Hier schreiben Hobbydichter für Lyrik-Freunde – meist Gereimtes und nur Druckreifes! Willkommen also, viel Vergnügen mit unseren Gedichten und deren Bebilderung!

Aufrufe unseres Blogs erfolgen automatisch mit Sicherheitsprotokoll "https". Am 18. Mai 2022 hatten wir unseren 600. Beitrag in den Blog gestellt!

Bereits seit Jahresbeginn bringen wir neue Folgen an Kalenderblättern und Monatsbildern. Darum herum dann das, was sich an Einfällen so ergibt – man wird sehen! Nun ja, was man auch sieht: wir "unterschlagen" seit einer ganzen Weile auch einen gewissen Anteil an sanfter Erotik nicht länger - die Zeiten sind eben so ...

Wir teilen den Lesern unseres Versbildners mit und bitten um Verständnis, dass wir auch weiterhin das monatliche Angebot auf 6 Beiträge beschränken - die Kontaktarmut dieser Zeit bringt leider auch eine gewisse Ideenarmut mit sich. Neueinstellungen erfolgen damit um die Kalendertage des 1., 6., 11., 16./17., 21./22., 25.-27. eines Monats.

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Donnerstag, 2. Oktober 2025

IV. Quartal 2025 – mit Einblick in das Schaffen als Buchillustrator von Manfred Bofinger (1941-2006) beim Eulenspiegel-Verlag.


Manfred Bofinger: Bucheinbände zu Büchern des Eulenspiegelverlags:
links: Erzählung von Holland-Moritz: ″Graffunda räumt auf″ (Auflagen 1970, 1972)
rechts: ″Witzlexikon. Ein Handbuch für Spaßvögel″ (Auflagen 1988, 1990)
Mit Dank an das Lektorat von ′Eulenspiegel Verlag′,
der zu dieser nicht-kommerziellen Veröffentlichung sein Einverständnis gab
.

Wen nimmt der ″Bofi″
nicht alles auf die Schippe!

- Scherzgedicht -

Schaut oben links den braven Vater,
der immerzu steht seinen Mann,
er ist den Kindern ein Berater
und macht im Haushalt, was er kann.

Schaut rechts auf diesen Witzesammler:
den hat der ′Bofi′ selbst gemacht.
Er wirkt zwar wie ein Lumpensammler,
doch sammelt er, wozu man lacht.

Ja sonst … da war ich auch mal Vater;
das ist zwar schon sehr lange her –
und jedem Kinde ein Berater –
war manchmal witzig, meistens schwer!-

Selbst unser ′Bofi′ lacht nicht immer,
doch wenn, dann dass es wirklich schallt –
wer da nicht mitlacht, ist ein Schlimmer
und eine traurige Gestalt.

© elbwolf

Kalendarium IV. Quartal 2025

 

Freitag, 15. August 2025

Mein Sommerschloss ist der Balkon - Variante zu Annes vorherigem Gedicht

Foto: privat; Liz.: freigestellt

Mein Sommerschloss ist der Balkon
(Variante zu Annes vorherigem Gedicht)

Ich wohne nicht zu ebner Erde,
ich hab‘ ne Wohnung mit Balkon;
streikt mal der Lift, führ‘ ich Beschwerde,
denn Treppensteigen ist ein Hohn.

Die Sommerzeit hebt meine Stimmung,
denn ich genieße den Balkon.
Markise dient manchmal zur Dimmung –
Dank ihr komm ich durch die Saison.

Ich nutz′ die gleichen Blumenkästen:
der Aufwand bleibt dann minimal;
nur etwas Torf, doch gut durchnässten!
Ich streue Samen – höchst banal.

Bald kommen auch die ersten Triebe
die Freude ist darob ganz groß;
wenn‘s Wetter außerdem so bliebe
dann wär die Freude grenzenlos!

Alsbald begrünt sich meine Laube
und viele Blüten leuchten auf
sie sehen aus, wie eine Traube.
So nimmt der Sommer seinen Lauf.

Auf dem Balkon hab ich den Sommer
ganz fest im Griff und voll entzückt.
Ich bin ansonsten ja kein Frommer,
doch ihn genieße ich. Verrückt!

© elbwolf

Donnerstag, 12. Juni 2025

Meine Frau - die Köchin

René Georges Hermann Paul, gen. Hermann-Paul (1864-1940).
Er war ein französischer Maler und Illustrator. Le Sourire (Das Lächeln) war eine
französische Humorzeitschrift, die von 1899 bis 1940 bestand.
Das Werk ist gemeinfrei, da seit dem Tod des Künstlers und auch seit der Einstellung
der Zeitschrift bereits 85 Jahre vergangen sind.

Meine Frau - die Köchin

Es geht rein gar nichts ohne Brühe!
Meint meine Frau und gibt sich Mühe
Tag ein, Tag aus in unsrer Küche.
Ich unterdrück′ derweilen Flüche:
Wozu denn macht sie sich die Mühe
Und kocht zu allem erst mal Brühe?

Ich bin bescheiden, nicht illuster,
Und halte mich an simple Muster:
Ich nehme stets die gleiche Kelle!
Denn wichtig ist mir: schnelle - schnelle.
Sie meint - Geschirr mit Zwiebelmuster!
Das ist doch wirklich zu illuster.

Ist fertig dann jedoch das Essen
Stürz ich mich drauf, bin ganz versessen,
Klopf mir genüsslich auf die Schenkel.
So endet unser Wortgeplänkel,
Denn leider bin ich zu versessen –
Sie kocht ja wirklich gutes Essen!

© elbwolf

Freitag, 9. August 2024

Kleine Eselei

Esel im Wildpark Rheingönheim/Rheinland-Pfalz; Liz. CC BY-SA 3.0.
Fotograf: ″4028mdk09″; Foto vom 23.05.2011, via Wikimedia Commons.

 

Kleine Eselei

Als ″Langohr″ einmal dazustehn
nun dávon geht die Welt nicht unter:
denn Menschensicht ist meistens bunter,
was Esel sonst viel ″grauer″ sehn.

Es kann natürlich dies geschehn,
dass einem Mitmenschen mitunter
die Welt erscheint, sie stünd‘ kopfunter,
und ihm blieb‘ nur, sie umzudrehn.

Was wäre denn so Schlimmes dran,
wenn Esel uns zu bieder nennen –
denn schlau sein kann nicht jedermann.

Du brauchst nur nicht gleich wegzurennen …
Denn was im Leben wirklich wichtig,
das unterscheidest du schon richtig!

© Luzie Rudde

Freitag, 17. Mai 2024

Pfingstochse

″Alm-Abtrieb im Zillertal″, hier als Synonym gebraucht für ″Pfingstochse″;
(Kostenlose Nutzung dank Einhaltung der ″Inhaltslizenz″ von Pixabay)


Der Pfingstochse

Herausgeputzt geht mancher Ochs
zu Pfingsten auf die Weide:
das findet keiner paradox
und äußert seine Freude.

Doch hat der Ochs am Blumenschmuck
und all diesem Getue
und unter solchem Leistungsdruck
denn auch ein bisschen Ruhe?

In Reihe, wie‘s die Sitte ist,
ziehn mit ihm viele Leute
Wer ist denn hier schon ein Statist –
der Ochs oder die Meute?

Manch Mensch tut es dem Ochsen gleich
lässt führen sich am Bande –
fühlt sich in solchem Umfeld reich
und meint, er sei ein Grande.

Der Mensch ist seines Glückes Schmied,
doch das ist karg bisweilen.
Es ist nur selten mal splendid
und lohnt kein Sich-beeilen.

© Luzie R.

Montag, 8. April 2024

Pferd vs. Traktor – Scherzgedicht

“Jagsttal mit Nebentälern und angrenzenden Gebieten …“
(Landschaftsschutzgebiet; Nähe Wallfahrts-Kapelle St. Wendel zum Stein;
Im dichten Laubwald wächst und blüht im Monat Mai überreich Bärlauch)
© Roman Eisele; via Wikimedia Commons ; CC BY-SA 4.0; Foto: 15.5.2022.

Pferd vs. Traktor

Das weiß ein jedes Bäuerlein:
sehr bald schon – ehe es zu spät –
muss Korn in Feldes Krume sein;
noch sind die Körner nicht gesät.
Man spannt kein Rösslein da mehr an,
denn längst ersetzt des Pferdes Kraft
der Traktor, mit dem unser Mann
die Arbeit per Mechanik schafft.

Der Bauer sagt nicht hotte-hüh;
er spornt das Pferd zu einem Ritt;
das galoppiert ganz ohne Müh‘
und braucht nicht einen Tropfen Sprit.
Zur Kutschfahrt wird noch angespannt,
Kutschieren geht nicht ohne Pferd –
welch Riesenfreude: Ritt durchs Land;
das ist doch einen Traktor wert!

Im Bilde oben macht man Pause
für eine Bio-Bärlauch-Jause.

© Luzie Rudde

Samstag, 16. März 2024

Der Schwan

"Idylle sur le Lac d'Amour" Maurice Dubois
Quelle:
Maurice Dubois, Les Peintres du XXème siècle (1926)
Fotograf unbekannt; Foto vom 25.07.2020; via Wikimedia Commons:

Liz.: CC BY-SA 4.0

 

Der Schwan

Er wollte sich so gern vermählen.
Der Frühling kam und auch die Lust,
Doch fand er keine Herzensdame,
Er seufzte tief aus Schwanenbrust.

Doch endlich sah er eine Schöne.
Sie war sehr stattlich anzusehn.
Die war die Seine, keine Frage,
Er würde nicht im Schatten stehn.

Er folgte täglich ihren Spuren,
Ganz gleich, wohin sie sich begab,
Nur leider zog sie unbeeindruckt
Den See hinauf und auch hinab.

Der Schwan litt große Liebesqualen,
Er fraß nicht mehr und ließ sich gehn,
Ein Trauerschwan war er geworden.
Das Elend konnte jeder sehn.

Es kam der Herbst mit kühlen Tagen
Er folgt‘ noch immer ihrer Spur.
Doch eines Morgens war die Schöne
Verschwunden. Nein, wo war sie nur?

Ein alter Schwan nahm ihn beiseite,
Nahm ihn zur Brust und machte klar,
Dass seine heißgeliebte Schwänin
Ein rosarotes Tretboot war.

© A. Weinhart

Freitag, 8. Dezember 2023

Jahreszeitenwechsel

Tom Brane: Der Herbst – Wandmalerei mit den vier Jahreszeiten;
Haus Lessingstraße 8 in Freiburg/Breisgau; via Wikimedia Commons;
Foto: Andreas Schwarzkopf, 27.11.2020; Liz.: CC BY-SA 4.0


Jahreszeitenwechsel

Der Herbst zieht ein mit Sturm und Regenschauern;
der Sommer ist für dieses Jahr vorbei –
wie immer, so auch diesmal wir‘s bedauern.
Naturgegeben, keine Faselei!

Der Sommer ist für dieses Jahr vorbei;
der Zeitenwechsel ist schon fast vollzogen.
Naturgegeben, keine Faselei:
der Jahreskreis zieht eben seinen Bogen.

Der Zeitenwechsel ist schon fast vollzogen.
Vorbei, dass Tag und Nacht sich waren gleich;
der Jahreskreis zieht eben seinen Bogen;
die Enten schwimmen weiter auf dem Teich.

Vorbei, dass Tag und Nacht sich waren gleich;
die Sonne steht viel später auf am Morgen
und Enten schwimmen weiter auf dem Teich,
doch um den Jahreslauf gibt‘s keine Sorgen.

Die Sonne steht viel später auf am Morgen;
die Tage werden nun schon merklich kalt –
doch um den Jahreslauf gibt‘s keine Sorgen.
Wir werden dabei doch so langsam alt.

Die Tage werden nun schon merklich kalt;
doch hätte ich nur eines zu bedauern:
wir werden dabei doch so langsam alt.
Der Herbst zieht ein mit Sturm und Regenschauern

© Luzie Rudde

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Der nächste Beitrag wird am 16./17.12.2023 eingestellt.

Mittwoch, 8. November 2023

Gedankenlos

Rudolf Wacker (Bregenz, 1893-1939): Mädchen in Gedanken (1923)
Bleistift auf Papier – Geschenk für einen Kriegskameraden;
via Dorotheum & Wikimedia Commons; gemeinfrei


 

„Gedanken sind nicht stets parat,
man schreibt auch, wenn man keine hat.“
                                   Wilhelm Busch *)

 

Gedankenlos

Die Worte tat der Wilhelm kund –
sie kamen einst aus seinem Mund.
Sie tönen da bis heut‘ ins Ohr;
ich denke dann, mach dir nichts vor
und leg die Feder flugs beiseite;
es wird doch wieder eine Pleite …

Gedanken – nehmen sie Reißaus –
belassen mich allein zu Haus.
Ich flieh ins Freie … mich zu sammeln,
und nicht Gedanken nur zu stammeln,
such im Gehirn, sie dort zu finden –
Gedanken … schwer sind sie zu binden.

Ich seh‘ den Wolken nach – sie fliehen;
seh‘ gleichsam sie mit Wolken ziehen
und wirbeln rund um mich herum;
Ach Gott, denk ich, und bleibe stumm
ich bin heut mal gedankenlos
und eben nur ein Trauerkloß.

Ich wollte schreiben ein Gedicht
von Liebe, Leid – aus meiner Sicht.
Gedanken lassen sich nicht zwingen!
Merk, Mädchen, das! Denn zum Gelingen
langt‘s heute sicherlich nichts mehr,
bin einfach zu „gedankenleer“.

Den Busch als guten Dichtervater
erkür ich mir als den Berater :
schrieb er doch einstens ganz dezent,
wie man mal einen Tag verpennt:
Gedanken sind nie stets parat,
drum schreibt auch, wer mal keine hat.

©
Luzie Rudde

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Der nächste Beitrag wird am 16./17.11.2023 eingestellt.

*) ein gut formulierter Gedanke, aber als Reim? Unmöglich!

Dienstag, 8. August 2023

Kleinigkeiten

Trödel in Istanbul.
Foto: Mark Ahsmann, 07.12.2013; via Wikimedia Commons; Liz.: CC BY-SA 3.0

 

Kleinigkeiten

Das Leben ist voll Kleinigkeiten,
die allesamt nicht triftig sind,
wir aber lieben es zu streiten,
sind trotzig wie ein kleines Kind –
zum Trotz lässt man sich schnell verleiten.

Der Streit bringt neue Schwierigkeiten,
die nicht so leicht zu lösen sind,
doch schnell uns aus den Händen gleiten:
man wird fürs wahre Leben blind –
kann gar die Grenzen überschreiten.

Der Ausgangspunkt war'n Nichtigkeiten,
sie formen sich zum Labyrinth;
und nur ein Knäuel kann uns leiten,
das einer Göttin Hand entrinnt –
da zählen auch mal Kleinigkeiten!

© Luzie Rudde

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Hinweis:
Nächster Beitrag wird am 15.8. online gestellt!

Samstag, 15. Juli 2023

Die verhinderten Bremer-Stadtmusikanten (Scherzgedicht, fast schon Nonsens)

Gerhard Marcks (1889-1981): Bremer Stadtmusikanten (1953; am Bremer Rathaus).
Foto: Jaimrsilva (2008); via Wikimedia Commons; Liz.: CC BY-SA 4.0


 

Die verhinderten Bremer Stadtmusikanten
/Scherzgedicht, fast schon Nonsens/

Einst setzte sich der Esel in den Kopf,
er müsse dringend in die Stadt, nach Bremen,
und eifrig wie er war, der arme Tropf,
ließ er sich bei, den langen Weg zu nehmen.
Ihm schien die ganze Zeit, das Ziel sei nah;
er schrie nicht "Bahne frei", doch laut "iah".

Alsbald traf er den herrenlosen Hund:
"Schließ dich mir an, ich will ganz schnell nach Bremen!"
Der Kläffer dachte: "Eigentlich ein Grund,
warum sollt ich mich dazu nicht bequemen?
Ich trag mein Scherflein bei zu unsrer Schau
und bell den ganzen Weg forsch mein Wauwau."

Von so viel Lärm ward schnell ein Kater wach,
"Was reckst den Buckel du, komm mit nach Bremen!
Du bietest unterwegs den Mäusen Schach –
egal, was wir für Wege fortan nehmen!"
Nun klang im groben Esel-Hund-Radau
sehr schmeichelhaft des Katzentiers Miau.

Ein Hahnenschrei, ein grelles Kik'riki,
erscholl, als man schon unweit war vor Bremen!
Das hörte an sich echt wie Hysterie
und wurde Start-up für ein Unternehmen.
Die Liga war schnell unter Dach und Fach,
der Hahn verursachte den meisten Krach!

Dann stand am Wege einsam noch ein Haus,
und die Quadriga enterte das Fenster.
Die Stube war voll Räuber, die welch Graus,
urplötzlich sahen röhrende Gespenster.
Sie rissen aus und so fiel alles Feld
den Vieren zu – und jeder war ein Held!

Dort blieben sie. Es war auch zu vernehmen,
dass keiner mehr Bedarf gehabt an Bremen.

© elbwolf (W. Herrmann, 11.07.2023)

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Anm.: Die Bremer Stadtmusikanten ist der Titel eines Volksmärchens, das von den Brüdern Grimm 1819 in ihrer berühmten Sammlung Kinder- und Hausmärchen (""Grimms Märchen") erstmals veröffentlicht wurde. /nach Wikipedia/

Unser nächster Beitrag wird hier am 23.07. eingestellt!

Samstag, 6. Mai 2023

Der Dichter

Paul Scheurich (1883-1945): Der Dichter;
Quelle: Scan aus "Das Blatt der Hausfrau", H. 19, Juni 1931;
via Wikimedia Commons; gemeinfrei.

 

Der Dichter

Hat er ein Thema, das ihm passt, gefunden
– das Sinn ergibt und vielversprechend ist –
versucht in seinem Kopfe er mit List,
den Vers zu formen, traditionsgebunden.

Er ist bemüht, den Reim gut abzurunden
und wird allmählich so vom Prosaist,
der er einst war, zum Dichter-Aktivist,
der sich unbändig freut, das zu bekunden.

Den Lorbeerkranz, zum Ruhme ihm geflochten,
sieht er schon über seinem Haupte schweben ...
der Kampf um Anerkennung – ausgefochten!

Dabei steht er im ganz normalen Leben.
Die Sterne ach, wie weit sind sie doch alle ...
Wird er zum Stern – der Dichter in der Falle?

© Luzie R.

Montag, 1. Mai 2023

Kalenderblatt 05/2023 – Radsport von 1900 und 2000

Radsportentwicklung von 1900 bis 2000
links: Plakatdruck für deutsches Publikum 'Lustige Szenen auf Bicycles und Rollschuhen', ~1900; Standort: US-Kongress-Bibliothek; gemeinfrei;
rechts: Poster for WNBR Bellingham Ride 2016-06-03, WA (USA);
Foto: 2016-05-04, Robert Ashworth, Liz.: CC BY 2.0:
(beide Abbildungen: via Wikimedia Commons)

./.

 


Kalenderblatt 05/2023 –"Radsportmoden von 1900 bis 2000"

© Wolfgang Herrmann

Mittwoch, 26. April 2023

Immerzu schlafen

Heinrich Zille (1858-1929): "Ein Nickerchen kann nicht schaden"
Zeichnung (Kohle und rote Kreide auf Papier; aus dem Nachlass);
via Wikimedia Commons; gemeinfrei.

 

Immerzu schlafen

Ich bin einer von den Braven
die am liebsten dauernd schlafen     
und ich tu das, weil man spricht,
nur wer schläft, der sündigt nicht.     

Da ich folglich mit der Sünde
nur noch selten mich verbünde,
ist all das nicht von Betracht,
was mich einst um Schlaf gebracht.

Wie verlaufen meine Tage?
Dass ich mich nicht dauernd plage:
Stress – genau wie Einerlei –
ab in die 'Phantasterei'!

Aufstehn morgens ohne Mühe
geht nicht mehr in aller Frühe:
bis es halber neune schlägt,
wird der 'Schlafbaum' umgesägt.

Nach dem Frühstück – Griff zur Zeitung,
doch die Info-Aufbereitung      
macht, dass man gleich anfangs döst,
bis der Schlaf einen erlöst.     

Mittag ist wie Große Pause,
aber bis zur nächsten Jause
nachmittags genau um vier
spiele ich das 'Murmeltier'.

Dann nach Mokka und nach Kuchen
könnte man sich neu versuchen:
Arbeit gibt's in jedem Haus –
ich räum gern den Spüler aus!

Nun, die Zeit schleicht wie auf Krücken;
schwer ist sie zu überbrücken.
Schließlich wird es doch Schlag acht
und die Glotze kommt zur Macht.     

Je nun: wieder nur Kamellen,
die mir das Programm vergällen.
Eh der Abend ist verratzt
oder die Geduld mir platzt

geb ich lieber einen Braven
... und ... geh … schlafen!

© elbwolf

Dienstag, 11. April 2023

Ein Kautschukgedicht

E. M. Lilien (1874-1925): Werbeplakat 1905;
via Wikimedia Commons; gemeinfrei.


Das ergötzliche Bändchen "KURIOSES von A-Z", das L. B. Selbmann im Praesentverlag Heinz Peter, Gütersloh, 1900(?) herausgab, war als "Eine Sammlung verblüffender, komischer, lächerlicher und tiefsinniger Tatsachen und Begebenheiten aus Vergangenheit und Gegenwart" angelegt.
Unter dem Buchstaben K findet sich eine Anekdote zur Kautschukdichtung mit einem ausgefeilten Beispiel "An die Männer – an die Frauen", als dessen Dichter und Erfinder ein gewisser Gisbert von Vincke vermutet wird (s. Wikipedia!), seinerzeit einem Adelsgeschlecht von Juristen und Militärs zugehörig. In seiner Art wird hier eine Nachahmung veranstaltet, die unsere Leser ihrerseits ja "nachahmen" könnten.

Man verfasst zunächst zwei kleine Gedichtelein aus je zwei "aabb-Strophen", die man zunächst untereinander anschreibt und so (d. h. unabhängig voneinander) auch liest bzw. deklamiert.
Dann schreibt man sie zeilenweise nebeneinander an und hofft, dass auch diese "in die Länge gezogenen Zeilen" einen Sinn ergäben, wenn man sie hintereinander und eben QUER liest.
Tun sie's hier? Und natürlich ginge es auch erheblich komplizierter ...

© elbwolf


Tun und Lassen

Das ganze Jahr bereit.
Nicht nur zur schönsten Zeit
sieht man es als Gewinn,
wenn jedes Tun macht Sinn.

Wer regelmäßig döst,
wird kaum jemals erlöst;
ist dann ein schwarzes Schaf,
das alles übertraf.


Planen und Improvisieren

Obwohl nie viel getan –
doch nie ganz ohne Plan –
und sei's improvisiert
Hauptsach': es funktioniert.

Wer nie etwas erprobt,
der wird auch nie gelobt,
blökt noch so viel mäh-mäh
und erntet immer Schmäh.



Tun und lassen ­– planen und improvisieren

Das ganze Jahr bereit.
Nicht nur zur schönsten Zeit
sieht man es als Gewinn,
wenn jedes Tun macht Sinn.

Wer regelmäßig döst,
wird kaum jemals erlöst;
ist dann ein schwarzes Schaf,
das alles übertraf.

Obwohl nie viel getan –
doch nie ganz ohne Plan –  
und sei's improvisiert           
Hauptsach': es funktioniert. 

Wer nie etwas erprobt,
der wird auch nie gelobt,
blökt noch so viel mäh-mäh
und erntet immer Schmäh.

Mittwoch, 1. März 2023

Kalenderblatt 03/2023 – Aufklärung geht so auch!

Ernst Heilemann (1870-1936): "Aufklärung" (~1910, Illustration aus "Lustige Blätter");
Angaben nach Wikipedia; als Kunstwerk gemeinfrei.
./.
E. Heilemann war bekannt für humorvolle Texte mit kleinen Anzüglichkeiten; wie hier:
"Da staunt ihr Kleinen: Nikolaus, Osterhase und Klapperstorch –
das ist immer nur der Papa – lasst euch bloß nichts vormachen!"




Kalenderblatt 03/2023 –"Aufklärung geht so auch"
© Wolfgang Herrmann

Donnerstag, 16. Februar 2023

Limericks nach Eugen Roth

Edward Lear: More Nonsense (№ 3, ~1875, James Miller Edition); gemeinfrei

Limericks nach Eugen Roth


Der Münchener Dichter Eugen Roth (1895–1976) veröffentlichte 1966 mit © beim Carl Hanser Verlag und dann in Lizenzausgaben bei der Büchergilde Gutenberg eine Auswahl aus seinem Schaffen unter dem Titel

"Neues vom Menschen".

Dort findet sich auch ein Kapitel (S. 95-101) mit 31 Limericks, die Roth damit zu einem Zeitpunkt vorlegte, als es noch über 10 Jahre dauern sollte, bis "HME" im Auftrag des Insel-Verlags Edward Lears Kompletten Nonsens ins Deutsche "schmuggelte". Danach brauchte es noch einmal über drei Jahrzehnte, ehe sich eine (Semantik-) Formel für den Aufbau der Limerickstruktur durchsetzte, die seitdem alleiniger Maßstab für einen korrekten Limerick ist:

a: ((u)u)–uu–uu–(u(u))
a: ((u)u)–uu–uu–(u(u))
b: ((u)u)–uu–(u(u))
b: ((u)u)–uu–(u(u))
a: ((u)u)–uu–uu–(u(u))

mit: – = betonte Silbe; u = unbetonte Silbe; (u) = leer oder u

Gemessen an dieser Formel genügen lange nicht alle Roth'schen Fünfzeiler heutigen Ansprüchen, wobei am häufigsten dagegen verstoßen wird, dass der zentrale Teil der Formel immer das Aussehen "–uu–uu–" (bzw. in den b-Versen "–uu–") haben muss, weil er den charakteristischen Limerick-Rhythmus hervorbringt.
Da im Umgang mit Limericks strenges ©-Right kaum einforderbar ist und schon eine Veränderung der Interpunktion einen "fremden" zu einem "eigenen" Vers machen könnte, werden hier einige der uns von Roth als defekt hinterlassenen Limericks respektlos "regularisiert":

(1)     Ihr jüngeren Brüder und Schwestern,
         Lasst ab, stets uns Ältre zu lästern!
         Wer weiß denn, was bleibt?
         Was heute ihr schreibt,
         Ist morgen schon wieder von gestern.

(3)     Die melodische Sprache der Griechen
         …

(6)     Erst gings nur ums Zeigen der Waden,
         Und dann in Familie zu baden,
         Und weiter und weiter. –
         Wir fragen, fast heiter:
         Was kann der Moral heut noch schaden?

(7)     Ringsum auf dem irdischen Balle:
         Krawalle, Krawalle, Krawalle!
         Die Welt voller Wahn
         Und schuld sind daran
         Wir alle, wir alle, wir alle!

(…)

(29)   Da war eine Jungfrau in Witten
         Die hat keinen Mann je gelitten.
         Und keiner erriet sie:
         Erst tat sie, als wollt' sie –
         Doch keinem half Flehen und Bitten.

(30)   Recht brav war ein Mädchen aus Düren,
         Das ließ erst in Köln sich verführen.
         Seine Bahn wurde schiefer,
         Und es sank immer tiefer –
         Nahm schließlich dann höhre Gebühren.

(31)   Ein schüchterner Jüngling in Ansbach
         Lief brav einer dümmlichen Gans nach.
         Längst wär er ihr Gatte!
         Doch Heil ihm, er hatte
         Den Mut nie, dass je er sie ansprach!

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Schwamm drüber!

         "Ein Mensch" in Gedichten von Roth                 u-uu-uu-
         Ist Bleibendes, das er uns bot.                           u-uu-uu-
         Da hat er begeistert                                            u-uu-u
         Mit Ruhm sich bekleistert –                                u-uu-u
         Echt bayrisch – von Korn und von Schrot!         u-uu-uu-

elbwolf (WH) / 16.02.2023
/© nur für den einzigen eigenen Limerick!/

Sonntag, 1. Januar 2023

Kalenderblatt 01/2023 – "Neujahr ist hier das ganze Jahr"

Camille Flammarion: "Die Gestalt des Himmels" (Holzstich, 1.1.1888; gemeinfrei)
/ Diese geniale Illustration wird meistens für eine authentische Darstellung
des mittelalterlichen Weltbildes gehalten – ist aber eine "moderne" Grafik! /
Sprechblase mit Jahreszahl vom Autor der Verse ergänzt

Nicht leicht fallen uns Erkenntnisse ...

Da ist "Er" nun den weiten Weg gekrochen,
das letzte Stück vermutlich gar auf Knien,
ein Weg von ganzen zweiundfünfzig Wochen,
der an den Rand der Welt zu bringen schien,
und wie es scheint, hat er den Pfad vollendet.
Was ist die Botschaft, die von dort er sendet?

Er hat die Weltentrennwand glatt durchstoßen
und fand den Zifferncode fürs Neue Jahr ­­–
auf den wär man auch so unschwer gestoßen –
gilt doch "plus Eins" als gut berechenbar.
Daneben harren dort noch viele Themen
und meist zu deutlich ernsteren Problemen.

Am wichtigsten steht's doch mit der Erkenntnis
dass wieder zweiundfünfzig Wochen lang
vergehen, einfach wegen der Bewandtnis,
es gibt nun einmal keinen andren Gang.
Drum kehren wir zurück und ins Geschehen –
auch diesmal werden wir nicht untergehen.

 


 

Kalenderblatt 01/2023 –"Neujahr ist hier das ganze Jahr"
Verse von Wolfgang Herrmann

Dienstag, 27. Dezember 2022

Was zu vermeiden wäre …

Foto: Aihartza, Tunesien; 27.08.2008; Liz. "Freie Kunst".
(mangels Trampeltieren mussten Dromedare einspringen)

 

Was zu vermeiden wäre …
- geht sogar als Akrostichon noch durch -


Wenn über eine dumme Sache,
         ein jeder seinen Schnabel wetzt,
         geht schnell nicht mehr zu unterscheiden,
         wer Recht denn hätte bis zuletzt.

        
Genügte es zu hoffen, ob denn
am Ende Gras gewachsen ist …
         so könnte man den Streit begraben,
         ganz ohne jede Hinterlist.

         Doch Gräser sind so voller Säfte,
         dass rasch auf allen seinen Vier
kommt sicher ein Kamel gelaufen –
         der Sorte nach ein Trampeltier.

         Es hat nur dieses Grün im Kopfe!
         Dass du mir also nicht vergisst:
         vom Gras halt ein Kamel recht ferne,
das alles wieder runterfrisst.

© elbwolf, am 27.12.2022

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Die Handvoll Gedichte-Schreiber auf Versbildner
wünscht ihrer Anhängerschaft und auch sich selber
zum Jahreswechsel 2022 auf 2023 alles Gute!
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