Hier schreiben Hobbydichter für Lyrik-Freunde – meist Gereimtes und nur Druckreifes! Willkommen also, viel Vergnügen mit unseren Gedichten und deren Bebilderung!

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Bereits seit Jahresbeginn bringen wir neue Folgen an Kalenderblättern und Monatsbildern. Darum herum dann das, was sich an Einfällen so ergibt – man wird sehen! Nun ja, was man auch sieht: wir "unterschlagen" seit einer ganzen Weile auch einen gewissen Anteil an sanfter Erotik nicht länger - die Zeiten sind eben so ...

Wir teilen den Lesern unseres Versbildners mit und bitten um Verständnis, dass wir auch weiterhin das monatliche Angebot auf 6 Beiträge beschränken - die Kontaktarmut dieser Zeit bringt leider auch eine gewisse Ideenarmut mit sich. Neueinstellungen erfolgen damit um die Kalendertage des 1., 6., 11., 16./17., 21./22., 25.-27. eines Monats.

Donnerstag, 9. August 2018

Neues und Altes (2 Trioletts)

 Noch "alt"?          Schwäbisch Hall, Unterlimpurger Straße 81           Schon "neu"?
links: Aus einem Blatt von Friedrich Reik (1836-1904), ~1900; via wikimedia.commons;  gemeinfrei
rechts: heutiger Zustand; Foto+©: Tilman2007, Aufnahme 20.8.2016; Liz.: CC BY-SA 4.0

Neues und Altes

Pro –  Neues (Triolett, trochäisch)

Lasst uns doch das Neue loben!
Merkt: der Segen kommt von oben,
heute wie am ersten Tag –
lasst uns doch das Neue loben!
Selbst wer anfangs nicht gleich mag,
ist der Sache nicht enthoben,
und am Ende sagt er zag:
lasst uns doch das Neue loben!


Contra – Nur Neues (Triolett, jambisch)

Wir möchten nicht nur stets das Neue,
denn irgendwann packt uns die Reue,
was da an Altem untergeht.
Wir möchten nicht nur stets das Neue,
Das Altbewährte wird verweht,
drum retten wir's mit Bauernschläue,
auf dass es wieder aufersteht –
wir möchten nicht nur stets das Neue!

elbwolf, 5. Juli 2018
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Legende:
Das Triolett gibt es in der deutschen Lyrik seit dem 18. Jh. – es ist selbst schon ein Gedicht, hat 8 Verse (Vierfüßler, jambisch oder trochäisch) mit nur 2 Reimen (a, b; einer männlich, der andere weiblich; egal, welcher beginnt). Der erste Vers kehrt in der 4. und der 8. Zeile wörtlich wieder und heißt Schaltvers. Bezeichnet man ihn mit einem Großbuchstaben, dann lautet das Reimschema: AabAbabA.
Wir vom "versbildner.blogspot.de" posten Trioletts zum wiederholten Male und finden, dass sie sich besonders für Paare solch einstrophiger Gedichte eignen, die etwas Gegensätzliches behandeln – was in den Schaltversen auch seinen besonderen Akzent findet.

Sonntag, 5. August 2018

Der Gesang (4) – Tingeltangel

Henri de Toulouse-Lautrec (1864-1901): Tanzcompagnie von Mlle. Églantine
Plakat (Farblithografie), 1896; Gemeinfrei (PD-old)
Der Gesang (4) – Tingeltangel

          Das Moulin Rouge galt als Ondit –  
          ein Traum um Neunzehnhundert
          da war man nicht verwundert,
          dass viele Männer mit Esprit
          es zog in dieses Varietee.
 
          Den Wunsch, einmal dort Gast  zu sein,
          wer konnt sich den erfüllen
          und seine Sehnsucht stillen;
          einmal ein großer Mann zu sein --
          zu gehn ins Separee …

          Den Meisten blieb das Utopie,
          begnügten sich mit Bildern,
          die solche Szenen schildern,
          verließen ihre Frauen nie
          zu Hause auf dem Kanapee.

                                                       © lillii ( Luzie-R)

Henri de Toulouse-Lautrec:
Yvette Guilbert begrüßt das Publikum (1894)
Standort: Albi, Museum Toulouse-Lautrec
The Yorck Project Nr. 9720; Gemeinfrei.
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Anm.: bereits am 2.8.2018 veröffentlich im
Seniorenportal u. d. Titel "Männerträume"

Mittwoch, 1. August 2018

Kalenderblatt 08/2018 (Renate Totzke–Israel a. G.)



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©  Renate Totzke-Israel
(Illustration zu Branstners
Die Ochsenwette, 1982³)
 ©  Wolfgang H. (Verse)



Die teuer bezahlte Ruhe  /chinesische Anekdote/
Ein Geizhals liebte über jedes Maß      
sein Geld, doch mehr noch seine Ruh! 
Die galt ihm stets als ein Tabu,                      
er war bestrebt, dass niemand das vergaß!
Doch war vom Schicksal ihm beschieden:
er war der Nachbar von zwei Schmieden!

Der Kupferschmied, der hämmert Tag für Tag,
der Eisenschmied so laut es ging –
dazwischen unser Sonderling.
Der widerstand nicht länger solcher Plag,
und bot den Schmieden zu bezahlen:
ein Umzug endet seine Qualen.
Die Schmiede nahmen gern des Geizhals Geld
und sagten ihm mit etwas Spott,
sie seien um ein Haar bankrott,
doch sähen sie voll Mut nun in die Welt!         
Dabei kaum raus, wie sie so plauschten,
dass sie die Schmieden jetzt nur tauschten!

Der Geizhals wurde puterrot vor Groll:
sein Geld war nutzlos nun vertan;
er selbst stand da als Dummerjan –
darüber war er so des Unmuts voll,
dass auf der Stelle unumwunden
er ewigliche Ruh gefunden.