Hier schreiben Hobbydichter für Lyrik-Freunde – meist Gereimtes und nur Druckreifes! Willkommen also, viel Vergnügen mit unseren Gedichten und deren Bebilderung!

Aufrufe unseres Blogs erfolgen automatisch mit Sicherheitsprotokoll "https". Am 18. Mai 2022 hatten wir unseren 600. Beitrag in den Blog gestellt!

Bereits seit Jahresbeginn bringen wir neue Folgen an Kalenderblättern und Monatsbildern. Darum herum dann das, was sich an Einfällen so ergibt – man wird sehen! Nun ja, was man auch sieht: wir "unterschlagen" seit einer ganzen Weile auch einen gewissen Anteil an sanfter Erotik nicht länger - die Zeiten sind eben so ...

Wir teilen den Lesern unseres Versbildners mit und bitten um Verständnis, dass wir auch weiterhin das monatliche Angebot auf 6 Beiträge beschränken - die Kontaktarmut dieser Zeit bringt leider auch eine gewisse Ideenarmut mit sich. Neueinstellungen erfolgen damit um die Kalendertage des 1., 6., 11., 16./17., 21./22., 25.-27. eines Monats.

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Dienstag, 9. Februar 2021

Die Qual der Wahl (Pantun-2, nach Chamisso)

Adrian Ludwig Richter (1803-1884): Brautzug im Frühling (1847; Detail)
Dresden, Albertinum; via Wikimedia Commons; Foto: Dguendel; Liz.: CC-BY 4.0


Adelbert de Chamisso: Die Korbflechterin (Pantun)

Der Regen fällt, die Sonne scheint
Die Windfahn dreht sich nach dem Wind,
Du findst uns Mädchen hier vereint,
Und singest uns ein Lied geschwind.

Die Windfahn dreht sich nach dem Wind,
Die Sonne färbt die Wolken rot –
Ich sing euch wohl ein Lied geschwind,
Ein Lied von übergroßer Not.

Die Sonne färbt die Wolken rot,
Ein Vogel singt und lockt die Braut –
Was hat's für übergroße Not
Bei Mädchen fein, bei Mädchen traut?

Ein Vogel singt und lockt die Braut –
Dem Fische wird das Netz gestellt,
Ein Mädchen fein, ein Mädchen traut,
Ein rasches Mädchen mir gefällt.

 


Dem Fische wird das Netz gestellt,
Es sengt die Fliege sich am Licht,
Ein rasches Mädchen dir gefällt
Und du gefällst dem Mädchen nicht.

  

Die Qual der Wahl

Die Sonne schaut aus Wolken vor,
Sacht weht ein lauer Frühlingswind;
Die Mädchen singen leis' im Chor –
Zum Singen trifft man sich geschwind.

Sacht weht ein lauer Frühlingswind;
Auf weiten Feldern wächst die Frucht;
Zum Singen trifft man sich geschwind –
Und nicht ganz ohne Eifersucht.

Auf weiten Feldern wächst die Frucht;
Ein jedes Mädchen wär gern Braut –
Und nicht ganz ohne Eifersucht,
Weil jede nach der andren schaut.

Ein jedes Mädchen wär gern Braut –
Sie haben heimlich schon gewählt,
Weil jede nach der andren schaut,
Wobei der eigne Wunsch nur zählt.

Sie haben heimlich schon gewählt,
Erträumt sich eines Manns Gestalt.
Wobei der eigne Wunsch nur zählt ...
Dann schlügen Hochzeitsglocken bald!


© elbwolf (24.01.2021)

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Anmerkung:
Der Gedichtform Pantun waren früher schon 8 Beitrage gewidmet, die leicht im Blog zu finden sind, wenn man das Label "Pantun (Sprechgesang)" auf dem rechten (schwarzen) Seitenrand anklickt.
In schriftlicher Form liegen Pantune im Ursprungsland Malaysia seit dem 16. Jh. vor. In Frankreich, England und Deutschland haben Lyriker seit dem 19. Jahrhundert Pantune gedichtet. Dazu zählen auch die drei Gedichte in so genannter "maleyischer Form" von Adelbert de Chamisso (1781-1838), die Chamisso in Deutsch verfasste.
Dieser Beitrag zeigt das zweite Pantun "Die Korbflechterin", das mir Anregung zu einer abgewandelten Version war.

Freitag, 5. Februar 2021

Der frühe Morgen (Pantun-1, nach Chamisso)

Bernhard Hoetger (1874-1949): Dämmerung (1911; Plastik; Detail)
Standort: Bremen, Hoetgerhof; via Wikimedia Commons; gemeinfrei.
 
Adelbert de Chamisso: Genug gewandert (Pantun)

Es schwingt in der Sonne sich auf
ein Bienchen in guldiger Pracht
Bin müde vom irren Lauf
Erstarrt von der Kälte der Nacht

ein Bienchen in guldiger Pracht
in würziger Blumen Reihn
Erstarrt von der Kälte der Nacht
begehr ich nach stärkerem Wein.

in würziger Blumen Reihn
bist Rose, du herrlichste Du
begehr ich nach stärkerem Wein.
wer trinket den Becher mir zu.

bist Rose, du herrlichste Du
die Sonne, der Sterne fürwahr
wer trinket den Becher mir zu.
aus der rosigen Mädchen Schar

die Sonne, der Sterne fürwahr
die Rose entfaltete sich
aus der rosigen Mädchen Schar
empfängt die Lieblichste mich

die Rose entfaltete sich
das Bienchen wird nicht mehr gesehn
empfängt die Lieblichste mich
ists fürder ums Wandern geschehn.

  

Der frühe Morgen

Im frühen Tagessonnenschein
die Bienchen sich schon fleißig tummeln.
Ich geh entlang am Wiesenrain;
seh‘ dies und höre zu dem Brummeln.

die Bienchen sich schon fleißig tummeln
es lockt sie an der Blütenduft;
seh‘ dies und höre zu dem Brummeln –
Der Frühling liegt schon in der Luft.

es lockt sie an der Blütenduft
der Rose, die so sehr ich liebe.
Der Frühling liegt schon in der Luft.
wer stillt mir nun die süßen Triebe?

Der Rose, die so sehr ich liebe.
schenk ich mein Herz, ich bin der Deine.
Wer stillt mir meine süßen Triebe;
löscht mir den Durst beim Glase Weine.

schenk ich mein Herz, ich bin der Deine
der, dem die Rose sich entfaltet
löscht sie den Durst beim Glase Weine,
auf dass die Liebe nie erkaltet!

dem, der die Rose sich entfaltet
ist sie verbunden ewiglich.
Auf dass die Liebe nie erkaltet –
es gibt für sie nur "Du und Ich."

© lillii (Luzie-R)

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Anmerkung:
Der Gedichtform Pantun waren bisher schon 8 Beitrage gewidmet, die leicht im Blog zu finden sind, wenn man das Label "Pantun (Sprechgesang)" auf dem rechten (schwarzen) Seitenrand anklickt.
In schriftlicher Form liegen Pantune im Ursprungsland Malaysia seit dem 16. Jh. vor. In Frankreich, England und Deutschland haben Lyriker seit dem 19. Jahrhundert Pantune gedichtet.
Dazu zählen auch die drei Gedichte in so genannter "maleyischer Form" von Adelbert de Chamisso (1781-1838), die Chamisso in Deutsch verfasste.
Dieser Beitrag zeigt das erste Pantun "Genug gewandert", von dem sich unsere Bloggerin Luzie-R zu einer abgewandelten Version anregen ließ.

Donnerstag, 5. Juli 2018

Kugelmenschen (Pantun)

Kugelmenschen – moderne Nachahmung in der Art antiker Vasenmalerei
Trotz häufiger Verwendung auf Webseiten ist eine Urheberschaft nicht zu ermitteln.*)

Kugelmenschen (Pantun)

Anfangs nur war Mann und Frau ein Wesen,
mit vier Händen, Beinen wohl bedacht –
als Geschöpfe einfach auserlesen –
kugelförmig; und sie hatten Macht.

Mit vier Händen, Beinen wohl bedacht
gingen sie behände durch ihr Leben,
kugelförmig, und sie hatten Macht;
und schon ewig Götter nach ihr streben.

Gingen sie behände durch ihr Leben,
ward sodann dem Zeus die Macht zu groß;
und schon ewig Götter nach ihr streben –
gab daher Befehl zum Todesstoß.

Ward sodann dem Zeus die Macht zu groß;
trennt er diese Art mit Donnerkeil;
gab daher Befehl zum Todesstoß.
Jede Hälfte sucht seither ihr Teil.

Trennt er diese Art mit Donnerkeil;
weil er seine Übermacht will schützen.
jede Hälfte sucht seither ihr Teil,
um den andern Teil zu unterstützen.

Weil er seine Übermacht will schützen,
deshalb suchen Männer sich nun Fraun,
um den andern Teil zu unterstützen
und sich gegenseitig zu vertraun.

Deshalb suchen Männer sich nun Fraun,
wollen wieder eins sein in der Liebe.
um sich gegenseitig zu vertraun;
wunderbar wär es, wenn es so bliebe.

Wollen wieder eins sein in der Liebe.
als Geschöpfe einfach auserlesen.
Wunderbar wär es, wenn es so bliebe:
Anfangs nur war Mann und Frau ein Wesen.

© Luzie-R (lillii, 22.06.2018)

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*) Eine Bildsuche mit Yandex liefert etwa 60 Nachweise für die Verwendung dieser Abbildung, darunter die folgenden (aufrufbaren) auf Blogspot: methodeprismao.blogspot.com, corazoneslagrimasysonrisass.blogspot.ru, vuelaunalechuza.blogspot.com .

Anmerkung:
Die Kugelmenschen sind mythische Wesen der Antike. Sie erscheinen nur in einem Mythos, den Platon in seinem fiktiven, literarisch gestalteten Dialog Symposion von dem berühmten Komödiendichter Aristophanes erzählen lässt. Der von Platon erfundene Mythos soll die Macht des Liebesgottes Eros erklären, indem er den Grund für die Entstehung des erotischen Begehrens aufdeckt. (nach wikipedia).

Detaillierter wird dort ausgeführt:
Die Art des Vereinigungsstrebens der Zweibeiner hängt davon ab, zu welchem der drei Geschlechter sie einst gehörten: zu den rein männlichen Kugelmenschen, zu den rein weiblichen oder zu denen mit einer männlichen und einer weiblichen Hälfte. Je nach dieser ursprünglichen Beschaffenheit eines Kugelmenschen weisen dessen getrennte Hälften jetzt eine heterosexuelle oder homosexuelle Veranlagung auf. Damit erklärt Platons Aristophanes die Unterschiede in der sexuellen Orientierung. Nur die aus den zweigeschlechtlichen Kugelmenschen, den androgynoi, entstandenen Menschen sind heterosexuell. (zit., ebd.)

Dienstag, 5. Juni 2018

Feuer und Wasser

Alexander Calder (1898-1976): The Four Elements; at Moderna Museet in Stockholm.
Foto+©: Frankie Fouganthin, 19.02.2015; via wikimedia.commons; Liz.: CC BY-SA 4.0.
./.
Calder was an American sculptor. The Four Elements was created as a giant metal sculpture
(it stands about 10 metres tall) in 1961 from a model he’d originally made in 1938.
The sculpture is motorised and turns slowly.


Feuer und Wasser (Pantun)

Als Feuer und das Wasser sich einst trafen -
war einer von dem andern hingerissen.
Das ungestüme Feuer ward zum braven -
Dem kühlen Nass sei Dank für kluges Wissen.

War einer von dem andern hingerissen,
stets ziehen Gegensätze sich stark an,
Dem kühlen Nass sei Dank für kluges Wissen,
denn dieses steht schon lang in einem Plan.

Stets ziehen Gegensätze sich stark an -
wenn Unterschiede aufeinander prallen.
Denn dieses steht schon lang in einem Plan,
dass auch der Mensch am andern find Gefallen.

Wenn Unterschiede aufeinander prallen -
wie heißes Feuer und des Wasser Kühle;
dass auch der Mensch am andern find Gefallen -
es brodelten bei beiden die Gefühle.

Wie heißes Feuer und des Wassers Kühle
zusammen feierten ein großes Fest.
Es brodelten bei beiden die Gefühle;
der Bund fürs neue Leben stand bald fest.

Zusammen feierten ein großes Fest
die beiden, die im Grunde sehr verschieden -
der Bund fürs neue Leben stand bald fest;
und eigenständig sind sie mehr zufrieden.

Die beiden, die im Grunde sehr verschieden -
das ungestüme Feuer ward zum braven -
und eigenständig sind sie mehr zufrieden -
als Feuer und das Wasser sich einst trafen.


© Luzie-R. (lillii; Juni 2018)

Samstag, 5. Mai 2018

Der Samen (Pantun)

Frisch keimende Stangenbohne (art-typisch: Keimblätterspreizung).
Autor+©: Thomas Then, 31.05.2008; via wikimedia.commons; Liz.: CC BY-SA 3.0

Der Samen (Pantun)

Ein Same ist die Basis neuen Lebens;
es wird aus ihm, was in ihm angelegt;
vorausgesetzt, die Quelle seines Strebens
wird ständig sowie dauerhaft gehegt.

Es wird aus ihm, was in ihm angelegt:
ein neues Sein, dies muss sich erst bewähren.
Wird ständig sowie dauerhaft gehegt –
kann sich, was einmal angelegt,vermehren.

Ein neues Sein, dies muss sich erst bewähren;
im Leben wird nur selten was geschenkt.
Kann sich, was einmal angelegt, vermehren,
hat die Natur dies Leben recht gelenkt.

Im Leben wird nur selten was geschenkt;
es ist mit Mühe immerzu verbunden.
Hat die Natur dies Leben recht gelenkt,
ist Daseins Sinn am Ende doch gefunden

Es ist mit Mühe immerzu verbunden;
vorausgesetzt, die Quelle seines Strebens,
ist Daseins Sinn am Ende doch gefunden:
ein Same ist die Basis neuen Lebens.

© lillii (Luzie-R)

Spargelfeld bei Beelitz, der Spargelstadt im Landkreis Potsdam-Mittelmark.
©+Foto: Lienhard Schulz, 01.05.2004; via wikimedia.commons; Liz.: CC BY-SA 3.0
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• In der Wikipedia ist die Reimstruktur des Pantun angegeben.
Für dieses hier mit 5 Strophen gilt (wenn erste und dritte Zeile der ersten Strophe in der letzten Strophe zusätzlich vertauscht werden):
a1b1a2b2 | b1c1b2c2 | c1d1c2d2 | d1e1d2e2 | e1a2e2a1

Sonntag, 25. März 2018

Frühlingsträume

Nester von Weißstörchen auf dem Affenberg bei Salem, Bodensee-Region
Foto+©: H. Zell, 16.07.2016; via wikimedia.commons; Liz.: CC BY-SA 3.0

Frühlingsträume  (Pantun)

Welch Traum vom lichten Sonnenschein!
Ich träum von lauer Frühlingsluft
und weiß, so wird es immer sein –
Ich riech ihn schon, den Frühlingsduft.

Ich träum von lauer Frühlingsluft;
dass Wiesen werden wieder grün.
Ich riech ihn schon, den Frühlingsduft,
seh schon die bunten Blumen blühn.

Dass Wiesen wieder werden grün
wenn Meisen ihre Nester baun –
seh schon die bunten Blumen blühn,
der Frühling lässt uns alles schaun.

Wenn Meisen ihre Nester baun
einst festgelegt nach Schöpfers Sinn.
Der Frühling lässt uns alles schauen:
Erbauung gleich von Anbeginn.

Einst festgelegt nach Schöpfers Sinn
fügt sich der Mensch die Welt zurecht –
Erbauung gleich von Anbeginn –
er findet Schöpfers Sinn gerecht.

Fügt sich der Mensch die Welt zurecht –
welch Traum vom lichten Sonnenschein!
Er findet Schöpfers Sinn gerecht
und weiß, so wird es immer sein.

© Luzie-R. (lillii)

Weißstörche auf dem Kirchdach der katalanischen Kommune Alfaro.
Foto+©: Nuria rubio, 07.05.2016; via wikimedia.commons; Liz.: CC BY-SA 4.0
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• In der Wikipedia ist die Reimstruktur des Pantun angegeben.
Für dieses hier mit 6 Strophen gilt (wenn erste und dritte Zeile der ersten Strophe in der letzten Strophe unvertauscht bleiben):
a1b1a2b2 | b1c1b2c2 | c1d1c2d2 | d1e1d2e2 | e1f1e2f2 | f1a1f2a2

Samstag, 3. Februar 2018

Vorbei der Januar (Pantun)

Das überaus seltene Naturereignis "Blauer Mond" am 31. Januar 2018
Foto + ©: Shagil Kannur, via wikimedia.commons; Liz.: CC BY-SA 3.0
(Foto mobil hochgeladen vom Urheber via 2.6.6 Android)

 Vorbei der Januar (Pantun)

Das neue Jahr, mir ist's, als war es gestern,
als es um Mitternacht ins Leben trat.
Vergänglich zwar, doch werde ich nicht lästern.
Es war noch jung, jedoch kam schnell in Fahrt.

Als es um Mitternacht ins Leben trat,
am allerersten Tag des neuen Jahres,
es war noch jung, jedoch kam schnell in Fahrt,
nicht aufzuhalten geht das, nicht für Bares.

Am allerersten Tag des neuen Jahres
setzt mancher seine Hoffnung in die Zeit.
Nicht aufzuhalten geht das, nicht für Bares –
was immer hält sie auch für uns bereit.

Setzt mancher seine Hoffnung in die Zeit,
Die Zeit ist träge, manchmal viel zu schnell.
Was immer hält sie auch für uns bereit –
sie mahnt uns, ruft uns ständig zum Appell.

Die Zeit ist träge, manchmal viel zu schnell.
Vergänglich zwar, doch werde ich nicht lästern,
sie mahnt uns, ruft uns ständig zum Appell.
Das neue Jahr, mir ist's, als war es gestern.

© Luzie R. (lillii; 31.01.2018)
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• In der Wikipedia ist die Reimstruktur des Pantun angegeben.
Für dieses hier mit 5 Strophen gilt:
a1b1a2b2 | b1c1b2c2 | c1d1c2d2 | d1e1d2e2 | e1a2e2a1

• In unserem Archiv finden sich bereits 3 Pantune:
-        Bedenke Mensch
-        Die Kunst zu leben
-        Gesumm oder Gebrummel …

Freitag, 13. Oktober 2017

Gesumm oder Gebrummel – was wäre erotischer? (Pantun)

Anders Zorn (1860-1920): Zwei badende Frauen (Detail; Badande kullor i bastun, 1906)
Standort: Stockholm, Nationalmuseum, Nr.1638; Quelle: wikimedia.commons; gemeinfrei

Gesumm oder Gebrummel –
was wäre erotischer?
(Pantun / malaiischer Sprechgesang)

Gefragt wird nur, wes Reize seien unerreicht
Die Biene legt sich an mit einer Hummel
Die Schlanke findet eigenes Gesumm nicht seicht
Die Dralle setzt auf lüsternes Gebrummel

Die Biene legt sich an mit einer Hummel
Sie hat mit Raffinesse viele schon erhascht
Die Dralle setzt auf lustvolles Gebrummel
Der Unvorsichtige wird ordentlich vernascht

Sie hat mit Raffinesse viele schon erhascht
Es lässt sich eben mancher gerne fangen
Der Unvorsichtige wird ordentlich vernascht
Gestillt wird beiderseitiges Verlangen

Es lässt sich eben mancher gerne fangen
Ob Hummel oder Biene ist ja oft egal
Gestillt wird beiderseitiges Verlangen
Als lustvoll gilt Gebrummel allemal

Ob Hummel oder Biene ist ja oft egal
Die Schlanke findet eigenes Gesumm nicht seicht
Als lustvoll gilt Gebrummel allemal
Gefragt wird nur, wes Reize seien unerreicht

© elbwolf, 07.10.2017
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Anm.:
Das Pantun-Format ist hier mit 11/12-Silbern nahezu ausgeschöpft. Als Reimschema wird bei 5 Strophen vorgeschrieben: abcd | bedf | egfh | gihj | icja
- - - - - - - - -
Aufklärender Hinweis:
Natürlich sind Biene und Hummel als Synonyme zweier unterschiedlicher Weiblichkeiten zu verstehen, wie sie im Bild vorgeführt werden: Die eine will gerade der anderen die Bratpfanne überziehen, die wiederum versucht, dem Schlag durch Untertauchen im Zuber zu entgehen. Und trotz dieser (vielleicht nur scheinbaren) Kontroverse, die ich hoffentlich richtig aus Zorn's Bild herauslese (?), sind es letztlich doch die Reize, die einen reizen … aber das steht ja schon im Pantun selbst.

Dienstag, 10. Oktober 2017

Die Kunst zu leben (Pantun)

Variation / Detail (?) zu "The Golden Girls" (of Des Brophy Art ?)
(Cet artiste peint des scènes triviales, très britanniques, qu’il présente d’une façon humoristique)
Quelle dieser Variation nicht exakt recherchierbar, aber hundertfach auf Pinterest vertreten
Die Kunst zu leben
(Pantun; malaiischer Sprechgesang)

Ums Leben zu verstehen, brauchst Du Wissen,
dass auf die Sonne warten niemals lohnt.
Drum fasse Mut und tanze hingerissen -
im Regen, dort schon lang das Leben wohnt.

Dass auf die Sonne warten niemals lohnt,
dies ist nicht neu und lange Dir bewusst.
Im Regen, dort schon lang das Leben wohnt -
so tauch hinein mit Freud' und Lebenslust.

Dies ist nicht neu und lange Dir bewusst,
man selber ist des eignen Glückes Schmied -
so tauch hinein mit Freud' und Lebenslust
trag auf den Lippen stets ein frohes Lied.

Man selber ist des eignen Glückes Schmied,
Drum fasse Mut und tanze hingerissen -
trag auf den Lippen stets ein frohes Lied.
Ums Leben zu verstehen, brauchst Du Wissen.

© lillii (L-R)

Freitag, 2. Dezember 2016

Bedenke, Mensch!

Margret Hofheinz-Döring (1910-1994): Faust spricht mit dem Erdgeist (Ölgemälde, 1969; WV Nr.4585)
  Foto: Peter Mauch;
Galerie + ©: Brigitte Mauch, Göppingen; Lizenz: CC 3.0; via wikimedia/commons

Bedenke, Mensch!
Pantum (Sprechgesang)

Bedenke, Mensch: Du hast nur dieses Leben;
ein zweites Dasein ist dir ja verwehrt.
Es gilt, durch unermüdliches Bestreben
ein wahres Werk zu schaffen, das dich ehrt.

Ein zweites Dasen ist dir ja verwehrt!
So hab ein Auge drauf und tu's mit Lust,
ein wahres Werk zu schaffen, das dich ehrt;
sei du dir dieses Zieles stets bewusst.

So hab ein Auge drauf und tu's mit Lust;
vergiss auch nicht den Menschen neben dir.
Sei du dir dieses Zieles stets bewusst,
gib Hilfe und bezähme jede Gier.

Vergiss auch nicht den Menschen neben dir –
man wird dir dankbar sein und dich erfreun.
Gib Hilfe und bezähme jede Gier,
dass du nicht später müsstest was bereun.

Man wird dir dankbar sein und dich erfreun.
Es gilt, durch unermüdliches Bestreben,
dass du nicht später müsstest was bereun.
Bedenke, Mensch: Du hast nur dieses Leben.

© lillii (L-R)