Unser Blog ist von Hobby-Poet*essen für Lyrik-Liebhaber, darunter auch für anspruchsvolle! Wir führen ihn im kleinen Team und - der Vielfalt wegen - mit persönlich eingeladenen Gästen.
Allen Besuchern - herzliches Willkommen und viel Vergnügen bei/mit unseren Gedichten und Bildern!
Im Januar 2019 beginnen neue Serien an Kalenderblättern mit den Grafiken eines Radebeuler Architekten und an Monatsbildern mit dem Zyklus von Hans Thoma. Wir bringen eine weitere Folge Epigramme.
Und dann schauen wir mal weiter - im neuen Jahr!

Freitag, 18. Januar 2019

Das Jahr begann

Sascha Schneider (1870-1927):  Friede auf Erden, 1904
(Titelbild zu Karl Mays Und Friede auf Erden; "Sascha-Schneider-Ausgabe" von 1904)
via: wikimedia.commons; gemeinfrei.

Das Jahr begann

Die Tage und das Jahr gehn schnell dahin.
Zu halten ist nicht einmal eine Stunde.
Es war doch eben erst Neujahrsbeginn,
vorbei die wilde Jagd mit einem Dschinn –
als alle Geister machten ihre Runde.

Drei Könige, sie sind schon längst erschienen,
sie huldigten dem Herrscher dieser Welt;
Geschenke brachten sie um ihm zu dienen;
derweil zwölf Menschen sterben in Lawinen,
ist vielerorts Ernährung schlecht bestellt.

Noch ist das Jahr nicht weit vorangeschritten,
es steht am Anfang seiner neuen Frist.
Es wird gelacht, geweint und auch gestritten;
und weiter geht die Zeit mit kleinen Schritten –
für Juden, Moslems, Christen und Buddhist.

Die Menschen träumen sich weit fort von Kriegen;
sie bringen Unheil über Volk und Land;
wo Kinder sterben schon in ihren Wiegen.
Ein Wunder wärs, wenn Eintracht würde siegen;
und diese hätt' für alle Zeit Bestand.


© lillii ( Luzie-R; 12.01.2019)

Montag, 14. Januar 2019

Wort-Akrostichon nach Goethen

1 Tagewerk vermutlich zweier Fresken-Maler, die über Kreuz arbeiteten 
(einer malte die Floralornamentik, der andere die Tiere), von ca. 1180 (Romanik).
Autor: Markoz, Foto: 11.12.2014; via wikimedia.commons; Liz.: CC BY-SA 3.0

Doppeltes Wort/Strophen-Akrostichon
 (nach einem Vers von J. W. v. Goethe)

Ein  

Tag hat seine vierundzwanzig Stunden
wie soll man die bloß füllen? Was tu


ich
Guter
selbst? Frühes Aufstehn sichert Schwung,
der dann auch halten müsste bis an


den
Abend
hin, und das bedeutete, einen vollen lieben langen Tag! Wie stets im großen


Ganzen
kommt
es darauf an, sich niemals zu verlieren:
schnell vertrödelt ist er nämlich, der helle


Tag.
Heran
schleicht sich die Dunkelheit; unvollendet
liegenbleibt, was bis dahin noch nicht


getan.
Wenn
wir uns hielten an die großen Vorbilder – 
dazulernen könnten wir auch von unsrem


Goethe

elbwolf, 13.11.2018
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→ Lit.: STUMMER, S. 106/7

Donnerstag, 10. Januar 2019

Januar – Ein Monatsbild

Hans Thoma (1839-1924): Januar (Monatsbild aus dem Festkalender)
Mappenwerk, Seemann Verlag Leipzig; via wikimedia.commons; gemeinfrei.

Janus /Terzinen/

Auf Wolken stehend, schaut er nun herab;
streng herrscht er über diesen ersten Mond;
in seiner Hand trägt er den Janusstab.

Mit ihm zeigt er uns Macht, die nichts verschont;
denn dieser Stab trägt immer zwei Gesichter:
Vergangenheit und Zukunft – altgewohnt.

Wir säh'n in Stab wie Herrscher gern den Dichter,
der uns mit Versen Unbekanntes deutet
und von Vergangenem sei der Berichter.

Der Janus wird beständig treu begleitet
von Vater Frost: der lässt nicht lang sich bitten
und hat vor uns den Schnee schon ausgebreitet.

Die Kinder rodeln freudig auf dem Schlitten.
Erholungsschlaf braucht dringlich die Natur –
auch sie hat manchen Schaden schon erlitten;
Gott Janus bringt zurück sie in die Spur.

© lillii (Luzie-R )