Hier schreiben Hobbydichter für Lyrik-Freunde – meist Gereimtes und nur Druckreifes! Willkommen also, viel Vergnügen mit unseren Gedichten und deren Bebilderung!
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Bereits seit Jahresbeginn bringen wir neue Folgen an Kalenderblättern und Monatsbildern. Darum herum dann das, was sich an Einfällen so ergibt – man wird sehen! Nun ja, was man auch sieht: wir "unterschlagen" seit einer ganzen Weile auch einen gewissen Anteil an sanfter Erotik nicht länger - die Zeiten sind eben so ...
Wir teilen den Lesern unseres Versbildners mit und bitten um Verständnis, dass wir auch weiterhin das monatliche Angebot auf 6 Beiträge beschränken - die Kontaktarmut dieser Zeit bringt leider auch eine gewisse Ideenarmut mit sich. Neueinstellungen erfolgen damit um die Kalendertage des 1., 6., 11., 16./17., 21./22., 25.-27. eines Monats.
Mittwoch, 1. Januar 2025
Dienstag, 31. Dezember 2024
Sisyphusarbeit
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Franz v. Stuck (1863-1928): Sisyphus (1920)
(via Wikimedia Commons; Liz.: Public Domain)
Sisyphusarbeit
Nehmt nur den Sisyphus euch her:
Er rollt den Stein am Berg hinauf;
Ist er dann oben angelangt,
Setzt sich der Stein in freien Lauf
Und rollt dabei geschwind und munter
Den ganzen Berghang wieder runter.
Der Sisyphus blickt hinterher:
Man sieht ihm an, er ist verdutzt!
Der Grund ist gar nicht kompliziert –
Die Rollerei hat nichts genutzt.
Der Stein liegt nun im Wüstensande
Und ist von selbst zu nichts imstande.
Nun … möglich wäre doch durchaus
Dass Stein und Sisyphus ein Paar?
Was dieser baut, reißt jener ein
Bis keiner sieht mehr richtig klar.
Und vollends wird es zum Gestrampel
Kommt zu den zwein ein dritter Trampel.
Die Dreie machen Politik
Und werden mit der Zeit zum Schwund,
Sie bellen eins den andern an
Und kommen alle auf den Hund.
Man hat sie in der Näh‘ nicht gerne
Und sieht sie lieber ganz von ferne.
Bald heißt es wieder: freie Wahl!
Und das schon gleich im Februar
Ich mach ein Kreuz auf einem Schein
Wie stets ein jedes viertes Jahr –
Und seh‘ als Sisyphus am Berge
Erneut die alten Gartenzwerge ...
© elbwolf
Montag, 30. Dezember 2024
Jahreswende
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Autor/Foto:
ermell/Reinhold Möller (21.04.2015): Leuchtspuren von Sternen.
(via
Wikimedia Commons; Liz.: CC BY-SA 4.0)
Jahreswende
Das Jahr ist nun dahin / ein neues will beginnen.
Wie wird es werden / nichts ist mehr wie es mal war.
Die Menschen fürchten sich / es ist nicht absehbar,
wie stark die Hoffnung ist / dies Rennen zu gewinnen.
Die Einsicht fehlt bei vielen / wären sie bei Sinnen –
dann würden sie erkennen / uns – die mittelbar
ums Überleben kämpfen / wär‘s ein Honorar
fürs Innehalten / denn die Zeit wird schnell verrinnen.
Lass doch, o HErr, / uns nicht aus Deinen Händen gleiten;
schenk uns die Zuversicht / in diesen schweren Zeiten,
und lass uns daran glauben / dass Du uns nicht vergisst.
Wenn wir mal an Dir zweifeln / lass Deine Näh' uns spüren;
gib uns den Mut / trotz menschlicher Allüren
Dir zu vertrauen / da Du mit andren Maßen misst.
© Luzie
Rudde
Dienstag, 24. Dezember 2024
4-Adventskerzen
Sonntag, 1. Dezember 2024
Kalenderblatt 12v2024: ″Es weihnachtet wieder″
Es weihnachtet wieder
Die kleine germanische Gottheit,
Die war auch als Christkindel gut;
Verkörperte doch sie die Sanftheit
Und machte den Anhängern Mut.
Die glaubten begeistert dem Kindel,
Dass Frieden erhalten uns bleibt –
Doch bald schon, da zeigt sich, welch Schwindel
Es war, der die Oberen treibt.
Gewaltig erklingen die Glocken
In all dieser weih‘vollen Zeit:
Der Friede, zwar flüchtig wie Flocken,
Erspart uns unendliches Leid!
© elbwolf
Samstag, 9. November 2024
Leben
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Edvard Munch (1863-1944, Norwegen): Tanz des Lebens;
1899/1900
Standort: Nationalmuseum für Kunst, Architektur und Design, Oslo;
via Wikimedia commons; Liz.: gemeinfrei
Leben
Das Dasein ist kein Zuckerschlecken;
das Leben beutelt uns zu oft
und außerdem meist unverhofft,
grad so, als wolle es uns necken.
Wer Unheil sieht an allen Ecken,
verdrießlich andre konsterniert –
wer jeden Schwung erneut verliert –
was kann der an Erwartung wecken?
Ein Mensch, der ständig nur bestreitet
der stellt sich doch nur selbst ein Bein,
schnell ist sein Unmut rings verbreitet.
So höre auf, spiel nicht klein-klein!
Nütz deinen Platz in dieser Welt –
dann wird sie besser und gefällt!
© Luzie Rudde
Freitag, 1. November 2024
Kalenderblatt 11v2024: „Die Bücherkiste“
Adolf Münzer (1870,
Oberschlesien – 1953, Landsberg/Lech).
Maler und Grafiker; arbeitete ab 1898 auch für ″Jugend″ und ″Simplicissimus″;
bedauerlicherweise 1938 – 1945 engagiert im Kunstleben des III. Reiches.
Abb. aus № 11 der ″Jugend″ von 1898, S. 177.
(Exemplar der Zeitschrift befindet sich im
Besitz des Verfassers)
Die Bücherkiste
Was hält sie denn bereit, die Bücherkiste –
Sie stand das ganze Jahr doch nur herum,
Als ob tatsächlich niemand sie vermisste:
Woher also auf einmal das Gesumm?
Sie hatte sich das Jahr über versteckt;
Grad aber wurde sie erneut entdeckt.
Kaum war der Deckel auf- und hochgeschlagen,
Als jeder griff mit ungeduld′ger Hand
Und zog mit deutlich sichtbarem Behagen
Der Bücher erstes bestes gleich an Land. –
Das hatte man schon früher mal gelesen,
Weil damals auch nichts andres dagewesen.
Drum wiederhole ich euch jetzt die Regel:
Ein gutes Buch, das stellt man ins Regal,
Dort wirkt‘s von weitem so, als blinkt ein Segel,
Aus Geistes Sicht ist es dein Kapital.
Die andern alle dienen nur zum Plausch,
Zu öffentlich vollzog’nem Büchertausch.
″Die Bücherkiste soll dann wohl verrotten?″
″O nein, die dient in Zukunft für Klamotten!″
© elbwolf
Montag, 14. Oktober 2024
Der Herbst
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Gustave Courbet
(1819-1877): ″Wald im Herbst″ (1841)
(Via wikimedia commons; Liz.: gemeinfrei)
Es kommt der Herbst mit buntem Farbenspiel,
Hüllt Sommerlust in weiche Seidentücher;
Greift zur Palette, nimmt die Skizzenbücher
Und bannt auf Leinwand, was der Zeit verfiel.
Ein welkes Blatt fliegt wie ein Kinderdrachen
Im Spiel der Lüfte taumelnd durch den Raum,
Verliert die Schwere, leicht wie Federflaum,
Und lässt vom Wind das Spiel erneut entfachen.
Er legt noch letzte Wärme auf die Steine,
Es reift das Obst und auch der Wein wird alt.
Der Rauch steigt auf, die Nächte werden kalt.
Mit meiner Trauer steh ich nun alleine.
Doch jedem Herbst folgt auch ein Neubeginn.
Es endet nichts. Das ist der Schöpfung Sinn.
© A. Weinhart
Dienstag, 1. Oktober 2024
Kalenderblatt 10v2024: ″Spürst Du den Winter nahen?″
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Reinhold Max Eichler
(1872, Sachsen – 1947, München)
″Oh! Halt sie fest die letzte bunte Welt, –
Denn lautlos früh im Nebel sah ich schon den Winter stehn.″
Eichler war Maler, Zeichner und Illustrator; arbeitete ab 1903 nur für die ″Jugend″.
Abb. aus № 42 der ″Jugend″ von 1905, S. 808/9.
(Exemplar der Zeitschrift befindet sich im Besitz
des Verfassers)
Spürst
du den Winter nahen?
/ungereimte Akzentverse/
Du fühlst ihn nicht im Land sich nahen?
Du wirst ihn sehr bald spüren, den Winter.
Doch sieht der Frühling nicht ebenso aus?
Unrecht hast du: man muss dich belehren:
Es ist bei der ″Jugend″ im Jahrgang bereits
Von den Nummern die zweiundvierzigste schon.
Und wie viel Wochen hat so ein Jahrgang?
Richtig: zwei- oder dreiundfünfzig im Wechsel.
Regiment hat also der Herbst übernommen,
Und nach dem ist der Winter dran – wie immer!
© elbwolf
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Die zwei Verszeilen unter der Abbildung stammen vom Künstler selbst. Kalenderblatt 10/2024 – © elbwolf. |






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