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Japanerin mit den
Malen der Akupunktur.
(aus dem
Forschungsbericht von Engelbert Kaempfer, erschienen postum ab 1727)
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Engelbert Kaempfer (1651-1716)
gilt als der erste deutsche Forschungsreisende, war Arzt und
vornehmlich Botaniker. Eine fast zehnjährige Forschungsreise (1683-93) führte ihn über Russland, Persien, Indien, Java, Siam bis nach Japan. Er sammelte zahlreiche Kenntnisse und Artefakte in diesen Regionen.
Seine Schriften waren wichtige Beiträge zur frühmodernen Erforschung der Länder
Asiens, prägten das europäische Japanbild des 18. Jh. und dienten selbst Anfang
des 19. Jh. der Feldforschung noch als Referenzwerk. [nach Wikipedia]
Am 29.3.1691 gewährte der herrschende 5. Tokugawa-Shogun Tsunayoshi
in der Residenz (dem heutigen Tokio) Kaempfer eine Audienz. Im Verlauf des Festmahls
wünschte sich der Shogun allerhand praktische und künstlerische Einlagen von seinen
Gästen. Als die Reihe an Kaempfer kam, stimmte der ein deutsches Liebeslied an,
das er selbst zu Ehren seiner "ihm in allen Ehren treu gebliebenen
Florimene" verfasst hatte und das in Stil und Sprache bis auf uns gekommen
ist.
Wie aus Kaempfers weiterer Biografie ersichtlich, hat ihn sein
treues Gedenken an diese Jugendliebe wohl manches Mal getröstet. Heiraten aber
hat er nach der Rückkehr eine andere müssen, von der er sich nach unglücklicher
Ehe scheiden ließ, um sein Leben in Einsamkeit – und im Kampf um die
Drucklegung seiner Reiseberichte – zu beenden.
Da selbst der in die Buchausgabe von 1937 und in ein jüngeres
Lesebuch eingegangene Liedtext in größeren Teilen nur schwer verständlich ist, wird
hier eine Nachdichtung vorgelegt – in gleicher Metrik und verknappt um eine
Strophe.
Liebe aus der Ferne
Nachdichtung eines Liebeslieds von
Engelbert Kaempfer (1691 oder früher)
– mit 4 statt ursprünglich 5 Strophen –
Meine
angenehmste Pflicht
selbst in diesen
fernen Welten,
wo ich dir
nichts kann entgelten,
während mir das
Herz fast bricht –
da will einen
Eid ich schwören
ohne Zögern,
ohne Scheu;
will auf ewig
dir gehören;
bleiben dir für immer
treu.
Was heißt
Pflicht und was Entgelt?
Sollt' ich all
das Schöne loben,
das du ließest
mich schon proben
dort in unsrer
Heimatwelt?
Solche
Redlichkeit zu finden,
suchte ich
geraume Zeit;
sie alleine könnte
binden –
dieses Band tät'
mir nicht leid.
Zu bezähmen
meine Sucht
und dich, Engel,
zu vergessen,
stürzte ich mich
wie besessen
wider Willen in
die Flucht.
Hindernisse, die
nun scheiden,
Berge und der
Flüsse Flut,
sind dabei nicht
zu vermeiden –
sie befeuern
meine Glut.
Hier, wo
herrscht der Himmelssohn,
hier, in Chinas großem
Reiche,
sah ich endlich
beim Vergleiche,
welch ein Engel
war mir schon!
Ach, du holde
Florimene,
bleibst die
einzige Begier –
so, wie ich mich
nach dir sehne,
sehnst du sicher
dich nach mir …
© elbwolf (für
die Nachdichtung)
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● Quellen:
(1) Karl Meier-Lemgo: Engelbert Kaempfer - der erste
deutsche Forschungsreisende, Stuttgart 1937, S. 176 (Abbildung; ebenfalls bei
Wikimedia Commons) und S. 150/51 (Liedtext).
(2) Nylands Kleine Westfälische Bibliothek 45: Engelbert
Kaempfer – Lesebuch ; zusammengestellt und mit einem Nachwort von Lothar
Weiß. → S. 101/02 (Liedtext).
● Wenigstens diese halb-medizinische Abbildung einer
fernöstlichen Schönheit hat uns der Forscher hinterlassen – wir würden aus
heutiger Sicht das Bild einer Geisha oder einer Kurtisane aus jener Zeit wohl
bevorzugen. Die Glanzzeit des japanischen Farbholzschnittes begann erst drei
Generationen nach Kaempfers Japan-Aufenthalt.
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