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Samstag, 23. Dezember 2017

Madame de ~, die B&B-Vermieterin

links: Gedenktafel am Gebäude N°29 rue Vital Carles, Bordeaux, wo General de Gaulle die letzte Nacht in Frankreich verbrachte (16./17.06.1940) und dann von England aus die Befreiung anführte.
rechts: Der Text der Rede von Charles de Gaulle, mit der er sich am 18.06.1940 über BBC
an das französische Volk wandte und zum bewaffneten Kampf an der Seite der Alliierten aufrief.
Auf den Plakaten findet sich auch der legendäre Zusatz:
"Unser Vaterland steht an der Schwelle des Todes. Kämpfen wir zusammen, um es zu retten!"
(via wikimedia.commons)

Madame de  ~, die B&B-Vermieterin

Nach den unzähligen Stunden des Selbststudiums der
Sprache standen endlich Planung und Durchführung
der Reise selbst an. Sie sollte privates, individuelles
Erleben von Land und Leuten ermöglichen. Geeignet
erschien mir die Reiseform Bed & Breakfast - aber wie
würden sie denn sein: Bett, Frühstück und Wirtsleute?

Das Ziel, besser: die Route, habe ich ja noch gar nicht
genannt: der Südwesten Frankreichs – Toulouse über
Bordeaux bis La Rochelle: heute die beiden Regionen
Okzitanien und Aquitaine, einst Gascogne, Heimat der
Musketiere. Und mit Bordeaux der Ort, wo de Gaulle
zur Befreiung Frankreichs von den Deutschen aufrief.

Den Vermieter bei Bordeaux wies der Reiseführer mit
einem "de" im Namen aus, was mich ganz besonders
interessierte. Natürlich vermietet der Hochadel Burgen
und Schlösser für alles mögliche an Veranstaltungen -
aber hier mit "B&B"? Es war denn auch tatsächlich ein
kleines Land-Schlösschen mit reinem Fleur von 1900.

Bei der Begrüßung sagte Madame de ~ zu mir etwas
wohl Unübliches: "Lassen Sie sich ansehen; man hat
schon oft aus Deutschland bei uns angefragt, aber wir
haben bisher noch nie an Deutsche vermietet … Der
Grund, weshalb wir jetzt erstmals anders entschieden:
Es war Ihre Mail – die erste in korrektem Französisch!

Da wusste ich, dass die vielen Stunden des Büffelns
über den Büchern nicht umsonst aufgewendet waren,
und Madame de ~ hatte nach manchen Überlegungen
vielleicht den Eindruck gewonnen, dass ein Deutscher
von 2004 - nicht jeder zumindest - noch denen ähnelt,
die einst la Patrie an den Rand des Abgrunds führten.

Wolfgang H. (elbwolf), 23.12.2017
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Zu meiner "Gedicht"-Form bemerke ich, um manchen Skeptiker vielleicht abzuhalten, sich an die Stirn zu tippen:
Ist leider nicht meine Erfindung! Ich habe sie mir während des Lyrikseminars an der Schwäbischen Sommerakademie in Irsee beim Kursleiter abgeguckt: Ulf Stolterfoht, der seit Jahren als Hauptberufs-Lyriker die meisten Preise in Deutschland abräumt.
Und ja: man kann sie als eine Gedichtform ansehen: von den 3 Merkmalen eines Gedichtes (Zeilen; Rhythmik, Reimung) hat sie immerhin noch ½ (zeilenorientiert) + ½ (rhythmisch)  = 1!

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