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Edward Lear: More
Nonsense (№ 3, ~1875, James Miller Edition); gemeinfrei
Limericks nach Eugen Roth
Der Münchener Dichter Eugen Roth (1895–1976)
veröffentlichte 1966 mit © beim Carl Hanser Verlag und dann in Lizenzausgaben
bei der Büchergilde Gutenberg eine Auswahl aus seinem Schaffen unter dem Titel
"Neues vom Menschen".
Dort findet sich auch ein
Kapitel (S. 95-101) mit 31 Limericks, die Roth damit zu einem Zeitpunkt vorlegte,
als es noch über 10 Jahre dauern sollte, bis "HME" im Auftrag des
Insel-Verlags Edward Lears Kompletten Nonsens ins Deutsche
"schmuggelte". Danach brauchte es noch einmal über drei Jahrzehnte,
ehe sich eine (Semantik-) Formel für den Aufbau der Limerickstruktur durchsetzte,
die seitdem alleiniger Maßstab für einen korrekten Limerick ist:
a:
((u)u)–uu–uu–(u(u))
a: ((u)u)–uu–uu–(u(u))
b: ((u)u)–uu–(u(u))
b: ((u)u)–uu–(u(u))
a: ((u)u)–uu–uu–(u(u))
mit: – = betonte Silbe; u =
unbetonte Silbe; (u) = leer oder u
Gemessen an dieser Formel genügen lange nicht alle Roth'schen Fünfzeiler
heutigen Ansprüchen, wobei am häufigsten dagegen verstoßen wird, dass der zentrale
Teil der Formel immer das Aussehen "–uu–uu–" (bzw. in den
b-Versen "–uu–") haben muss, weil er den charakteristischen Limerick-Rhythmus
hervorbringt.
Da im Umgang mit Limericks strenges ©-Right kaum einforderbar ist und schon
eine Veränderung der Interpunktion einen "fremden" zu einem
"eigenen" Vers machen könnte, werden hier einige der uns von Roth als
defekt hinterlassenen Limericks respektlos "regularisiert":
(1) Ihr jüngeren Brüder und
Schwestern,
Lasst
ab, stets uns Ältre zu lästern!
Wer weiß denn, was bleibt?
Was heute ihr schreibt,
Ist morgen schon wieder
von gestern.
(3) Die melodische Sprache der
Griechen
…
(6) Erst gings nur ums Zeigen der
Waden,
Und dann in Familie zu
baden,
Und weiter und weiter. –
Wir fragen, fast heiter:
Was kann der Moral heut noch
schaden?
(7) Ringsum auf dem irdischen
Balle:
Krawalle, Krawalle, Krawalle!
Die Welt voller Wahn
Und schuld sind daran
Wir alle, wir alle, wir alle!
(…)
(29) Da war eine Jungfrau in
Witten
Die hat keinen Mann je
gelitten.
Und keiner erriet sie:
Erst tat sie, als wollt'
sie –
Doch keinem half Flehen und
Bitten.
(30) Recht brav war ein Mädchen aus
Düren,
Das ließ erst in Köln sich
verführen.
Seine Bahn wurde schiefer,
Und es sank immer tiefer –
Nahm schließlich dann höhre
Gebühren.
(31) Ein schüchterner Jüngling in
Ansbach
Lief brav einer dümmlichen
Gans nach.
Längst wär er ihr Gatte!
Doch Heil ihm, er hatte
Den Mut nie, dass je er
sie ansprach!
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Schwamm drüber!
"Ein Mensch" in Gedichten
von Roth u-uu-uu-
Ist Bleibendes, das er uns bot. u-uu-uu-
Da hat er begeistert u-uu-u
Mit Ruhm sich bekleistert – u-uu-u
Echt bayrisch – von Korn und von
Schrot! u-uu-uu-
elbwolf (WH) / 16.02.2023
/© nur für den einzigen eigenen Limerick!/
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