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Typischer Spruch aus einem Poesiealbum aus Zürich,
1929 (in Privatbesitz);
Urheber: Ursula Steinbrüggen; via Wikimedia Commons; Liz.: CC BY-SA 3.0.
Die Poesie des Poesiealbums
Dies ist kein Ulk, sondern der Anfang einer ernst gemeinten Beitragsserie sowie
ein weiterer Anlauf, das Poesiealbum am Leben zu erhalten! Wer mit dem Begriff schon
gar nichts mehr anzufangen weiß, der findet →hier← eine Einführung. Einige
kurze Auszüge seien zitiert (s. ebendort); der Wechsel in den Zeitformen der
Verben weist übrigens drauf hin, wie "lavede" die ganze Sache doch schon
geworden ist:
-
Durch die Beziehung zwischen dem Besitzer des Albums und den
Eintragenden wird das Poesiealbum zum Dokument einer bestehenden oder
gewesenen persönlichen Beziehung.
-
Die eingetragenen Lebensweisheiten, Ratschläge und Mahnungen
religiösen und weltlichen Inhalts leisteten einen Beitrag an
theoretischer Lebenshilfe und -bewältigung.
-
Der Albumbesitzer als Textempfänger übte im
Allgemeinen keinen Einfluss auf die Auswahl des Textes bzw. die äußere
Gestaltung der Eintragung aus. Dieser Bereich blieb als individueller
Frei- und Spielraum den Eintragenden vorbehalten.[
-
Der Besitzer des Albums gibt auf der ersten Seite oft
einige Regeln bekannt und nimmt so Kontakt zu den Eintragenden auf.
Das Album wird meist in drei einfache Abschnitte
eingeteilt:
1. Die Einleitung als Zustimmung, nichts Überdurchschnittliches
(!) zu erwarten:
Schreib
mir was ins Album rein,
kann durchaus bescheiden sein –
einfach was, das bisher dein:
dann bedenken wir's zu zwein!
Liegt dein Spruch mit andern quer,
achte drauf nicht allzu sehr –
Sachen haben meist zwei Seiten
mit den gleichen Schwierigkeiten!
Wählen könnte ich mir dann,
die, mit der ich besser kann.
denn die wärmt im Kopf die Grütze –
nur wem Grütze fehlt im Kopf
trägt statt Mütze einen Topf.
Zwischen Wiege und der Bahre
gönne ich dir hundert Jahre,
die das Schicksal überstürzt
oft auf neunundneunzig kürzt.
Machst du eine längre Reise –
meide ausgelatschte Gleise!
Auch beim Drehn im Endloskreise
kriegst du eher eine Meise.
Die Gedanken aber blitzen
oft schon beim bequemen Sitzen.
3.
Das Ende des Hauptteils kennzeichnet eine Einzelseite, die nicht überschritten
werden darf:
Mag
auch dein Gedankengut
ohne Ende heftig sprudeln –
bitte nicht vor Übermut
in den Rest des Albums trudeln:
Nur bis hier zu dieser Seite
hast du freies
Schreibgeleite!
© elbwolf (WH) / 16.01.2023
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