Diesen Blog haben wir 11/2016 neu gestaltet und führen ihn im Team weiter. Das verspricht mehr Vielfalt - wie man wohl schon an unseren Gesichtern ablesen könnte.
Allen Besuchern - herzliches Willkommen und viel Vergnügen bei/mit unseren Gedichten!
Im SEPTEMBER 2017 setzen wir mit "Kölsch" von einer Kölner Poetessa die Mundart-Dichtung mit eingeladenen Gästen fort. Außerdem ergänzen wir bereits begonnene Serien, u. a. über "Verschwindende Wörter". Und sonst - mal sehn!

Dienstag, 15. August 2017

Der Arbeitnehmerflügel (Parodie)

Parteien, die zur Bundestagswahl 2017 in welchem Bundesland wählbar sein werden
(auch die, die ihre Beteiligung angezeigt, aber keine Landeslisten eingereicht haben).
Urheber: THAWonderland, 28.07.2017; Quelle: wikimedia.commons; Liz.: CC BY-SA 4.0

 Der Arbeit|geber|nehmerflügel (Parodie)

Vergangnen Samstag kam ins Ruhrgebiet,
um dort den Wahlkampf endlich zu forcieren,
die Kanzlerin! Auch einmal zu probieren ,
wie man die Massen ordentlich bekniet,
die man nicht eben offen führt am Zügel, …
… nur nebenher – als Arbeitnehmerflügel!

Die Sozis hatten einst im Ruhrgebiet
in Dortmund ihre Hochburg – unbestritten.
Dort fuhr die Kanzlerin mit ihnen Schlitten:
den Arbeitnehmer, wie man staunend sieht,
den braucht sie selbst – natürlich gleich in Massen!
Der soll von ihr sich nun berieseln lassen …

Denn Arbeitnehmer gibt’s in großer Zahl:
in summa haben sie die meisten Stimmen;
und um im Bu~tag Sitze zu erklimmen,
stürzt selbst die Kanzlerin sich in die Wahl.
Sie hat fast vierzig Punkte als Prognose –
und das geht deshalb kaum noch in die Hose!

Doch ist der Wahlkampf nirgends ein Plaisier:
ein Landes-Chef merkt's grad in Niedersachsen,
wo Bäume von Vau-We zum Himmel wachsen:
Der zeigte dort ein wichtiges Papier
dem Arbeitgeberflügel – und der sollte
verändern, was er dran nicht haben wollte.

Ein Sozi – der die Arbeitgeber fragt:
"Warum nicht auf den saubren Diesel schwören";
"Ihr werdet sonst Vertrauen nur zerstören" –
doch Halt! das hat die Kanzlerin gesagt.
. . .
Gehörst du auch zum Arbeitnehmerflügel?
Dann freu dich nach der Wahl auf neue Prügel!

elbwolf (Dienstag, 15.08.2017)

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Nachgehakt:
Anregung zu dieser Parodie erhielt ich durch die "Frankfurter Allgemeine – Zeitung für Deutschland", die am 14.08.2017 (gestern!) auf der Titelseite u. a. mitteilte:
- Merkel sagte … in Dortmund …: Die 'Lücken in den Abgastests' hätten "Vertrauen zerstört";
- Schulz warf /in einem ZDF-Interview/ den Fahrzeugherstellern vor, sie hätten "ihre Zukunft verpennt".

Samstag, 12. August 2017

Besuch bei der Aubergine

Eierpflanze (Aubergine) mit Frucht und Blüte
Foto+©: Miya (Jap.), 6.5.2006; Quelle: wikimedia.commons. Liz.: CC BY-SA 3.0

Besuch bei der Aubergine (Parodie)

Es war erst jüngst an meinem Ehrentag,
als jeder von den eingeladnen Gästen
mir irgend etwas – auch, was ich nicht mag – 
verehrte, selbstverständlich nur vom besten.
Ein Pflänzlein war im Gabenhaufen drunter,
das schien vor Wassermangel kaum noch munter.

Nun haben solch Geschenke den Effekt ,
dass ihre Geber später uns noch plagen
und gänzlich ungeniert und sehr direkt
uns stellen immer ewig gleiche Fragen:
So fragte mich ein Freund mit Unschuldsmine:
"Wie geht’s denn meiner kleinen Aubergine"?

Da hatte ich nun endlich den Bescheid,
was da im Gartenbeet sein Dasein fristet,
und wie ich grüble, hat der Freund mit Schneid
mich mühelos noch einmal überlistet:
"Ich schaue gleich mit Dir nach 'unsrer' Pflanze –
die duldet keine Halbheit, die will's Ganze!

Die wird am Ende fast zwei Meter lang;
sie braucht jetzt unverzüglich ein Gestänge,
denn Auberginen wachsen als Behang –
sie sind des Gartens leuchtendes Gepränge!
Du musst nur fleißig und mit Nährsalz gießen,
dann werden viele dunkle Früchte sprießen!"

Da hatte ich ganz plötzlich nie mehr Zeit.
Zunächst ließ ich den Sommerurlaub sausen,
gab Golf und Herrenabend das Geleit
und schlug mir aus dem Kopf die blonden Flausen.
So ändert man sein Leben dank Gemüse –
ist meine bitter-süße Analyse!

© WH (elbwolf, 23.06.2016, überarb. 07 '17)

Mittwoch, 9. August 2017

Mundart-Verse (5) – Remstaler Schwäbisch (Fred Boger als Gast)

Notabene: Fortsetzung der losen Folge von Gedichten, die ihre Verfasser/Innen in Mundart schreiben. Der Begriff mag für Sprachwissenschaftler etwas unscharf sein – hier steht er für Gedichte, die man in solcher "Würze" nur in "Regionalsprachen" findet. Auch sind sie den formalen poetischen Auflagen durch das Hochdeutsche weit weniger (oder nicht) verpflichtet.
Für Unkundige, die gar manches Mal "begriffsstutzig" sein würden, gibt es heute und hier eine hochdeutsche Übertragung nebst  einer Reihe Worterklärungen.
Remstal-Höhenweg zwischen Fellbach bei Stuttgart bis zur Remsquelle bei Essingen:
Ausblick vom Rosenstein in der Schwäbischen Alb (735 m ü. NHN) über Lautern.
Urheber: Remstal-Route, 09.06.2012; Quelle: wikimedia.commons; Liz.: CC BY-SA 3.0

 Fred Boger (Heilbronn) …
… ist immer "nah dran an Volkes Meinung" gewesen und formuliert die Verszeile
"… jetz wois i wenigschtens was off ohs zua'koomt!"
Er stellt uns neben zwei Mundartgedichten "zur allgemeinen Lage" eine Reihe von Gedankensplittern in seinem köstlichen Remstaler Schwäbisch vor.
Die Texte wurden größtenteils in Bogers Mundart-Gedichte-Band "Aus em Ländle" (siehe Biografie am Beitragsende!) erstgedruckt.
Wir übertragen die Verse teils ins Hochdeutsche oder erklären Dialektworte:
???  "dia nex daogad" - "oiseidich" – "isch ao ganga" – "äbbas ibr me"  ???
Jeweils neben/bei den Originalen stehen die Lösungen zu solchen Rätseln!


Demokratie

Wenn dia Selle drah sen
noo schempfad dia Sotte,
dass dia Selle nex daogad.

Sen dia Sotte drah
noo schempfad dia Selle,
dass dia Sotte nex daogad.

Z lescht schempfad dia Leit
ibr dia Selle ond Sotte –
abr manche säan deshalb
et "raot" sondern "grün".
Wenn die Einen dran sind,
dann schimpfen die Anderen,
dass die Einen nichts taugen.

Sind die Andrem dran,
dann schimpfen die Einen,
dass die Anderen nichts taugen.

Am Ende schimpfen die Leute
über die Einen und die Anderen –
aber manche sehen trotzdem
nicht "rot" sondern "grün".


Wetterbericht

Wenne uf mainr Vranda hogg
ond s riacht nach Suppa
von dära Suppafabrik*) här,
noo woise, dass bald regnad.
Wenn abr dr Wend
von dr andra Richdong kommt ond
i kah dees Schlachthaus riacha,
noo wirds schee Wetter!

Wenns aber vom Fluss här
nach fauligam Wasser riacht,
noo gwitterts bald.
Ond wenns von dr Schtadt här
nach dene Abgas schtenkt,
noo wirds bald keltr.

Wenns abr nach Suppa riacht,
nach Schlachthaus,
nach fauligam Wasser
ond ao noh nach Abgas schtenkt,
noo bleibts Wetter wias isch.

Noo kasch dai Wesch
ruhig naushengga!
Wenn ich auf meiner Veranda sitz
und es riecht nach Suppe
von dieser Suppenfabrik*) her
dann weiß ich, dass es bald regnet.
Wenn aber der Wind
von der anderen Richtung kommt und
ich kann das Schlachthaus riechen,
dann wird es schönes Wetter!

Wenn es aber vom Fluss her
nach fauligem Wasser riecht,
dann gewittert es bald.
Und wenn es von der Stadt her
nach diesen Abgasen stinkt,
dann wird es bald kälter.

Wenn es aber nach Suppe riecht,
nach Schlachthaus,
nach fauligem Wasser
und auch noch nach Abgasen stinkt,
dann bleibt das Wetter wie's ist.

Dann kannst du deine Wäsche
ruhig raushängen!

*) In meinem Heilbronn ist das die Fabrik Knorr Suppen, heute Unilever.

Schwäbische Gedankensplitter

Schpara

Schpara mias mr
dr Girtl enger schnalla
dr fette Ranza
a bissle aiziiha.

Abr dia
wo dees saagad
dene macht des
nex aus –
dia traagad Hosaträgr.
So macht mrs!

Mir mached dees
wia mrs friior
ao gmacht hen.
Doh hemmer nemlich
gar nex gmacht!

Isch ao ganga
ond mir läbad
heit noh!
Fraindlich

Worom griast denn
der jetz ao
so fraindlich?
Will äbbas vo mr?
Schuldem äbbas?
Hanem en Gfalla doh?
Woisr äbbas ibr me?
Woisch was?
Du kasch me …
(… am Arsch lecka!)



Sparen müssen wir
den Gürtel enger schnallen
den fetten Bauch
ein bisschen einziehen.

Aber diejenigen
die das sagen
denen macht das
nichts aus –
die tragen Hosenträger.
Wir machen das
wie wir das früher
auch gemacht haben.
Da haben wir nämlich
gar nichts gemacht!

Ist auch gegangen
und wir leben
heute noch!
Warum grinst denn
der jetzt auch
so freundlich?
Will der was von mir?
Schulde ich ihm was?
Habe ich ihm einen
                 Gefallen getan?
Weiß der was über mich?
Weißt Du was?
Du kannst mich … (…)

Hoimat

Hoimat kasch verliira
wenn'da von dr'hoim weg'gosch
ond ällas hentr dir lesch

Hoimat kasch abr ao verliira
wenn'da do'bleibsch
ond d'ganz Welt
kommt zu dir
Meinungsvielfalt

Manche Leit läsad
blos Bildzeidong.
I moin, mr derf sich et so
oiseidich informiara.
I läs ao Frau em Schpiegl
ond Quick.
Isch halt wega dr
"Meinungsvielfalt"!


Die Heimat kannst Du verlieren,
wenn du von daheim weggehst
und alles hinter dir lässt.

Die Heimat kannst du aber auch verlieren
wenn du dableibst
und die ganze Welt
kommt zu dir.
Manche Leute lesen
bloß die Bildzeitung.
Ich meine, man darf sich nicht so
einseitig informieren.
Ich lese auch 'Frau im Spiegel'
und Quick.
Das ist halt so wegen der
'Meinungsfreiheit'




  © Fred Boger
"Ganz fraindliche Grias aus em Ländle!"
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Der Gast unseres August-Beitrages, Fred Boger, wurde 1937 in Schorndorf im Remstal (heutiges BaWü) geboren und ist dort aufgewachsen. Nach einer Handwerkerlehre wanderte er 1956 in die USA aus und begann dort nach einigen Jahren ein Studium an der U. of Illinois, das er mit dem MA abschloss. Nach Rückkehr in die Heimat war er von 1971 bis 1999 als Lehrer in Heilbronn tätig, wo er auch heute lebt.
Als Ruheständler widmet sich Fred Boger vorwiegend dem Schreiben und hat in Mundart wie in der Hochsprache Theaterstücke, Gedichte, Hörspiele und weitere Bücher veröffentlicht. Sein Erstlingswerk "Don`t smile ... , Ein weißer Lehrer arbeitet im schwarzen Getto von Chicago" erschien 1980 bei Bläschke. Der Knödler-Verlag (Reutlingen) verlegte 1982 sein Buch "Aus em Ländle" mit Gedichten in schwäbischer Mundart, dem die meisten der Verse hier entnommen sind.
Fred Boger verfolgt das Tagesgeschehen mit Interesse und tritt in seiner Regionalpresse als engagierter Leserbriefschreiber in Erscheinung, der sich kein X für ein U vormachen lässt …
./.
Die Gegend des Remstals wird oft als die schwäbische Toskana bezeichnet, wovon eine Fotoserie bei der Fotocommunity schönes Zeugnis ablegt.
Die schwäbische Welt ist im Internet mit Lexikon, Humor, Schimpfwörtern und Lebensweisheiten, Essen und Trinken, Kehrwoche und Eigenheiten gut und umfassend vertreten.
Die schwäbische Dialektgruppe als eine große alemannische Untergruppe wird in einem ausführlichen Wikipedia-Artikel beschrieben und dort auch in kartografischer Übersicht dargestellt.

Sonntag, 6. August 2017

Smiley & Emoticon – am Ende der Fahnenstange?

Peace, love and happyness / Friede, Liebe und Glücklichsein
Autorenschaft: The people from the Tango! project, 31.10.2009
Liz.: This library is free software; Quelle: wikimedia.commons


Smiley & Emoticon – am Ende der Fahnenstange?

Die kleinen Biester hab ich nie gemocht;
ich ließ sie drum von Anbeginn links liegen.
Sie mehrten sich und schienen zu obsiegen
und gingen mir allmählich auf den Docht.
Bald waren sie der Anzahl nach Legion –
wer Wörter schrieb, wie ich, bekam nur Hohn.
         
Bei vielen schmeichelt es der Eitelkeit:
sie sehen alles Neue gleich als Mode …
Empfinden wandelt sich und wird marode,
wenn jeder Zweite trägt das gleiche Kleid.
Dann hängt mit einem Mal der Segen schief –
nicht länger gilt man da als exklusiv!

So steht's um Smiley samt Emoticon:
sie pflügen ausgeschriebne Wörter unter –
der Text wird so zum Rebus und scheint bunter.
Doch macht ihr euch vergeblich Illusion,
als hieß' das Smiley für "Ich liebe Dich"
genauso viel, wie "Dich nur liebe ich".

Die kleinen Plagegeister seien Spiel,
das spiele gutgelaunt man eine Weile,
häuft auch mal unbedacht in gleicher Zeile
zum einen Geist noch weitere. Das Ziel
ist ewigliches Happyend –
doch kommt bestimmt einmal ein neuer Trend.

Die gute Kunde hört aus meinem Mund:
das Smiley überdauert nicht mehr lange,
es ist am Ende seiner Fahnenstange
und nachzuweinen gibt es keinen Grund.
Zu jedem Frätzchen hat der Sprache Hort
ein sehr viel passenderes gutes Wort!

elbwolf, 5.8.2017
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Nachgehakt!
Die Anregung zur obigen Polemik verdanke ich einem Artikel von Marleen Hollenbach im Magazin der Sächsischen Zeitung vom 3.6.2017, S. M2: "Bleib cool, kleiner Smiley". Der Untertitel dazu lautete: "Die grinsenden Gesichter beschäftigen Forscher, ärgern Sprachfreunde, zieren Golfbälle – aber vielleicht nicht mehr lange."

Hinweis:
Das obige Gedicht steht als Fragment auch auf der Community des Seniorenportal und zwar deshalb nur als Fragment, weil bislang (6.8.2017, 18:40) die dort verfügbaren Darstellungsmöglichkeiten an diese bei Blogspot hier leider nicht heranreichen und auch eine Nachbesserung im Quellkode ausgeschlossen ist.

Donnerstag, 3. August 2017

Diesel-Gipfel

Alexander Dobrindt, MdB, Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur.
Foto+ ©: Michael Luca; 05.05.2015; Quelle: wikimedia.commons; Liz.: CC BY-SA 3.0.
./.
(wir bringen dieses Foto vorsorglich und in der nicht unbegründeten Befürchtung,
nach dem 22.09.2017 damit nicht mehr dienen zu können – zumindest mit den genannten Attributen)


Diesel-Gipfel

Das Ministerium ist nun mal der Schlüssel,
– Ich meine das für den Verkehr im Land – 
dass nichts versickere im Pistensand:
das trägt die Maut in einem Ruck bis Brüssel!

Beim Eu-Ge-Ha, da liegt sie nun, die Sache,
und das ist gut – wer denkt noch an die Maut?
Selbst vom Minister hört man keinen Laut,
den hat ganz Anderes nun in der Mache!

Der trommelte zum Gipfel um den Diesel,         
den ein Kartell gezielt manipuliert,
dass er im Prüfstand läuft, und wie geschmiert,
obgleich er auf der Straße riecht, der Stiesel.

Vier Jahre Wahlperiode sind zu Ende
und ständig ging es nur um diese Maut – 
den Rössern hat man nicht aufs Maul geschaut,
erst diese Abgas-Software brachte Wende.

Nun scheints, als steckten unter einer Decke
die mit dem vielen Kohlendioxyd
wie auch, wer Stickoxide reich versprüht.
Bringt das nicht den Minister gar zur Strecke?

Noch ist nicht klar –  wohin geht diese Reise? 
Und erst Konsens – ist nirgendwo in Sicht!
Nur uns, die Fahrer, nimmt man in die Pflicht:
wir zahlen für den Sprit zu hohe Preise.

elbwolf, 02.08.2017 
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Hinweis:
Das obige Gedicht steht als Fragment auch auf der Community des Seniorenportal und zwar deshalb nur als Fragment, weil bislang (6.8.2017, 18:45) die dort verfügbaren Darstellungsmöglichkeiten an diese bei Blogspot hier leider nicht heranreichen und auch eine Nachbesserung im Quellkode ausgeschlossen ist.