
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*) Georg Christoph
Lichtenberg (1742-99; Begründer des deutschsprachigen Aphorismus): "Die
Leute, die den Reim für das wichtigste in der Poesie halten, sie betrachten die
Verse wie Ochsen-Käufer von hinten."
• Der Verfasser
dieses Versuchs ist sich sehr wohl bewusst, dass man zwar die Schiller'sche
Metrik aus der "Huldigung der Künste" nachbilden kann, dass aber
niemand Schillers Wortgewaltigkeit und die Tragweite seiner Worte erreichen
könnte – und bittet daher um Nachsicht.
• Die hier zugrundeliegende
Strophe aus Schillers "Huldigung der Künste" enthält als ihr erstes
Quartett jene Zeilen, die nach meinem Empfinden den schönsten Vierzeiler in
deutscher Sprache darstellen:
Mich hält kein Band, mich fesselt
keine Schranke,
Frei schwing' ich mich durch alle
Räume fort,
Mein unermesslich Reich ist der
Gedanke,
Und mein geflügelt Werkzeug ist das
Wort.
Dieser Spruch steht unter
der Schillerbüste im Schillerzimmer des Stadtschlosses zu Weimar (Foto+©: Der Verfasser, 5.10.2011,
Detail):