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Montag, 1. Juni 2015

Ungesiebte Luft



Ein fast unpolitisches Gedicht

Des Knackis Lebensqualität zu mindern,
nimmt man zur Strafe ihm der weiten Welten Duft.
An einem aber kann man ihn nicht hindern:
zu atmen nämlich – wenn auch nur gesiebte Luft!

Doch gibt es neuerdings nun eine Gruppe,
für die sind alle andern Bürger einfach Luft;
wo immer sich versammelt diese Truppe,
entströmt ihrem Lokal gleich penetranter Duft.

Sie haben Polizisten als Bewacher
und lassen Schraubenflügler kreisen in der Luft;
sie wähnen allerortens nur noch Kracher,
weshalb sie sich vergraben wie in einer Gruft.

Das sind die europäischen Berater,
sie wirken oft wie so ein Guck-Hans-in-die-Luft,
doch sind sie unsre Eurogeld-Verbrater -
bei Zivilisten gälte mancher schon als Schuft.

Sie kommen jetzt gleich zweimal nach Germanien:
verursachten zunächst in Dresden dicke Luft;
nun schmückt das Bayern-Schloss man mit Geranien,
doch kittet man auch dort bestimmt nicht jede Kluft.

Wir Einfachen erleben viel Bedrängnis,
und mögen nicht, wenn man uns nur andauernd blufft!
Man sperrt uns aus, als säßen wir wie im Gefängnis -
Wir aber wollen stets nur ungesiebt die Luft!

elbwolf, 31.05.2015

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