Hier schreiben Hobbydichter für Lyrik-Freunde – meist Gereimtes und nur Druckreifes! Willkommen also, viel Vergnügen mit unseren Gedichten und deren Bebilderung!

Aufrufe unseres Blogs erfolgen automatisch mit Sicherheitsprotokoll "https". Am 18. Mai 2022 hatten wir unseren 600. Beitrag in den Blog gestellt!

Bereits seit Jahresbeginn bringen wir neue Folgen an Kalenderblättern und Monatsbildern. Darum herum dann das, was sich an Einfällen so ergibt – man wird sehen! Nun ja, was man auch sieht: wir "unterschlagen" seit einer ganzen Weile auch einen gewissen Anteil an sanfter Erotik nicht länger - die Zeiten sind eben so ...

Wir teilen den Lesern unseres Versbildners mit und bitten um Verständnis, dass wir auch weiterhin das monatliche Angebot auf 6 Beiträge beschränken - die Kontaktarmut dieser Zeit bringt leider auch eine gewisse Ideenarmut mit sich. Neueinstellungen erfolgen damit um die Kalendertage des 1., 6., 11., 16./17., 21./22., 25.-27. eines Monats.

Sonntag, 15. September 2024

Des Pudels Kern

Margret Hofheinz-Döring (1910-1994): Des Pudels Kern (Aquarell, 1960).
Zu Faust I von Goethe; Foto: Peter Mauch; Rechte bei Galerie Brigitte Mauch Göppingen.
(via Wikimedia Commons; Liz.: CC BY-SA 3.0)

 

Des Pudels Kern

″Das also war des Pudels Kern″,
ließ Goethe seinen Faust einst sagen,
als der nach vielen, vielen Fragen
der Wahrheit schaute ins Gesicht –
und einer Wahrheit mit Gewicht!

Oft ist es spät, dass man erkennt:
die Wahrheit liegt ja richtig offen,
doch macht das viele nicht betroffen,
denn Unterhaltung ist oft Trug
und zeigt den Menschen gar nicht klug.

Was nennt man weise, was heißt schlau?
Trennt man das eine von dem andern,
dann sieht man Wahrheit häufig wandern:
urplötzlich hat sie ihr Gewicht
und festen Stand auch vor Gericht.

So wandeln ″dies″ und ″jen‘s″ sich schnell.
Wie leicht ist etwas zu versäumen –
passt jemand auf, wenn wir so träumen?
Und ist sich wer gar selbst genug?
Was ist nun wahr – und nicht Betrug?

© Luzie Rudde 

Sonntag, 1. September 2024

Kalenderblatt 09v2024: Der Monat meiner Wahl

 

Angelo Jank (1868 – 1940, München): ″Ablösung″;
Jank war Tiermaler, Grafiker; Mitglied der Münchner Secession;
Abb. aus № 15 der ″Jugend″ von 1898, S. 253.
(Exemplar der Zeitschrift befindet sich im Besitz des Verfassers)

 

Der Monat meiner Wahl

Es ist der Monat meiner Wahl,
und ich mach diese beiden Kreuze,
zu enden eine lange Qual.
Ich blinzle nicht wie sonst nur Käuze,
und mir ist auch kein bisschen schal.

Im Gegenteil: ich fasse Mut,
und lasse mich nicht länger treiben;
sich zu entschließen, das tut gut.
Für neue Fragen offenbleiben –
das sei forthin mein Attribut!

Die Stimmung trübt auch etwas Pech:
das ″Softwareauszählungsverfahren″
– noch schartig wie verbognes Blech –
konnt′ das Ergebnis nicht verklaren
und eiert dafür ganz schön frech.

Was soll′s! Ein neuer Wählerbund
wird wohl gebraucht beim Koalieren,
und zwar aus diesem guten Grund,
dass die politischen Manieren
entsprächen der sehr ernsten Stund!

© elbwolf


Kalenderblatt 09/2024 – © elbwolf

Freitag, 9. August 2024

Kleine Eselei

Esel im Wildpark Rheingönheim/Rheinland-Pfalz; Liz. CC BY-SA 3.0.
Fotograf: ″4028mdk09″; Foto vom 23.05.2011, via Wikimedia Commons.

 

Kleine Eselei

Als ″Langohr″ einmal dazustehn
nun dávon geht die Welt nicht unter:
denn Menschensicht ist meistens bunter,
was Esel sonst viel ″grauer″ sehn.

Es kann natürlich dies geschehn,
dass einem Mitmenschen mitunter
die Welt erscheint, sie stünd‘ kopfunter,
und ihm blieb‘ nur, sie umzudrehn.

Was wäre denn so Schlimmes dran,
wenn Esel uns zu bieder nennen –
denn schlau sein kann nicht jedermann.

Du brauchst nur nicht gleich wegzurennen …
Denn was im Leben wirklich wichtig,
das unterscheidest du schon richtig!

© Luzie Rudde

Donnerstag, 1. August 2024

Kalenderblatt 08v2024: Entscheidung zwischen zwei Heuhaufen.

 

Paul Rieth (1871, Pößneck/Thüringen – 1925, München);
Kunstmaler und Zeichner, einer der Hauptmitarbeiter an der ″Jugend″;
Abb. aus Neue Gedichte ″Volante und Marie″ in № 50 der Jugend von 1899, S. 819.
(Exemplar der Zeitschrift befindet sich im Besitz des Verfassers)

  

Ein Esel vor zwei gleich-guten Heuhaufen

Du siehst sie nicht, die Haufen voller Heu?
Doch die zwei Mädchen siehst du tollen –
Gib zu, du bist erfüllt noch voller Scheu
Und fast am Punkt, auch noch zu schmollen ...
Jedoch der Esel, den man Grautier nennt,
Der ist doch wenigstens, wie man ihn kennt?

Der Esel wirft jeweils ein einz’ges Aug′
Nach seitlich rechts und links gesondert
Und denkt, nun spare er sich den Klamauk –
Dass man am Ende sich noch ″wondert″!
Jetzt freut er sich an diesem Riesenspaß
Zu beißen in das Heu, will sagen: Gras!

Hier schließt sich unschwer an auch die Moral:
Triffst du – nicht oft! – auf gleich zwei Gutes,
Erspare doch den Heuhaufen die Qual:
Vernasche sie erhobnen Mutes.
Wenn dir das Schicksal einen erst verheißt,
Zeig auch beim and′ren Unternehmungsgeist!


 


Kalenderblatt 08/2024 – © elbwolf.

Montag, 8. Juli 2024

Das Sein

Holzschnitt des sog. Petrarca-Meisters; Aus Francesco Petrarca:
 „
Von der Artzney bayder Glück / des guoten vnd widerwertigen.
Vnnd weß sich ain yeder inn Gelück vnnd vnglück halten sol. 
Auß dem Lateinischen in das Teütsch gezogen. Mit künstlichen fyguren durchauß / gantz lustig
vnd schön gezyeret.“ Augsburg: Heynrich Steyner 1532

 

Das Sein

Das Sein bedeutet, dass ich bin,
und im Reellen mittendrin;
dass Denken, Fühlen und Erleben
mir von den Eltern mitgegeben
dass sie empfingen es vorzeiten
und ließen sich von Ahnen leiten ...
Doch wisst ihr, was mir manchmal scheint –
ob sie bewusstes Sein gemeint?

Wenn Menschen heute was erleben,
erleben sie es – denn sie leben
ganz einfach in den Tag hinein
und denken nicht ans Ende ... Nein !
An das, was mit uns wohl geschieht
wenn unser Leib die Erde flieht.
Gibt‘s nach gelebter Zeit ein Leben –
wer könnte darauf Antwort geben?

© Luzie Rudde

Montag, 1. Juli 2024

Kalenderblatt 07v2024: Baden – im Vor-Tattoo-Zeitalter

Zur gefälligen Beachtung durch unser Blog-Publikum!

Wir hatten hier ursprünglich die Abbildung folgender Bildbeilage aus der ″Jugend″ eingestellt:

Rudolf Riemerschmid (1873-1953, tätig bis in 1920er Jahre, besonders für die ″Jugend″;
Vetter des Architekten und Möbeldesigners Richard Riemerschmid).
Falteinlage ″Sommertag″ in № 28 der ″Jugend″ von 1907 (S. 600/1); Auszug.
(Bildbezeichnung und Künstlersignatur nicht erkennbar;
Exemplar der Zeitschrift befindet sich im Besitz des Verfassers)

Dies geschah in der Annahme, dass die Bildquelle von 1907 bereits ein Alter von 117 Jahren hat und der Künstler bereits 71 Jahre tot ist, also seit einem Jahr kein ©-Schutz gilt.
Es stellte sich heraus, dass das Gemälde 2023 von einem Plauener Auktionshaus exakt nach Erlöschen des Künstler-Copyrights verauktioniert wurde, nachdem es unmittelbar zuvor im Artikel ″Ein Sommertag in Plauen″ von einer Kunstzeitschrift besprochen wurde.
Da unser Blog jeglichen Zwist vermeiden will, verzichten wir auf die Abbildung.
Wer dennoch Riemerschmids Bild sehen will, kopiere dies in die Browser-Adresszeile:
https://deref-web.de/mail/client/9LQ3SsO8vIE/dereferrer/?redirectUrl=https%3A%2F%2Fwww.weltkunst.de%2Fauktionen%2F2023%2F08%2Fbild-des-tages-rudolf-riemerschmid-sommertag-mehlis-plauen

 

Baden – im Vor-Tattoo-Zeitalter

Da steht sie nun, die Maid, und richtig pur,
Am klaren Waldsee, dem verschwiegnen kühlen,
Sie sieht so aus, wie‘s ziemt ihrer Natur –
Lässt nur vom Winde sachte sich umspülen.

Was spiegelt sich im Wasser da so weiß?
Es sind die Wolken, die am Himmel ziehen.
Und sicherlich ist‘s ringsherum recht heiß –
Ein Bad tut not, der Hitze zu entfliehen.

Was irritiert jedoch Betrachter hier,
Sich vollends mit Genuss zu konzentrieren?
Es fehlt der Anhaltspunkt für ein Pläsier:
Wer will an blanker Haut sich delektieren?



 

Kalenderblatt 07/2024 – © elbwolf.

Donnerstag, 20. Juni 2024

Die Liebe zeigt sich ... später

 

Foto Glenn Loos-Austin (Madison, WI) : ″Body Language″
Aufnahme: 29.09.2005. via Wikimedia commons; Liz.: CC BY-CA 2.0

 

 

Nanu! Im ″Weg in den Sommer″ war die Reimerei in den Strophen
so angelegt, dass sich auf einen Vers in der ersten Hälfte erst
der vierte Vers danach reimt. Das ist zwar gegen die Auffassung
unseres ″Reinpapstes″ Stummer (S. 122), aber ich will es auch
mal versuchen ….

 

Die Liebe zeigt sich … später!

Du bist empfänglich, guter Mann,
und das nicht nur im Wonnemond,
dass dich die Sehnsucht überkommt
im öden täglich‘ Einerlei;
so dass dich Eine schlägt in Bann
und dich dann nirgendwo verschont –
dem Manne dieses sicher frommt:
es steht doch allemal ihm frei.

Gefühl entsteht meist irgendwann;
ist hoffnungsvoll, oft ungewohnt;
braucht Zeit, bis es dann unterkommt
und führt zu einer Liebelei;
ob‘s Liebe wird, das zeigt sich dann 
bei beiden, das sei hier betont;
ob‘s Liebe bleibt, die nie verkommt,
ergibt sich später… denk ich frei.

© Luzie R..

Sonntag, 9. Juni 2024

Weg in den Sommer

 
Leo Putz (1869-1940): ″Sommers Lust und Freude″ (Detail);
Kunstblatt aus № 26 der Münchner ″Jugend″ von 1905 (S. 488)
(Original der Zeitschrift im Besitz des Verfassers)

Weg in den Sommer

Es kommt an einem milden Tag
nicht nur im Maienmonat vor,
dass mich das Antlitz einer Frau
ganz unversehens tief berührt.
Ja, das wär‘ eine, die ich mag,
obwohl ich manches Mal mir schwor,
säh‘ ich von nah sie und genau –
hätt‘ ich dasselbe kaum verspürt.

Doch kommt‘s dahin, dass ich mich frag,
wie steigt Gefühl in mir empor,
statt, dass ich nur den Augen trau,
obwohl dem Blick so viel gebührt.
Ach, blieb‘ sie jetzt noch etwas zag,
so stünd‘ ich vor ihr nicht als Tor:
der Himmel über uns ist blau –
da wird man ganz von selbst verführt.

© elbwolf

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In eigener Sache:
Die schon ein ganzes Jahr lang vom Sicherheitssystem bei Aufruf unseres Blogs
angezeigte Fehlermeldung ist nach dem letzten großen MS-Update immer noch
nicht verschwunden, wobei wir die ganze Zeit vermuten, dass es sich um einen
Fehler seitens des Softwareanbieters handeln müsse!

Samstag, 1. Juni 2024

Kalenderblatt 06v2024: Feiern – wie vor hundert Jahren?

Ludwig von Zumbusch (1861-1927; lebte hauptsächlich in München),
Porträt- und Genremaler; Titelbild der № 20 der ″Jugend″ von 1902 (S. 321).
(Bildbezeichnung und Künstlersignatur nicht erkennbar;
Exemplar der Zeitschrift befindet sich im Besitz des Verfassers)

 

Feiern – wie vor hundert Jahren?

→ zur Melodie ″Eine Seefahrt die ist lustig … ″ ←


Eine Feier, die ist lustig,
eine Feier, die ist schön –
ja, da kann man was erleben:
man sieht selbst und wird gesehn!

Dass uns schon beim ersten Sange
auch der rechte Rhythmus packt,
stampfen wir mit beiden Füßen
gleich von Anfang an den Takt.

Doch bei all diesem Getöse
bleibt nur munter wie ein Fisch,
wer mit den geballten Fäusten
kraftvoll trommelt auf den Tisch.


Jetzt fliegt das Gestühl beiseite,
dalli-dalli, nicht so lahm!
Unterhaken jetzt zum Schunkeln –
wie Matrosen auf dem Kahn.

Rechtsum, linksum und im Wechsel
runter und dann wieder rauf
wer das übt schon vor der Feier
hat es später einfach drauf!

Manche finden solch Gefallen,
singen dann – Schockschwernot:
wie auf Sylt – verdächt‘ge Lieder
und riskieren Hausverbot!

 


Kalenderblatt 06/2024 – © elbwolf.