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Wohltätigkeitsball in Almaty (Kasachstan), 26.01.2011
Foto: Nowitschenko; via Wikimedia Commons; Liz.: CC BY-SA 4.0
Wie hat man "anno
dunnemals" gedichtet, sagen wir, in den letzten noch einigermaßen
friedlichen Tagen vor dem I. Weltkrieg?
Es gab da dieses "Fleißbuch" von Hans Benzmann (Hg), Moderne Deutsche
Lyrik, verlegt in 2. Auflage 1907 bei Reclam Leipzig – das auf 629 Seiten 171
Dichter vorstellt, von denen auch die Jüngsten nun an die hundert Jahre
verblichen sind. Wir haben es in den vorigen Beiträgen vom 17.und 21.04. 2023
kurz vorgestellt. Es enthält ausreichend viele Namen, an denen wir uns erproben
können, indem wir die Ideen der früheren lyrischen Produkte mit heutigen
Worten auszudrücken versuchen – nicht ohne sie zumindest auszugsweise auch
zu zitieren!
Dies ist abschließend nun ein dritter Versuch, das gleiche
"Uralt-Gedicht" neu darzubieten; künftig werden wir uns aber immer
nur auf je einen Versuch beschränken.
Vier
junge Frauen um mich (Variante III)
Nach einer Idee von Ludwig Jakobowski
(vor 1900)
Vier junge Frauen in der Disco
Die eine blond, die andre braun,
Die dritte tizianrot wie auf dem Fresco,
Die Farbe hat mich einfach umgehaun.
Die vierte schwarz wie Rilkes Panther
Auch so geschmeidig und lasziv
Da stand ich nun, ich dummer Ganter,
Doch ihre Schönheit lockte mich und rief.
Für welche sollt ich mich entscheiden?
Mit welcher ging ich wohl nach Haus?
Wie kann ein Mann so furchtbar leiden?
Die Fragen gingen mir nicht aus.
Was wäre, wenn die Blonde außen
Nur schön wär und von innen hohl?
Da bliebe meine Liebe draußen
Doch eine Nacht? Das ginge wohl.
Die Braune mit der langen Mähne
Hat schöne Augen, graden Blick.
Nur hat sie keine weißen Zähne,
das stellt sie in der Wahl zurück.
Die Schwarze scheint mir sehr gefährlich
Ihr Körper spricht mich deutlich an
Und ihre Blicke sind begehrlich
Wär ich für sie der richtge Mann?
Die Rote, schüchtern und bescheiden
Fällt nur durch ihre Haarpracht auf.
Wie könnt ich diese Schönheit meiden?
Ob ich ihr einen Cocktail kauf?
Ich wache auf, in Schweiß gebadet
Und wieder mal allein im Bett.
Doch bin ich froh, ich hab mir nicht geschadet.
Im Grunde war der Traum ganz nett.
Wie soll ich zwischen Vieren mich entscheiden,
Wenn eine schon das Maß erfüllt.
Ich werde lieber weiter leiden
Bis sich die EINE mir enthüllt.
© A. Weinhart
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Das Gedicht ist in Wechselreimung (abab) und jambischem Versfuß geschrieben, wobei die Verse in den Strophen variieren (von 4-füßig-vollständig bis zu 5-füßig-übervollständig).
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