Unser Blog ist von Hobby-Poet*essen für Lyrik-Liebhaber, darunter auch für anspruchsvolle! Wir führen ihn im kleinen Team und - der Vielfalt wegen - mit persönlich eingeladenen Gästen.
Allen Besuchern - herzliches Willkommen und viel Vergnügen bei/mit unseren Gedichten und Bildern!
Im Juli 2018 setzen wir unsere Serien (Kalenderblatt, Monatsbild; leider noch nicht die Ballade) fort. Wir bringen ein großes Pantun, erstmals eine Hand voll Klapphornverse sowie (Überraschung!) Trioletts und ein Rondel ... und sonst? Na, reicht das nicht?

Samstag, 30. Dezember 2017

Versbildner-Team sagt "Prosit – auf 2018"

Fraktal-Feuerwerk (2014)                                                                          © Saxonia44 / StS


Silvesternacht

Eine Nacht
mild wie Frühlingsregen.
Ohne Frost,
ohne Sternengefunkel,
ohne Glockenklang,
ohne Besinnung
auf Vergangenheit
und Zukunft.

Mit lauten Getöse
platzen bunte Illusionen
im Dunkel der Nacht.
Beschwörung der Geister,
die wir riefen
und derer wir
nicht Herr werden,
weil wir ihr Wesen
nicht erkennen.

© Anne W.


Astronomische Uhr am Altstädter Rathaus, Prag
Foto: Krzysiu "Jarzyna" Szymański (2007)
via wikimedia.commons; Liz.: CC-BY-SA 2.5
Die Rathausuhr von Marburg zeigt Mitternacht
Foto: LudwigSebastianMicheler (2016)
via wikimedia.commons; Liz.: CC-BY-SA 4.0
 
Die Uhr und wir

… zu allen Zeiten

… zu Silvester

Die Uhr sie geht,
tickt leis und hell,
oft viel zu schnell –
und trotzdem seht:

Sie steht und steht
auf einer Stell',
ruft zum Appell,
wie mans auch dreht.

Die Tage fliehen
sie werden Jahre –
vorbei sie ziehen.

Das einzig Wahre:
lass dich nicht blenden!
Die Zeit wird enden.


© lillii ( L-R )

Die Zeiger drehn
sich immer weiter –
das ist gescheiter
und zu verstehn.

Und recht besehn
sind auch bereiter
und ziemlich heiter
wir selbst nach zehn.

Um Mitternacht
– die Zeiger oben –
ist es vollbracht.

Das Glas gehoben!
Dann läuft fürwahr
das neue Jahr!   

© elbwolf / Wolfgang H.
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Die beiden zweifüßig-jambischen "Auch"-Sonette
entstanden aus Anlass eines freundschaftlichen Wettbewerbs,
auf den sich die beiden Verfasser eingelassen hatten.

Mittwoch, 27. Dezember 2017

"Versbildner" dankt Gästen und Helfern für die Zusammenarbeit 2017

Dankes-Inschrift und –Icon aus wikimedia.commons

Versbildners Rückblick auf 2017

Das Anliegen unseres Blogs ist "Lyrik von Amateuren für Laien"!
Amateure sind die Mitglieder des eigenen Teams und die meisten Gäste – alle mit eigenen Gedichten. Aber unter den Gästen sind doch einige, die das Dichten fast oder wirklich schon professionell betreiben, und wir sind besonders darüber erfreut, dass auch sie bei uns gastieren!

"Versbildner" hat von Neujahr bis Silvester 2017 genau 130 Beiträge eingestellt mit deutlich mehr an Gedichten, denn mancher Post ist ein Bündel aus gleich mehreren, meist gleichgelagerten oder gewollt gegensätzlichen lyrischen Elementen. Unter den lyrischen Formaten finden sich seltene und fast vergessene, ausgefallene und sogar eigenständige (nach eigenem Erachten und ohne gründlich recherchiert zu haben).

Unser 2017-Bestand umfasst (man klicke auf die Fachbegriffe im Index!):
-        über ein Dutzend Sonette, darunter die zu den 4 Jahreszeiten;
-        ebenfalls mehr als ein Dutzend Kanzonen, darunter die zur Villon-Serie;
-        unterschiedliche Dezimen;
-        an seltenen Formaten je drei Pantune und Sestinen, zwei Terzinen, eine Stanze
-        vier kleine Sammlungen von Limericks, darunter eigene "Spiegel-Limericks";
-        eine Anzahl Epigramme;
-        ein Aphorismus erdreistet sich, einen Nobelpreisträger-Spruch "zu ergänzen".

Folgen und Serien aus Einzelgedichten formen wir zu geeigneten Themenkreisen und bei wiederkehrenden Anlässen, darunter:
-        Kalenderblätter mit Kurzgedichten, an jedem Monatsersten; 2017 mit den Grafiken der Dresdner Künstlerin Mirjam Moritz;
-        Monatsbilder mit Interpretationen zu bildlichen Darstellungen des Jahreskreises; 2017 mit den lllustrationen aus dem Venezianischen Breviarium Grimani (~1500);
-        Mundart-Verse auf Rostocker Platt, Höchstalemannisch, Moselfränkisch, Westerzgebirgisch, Remstaler Schwäbisch, Kölsch, Südthüringer Itzgründisch und Oberlausitzisch;
-        Die Serien "Winterquartett" (1-4), "Tolle Tage" (zu Fasching, 1-3), "vier Jahreszeiten" (1-4); "Alle Vögel sind schon da" (1-4); "Die Bäume schlagen aus und grünen" (1-5), "Villon / im ehem. Greifenverlag" (Einfg., 1-4), Bräuche meiner münsterländischen Heimat (Luzie R., 1-3); "Verschwindende Wörter" (1-5);
-        Satire und Parodien, u. a. auf: Politischer Aschermittwoch; Kuckuck und Esel – die haben keine Wahl; Diesel-Gipfel; Ach lieber guter Wahl-O-Mat; Raub der Europa.


Versbildners Dank

Das kleine Versbildner-Team ist einer Reihe von Verseschmieden und Dichtern sowie Grafikern und Illustratoren sehr dankbar, die auf unsere Bitte hin als Gäste bei uns aufgetreten sind oder uns unterstützt haben: etwas über 40 Beiträge sind mit ihren hier eingebrachten Werken gestaltet worden. Im einzelnen möchten wir Dank sagen an/für:

Mirjam Moritz, Malerin und Grafikerin, Dresden

Mirjam Moritz (* 1973) hatte uns die Nachnutzung der Grafiken aus dem 2016-Kalender mit von uns dazu verfassten Kurzgedichten gestattet. 
Über das erste gestaltete Blatt schrieb sie uns im Januar 2017:
"Es ist spannend zu lesen, wie neben der "Bildwirklichkeit" eine "Wortwirklichkeit" steht - manchmal in Deckung und manchmal eine dritte Wirklichkeit schaffend."
Eine Überraschung brachte allen auch dieses Blatt:
"… herzlichen Dank für die Einstimmung in den Oktober. Es ist jeden Monat sehr spannend für mich, was Sie und (die) Damen aus meinen Bildern herauslesen. Was in Ihrer Wahrnehmung Bücher sind, ist für mich ein gestreiftes Tischtuch. Aber es ist gut so, jeder lässt sich selbst in das Lesen seiner Mitwelt ein."
Mirjam Moritz betreibt eine eigene Homepage: www.dammschloesschen.de

Erika Müller-Pöhl, Buchillustratorin, Gera

In unserer 5-teiligen Serie über den französischen Barden Villon nach dem historischen Roman von Johanna Hoffmann, verlegt 1973 im Greifenverlag Rudolstadt, verwendeten wir einige der Illustrationen der Buchgrafikerin Erika Müller-Pöhl. In einem Disclaimer verwiesen wir darauf, dass wir große Anstrengungen unternommen hätten, mit der Künstlerin in Kontakt zu kommen und ihre persönliche Erlaubnis einzuholen. 
Leider konnten wir keine Spur zu dieser bemerkenswerten Buchgrafikerin, einer der meistbeschäftigten zu Zeiten der DDR-Buchkultur, auffinden, und alle Geschäftsunterlagen des untergegangenen Verlags sind für uns unzugänglich auf der Heidecksburg archiviert.
Die Abbildung links zeigt – den Stil der Künstlerin andeutend – einen Ausschnitt der Illustration auf Buchseite 321.

Mundart-Dichter/innen – bei "Versbildner" zu Gast.

Wir haben im Teil 7 der Serie über Mundart-Verse die ersten sechs Gäste mit Bild, Kurzbiografie und kleiner Text-Zugabe vorgestellt, weil wir nicht sicher waren, ob wir schnell weitere Kontakte aufbauen könnten. Bei der Aufnahme von Verbindungen unterstützten uns meist Institutionen, die Kontakte zu den Mundartdichtern unterhielten. So wurden zu unseren ersten Gästen:

Gisela Gesang mit Rostocker Platt, aus Rostock; sie veröffentlicht Texte in der Rostocker örtlichen Presse und im Warnemünder Tidingsbringer.
Ernst Blumenstein mit Höchstalemannisch/Schwyzerdütsch, Kanton Aargau;
die Bekanntschaft hatte sich über die Community Seniorentreff ergeben.
Jean-Louis Kieffer mit Moselfränkisch, aus Bouzonville, Dép. Moselle;
der Kontakt ergab sich über die franz.-deutsche Webseite der Bosener Gruppe.
Matthias Fritzsch mit Westerzgebirgisch, aus Zwickau; der Kontakt auf Rat von Frau Grohmann (Zschopau) ging über die Internetseite Literatur im Erzgebirge.
Fred Boger mit Remstaler Schwäbisch, aus Heilbronn; den Kontakt stellte Frau Jessica Bautz vom Wartberg Verlag Gudensberg für uns her.
Ingeborg F. Müller auf Kölsch, aus Köln; den Kontakt vermittelte die Leiterin der Bibliothek an der Akademie för uns kölsche Sproch, Frau Ingeborg Nitt.

Durch Verwendung zweier Mundart-Anthologien eröffneten sich doch noch Möglichkeiten, Texte weiterer Autoren bei uns einzureihen:

Arthur Schmid mit Südthüringer Itzgründisch, aus Heßberg.
Er lebte von 1898-1952 und war Lehrer an verschiedenen Schulen um Hildburghausen. Die Spur des dichtenden Lehrers hat sich jedoch verloren – selbst der Bürgermeister des Ortsteils hatte den Namen noch nie gehört, versprach aber, zur bevorstehenden 850-Jahrfeier von Heßberg noch einmal auf Suche zu gehen und vielleicht ein Porträtfoto zu finden – der Thüringer Literaturrat "hat" ihn jedoch in seinem Autorenregister.
Schmids Gedicht "Die Hauptsach" hatte uns beeindruckt.
 
Günter Langhammer mit Südthüringer Itzgründisch; Haselbach bei Sonneberg

Geboren 1937 in Haselbach, jetzt OT von Sonneberg. Während des Berufslebens als Fachlehrer für Deutsch im Lande herumgekommen, dann für den Ruhestand wieder heimgekehrt. Er hat viel veröffentlicht, zuletzt und mit 77 Jahren beim Arbeitskreis "Mundart Südthüringen e.V."
Der Thüringer Literaturrat führt Günter Langhammer ebenfalls in seinem Autorenverzeichnis.
Den Kontakt stellte uns Frau Hella Reißenberger aus Steinach her, die ebenfalls diesem Arbeitskreis seit langen Jahren angehört und die hier ebenso gut hätte zu Wort kommen können.
Unser Dank gilt auch dem Sohn Ulrich, der für den Vater die digitale Verbindung zu uns unterhielt.

Herbert Andert mit Oberlausitzisch; Ebersbach

                        Ju, unse Äberlausitz labt!
                        Se lacht uns oaa aus oalln Eckn.
                        Und wenn mir'ch o ne dicke tun,
                        nee, nee, mir brauchn'ch ne versteckn.

Herbert Andert wurde1910 in Ebersbach geboren; er kam auf ein Alter von fast 100. Er studierte Pädagogik und arbeitete in seiner Heimatstadt als Lehrer – Fach Biologie! Aber die Arbeit an und mit der heimischen Mundart wurde ihm sozusagen angeboren: sie lag in der Familie.
Andert gilt als verdienter Mundartforscher; ihm sind in der Wikipedia und im Biografischen Lexikon der Oberlausitz Einträge gewidmet.
Da sein letzter Verlag in Bautzen inzwischen "abgewickelt" ist, war der Kontakt zur Familie nur dank der Findigkeit der Leiterin der Stadtbibliothek Ebersbach, Frau Katja Hieke, möglich. Wir bedanken uns bei der Tochter Anderts, Frau Christine Mitlöhner, für das Verständnis und die Zustimmung, aus dem Werk ihres Vaters etwas für ihn Typisches auf Versbildner veröffentlichen zu dürfen.

Poetessen – bei "Versbildner" zu Gast
Einige Poetessen, die schon lange an anderer oder sogar eigener Stelle Gedichte veröffentlichen, haben eingewilligt, auf Versbildner ausgewählte Werke erneut zu publizieren:

Heliane Meyer vom Forum Musengarten, Berlin

          Aus Helianes Klapphornversen:
Zwei Knaben krochen in ein Rohr,
da fiel ein dicker Baum davor.
Jedoch, es kam viel schlimmer:
Sie hocken da noch immer.

Heliane ist Urberlinerin, obwohl durch die Welt gekommen. Sie dichtet, seit sie noch das kleine Mädchen war. Im Jahr 2007 schloss sie sich einem Gedichtforum im Internet an, in dem sie 2012 die Gruppe "Die Glühbirnen" gründete, die bereits fünf Sammlungen eigener Gedichte herausbrachte. Heliane hat 11+12/2017 Gedichte bei uns eingestellt und zugestimmt, 2018 eine Serie nachgedichteter Balladen bei uns zu bringen.
Sie meint, die Vignette zeige zwar nicht ihr Porträt, dafür aber ihr Temperament.
Helianes Homepage: https://www.lyrischerspaziergang.com/startseite/über-mich/

Flora von Bistram, u. a. in der Community Seniorentreff tätig.

Flora vorzustellen, das ist angesichts ihrer vielseitigen Präsenz im Internet nicht dringlich: Sie führt bei Google einen zu unserem Versbildner parallelen Blog:
https://floravonbistram-gedichte-lyrik.blogspot.de/
und wir nennen sie außerdem in unserem "Blogroll" (s. rechts/oben!).
Sie hat uns 05/2017 für eine Serie mehrere Gedichte zum Thema "Wenn Bäume alt werden" überlassen, die – wie oft bei ihr – mit eigenen Fotoarbeiten illustriert sind.

Wir bedauern, dass …
… in einem Einzelfall auf die Abstattung unseres Dankes keinen Wert gelegt wurde – das ist nun mal so.

Zuarbeiten für Versbildner …
… die uns so wünschenswert erschienen, dass wir die aufwändige Kontaktherstellung nicht gescheut haben:

Kulturamt und Pressesprecher der Stadt Bottrop …

… danken wir für die Bereitstellung von Aufnahmen aus dem großen Sitzungssaal des Rathauses. Dort gibt es ein Wandgemälde von Jesse Goosens, das die Dichterin Luise Hensel (1798-1878) darstellt. Wir wünschten uns dieses idealisierte Porträt als Illustration zu unserem Beitrag "Poetessen-Bildnisse" in 01/2017.
Frau Ortmann aus dem Kulturamt und Herr Andreas Pläsken, Pressesprecher und Leiter der Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Bottrop, konnten uns diese Bitte erfüllen, wofür wir ihnen herzlich danken!

Der Sternwarte Sankt Andreasberg e.V. im Oberharz …

… und dem 1. Vorsitzenden, Herrn Utz Schmidtko, danken wir für die einmalige Gestattung, eine umwerfende astronomische Aufnahme in 02/2017 auf Versbildner verwenden zu dürfen: sie zeigt einen Teil des Sternenbandes der Milchstraße über dem Glockenturm der Bergstadt Sankt Andreasberg im Oberharz – einem der 10 dunkelsten (!) Orte in ganz Deutschland. Immer mehr Menschen haben nie in ihrem Leben die Milchstraße am Himmel gesehen – als Folge einer stetig zunehmenden Grundausleuchtung.
Wir äußern den Wunsch, die Sternwarte möge uns einige Gestirne auf weiteren Aufnahmen benennen und überlassen – und wir schreiben dazu die passenden Verse!


Versbildners Blick nach 2018

In aller Kürze zu unseren Plänen für das beginnende neue Jahr:
  • Wir setzen die begonnenen Serien fort und beginnen weitere, darunter eine mit Balladen-Nachdichtungen von Heliane Meyer;
  • Mundart-Dichtung möchten wir besonders aus Norddeutschland und aus Bayern präsentieren – aber drei Monate Vorbereitungszeit wird es brauchen;
  • Die Kalenderblätter enthalten die Illustrationen von Renate Totzke-Isreal;
    die Basis für die Monatsblätter steht noch zur Wahl (Gemälde oder Grafik);
  • einige neue Dichter und Verseschreiber werden wir zu Gastauftritten einladen;
  • am Layout des Blogs werden wir wohl einige Veränderungen treffen:
    • wir denken über eine kleinere Schriftgröße nach;
    • wir bauen den Label-Index aus,
    • wir richten eine Follower-Liste ein,
    • wir ermöglichen einen Mail-Kontakt zum Blog und bessere Möglichkeiten für das Kommentieren;
  • wir werden energisch an der Popularisierung des Blogs arbeiten – er verdient es, unserer Ansicht nach, bekannter zu werden!
 
Figur, symbolisierend die Dankbarkeit.
Rückseite des José-Canalejas-Denkmals in Alicante, Spanien.
Foto: Joanbanjo, 2013; via wikimedia.commons; Liz.: CC BY-SA 3.0

Sonntag, 24. Dezember 2017

Das Leben

Rembrandt (1606-69): Jakob ringt mit dem Engel (~1659); Gemäldegalerie, Berlin.
 Via wikimedia.commons; Bestandteil von "10.000 Meisterwerke der Malerei". *)

 Das Leben
          Terzinen

Es wiederholt sich viel in unsrem Leben –
oft machtlos ist man, nimmt es einfach hin.
Wer's ändern will, der muss sich Mühe geben.

Doch ändern? Nein, ich bleibe, wie ich bin!
Mich ändern – dazu lass ich mich nicht drängen,
ich sehe nun mal keinen Sinn darin.

Das führt doch nur zu immer neuen Zwängen:
die meinen sind mir mehr als schon genug;
die Freiheit blieb' am seidnen Faden hängen.

Die Lebenstage fliegen hin im Flug
und niemand ist imstand, sie aufzuhalten.
So fährt denn weiter unser Lebenszug.

Es ist genau, wie mit Naturgewalten:
sie stellen häufig sich zum Menschen quer,
der strebt, sein Lebensumfeld zu erhalten.

Flög doch auf Schwingen jetzt ein Engel her,
um Frieden Menschen und Natur zu bringen –
ein Halleluja fiele da nicht schwer.

Mit diesem Engel müsste man nicht ringen!

© lillii (L-R)

Ich setze mal meinen eigenen Engel hier drunter – den wollte ich zur Terzine 
eigentlich fertig gemalt haben, doch die Hände sind noch nicht so, wie ich es mir 
vorgestellt hatte. Nun muss er eben damit leben! (L-R)
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*) Die Konfessionen deuten diese Erzählung (Gen. 32,25-30) fast einhellig als Gleichnis für die Prüfung und den Kampf des Gläubigen um die Gnade Gottes.
Eine ausführliche Bildbetrachtung findet sich in einem Artikel der Berliner Zeitung.

Samstag, 23. Dezember 2017

Madame de ~, die B&B-Vermieterin

links: Gedenktafel am Gebäude N°29 rue Vital Carles, Bordeaux, wo General de Gaulle die letzte Nacht in Frankreich verbrachte (16./17.06.1940) und dann von England aus die Befreiung anführte.
rechts: Der Text der Rede von Charles de Gaulle, mit der er sich am 18.06.1940 über BBC
an das französische Volk wandte und zum bewaffneten Kampf an der Seite der Alliierten aufrief.
Auf den Plakaten findet sich auch der legendäre Zusatz:
"Unser Vaterland steht an der Schwelle des Todes. Kämpfen wir zusammen, um es zu retten!"
(via wikimedia.commons)

Madame de  ~, die B&B-Vermieterin

Nach den unzähligen Stunden des Selbststudiums der
Sprache standen endlich Planung und Durchführung
der Reise selbst an. Sie sollte privates, individuelles
Erleben von Land und Leuten ermöglichen. Geeignet
erschien mir die Reiseform Bed & Breakfast - aber wie
würden sie denn sein: Bett, Frühstück und Wirtsleute?

Das Ziel, besser: die Route, habe ich ja noch gar nicht
genannt: der Südwesten Frankreichs – Toulouse über
Bordeaux bis La Rochelle: heute die beiden Regionen
Okzitanien und Aquitaine, einst Gascogne, Heimat der
Musketiere. Und mit Bordeaux der Ort, wo de Gaulle
zur Befreiung Frankreichs von den Deutschen aufrief.

Den Vermieter bei Bordeaux wies der Reiseführer mit
einem "de" im Namen aus, was mich ganz besonders
interessierte. Natürlich vermietet der Hochadel Burgen
und Schlösser für alles mögliche an Veranstaltungen -
aber hier mit "B&B"? Es war denn auch tatsächlich ein
kleines Land-Schlösschen mit reinem Fleur von 1900.

Bei der Begrüßung sagte Madame de ~ zu mir etwas
wohl Unübliches: "Lassen Sie sich ansehen; man hat
schon oft aus Deutschland bei uns angefragt, aber wir
haben bisher noch nie an Deutsche vermietet … Der
Grund, weshalb wir jetzt erstmals anders entschieden:
Es war Ihre Mail – die erste in korrektem Französisch!

Da wusste ich, dass die vielen Stunden des Büffelns
über den Büchern nicht umsonst aufgewendet waren,
und Madame de ~ hatte nach manchen Überlegungen
vielleicht den Eindruck gewonnen, dass ein Deutscher
von 2004 - nicht jeder zumindest - noch denen ähnelt,
die einst la Patrie an den Rand des Abgrunds führten.

Wolfgang H. (elbwolf), 23.12.2017
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Zu meiner "Gedicht"-Form bemerke ich, um manchen Skeptiker vielleicht abzuhalten, sich an die Stirn zu tippen:
Ist leider nicht meine Erfindung! Ich habe sie mir während des Lyrikseminars an der Schwäbischen Sommerakademie in Irsee beim Kursleiter abgeguckt: Ulf Stolterfoht, der seit Jahren als Hauptberufs-Lyriker die meisten Preise in Deutschland abräumt.
Und ja: man kann sie als eine Gedichtform ansehen: von den 3 Merkmalen eines Gedichtes (Zeilen; Rhythmik, Reimung) hat sie immerhin noch ½ (zeilenorientiert) + ½ (rhythmisch)  = 1!