Hier schreiben Hobbydichter für Lyrik-Freunde – meist Gereimtes und nur Druckreifes! Willkommen also, viel Vergnügen mit unseren Gedichten und deren Bebilderung!

Am 9. Oktober 2020 hatten wir unseren 475. Beitrag in den Blog gestellt!

Bereits seit Jahresbeginn bringen wir zwei neue Folgen an Kalenderblättern und Monatsbildern. Auch ein bisschen Jux möchten wir mit der spöttischen Serie über die Tierkreiszeichen weiter am Laufen halten. Und darum herum im November eben das, was sich an Einfällen so ergibt – man wird sehen! Nun ja, was man auch sehen wird: wir "unterschlagen" neuerdings auch einen gewissen Anteil an sanfter Erotik nicht länger - die Zeiten sind eben so ...

Dienstag, 1. Dezember 2020

Kalenderblatt 12/2020 - Der Maler Paul Poetzsch

Paul Poetzsch (1858-1936)           Mieders in Tirol (Stubaital), 1900

 


   ↑ Bild: via Wikimedia Commons                                                               ↑ © Text: W. Herrmann

 Hinweis

Dieses Bild beschließt unsere Jahresreihe an Kalenderblättern
 mit Wiedergaben von Bildern des Dresdener Malers Paul Poetzsch,
die bis auf das August- und das Dezemberbild sonst in Bezug auf
  ©-Fragen vollumfänglich bei Herrn Lutz Käubler, Dresden, liegen.
Diese letzte Wiedergabe hier geschieht via Wikimedia Commons
und basiert auf dem Status "Public Domain".


Kalenderblatt 12/2020 - Der Maler Paul Poetzsch
Paul Poetzsch (1858-1936)
Mieders in Tirol (Stubaital), 1900

Samstag, 28. November 2020

Tierkreiszeichen/11: Schütze – Teamwork

Als wir zur Verabschiedung des alten Jahres schon einmal ein solches Bilder-Tableau entwarfen – und zwar zum doppelgesichtigen Janus – entstand der Gedanke, es monatlich über ein Jahr hinweg mit den Tierkreiszeichen genauso zu versuchen und mit einem "Ulk"-Horoskop zu verbinden. Zudem fiel uns auf, dass von den zwölf Tierkreiszeichen die Mehrzahl (nämlich acht) ohne weibliches Pendant sind, die Jungfrau unbemannt ist, die letzten drei dagegen (modern aufgefasst) geradezu divers wirken. Hier haben wir es mit "Schütze/Schützin" zu tun. Augenzwinkernd also mit Schütz*innen!

Schütze / Sagittarius
vom 23.11.2020 ← gültig → bis 20.12.2020

(Zeitraum des scheinbaren Sonnendurchgangs) 



  Schütz*innen

Schütze-Geborene sind Optimisten.
Ehrlich, dynamisch und zielstrebig meist.
Selbst Toleranz ist da mit aufzulisten,
die ihnen Wege im Leben verheißt.

© Manfred Albert a. G.                

"Wer mag denn nur der Schütze sein in dieser hohlen Gasse?"
© Manfred Albert a. G.: originale PC-Grafik, 10/2020

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Quellen zu den Bildern im Schütze-Tableau ganz oben 
(sämtlich lizenziert und via Wikimedia Commons):
links: Sternbild des Schützen, Foto: Till Credner, 17.08.2004; © CC BY-SA 3.0.
oben: am linken Portal der Kathedrale von Amiens; Foto: Vassil, 18.04.2007.
unten: Book of Hours, the Fastolf Master, Bodleian Library, Oxford, ~ 1440-1450.
rechts: Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz; Faltkalender ~1400

Die PC-Grafiken wurden vom Autor mit einem eigenen Grafikprogramm erstellt.

Dienstag, 24. November 2020

Graue Tage

John Atkinson Grimshaw (1836-93; Leeds): November (1879);
Foto: Christie's (2010); via Wikimedia Commons; gemeinfrei.

 Graue Tage

Die grauen Tage haben ihren Charme:
verwischte Bilder in der Dämm'rung sehen,
wenn letzte Blätter von den Zweigen wehen –
so zeigt der Herbst uns seinen langen Arm.

Im letzten Licht tanzt noch ein Mückenschwarm;
ihm fehlt Bezug zu jeglichem Geschehen.
Ich seh den Mond beim Spiegeln sich ergehen –
Dank, dass die Pfütze seiner sich erbarm!

Am Horizont die letzten Sonnenstrahlen
bewirken einen rosaroten Schimmer,
um gegen Mondeslicht damit zu prahlen.

Die nasse Straße überzieht ein Glimmer:
fantastisch; traumhaft; überraschend schön –
so möchte ich die grauen Tage sehn.

© lillii  (Luzie-R)

Samstag, 21. November 2020

Bekämest du ein zweites Leben … /Sonett/

Holzschnitt aus Camille Flammarion: L'Atmosphere - Météorologie Populaire (1888).
col.: Heikenwaelder Hugo, Wien 1998; via Wikimedia Commons; Liz.: CC BY-SA 2.5.

 

Betrachtung der Zeit
Mein sind die Jahre nicht, die mir die Zeit genommen;
Mein sind die Jahre nicht, die etwa möchten kommen;
Der Augenblick ist mein, und nehm ich den in acht,
So ist der mein, der Jahr und Ewigkeit gemacht.

Andreas Gryphius (publiziert p. m. 1698)

 

  Bekämest du ein zweites Leben … 

– englisches Sonett –

Unmerklich geht die Zeit, jedoch prophetisch
erinnernd stets, sie sei nicht umkehrbar;
wenn du sie rückwärts drehtest, hypothetisch,
wär nicht ein zweites Leben schön fürwahr?

Du grübelst lange über diesen Fragen
befindest schließlich mit Entschiedenheit –
manch Umstand würdest du erneut ertragen,
verhieltest dich genau wie seinerzeit.

So lehrt das Leben dich nicht auszuweichen;
nach Umkehr stünde dir der Sinn nicht sehr;
du ließest manches Mal etwas verstreichen,
in andrem ändertest du dein Begehr.

Doch jeden seltenen Moment an Glück,
den hieltest du als Kostbarkeit zurück.

© elbwolf (27.11.2009; geändert 22.10.2020)

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Anmerkungen zu Bild und Motto:

● Es ist nicht einfach, eine Illustration zum Thema zu wählen, für dessen philosophisch-mystische Seite natürlich Reinkarnation und Auferstehung in Betracht kämen. Da aber hier doch das Spekulative überwiegt, scheint mir, der Neugier auf alles noch Unentdeckte nachzugeben, ein durchaus passendes Motiv zu sein. Deshalb also die Wahl von Flammarions Holzstich gen. 'Der Wanderer am Weltenrand' (1888); ich sehe ihn im Kontext der rationalen Überprüfung von Weltanschauungen, also im Kontext der Aufklärung.
/ → Wikimedia Commons /

● Gryphius' Vierzeiler 'Betrachtung der Zeit' als Motto zu wählen, fand ich unwider­stehlich, als mir die Ausgabe 'Deutsche Dichtung des Barock' (Hg. Hederer) für den Europäischen Buchklub (liz./© Hanser Verlag, 1965) in die Hände kam (dort S. 87).
Andreas Gryphius (eigentlich Greif; 1616-64, Glogau) stand als Syndikus in den Diensten der Stände des schlesischen Fürstentums Glogau. Er gilt als Lyriker und Dramatiker, bezeichnete sich selbst als Philosoph und Poet. Quelle für das Kurz­gedicht ist wahrscheinlich die erst post mortem erschienene Ausgabe seiner "um ein merkliches vermehrte Teutsche Gedichte" des Verlags Fellgiebelische Erben,1698.

Dienstag, 17. November 2020

Monatsbild November mit "La Belle Jardinière"

Eugène Grasset (1845-1917): Monatsbild November ("La Belle Jardinière", 1896)
via Wikimedia Commons; gemeinfrei


A brunette woman, wearing a yellow dress with a yellow sash
around waist, bends over to observe and touch dark orange
flowers. She stands on the path of a garden; a large bear tree
to her left; in a diamond wreath; upper right: NO / VEM / BRE

/Text laut Grafik-Slg. des Smithonian Design Museums/


 
Monatsbild November mit der
'Belle Jardinière' von Eugène Grasset

Der Übergang zum Herbst ist nun vollzogen;
die Nebelschwaden wehen übers Land
und die Natur hüllt sich in neu Gewand;
die Vögel sind schon längst gen Süd geflogen.

Novembermonat zieht den Jahresbogen
dem Ende zu, die Zeit hat nicht Bestand.
Viel trübe Tage, Stürme sind Garant,
dass dieser Mond dem Winter ist gewogen.

Die Ruhepause der Natur beginnt.
Verliert ein jeder Baum sein Blätterkleid,
dann ist es bis zum Winter nicht mehr weit.

Gut, dass die Gärtnerin sich drauf besinnt,
wie viel ihr bleibt im Garten sich zu mühen,
damit im Frühjahr neu die Blumen blühen.

© lillii (Luzie-R.)
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Zum Künstler:
Eugène Samuel Grasset (* 25. Mai 1845 in Lausanne; † 23. Oktober 1917 in Sceaux bei Paris) war ein schweizerisch-französischer Bildhauer, Maler und Illustrator der Belle Époque und Wegbereiter des Jugendstils. Seine grafische Serie "Die Schöne Gärtnerin" war ein Welterfolg.

Freitag, 13. November 2020

Wenn du mich magst (mit L. Winrich a. G.)

Foto & © Vaniliza: Liebesbrücke (11.10.2018; Region Šumadija, Zentralserbien)
via Wikimedia Commons; Liz. CC BY-SA 4.0

Wenn du mich magst

Wenn du mich magst,
dann lass mich leben,
erdrück mich nicht mit deiner Last.
Was nützt es dir,
wenn ich mich beuge
und du mich dann verloren hast?

Wenn du mich magst,
dann lass mich atmen!
Angst höhlt mich aus
und engt mich ein.
So, wie du wolltest, dass ich wäre,
so könnt ich ohne Ängste sein.

Wenn du mich magst,
dann lass mich lachen,
auch wenn du meinst,
das steht mir nicht.
Ich bin so froh in jenen Stunden
und Sorge hat dann kein Gewicht.

Wenn du mich magst,
dann lass mich leben!
Verform mich nicht
nach deinem Bild !
Ich müsste eine Maske tragen
und für die Seele einen Schild.

 

Wenn du mich magst,
dann lass mich lieben
auf meine Art,
die dir zu bang.
Die großen Flammen lodern heller,
die kleinen dafür wärmen lang.

© L. Winrich a. G.      

Montag, 9. November 2020

Der Seele Atem

Edward Poynter (1836-1919): Psyche in the Temple of Love (1882); Public Domain;
Walker Art Gallery (Liverpool); via Wikimedia Commons & Google Art Project.


  Der Atem der Seele

Dem Eros, Gott der Liebe, immerzu begehrlich,
steht Psyche als der Seele Atem gegenüber;
sie stellt auch niemals etwas anderes darüber,
verhielte sich nur immer Eros zu ihr ehrlich.

Ach zügle, Eros, die Begier, gib Seele Raum –
im wilden Sturme wird die Buhle nicht erglühen;
lass ihr noch Zeit und bald schon wird sie Funken sprühen –
für sie sind Liebeswonnen mehr als nur ein Traum.

Sie will, wenn du sie hast so ganz für dich gewonnen,
dir Labsal sein und dich vor Ärgernis bewahren.
Sie ist dir gut, ihr Lebenshauch schützt vor Gefahren –
und mit der Zeit ist sie dir ewig wohlgesonnen.

Der Seele Atem ist ein Teil der Ewigkeit –
wer das erkennt, dass Atem ist der Psyche Kleid,
der hastet nicht; er nimmt sich ganz bewusst die Zeit.

© lillii (Luzie-R)

Donnerstag, 5. November 2020

Das Jahr 2020 im Sauseschritt – oder?

Foto + © Magnus Ullmann: Heuschreckenschwarm im SW von Marokko, Nov.2004.
via Wikimedia Commons; Liz. CC BY-SA 3.0.
(kein schlechter Vergleich mit einem Viren'schwarm', nur größer und sichtbar)


 Das Jahr 2020 im Sauseschritt – oder?

Grad eben war das Neue Jahr
mit eitlen Plänen angebrochen,
da kam das Virus angekrochen –
erst solo, dann als ganze Schar.
Nun scheiterte die alte Planung
und jeder Nerv lag blank fürwahr,
denn bald ergriff uns eine Ahnung …

… zu Ostern ist das nicht vorbei!
Das wird wohl eine Weile dauern,
wir alle werden schnell versauern –
erscholl ringsum ein Wehgeschrei.
Doch ehe wir's uns recht besahen
kam schon der Lockdown-Monat Mai:
den hatte man schlicht zu bejahen …

… begann danach doch Urlaubszeit,
die Zeit der wundervollen Reisen
mitsamt der Gourmet-Götterspeisen –
man tut sich doch nicht selber leid!
Doch klebt als Regel eine Strähne
voll Pech am Urlaubsend-Bescheid:
Erholung schließt mit Quarantäne …

… so dass das Volk bald Lockrung will,
mit Partys, Demos und mit Spielen
die gerne aus dem Rahmen fielen –
man hielt doch schon so lange still!
Die angedrohte zweite Welle
der Viren käme laut und schrill
und keineswegs als Bagatelle …

… was stimmt: der neueste Lockdown
der raubte, statt dass er uns stärkte,
zuallererst die Weihnachtsmärkte –
wo wir so gern ins Glas reinschaun!
Verhalten wir uns wie die Braven
und haben wir mehr Selbstvertraun,
sonst schickt man uns zum Winterschlafen …

© elbwolf (04.11.2020)

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Anmerkung:
Das Gedicht ist aus Septetten (7-versige Strophen) gebaut, die als einzelne lyrische Form in den Verslehren nicht geführt werden. Für die 7 Verse sind 3 Reimsilben erforderlich, wobei der Mitreimer eines Reimwortes spätestens in der 3. Folgezeile auftritt.
Es sind zwei unterschiedliche Reim-Varianten möglich, von denen wir eine bereits vor über einem Jahr im Gedicht "
Lange Leitung – kurze Leitung" vorstellten. Hier nun die andere:

Zwei selbständige Quartette abba acac werden zu abbacac zusammengezogen, wobei der Inhalt der zwei mittleren Verszeilen mit a-Reim zu einer verdichtet wird.

Sonntag, 1. November 2020

Kalenderblatt 11/2020 - Der Maler Paul Poetzsch

Paul Poetzsch (1858-1936)           Neapel, Stadtteil am Golf mit Fischerbooten; 1887/89

 


   ↑ © Bild: Lutz Käubler (s. u. Hinweis)              *18 = nur Sachsen     ↑ © Text: W. Herrmann

 Hinweis
Das ©-Right für das von Paul Poetzsch gemalte Bild liegt
 – zusammen mit der Verantwortung für Bildbenennung und -datierung 
vollumfänglich bei Herrn Lutz Käubler, Dresden.
Diese Wiedergabe entspricht einer einmaligen Gestattung durch den ©-Inhaber
wegen ihrer nicht-kommerziellen Verwendung auf "Versbildner"
und ist nicht einer Lizenzierung nach CC BY-SA 2.0-4.0 gleichgestellt!


Kalenderblatt 11/2020 - Der Maler Paul Poetzsch
Paul Poetzsch (1858-1936)
Neapel, Stadtteil am Golf mit Fischerbooten; 1887/89

Anmerkung:
Die Stadt Neapel gilt seit jeher als »magischer«, besonderer Ort.
Der Italiener sieht Neapel als ein auf die Erde gefallenes Stück Himmel, während es
in Deutschland und Frankreich bis ins 19. Jahrhundert als Sitz der Zauberei
und der Nekromantie (Totenbeschwörung; als Form von Spiritismus) betrachtet wurde
.