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Hans Thoma (1839-1924): Mai (Monatsbild aus dem
Festkalender)
Mappenwerk, Seemann
Verlag Leipzig; via wikimedia.commons; gemeinfrei.
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Der alte Winterzausel ist vertrieben;
die Blumengeister ziehen durch die Welt:
und unterm lichten, blauen Himmelszelt
sich Blütenblätter aus den Knospen schieben.
Die Maienkinder winden Blumenkränzchen –
Schalmeien spielen auf zum frohen Tänzchen.
Der Bub fasst sich die Maid, schwingt sie im Kreise;
sie drehn sich lachend unterm Maienbaum
und träumen ihren eignen Frühlingstraum.
Das Jauchzen in den Stimmen hört man leise.
So lassen wir den Beiden ihr Vergnügen;
sie werden wohl zu zweien sich genügen.
Im Mai legt jedes Vögelchen ein Ei.
So wurde es uns schon als Kind beschrieben.
Geändert hat sich nichts, so ists geblieben –
Wohlan, auch Menschlein sind im Mai dabei.
Wo immer auch wird Leben angelegt,
es wird, wenn's da ist, lieb und gern gepflegt.
Nach vorn, es ist nun endlich an der Zeit;
begrüßen wir den Mai mit frohem Sinn.
Das Grünen der Natur ist schon Gewinn;
und diese spricht nun voller Heiterkeit:
"Ich lass für euch die kleinen Glöckchen läuten,
Ihr ahnt es wohl, was dies hat zu bedeuten."
Die Sonne wird am Tage länger scheinen;
den Bauern zieht es nun hinaus aufs Feld –
die Zeit, sie drängt, der Acker wird bestellt
und Schlüsselblumen blühn an Feldes Rainen.
Der Wonnemonat steht für uns bereit.
Lasst euch nicht bitten – freut euch dieser Zeit.
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