Hier schreiben Hobbydichter für Lyrik-Freunde – meist Gereimtes und nur Druckreifes! Willkommen also, viel Vergnügen mit unseren Gedichten und deren Bebilderung!

Aufrufe unseres Blogs erfolgen automatisch mit Sicherheitsprotokoll "https". Am 18. Mai 2022 hatten wir unseren 600. Beitrag in den Blog gestellt!

Bereits seit Jahresbeginn bringen wir neue Folgen an Kalenderblättern und Monatsbildern. Darum herum dann das, was sich an Einfällen so ergibt – man wird sehen! Nun ja, was man auch sieht: wir "unterschlagen" seit einer ganzen Weile auch einen gewissen Anteil an sanfter Erotik nicht länger - die Zeiten sind eben so ...

Wir teilen den Lesern unseres Versbildners mit und bitten um Verständnis, dass wir auch weiterhin das monatliche Angebot auf 6 Beiträge beschränken - die Kontaktarmut dieser Zeit bringt leider auch eine gewisse Ideenarmut mit sich. Neueinstellungen erfolgen damit um die Kalendertage des 1., 6., 11., 16./17., 21./22., 25.-27. eines Monats.

Montag, 26. September 2022

Der Chef geht in Rente - ein Sonett drauf!

Auszahlung der Altersrente in Griechenland (Ägina-Stadt) -­ leider kein "Chef" drunter!
Foto: Ziegler175, April 1987; via Wikimedia Commons; Liz.: CC BY-SA 3.0

  Der Chef geht in Rente – ein Sonett drauf!

Vor dreißig Jahren wars, dass man ihn stellte
als Chef hier an die Spitze vom Büro!
Und alle brannten für ihn lichterloh,
nachdem er damals sich zum Team gesellte.

Nicht nur, dass unser Dasein sich erhellte,
man war beständig inspiriert und froh,
verlegte Akten nicht bis ultimo,
verzieh sogar manch unverdiente Schelte.

Doch irgendwann nimmt auch ein Chef den Hut,
und trotzdem geht danach das Leben weiter –    
ein Wechsel tut ja not und ist auch gut.

Nur stehst du nicht an der Karriereleiter!
Der Neue kommt von auswärts und beachtet,
dass er das Team für dreißig Jahre pachtet!

© elbwolf

Mittwoch, 21. September 2022

Das Fass

Gaetano Gandolfi (1734-1802): Alexander und Diogenes (1792);
Privatsammlung; via Wikimedia Commons; Liz.: gemeinfrei.

Einer der schärfsten Parodisten unter den Lyrikern der Vergangenheit war Hanns von Gumppenberg (1866-1928). Davon zeugt noch heute sein Buch "Das teutsche Dichterroß, in allen Gangarten vorgeritten".

Mir fiel sein Gedicht "Diogenes" in die Hände, aus dem ich die 2. und die 6. (letzte) Strophe ohne die Refrains zitiere:

 

Hanns von Gumppenberg:
Diogenes (gekürzt)

(2)
Die Menschen, sie meinen,
schon Menschen zu sein –
ich suchte nur einen:
doch fand ich ihn? Nein!
Ich strich in die Ferne
bis auf den Parnaß –
Da hängt die Laterne!
Nun rast ich im Faß.

(6)
Und wenn in den Nachen
der Fährmann mich ruft,
zerrinn ich mit Lachen
in Licht nur und Luft!
Mich freut es unsäglich,
daß ich nichts hinterlaß,
nichts fest, nichts beweglich –
Gar nichts, als dies Faß.

 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

 

Das Fass –
in Geschichte und Neuzeit
/rasante Kurzdarstellung/

Vom Fass ist leicht reden,
weil's lang existiert –
bestimmt schon seit Eden:
hat Eva datiert.
Nass lag man im Grase,
dann trocken auf Stroh:
das Fass als Oase!
War Adam da froh.

In späteren Jahren
kam Alex vorbei,
nach Gordon zu fahren:
haun Knoten entzwei.
Diogen in Tonne –
den sah er sich an;
verdeckt ihm die Sonne –
das störte den Mann.

Wenn heute ein Macher
verspricht goldne Zeit,
ist's bloßes Geschacher –
die Ampel nicht weit.
Die Fülle versprechen –
das geht heut nicht mehr:
wir haben zu blechen!
Das Fass? Lange leer ...

© elbwolf (20.09.2022)

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Anm.:
Das Diogenes-Thema  wurde auf Versbildner bereits zweimal aufgegriffen:
am 5. und am 9.2.2019; außerdem Alexander & Knoten am 26.10.2014.

Samstag, 17. September 2022

Ei, ei – Genderei


Autor Netpilots: Beispiel für Pleonasmus. Gefertigt: 15-06-2021
via Wikimedia Commons; Liz.: CC BY-SA 3.0.


 Liebe Freunde unseres Lyrik-Blogs!

In der 2. Septemberhälfte hält der Verein Deutsche Sprache seine jährlichen Hauptversammlungen und Feierstunden für den Erhalt einer sauberen "unverhunzten" Muttersprache ab. In Dresden versammelten sich an die zweihundert Mitglieder und Gäste – es ging hauptsächlich um die schon gar nicht mehr neue und noch weniger lustige "Bereicherung" des Deutschen um das Gendern.

Nun macht die Literatur die Hochsprachenschicht jeder Sprache aus ­– Prosa, Drama, Lyrik – und ich habe mich einmal gefragt, wie denn die Lyrik mit Gendern aussähe, vor allem sich anhörte. Hier mein Beitrag:

 

Ei, ei – die Genderei!

Um einzuziehn ins Amt für Bundeskanzler*innen
muss doch zunächst mal eine*r diese Wahl gewinnen!
Hat jemand von den Kandidat*innen gewonnen,
ist für die anderen der Traum vom Amt zerronnen.
Doch brave Bürger*innen – achtet auf die Hunnen:
zu gern ersäuften die gleich Sprache mit im Brunnen!

 

Machen nicht diese wenigen Zeilen klar und deutlich, welche Tode unsere Lyrik stürbe, wenn man die "Genderierenden" gewähren ließe …

Mein methodischer Ratschlag für diejenigen, die es auch mal (mit einem Epigramm vielleicht) versuchen würden: erst scheinbar eifrig ins Horn blasen und in den letzten anderthalb Versen herablassend abservieren!

 © elbwolf, 16.9.2022

Sonntag, 11. September 2022

Ein Mann – ein Buch/7: Der sich bewegende Mann

Alexandru Ceobanu – Campion Arnold Classic Europe;
Foto: Alexceo17, 2.4.2020; via wikimedia commons
; Liz.: CC BY-SA 4.0.

 

Der sich bewegende Mann

1.      Prolog
Macht es Sinn, dass der Mann sich bewegt,
wo der Mann sich doch grad nur mal regt?
Setz ein Ziel, das er immer gewollt –
und du siehst, wie es ihn überrollt!

2.      Szenario
Unser Buch, das hat Rat auch für ihn:
Was er braucht, das ist viel Disziplin.
Darf ein Bier nicht bloß so trinken gehen,
wo die Fahnen der Fitness jetzt wehn.

Doch auch hier hat die Sach' zwei Gesicht:
ist nun alles darauf ausgericht:
sind das Training und Essen stets Plan,
scheitern Leben und Liebe daran.

Er hat Sixpack und viel Kondition.
Alles das wäre nur Illusion,
gäb es dafür nicht andren Gebrauch,
als eben den, den Frau jetzt meint auch!

3.      Epilog
Wünscht die Frau, dass der Mann sie betört,
hat er nun, was die Frau gern beschwört:
keinen Bauch, der sich dort länger rundet,
wo die Frau doch gern andres erkundet.

© gitte, im Mond des September

Dienstag, 6. September 2022

Vergangenes ringt mit Künftigem

Böhmisch Aicha: Teil des spätgotischen Kellergewölbes
der Kommende des Johanniterordens
(zerstört von den Hussiten um 1425; wiederentdeckt 1991).
Foto: Björn Ehrlich, 24.06.2006; via wikimedia commons; Liz.: CC BY SA 3.0

 

Vergangenes ringt mit Künftigem

Vergangenes, all das was schon geschehen,
das löschte keiner je willkürlich aus:
ob voller Leid, ob freudiger Applaus
Gedanken sind's, sie lassen fortbestehen.

So lebt der Mensch im Jetzt sowie im Gestern;
er nimmt Erlebtes mit – es war real;
ob es ihm Gutes war, ob eine Qual –
vielleicht war es sogar ein Grund zum Lästern.

Doch irgendwie wird schon sein Ende kommen:
das Heute, das vergeht zum nächsten Tag.
Gefangensein darin ist wie Vertrag: –
und gilt für jeden Bösen oder Frommen.

Die Zukunft aus der heut'gen Sicht beschreiben …
der Stift dafür liegt irgendwo bereit;
ein Klagelied, das heut zum Himmel schreit,
das darf den Menschen nicht auch ferner treiben.

© Luzie Rudde

Donnerstag, 1. September 2022

Kalenderblatt 09/2022 – "Osterzgebirgsbilder" von Udo Petzold

© Udo Petzold (*1950)                      Häuser am Waldrand von Seiffen, Aquarell (2005)

Der Blickwinkel des Malers (3)

Die Häuser dort am Waldrand sind ganz echt;
doch manche schief – an ihnen klopft der Specht.
Auf diesen Wiesen spielt auch niemand Golf;
da heult der Wind, vielleicht ... mit einem Wolf,
und winters, wenn vor Frost hier alles kracht,
dann sagen Has' und Fuchs sich 'Gute Nacht'.

↑ © Bild: Udo Petzold (s. u. Hinweis)                                                          ↑ © Text: W. Herrmann


Hinweis:
Das ©-Right für das Bild von Herrn Udo Petzold, Dresden, liegt
 – zusammen mit der Verantwortung für Bildbenennung und -datierung –
vollumfänglich beim Autor. Diese Wiedergabe entspricht einer einmaligen Gestattung
durch den ©-Inhaber und ist auch bei dieser nicht-kommerziellen Verwendung
auf "Versbildner" keinerlei Lizenzierung nach CC BY-SA 2.0-4.0 gleichgestellt!.
Sämtliche Bilder befinden sich im Privatbesitz des Künstlers.

Kalenderblatt 09/2022 –"Osterzgebirgsbilder"
von Udo Petzold (*1950)
Häuser am Waldrand von Seiffen; Aquarell

Sonntag, 28. August 2022

Hausbau – mit Akzentversen!

Foto: Wilhelm Walther († 1983): Hausbau, Bild-Nr. 8061 (1932-35);
Geschenk des Autors für Wikimedia-VRTS; Liz. CC BY-SA 4.0.

Wenn ein Dichtender einen Nicht-Dichtenden auffordert, er solle doch auch einmal ein Verslein "dichten", so denkt der Aufgeforderte natürlich prompt, er solle ein gereimtes Gedicht liefern Das aber hört sich an, als ob alle Verse auch gereimt sein müssten – und das stimmt eben nicht!
Dabei wenden wir uns hier nicht an die Nur-ungereimt-Dichtenden, nein, wir wenden uns an die, die überhaupt gern einmal dichten würden, aber sich nicht trauen.

./.

Das Instrument, das wir brauchen, steht ganz am Anfang der vielgesichtigen Vers- und Gedichtformate der deutschen Lyrik und heißt

Akzentverse,

zählt NUR die Hebungen im Vers, d. h. die betonte Silben /mit "–" bezeichnet/,
zählt NICHT die Senkungen, d. h. die unbetonten Silben /mit "u" bezeichnet/.
Alle Verse eines Gedichtes MÜSSEN gleich viele Hebungen "–" haben, aber von Gedicht zu Gedicht ist diese Anzahl frei wählbar.
Nehmen wir /nur für Beschreibungszwecke/ noch runde Klammern hinzu, die lediglich besagen, dass der Klammerinhalt ent­weder vorhanden sein oder ganz fehlen kann, dann beschreibt diese Formel unsere Akzentverse:

(u(u))(u(u)) … (u(u))(u(u))

 Mit Worten besagt die Formel, dass zwischen je zwei benachbarten Hebungen höchsten 2 Senkungen stehen dürfen, es genügt aber auch eine oder gar keine.

 

Mini-Häusle-Bau

Ein Stein,
ein Kalk,
ein Bier –
und fertig

u-
u-
u-
u-u

 

Bitte: ein komplettes Gedicht in ungereimten Akzentversen – aber eben "mini"!


Im Plattenbau weiter zur Miete

Ein Stein ein Kalk ein Bier – das wars!
Der Bau wird davon nicht so schnell
auch fertig, denn die Zeit, die rennt,
weil etwas ganz Bestimmtes fehlt.

Denn zu dem Stein, dem Kalk, dem Bier
da braucht es mehr an Maurern noch,
dem Handwerk aber fehlen Kader.
Und teurer wird die Sache ständig:
Kredite schwinden gegen Null;
die Heizungsfrage – ungelöst.

Dann läuft auch noch die Frau davon;
sie hat sich in 'nen Kerl verliebt,
der mit dem Bau'n längst fertig ist!

Die guten Zeiten sind vorbei –
ich bleib im Plattenbau zur Miete!

u-u-u-u-
u-u-u-u-
u-u-u-u-
u-u-u-u-

u-u-u-u-
u-u-u-u-
u-u-u-u-u
u-u-u-u-u
u-u-u-u-
u-u-u-u-

u-u-u-u-
u-u-u-u-
u-u-u-u-

u-u-u-u-
u-u-u-u-u

 

Bitte: Das "Revolutionäre" an diesen ungereimten Akzentversen ist, dass zur besseren Gliederung beliebig Leerzeilen eingeschaltet werden können – und das wäre bei anderen Versarten sonst kaum möglich!

Zum Abschluss die AUFGABE für die verehrten Leser:
Formulieren Sie bitte Inhalt bzw. Aussage der Verse so um, dass statt einzelner Senkungen auch manchmal zwei Senkungen oder /ausnahmsweise/ auch zwei Hebungen hintereinanderstehen!

© elbwolf (27.8.2022)
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Anm: Ungereimte Akzentverse waren bisher zweimal auf "versbildner" eingestellt:
am 16.1.2018 und am 11.8.2021.

Montag, 22. August 2022

Quo vadis, Rundfunkrat?

Abb.: Norwegischer Sendemast,
Trondheim.
GFDL-licensed.
Foto: Alex Brasetvik, 10/2004

Nachdem der italienische Radio- und Amateurfunk-Pionier Marconi (1874-1937) seine um die Jahrhundertwende erzielten Übertragungsweiten von Funksignalen soweit ausgebaut hatte, dass er 1909 gemeinsam mit Braun dafür den Nobelpreis für Physik erhielt, führten schon vor den Weltkriegsjahren die späteren Funker zunächst die Berufsbezeichnung "Marconist" – was für die Angestellten der am 15.4.1912 gesunkenen "Titanic" verbürgt ist.

Von da ist es ein langer Weg bis zu der heutigen Internet-Nachricht dieses Inhalts: "Der Druck auf die Führung des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB)
  wächst. Der Redaktionsausschuss der Landesfunkanstalt hat die Geschäftsleitung nach übereinstimmenden Berichten zum Rücktritt aufgefordert." Die "Funkerei" scheint es bis heute noch an sich zu haben – dass man nämlich sehr leicht "ein kleines l" zwischen ihre Buchstaben schieben kann!
Nennen wir in den folgenden Versen die betreffende "anfällige Truppe" der Einfachheit halber mal "Rundfunkrat", da diese Wortbildung so unrealistisch ist, dass sie i. Allg. niemand auf den Senkel gehen dürfte.

./.
  

Quo vadis, Rundfunkrat?

Ihr staunt mit mir – wen man gebeten
als Mitglied in den Rundfunkrat?
Ihr seid – wie ich – jetzt auch betreten,
was man im Hohen Rat so tat?
Man spielte Ball dort mit viel Drall
und kam dann prompt auch vor den Fall!

Jetzt geht es wieder demokratisch!
Geschrei – nicht mehr als mittelgroß,
der Rat höchstselbst ­– nicht mehr apathisch,
sonst wären sie die Posten los.
So kommt's, dass Rücktritt wie Entlassung
kaum jemand bringt aus seiner Fassung.

Der Hörer kommt auf keine Kosten,
so einfältig ist das Programm,
bei dem die Stücke längst schon rosten:
man fühlt, dass "die" nichts andres hamm!
Lebt nur der Rundfunkrat wie Maden ...
wir schalten aus – wird uns kaum schaden!

© elbwolf (21.08.2022)

Dienstag, 16. August 2022

Die Reiter der Apokalypse

Wasnezow W. M. (1848-1926):  Die vier Reiter der Apokalypse (1887);
Standort: Glinka-Museum; via Wikimedia Commons; Liz.: gemeinfrei.

Die Reiter der Apokalypse

Die Welt ist lange nicht im Gleichgewicht –
das zeigen an die vier besondren Reiter.
Geht irgendwann die Hoffnung nicht mehr weiter,
erhebt der Tod sein fahles Angesicht.

Der Reiter mit der Waage bringt die Not –
die Menschen haben Durst und nichts zu essen;
fast scheint, als hätte sie ihr Gott vergessen,
den sie doch baten um ein Stück vom Brot.

Der Reiter mit dem Schwerte schürt den Streit;
er nimmt der Welt den Frieden, ist der Schlächter.
Die Antwort auf Verzweiflung ist Gelächter:
er mag die Menschenkinder tief entzweit.

Der Reiter mit dem Bogen hofft auf Sieg –
er kämpft für Freiheit und gerechte Zeiten,
doch kann der Sieg ihm durchaus noch entgleiten:
noch wird die Welt ringsum beherrscht vom Krieg.

Wird irgendwann sich alles friedlich zeigen,
werd ich mich liebend gern vor euch verneigen!

© Luzie Rudde

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