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Donnerstag, 30. Oktober 2014

Mühlentag

Andreas Achenbach (1815-1910): Westfälische Wassermühle (1863)
Standort: Bremen; Quelle: The Yorck Project via wikimedia/commons; © gemeinfrei

Vereinfachte, aber keinesfalls ungenaue und zudem
recht einprägsame Beschreibung einer Mühle und
deren eigentlicher Bestimmung, nämlich eine sagenhaft
große Anzahl von Körnern in Mehl verwandeln zu können.

Aufklärungsbericht für ahnungslose Brotesser,
 und das nicht nur am Tag der offenen Mühlen zu Pfingstmontag

Es klappert die Mühle am rauschenden Bach -
Der dreht dort das Mühlrad dem Müller.
Das alles macht ziemlich gewaltigen Krach,
Weit lauter als einfache Brüller.

Die Hauptsache spielt in der Mühle sich ab,
Beginnt, wie bekannt, mit dem Trichter.
In den rieselt Mahlgut aus Säcken hinab -
Der Mühlstein spielt dann den Verrichter:

Zermalmt jedes Korn wie auf stummen Befehl
Zu Pulver, und das fällt nun sachte
Noch tiefer ein Stockwerk, zum Sack für das Mehl,
Bis diesen ganz randvoll es machte.

Zum Schluss kommt persönlich der Müller ins Spiel:
Der schneidet zum Binden recht dicke
Stück Strippe sich runter, jedoch nicht zuviel,
Und schnürt sie um Säcker Genicke.

Ich zeigte die Verse dem Müller voll Stolz
Und fühlte mich schon als Gewinner …
Der klopft an die Stirn mir – es klang wie auf Holz:
"Zieh Leine, du städtischer Spinner!"

© elbwolf (2012-14)

Mittwoch, 29. Oktober 2014

Allotria zu Halloween (Fraktal-02/99)

Daniel Maclise (1806-70):Snap-Apple Night (1833, inspired by a Halloween Party, Blarney, Ireland)
Standort: Privat-Sammlung; Quelle: Wikimedia/commons; Liz.: gemeinfrei
→ „Äpfel zum Schnipsen“ sind rechts vorn zu sehen – ein Schelm, wer Arges dabei denkt ←

Allotria zu Halloween

Der Kürbis, diese dicke runde Frucht,
 Ist schon seit Jahren immer mehr im Kommen,
Doch Ursache ist die Vergnügungssucht:
Den Nischel hat in Obhut sie genommen.

Ja früher kochte aus dem runden Ding
Das Volk sich schmackhaft-sättigende Suppen –
Jetzt schätzt es das am Kürbis nur gering,
Denn reichlich Schabernack gibt’s zu entpuppen.

Man schabt die Kullern inwendig ganz hohl,
Bis sie gemahnen fast an Menschenköpfe,
Entzündet innen Lichter mit Gejohl,
Worauf die Augen leuchten wie zwei Knöpfe.

Solch Art Allotria zu Halloween
Ist nicht nur was für unbedarfte Kinder:
Wenn’s spukt, dann amüsiert sich selbst die Queen –
Die Großen zaubern mehr aus dem Zylinder

© virtuelle Grafik „Halloween“: saxonia 44
Sie möchten flattern mit der Fledermaus
Und herzzerreißend heulen wie die Wölfe,
Doch jedes Mal nimmt Halloween Reißaus –
Wenn es am tollsten zugeht, schlägt’s grad zwölfe!

© elbwolf (29.10.2014)

Montag, 27. Oktober 2014

Der Holzmichel von Po-hau

Foto: elbwolf                                            F. Hahn ipse fecit
Standort: Ratsseite in Pobershau b. Marienberg (Erzgebirge)




Der Holzmichel von Po-hau

Der Michel schaut, noch schwarz vom Köhlerbrande,
Ganz Augenmerk und gar kein bisschen träge
Im Schutz der Bäume ringsum in die Lande.

Die Rechte klammert fest er um die Pfeife;
Sein Äußeres jedoch erhält Gepräge
Durchs Halstuch mit den Punkten und der Schleife.

Der Schlapphut dient zuvörderst ihm als Mütze
Bei schlechtem Wetter gegen Niederschläge –
Doch unterm Hut hat Michel reichlich Grütze!

Besungen wird er von den Randesfichten:
Zwar musizieren diese ziemlich schräge –
Vom Michel gibt’s nur Gutes auszurichten.

Der Schnitzer ließ sich auch nicht lange bitten:
Er hat recht kunstvoll – mit der Kettensäge!
Den rauen Burschen aus dem Holz geschnitten.

© elbwolf (28.6.2014)

PS:
Es gab schon mal eine gesägte Michel-Figur, aber der FC Erzgebirge Aue hat sie wohl nicht gut behütet und so vermutet man, dass sie zersägt worden sein könnte.
Die Oberpfälzer sagen gar, der Holzmichel hieße in Wirklichkeit Hausmichel und wäre – na, woher schon? – richtig: aus der Oberpfalz natürlich!

Sonntag, 26. Oktober 2014

Gordischer Knoten

Livio Retti (1692-1751): Alexander der Große zerhaut den Gordischen Knoten (333 v. u. Z.)
Standort: Rathaus Schwäbisch Hall; Quelle: wikimedia/commons; © gemeinfrei

 Gordischer Knoten

Der Große sah auf seinem Heereszug
In Gordion jenen ganz vertrackt geschürzten Knoten.
Den zu entwirren schien einst dringend ihm geboten:
Es übertrifft ja erst die Lösung Rätsels Spuk.
Er griff zum Schwert und führte nur den einen Hieb -
Nie stand die Frage, dass er auf der Strecke blieb!

War's wallendes Gefühl; war's klug durchdacht;
Braucht's großen Tross, um dem Problem lang nachzufahren?
Ein Knäuel wird schier unentwirrbar mit den Jahren:
Nicht lang gezielt - hau drauf - wenn's damit schon vollbracht!
Auf unsre Zeit gekommen ist der alte Fall,
Denn Gordions Knoten findet sich heut überall.

(c) elbwolf (2011)

Dienstag, 21. Oktober 2014

Die „heute-show“ im Drehverbot

Foto: Gorkaazk, 12.12.2009; Quelle: wikimedia/commons; Liz.: gemeinfrei


Moderator O. W. hatte am Freitagabend (17.10.2014) in der Sendung verkündet,
dass das Parlament dem ZDF-Team ein Drehverbot erteilt habe. Die Bundestags-
Pressestelle gebe als Begründung an, bei der Sendung handle es sich nicht um
„politisch-parlamentarische Berichterstattung“.
Eine Anfrage zu den Hintergründen des Drehverbots ließ der Bundestag bislang
(Stichtag: 21.10.14) unbeantwortet. (nach dpa, gekürzt)


Der Bundestag erteilt der „heute-show“ Drehverbot

Das habt ihr wieder richtig gut gemacht,                             
ihr Herrn und Damen von der heute-show,               
denn prompt hat's drauf ja im Gebälk gekracht,              
doch euch wie mich macht dieser Lärm recht froh.   

Wer lästig war, kam einst in Acht und Bann              
und war sehr oft danach gleich mausetot.                
Weil das der Bu-tag nicht mehr machen kann,          
erteilt er euch fürs Plenum … Drehverbot!                

Ein 4-Millionen-Publikum – geschätzt!                       
habt ihr, das am Te-Vau euch leiht sein Ohr;            
wenn ihr da weiter so den Schnabel wetzt,               
dann sitzen schnell auch Mio 8 davor.                      

Als Demokraten seid ihr angelangt,                          
wo man „dem deutschen Volk“ nur was verspricht –
denn WAS da wirklich am Gesims dort prangt,         
erscheint dem Hohen Haus wohl kaum als Pflicht!    


© elbwolf (21.10.2014),
der sich fragt,
wann denn das nächste Mal wieder gewählt wird …

Sonntag, 12. Oktober 2014

Es herbstelt sehr (Persiflage)

"Herbstlandschaft mit Baum"
Die Grafik entstand in Anlehnung an ein Tutorial von Veronikas Malbuch

Es herbstelt sehr 
Persiflage


Der Herbst im steten Jahreskreislauf der Natur -
das Bild verdeutlicht uns die allgemeine Lage.
(Doch wünscht’ ich mir die Hügel noch mehr zugespitzt -
bei diesen denkt man sich was anderes verschmitzt.
Und das ganz unten rechts steht nicht für Mäuseplage:
das ist doch von der Künstlerin die Signatur!) 

Die Landschaft ist korrekt botanisch aufgezäumt:
ein Baum steht wie gemalt auf einer Streuobstwiese.
Die rotbraun-güldne Farbe macht ihn zum Idyll -
nur fehlt derzeit ihm lediglich schon Chlorophyll,
weshalb das Laub und alles Obst jetzt jede Brise
herunterschüttelt – bald schon ist er abgeräumt.

Recht düster schaut auf uns herab das Himmelszelt:
sein Grau wird aufgehellt durch sonderbare Namen,
von denen mir Altweiberherbst am besten schien,
und nicht Altweibersommer, gradezu ein Spleen;
beschränkt als solches Wort nicht Rechte ält’rer Damen,
wie längst in Darmstadt von Juristen festgestellt. *)

Der Herbst bringt den Poeten regelrecht in Rage!
Er zählt gewissenhaft auf leeren Feldern Stoppeln,
vergisst auch nicht Importe wie das Halloween,
ist jederzeit und allerorts voll auf dem Kien,
wenn der Novembernebel wallt und Hasen hoppeln. ---
Auch ich schrieb’s auf – nur mir geriet’s zur Persiflage! 

© elbwolf, 12.10.2014


*) Das Landgericht Darmstadt hat im Jahr 1989 festgestellt, dass die Verwendung des Ausdrucks Altweibersommer durch die Medien keinen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte von älteren Damen darstellt.

Dienstag, 7. Oktober 2014

Vom Nabel – in die Welt (Genre-Verse)

Fotografin: Paula Rey (Barcelona): Verhüllte Nacktheit (Veiled Nudity) für „Wikinews Graphic“ (2007)
Quelle: Wikimedia Commons, das freie Medienarchiv; Galerie„Frauennäbel“ {originell + piekfein!}
Liz.: Creative-Commons-Lizenz 2.0 generisch

Vom Nabel – in die Welt

Genre-Verse, hier in der Art eines gemäßigt-lustvollen Reiseberichts

In Weibes Mitte liegt der Nabel -          
an sich ja noch kein Sündenbabel,
weshalb wir diese Bagatelle                 
vergleichen mit der Zustiegs-Stelle
für Fahrten um die ganze Welt.            
Sobald das einem Mann gefällt,           
wählt er Beförd'rungsmittel weise,
begibt sich auf Entdeckungsreise.

Die Fingerkuppe rührt ganz sacht         
noch einmal an des Nabels Pracht,
schaut sich zuerst den Norden aus;
geht mitten durch's Zwei-Äpfel-Haus,
vorbei an lockenden Korallen,              
am Rückweg sind das arge Fallen,
streift endlich über sanftes Kinn,          
zu den halb-offnen Lippen hin.       

Die nächste Tour ist nicht banal,                    
bloß weil man reist äquatorial                         
und mit der ganzen flachen Hand                             
auf lauter flaumbehauchtem Land!                 
Am Kap der Hüfte – welch Entzücken,            
da bietet sie sogleich den Rücken,                 
und er, erwartungsvolles Bübchen,                 
darf ausruh’n sich an ihren Grübchen.            

Genießen an der Oberfläche                          
verführt recht schnell zu dieser Schwäche:
des Nabels dritte Dimension -                        
gilt Tiefe doch als Sensation!                         
Die kurze Tour wird kombiniert:                      
man füllt den Nabel raffiniert                          
mit warmer, süßer Schokolade -                    
fürs Zünglein ist rein nichts zu schade!           

Noch eh’ der tiefe Kelch geleert,                    
hat man einander schon begehrt:                             
ganz ohne ein vorherig’ „Muss“                      
kriegt sie auf Nabeln einen Kuss.                   
Und während seine Lippen kosen,                  
fühlt er, wie Wünsche ihn umtosen.                
Er sagt sich: jetzt bloß nicht ermüden,            
vielleicht geht's doch noch nach dem Süden!

© elbwolf (Neufassung 2014)
PS:
Es sind leider 40 Zeilen geworden, um ein Haar sogar 48 …
Um mich aber nicht dem Vorwurf „zu lang!“ auszusetzen,
habe ich die sexte Strophe weggelassen, weil ich mir dachte,
im „Süden“ sind eh die meisten irgendwann mal gewesen
und wissen, wie’s dort, sagen wir … aussieht! Stimmt doch?

Zweisamkeit (Fraktal - 01/99)

Ein Fraktal in seinen schönsten Farben
wenn du auf das Bild klickst, siehst du es in seiner Originalgröße.

Zweisamkeit


Es ist die Zweisamkeit – wie schon der Name sagt,
Was gegen Einsamkeit – wenn die uns zu sehr plagt.
Wird hier Oval umfasst – von einem zweiten,
Und dieses Pärchen passt – zum gleich-gescheiten,
Dann ist das Harmonie – die man kaum sonst wie zwingt,
Doch dem Fraktal ist sie – das gänzlich leicht gelingt.
./.
Es meint auch Einsamkeit – ganz wie der Name sagt,
Wenn in Gemeinsamkeit – zwei Langeweile plagt.
Denn manches Pärchen fasst – gedanklich weiter:
Welch ein Oval ihm passt – als Lustbereiter.
Selbst das wär Harmonie – die praktisch oft misslingt,
Wenn das Fraktal auch sie – hier scheinbar doch erringt.

findet © elbwolf und dankt © saxonia44