Hier schreiben Hobbydichter für Lyrik-Freunde – meist Gereimtes und nur Druckreifes! Willkommen also, viel Vergnügen mit unseren Gedichten und deren Bebilderung!

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Bereits seit Jahresbeginn bringen wir neue Folgen an Kalenderblättern und Monatsbildern. Darum herum dann das, was sich an Einfällen so ergibt – man wird sehen! Nun ja, was man auch sieht: wir "unterschlagen" seit einer ganzen Weile auch einen gewissen Anteil an sanfter Erotik nicht länger - die Zeiten sind eben so ...

Wir teilen den Lesern unseres Versbildners mit und bitten um Verständnis, dass wir auch weiterhin das monatliche Angebot auf 6 Beiträge beschränken - die Kontaktarmut dieser Zeit bringt leider auch eine gewisse Ideenarmut mit sich. Neueinstellungen erfolgen damit um die Kalendertage des 1., 6., 11., 16./17., 21./22., 25.-27. eines Monats.

Montag, 14. Januar 2019

Wort-Akrostichon nach Goethen

1 Tagewerk vermutlich zweier Fresken-Maler, die über Kreuz arbeiteten 
(einer malte die Floralornamentik, der andere die Tiere), von ca. 1180 (Romanik).
Autor: Markoz, Foto: 11.12.2014; via wikimedia.commons; Liz.: CC BY-SA 3.0

Doppeltes Wort/Strophen-Akrostichon
 (nach einem Vers von J. W. v. Goethe)

Ein  

Tag hat seine vierundzwanzig Stunden
wie soll man die bloß füllen? Was tu


ich
Guter
selbst? Frühes Aufstehn sichert Schwung,
der dann auch halten müsste bis an


den
Abend
hin, und das bedeutete, einen vollen lieben langen Tag! Wie stets im großen


Ganzen
kommt
es darauf an, sich niemals zu verlieren:
schnell vertrödelt ist er nämlich, der helle


Tag.
Heran
schleicht sich die Dunkelheit; unvollendet
liegenbleibt, was bis dahin noch nicht


getan.
Wenn
wir uns hielten an die großen Vorbilder – 
dazulernen könnten wir auch von unsrem


Goethe

elbwolf, 13.11.2018
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→ Lit.: STUMMER, S. 106/7

Donnerstag, 10. Januar 2019

Januar – Ein Monatsbild

Hans Thoma (1839-1924): Januar (Monatsbild aus dem Festkalender)
Mappenwerk, Seemann Verlag Leipzig; via wikimedia.commons; gemeinfrei.

Janus /Terzinen/

Auf Wolken stehend, schaut er nun herab;
streng herrscht er über diesen ersten Mond;
in seiner Hand trägt er den Janusstab.

Mit ihm zeigt er uns Macht, die nichts verschont;
denn dieser Stab trägt immer zwei Gesichter:
Vergangenheit und Zukunft – altgewohnt.

Wir säh'n in Stab wie Herrscher gern den Dichter,
der uns mit Versen Unbekanntes deutet
und von Vergangenem sei der Berichter.

Der Janus wird beständig treu begleitet
von Vater Frost: der lässt nicht lang sich bitten
und hat vor uns den Schnee schon ausgebreitet.

Die Kinder rodeln freudig auf dem Schlitten.
Erholungsschlaf braucht dringlich die Natur –
auch sie hat manchen Schaden schon erlitten;
Gott Janus bringt zurück sie in die Spur.

© lillii (Luzie-R )

Samstag, 5. Januar 2019

Epigramme/3 – auf jüngste Aussprüche Großkopfeter

French political cartoon (1814): Le cabinet littéraire en plein vent
Standort: Bodleian Libraries, Oxford; via wikimedia.commons; gemeinfrei
Notabene:
Nach den Epigrammen auf Kontaktanzeigen und auf Politikerwitze sollen heute die "Großkopfeten" selber beim Wort genommen werden. 
Das lyrische Genre der Epigramme beansprucht öffentliche Meinungsfreiheit, weil es sich per se gegen jedwede Anschuldigungen behaupten kann, wie fortgeschritten moderne Maulkorb-Verteilungs-Systeme auch bereits wieder gediehen sein mögen. Und von UNWAHRHEITen kann ja hier wirklich nicht die Rede sein, da die Großkopfeten höchstselbst als Quellen "gebeten" werden.

(1)
Bundespräsident Steinmeier sagte nach einem Besuch bei den Rodlerinnen Februar 2018 im olympischen Pyeongchang:
"Am aufregendsten fand ich es, als mir die Rodlerinnen angeboten haben, auf dem Doppelschlitten mal mit runterzufahren."

Gut getan, Termine vorzuschützen,
statt im Eis die Rinne langzuflitzen!
Kurvenreich ist sie und recht gefährlich,
für den Staatsmann deshalb zu beschwerlich.

(2)
Bundesverkehrsminister Scheuer erklärte am 25.4.2018 nach einem Besuch des weiter im Bau befindlichen Hauptstadtflughafens BER:
"Ich akzeptiere es nicht, wenn die Welt über diese Baustelle lacht."

Na schön – sie lacht nun aber mal, die Welt,
so schallend, dass es in den Ohren gellt!
Und wem das mit dem BER partout missfällt,
der frage noch: wohin fließt all das Geld?

(3)
Altbundeskanzler Gerhard Schröder erwiderte im November 2018 auf die Frage, warum er nicht zurück in die Politik gehe:
"Ich finde keinen Ortsverein der SPD, der mich vorschlägt."

Da hat seit Schröders Abgang aus der Kanzlerschaft
sich von der SPD wohl zu viel abgeschafft …

(4)
Die Bundeskanzlerin sagte in ihrer Abschiedsrede als CDU-Bundesvorsitzende am 29.10.2018 auf dem Parteitag in Hamburg:
"Wir haben uns auch gegenseitig etwas zugemutet. Ich Euch. Aber ich erlaube mir zu sagen, dass es auch - ganz, ganz selten natürlich - auch mal umgekehrt war."

Den eignen Streitern - manches zugemutet,
dagegen andersrum hat kaum jemand geblafft.
Doch wie ergreifend man ins Horn jetzt tutet –
wir andern sind zum großen Teil geschafft.

(5)
Bundesinnenminister Seehofer (CSU) erklärte im Juli 2018 vor einem CDU/CSU-Spitzentreffen:
"Ich lasse mich nicht von einer Kanzlerin entlassen, die wegen mir Kanzlerin ist."

War's der, dem man was "zugemutet" hatte?
Der dann als Einziger gedreht den Spieß?
Schnell ward die Sache dann verpackt in Watte
und keiner mehr "ein Spielverderber" hieß.

(6)
Am Rande eines Besuchs von Bundes­präsident Steinmeier in Südafrika sagte dessen Präsident Cyril Ramaphosa auf einer Pressekonferenz:
"Deutsch verstehe ich nur am Donnerstag."

Der Bundespräsident wahrt Etikette,
nur für den Rückbesuch ist er doch zag:
denn Afrikaans versteht – was gilt die Wette? –
er selber weder Diens- noch Donnerstag!

(7)
Die britische Premierministerin May "warb" auf dem Sondergipfel zum Brexit am 25.11.2018 mit diesen Worten:
"Das ist der beste mögliche Deal. Es ist der einzige mögliche Deal."

Wenn wir an Möglichkeiten eine zählen,
dann kann das automatisch nur die beste sein!
Denn gäb es zwei – so müssten wir ja wählen,
da haben wir bei einer ausgesprochen Schwein.

elbwolf, 4.1.2019
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Die verwendeten Aussprüche stammen aus der Zusammenstellung "Gesagt, getan – Zitate des Jahres", die am 30.12.2018 auf der Titelseite des Magazins der Sächsischen Zeitung erschien. Da kein Bearbeiter oder Verantwortlicher genannt wird, ist davon auszugehen, dass der Redakteur des Magazins verantwortlich zeichnet. Von den insg. 18 Zitaten wurden folgende nicht berücksichtigt: Donald Trump, Bill de Blasio, Elon Musk, Jimmy Kimmel, Alexander Gerst, Sebastian Wood, Alexander Gauland, Silvio Berlusconi, eine unbekannte Chemnitzerin, der Papst und Feine Sahne Fischfilet.

Dienstag, 1. Januar 2019

Kalenderblatt 01/2019 (Dietmar Kunze als Gast)





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   Im Weinberg                                                                        © Dietmar Kunze, Radebeul



Von fern gesehen sind es kahle Hänge,            
durchzogen nur von sonderbaren Reihen,         
doch Rebengrün deckt bald dort das Gestänge.

Der Rebstock wird – wie immer – gut gedeihen 
bloß darf man eben nicht an Aufwand sparen,   
Natur nicht mangelnden Respektes zeihen.       

Die Steige scheinen steiler mit den Jahren …    
der Winzer aber hegt ererbte Plätze,                  
denn eines hat er lange schon erfahren:             

Er weiß um seines Weinbergs wahren Schätze!

   Weinberg-Befahrung, Radebeul        via Wikimedia
© W. Herrmann    

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Januar / Im Weinberg

Es ist für mich jedes Mal ein Erlebnis, besonders im Winter wenn Schnee liegt, unsere Wein­berge zu durchstreifen. Dabei ist faszinierend, wie diese künstlich geschaffene Terrassenland­schaft unter Bezug auf Höhenlinien den Hang horizontal gliedert. Das Interessante dabei sind die vertikal angelegten steilen Treppen, die funktionell die Nutzbarkeit der einzelnen Wein­felder ermöglichen. Damit ergeben sich Schneisen mit steil aufragenden Natursteinmauern zur Linken und zur Rechten. Besonders reizvoll sind die Entdeckungen von so genannten "sekun­där" versetzten, behauenen Sandsteinen, d. h. Steine, die ehemals eine andere Funktion hatten, aber zum Wegwerfen zu schade waren. Auch damals wurde gespart.

Die grafische Gliederung wird oft unterstützt durch Unterstände bzw. Aussparungen in den Stützwänden, die dem Winzer bei Schlechtwetter Schutz vor Regen und starken Winden boten. Ein Schluck vom Selbstgemachten mag ihm dabei durchaus die Zeit vertrieben haben. Trotzdem ist der Aufstieg schweißtreibend und manchmal auch "atemberaubend", wie auch der Ausblick auf unsere Stadt.

Architekt Dr. Dietmar Kunze, Radebeul
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Das Team von "Versbildner.blogspot.com" bedankt sich beim Künstler und Autor für Original­zeichnung und begleitenden Text sowie bei der Redaktion der Radebeuler Monatshefte "Vor­schau & Rückblick" für die Vermittlung dieser Zusammenarbeit. Das hinzugenommene Farbfoto zeigt nicht nur die bloße – manchmal sogar wenig romantische – Realität, sondern vermittelt eine Vorstellung von Auffassung und Abstraktionsvermögen des Künstlers, das Typische und Wesentliche seines Motivs wiederzugeben.
Das beigefügte Gedicht "Der Weinberg" ist eine dreistrophige Terzine.

Unser Blog stellt Besuchern das aktuelle Kalenderblatt ab jedem Monatsersten zur Verfügung. Interessierte können es sich nach Umkopieren auf zwei A4-Seiten Word (die Seitenränder sind dabei an allen Seiten auf 2 cm einzustellen) im Duplexdruck auf ein A4-Blatt herausdrucken.