Hier schreiben Hobbydichter für Lyrik-Freunde – meist Gereimtes und nur Druckreifes! Willkommen also, viel Vergnügen mit unseren Gedichten und deren Bebilderung!

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Bereits seit Jahresbeginn bringen wir neue Folgen an Kalenderblättern und Monatsbildern. Darum herum dann das, was sich an Einfällen so ergibt – man wird sehen! Nun ja, was man auch sieht: wir "unterschlagen" seit einer ganzen Weile auch einen gewissen Anteil an sanfter Erotik nicht länger - die Zeiten sind eben so ...

Wir teilen den Lesern unseres Versbildners mit und bitten um Verständnis, dass wir auch weiterhin das monatliche Angebot auf 6 Beiträge beschränken - die Kontaktarmut dieser Zeit bringt leider auch eine gewisse Ideenarmut mit sich. Neueinstellungen erfolgen damit um die Kalendertage des 1., 6., 11., 16./17., 21./22., 25.-27. eines Monats.

Samstag, 23. September 2023

Von der Zeit

MsSaraKelley: Pedley Street (2013); Liz.: CC BY 2.0
Quelle: Back to the Future by Graffiti Life; via Wikimedia Commons

 

Von der Zeit

Es dreht sich stets, das große Rad,
An dem das Unbekannte zog.
Die Zeit – mit eingeteiltem Takt –
Schließt jeden ein in ihren Sog.

Die Lebenszeit, sie steht nicht still,
Ist wie ein Uhrwerk, das uns treibt,
Das seit dem ersten Tag beweist,
dass nichts von allem übrig bleibt.

Schau auf den Weg im Jetzt und Heut,
Es ist der deine ganz allein.
Geh ihn bewusst zu jeder Zeit,
Dann wird die Zeit dir gnädig sein.

Und kommt der letzte Glockenschlag,
Das Zeitrad steht ganz plötzlich still.
Dann hat man alle Zeit der Welt.
Ob man sie dann noch haben will?

© A. Weinhart

Freitag, 15. September 2023

Eile mit Weile

Marianne von Werefkin (1860-1938): Sturmwind, ~1915-17.
via Wikimedia Commons; gemeinfrei.

 

Eile mit Weile

Gibt's wirklich einen Anlass für den Spruch?
Ist er bloß ausgedacht? Denn beide Teile
erscheinen doch wie aufgesetzt in Eile:
die Sollstelle für vorbestimmten Bruch …

Als scheuten wir vor brandigem Geruch,
der uns ganz unerwartet eine Weile
zwingt einzuhalten, statt in Windeseile
zu unternehmen anderen Versuch.

Nun, abzuwägen gänzlich neue Mittel,
das brauchte schon ein Quäntchen mehr an Zeit
und solcher Aufwand tut uns meistens leid.

Da wählen wir kaum anderes Kapitel
und bleiben umständlich am alten Ort –
selbst der, der eilt, muss kaum gleich jemals fort.

© elbwolf

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Hinweis:
Nächster Beitrag wird am 23.9. online gestellt!

Freitag, 8. September 2023

Lebensalter

 Leopold von Kalckreuth (1855-1928 ): Die drei Lebensalter (1898);
Bayer. Staatsgemäldesammlung; via Wikimedia Commons; gemeinfrei.

 

Wer fragt schon danach?

Vergnüglich ist es nicht, das Älterwerden –
drum fragt auch keiner, ob es mir gefiel;
so wie auch niemand fragt, was für ein Ziel
verfolgte wohl mein Leben hier auf Erden.

Wie kam es überhaupt zum eignen Werden?
Es ging hervor aus fremdem Liebesspiel:
das ist nicht wenig und auch nicht sehr viel
und lässt im Nachhinein nicht zu Beschwerden.

Vergänglich ist das Dasein – wie wir wissen;
voll Mühen oft, was gäb es andre Wahl,
als uns zu ducken in die weichen Kissen?

Das Lebensalter ist nur eine Zahl.
Doch um es auch auf diese Frist zu bringen,
muss man gar manche öden Strecken zwingen.

© Luzie Rudde

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Hinweis:
Nächster Beitrag wird am 15.9. online gestellt!

Freitag, 1. September 2023

Kalenderblatt 09/2023 – Ein Pâris-Urteil zu Paris

Albert Guillaume (franz. Genremaler, Grafiker, Karikaturist, 1873-1942):
"Das Urteil des Pâris", ~1920 (?); via Wikimedia Commons; gemeinfrei.

 

Ein Pâris-Urteil zu Paris

Herabgestiegen hoch vom Berge Ida
ist Pâris auf das Feld der Èlysées
und sieht entzückt, wie dreifach eine Frieda     
sich drängelt in sein Auto-Cabriolet.

Die drei ­– sie wollten sich nicht lange spreizen:
der ersten kommt ihr Rückenschwung zupass;
die zweite weiß, dass Frauenbeine reizen;
die dritte zeigt sich ohne Scheu en face.

Die war's – sie hat den Pâris auch bestochen
und lacht den anderen jetzt ins Gesicht:
sie hat Helenen heimlich ihm versprochen ...
der Deal kam erst in Troja vor Gericht!

 


 Kalenderblatt 09/2023 –"Ein Pâris-Urteil zu Paris"
Verse © W. Herrmann al. elbwolf

Donnerstag, 24. August 2023

Erntezeit – seinerzeit

George Stubbs (1724-1806): Bei der Kornernte (1785).
Tate Gal., London; via Wikimedia Commons & The Yorck Project; public domain.

 

Genreszene des 18. Jh. nach der gängigen August-Ikonographie. Herausgeputzte Männer und Frauen bei der Ernte unter Aufsicht eines Berittenen: ein „Bühnenstück“, das die soziale Wirklichkeit der Landbevölkerung konsequent verleugnet.

 

 

Erntezeit – seinerzeit

Sie warfen sich in ihre beste Schale,
wenn es hinaus aufs Feld zum Ernten ging;
sie hofften nur, dass sie ein Künstler male
und sorge, dass der Segen grade hing.

Die Puppen stellte man in langen Reihen
und manchmal spielte man darin Versteck –
der Aufpasser zu Pferd tat's gern verzeihen;
und rührte sich ansonsten nicht vom Fleck.

Doch das ist – erstens! – heute längst vergangen;
heut rattern die Traktoren übers Feld;
und – zweitens! – geht das Korn nur zu erlangen,
wenn man den Acker mühevoll bestellt.

Doch die, die glauben Früheres zu kennen
und wehmutsvoll erzählen es dem Kind,
die sollten wirklich nicht um Altes flennen –
die Zeiten fliegen wie der Wirbelwind!

© teamwork (elbwolf – Str.1+2, Luzie Rudde – Str.3+4)

Mittwoch, 16. August 2023

Wenn du mich magst

Ludwig Hofmann-Zeitz (1832–1895):  Fensterln – bayerischer Brauch;
Stich (vor 1896); via Wikimedia Commons; gemeinfrei.


  Wenn du mich magst


Wenn du mich magst,
Dann lass mich leben!
Erdrück mich nicht
Mit deiner Last.
Was nützt es dir,
Wenn ich mich beuge
Und du mich dann verloren hast?

Wenn du mich magst,
Dann lass mich atmen!
Angst höhlt mich aus
Und engt mich ein.
So, wie du wolltest,
Dass ich wäre,
So könnt ich ohne Ängste sein.

Wenn du mich magst,
Dann lass mich lachen,
Auch wenn du meinst,
Das steht mir nicht.
Ich bin so froh
In jenen Stunden
Und Sorge hat dann kein Gewicht.

Wenn du mich magst,
Dann lass mich leben!
Verform mich nicht
Nach deinem Bild!
Ich müsste eine Maske tragen
Und für die Seele einen Schild.

Wenn du mich magst,
Dann lass mich lieben
Auf meine Art,
Die dir zu bang.
Die großen Flammen lodern heller,
Die kleinen dafür wärmen lang.

© A. Weinhart

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Anm.:
Den letzten Beitrag für Monat August posten wir am 24.08.2023.

Dienstag, 8. August 2023

Kleinigkeiten

Trödel in Istanbul.
Foto: Mark Ahsmann, 07.12.2013; via Wikimedia Commons; Liz.: CC BY-SA 3.0

 

Kleinigkeiten

Das Leben ist voll Kleinigkeiten,
die allesamt nicht triftig sind,
wir aber lieben es zu streiten,
sind trotzig wie ein kleines Kind –
zum Trotz lässt man sich schnell verleiten.

Der Streit bringt neue Schwierigkeiten,
die nicht so leicht zu lösen sind,
doch schnell uns aus den Händen gleiten:
man wird fürs wahre Leben blind –
kann gar die Grenzen überschreiten.

Der Ausgangspunkt war'n Nichtigkeiten,
sie formen sich zum Labyrinth;
und nur ein Knäuel kann uns leiten,
das einer Göttin Hand entrinnt –
da zählen auch mal Kleinigkeiten!

© Luzie Rudde

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Hinweis:
Nächster Beitrag wird am 15.8. online gestellt!

Dienstag, 1. August 2023

Kalenderblatt 08/2023 – Schiller liest im Park zu Tiefurt vor

 

           Fichte     Herder   Knebel             Schiller          Wieland                  Herzog Karl August   Goethe
                                                                                       Herzogin Amalie   Herzogin Luise

 Schiller liest dem Kreise der Weimarer Auserlesenen im Park zu Tiefurt vor.
Lithographie nach einem Gemälde von Theobald v. Oer (1807/85)
(Zu Schillers 100. Todestag. Aus dem Sonderdruck im Verlag J. J. Weber von 1905)


Wundersames
Nicht oft geschieht es, dass ein Genius in dieser Weise
nimmt einen Kreis von Auserlesenen mit auf die Reise,
denn leider gibt es Auserwählte nicht in großer Zahl –
drum wiederholt sich solches Wunder kaum ein zweites Mal.

 



Kalenderblatt 08/2023 –"Schiller liest … im Park von Tiefurt vor"
Versquartett © Wolfgang Herrmann.
(Ein Exemplar des Jubiläum-Sonderdrucks befindet sich im Besitz des Verfassers)

Sonntag, 23. Juli 2023

So sind sie – Sommerkinder

Barwenkovsky: Badefreuden mit Neptun (2011);
via Wikimedia Commons; Liz.: CC BY-SA 3.0.


So sind sie – Sommerkinder

Das sind die sinnenfrohen Kinder,
So frisch wie ein Gewitterwind.
Wie Kleider aus gewirktem Linnen,
Die leicht und gut zu tragen sind.


Sie sind der Farben Vielfaltskala,
Die Lust, im hellen Licht zu stehn.
Sie tanzen auch mit Seelennarben
Im Sommerregen auf den Zehn.

Sie gehen gern mit leichten Schuhen,
Sind langer Nächte Sternenlicht.
Sie sind des Sommers Gastgeschenke
Und ihre Fröhlichkeit besticht.

Sie taumeln wie die Schmetterlinge
Durch Blüten voller Üppigkeit,
Sie nehmen Nektar mit und Wärme
Im Sommer der Unendlichkeit.

Sie nehmen von dem Überreichen
Auch in die kalten Zeiten mit,
Willst du ein Sommerkind begleiten,
Gewöhn dich an den schnellen Schritt.

© A. Weinhart

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Anm.:
Ein stimmungsmäßig recht gegensätzliches Prosawerk ist der Roman "Winterkinder" der Dänin Dea Trier Mørch (1941-2001); Edition mit 15 Linolschnitten der Autorin von 1988
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