Hier schreiben Hobbydichter für Lyrik-Freunde – meist Gereimtes und nur Druckreifes! Willkommen also, viel Vergnügen mit unseren Gedichten und deren Bebilderung!

Aufrufe unseres Blogs erfolgen automatisch mit Sicherheitsprotokoll "https". Am 18. Mai 2022 hatten wir unseren 600. Beitrag in den Blog gestellt!

Bereits seit Jahresbeginn bringen wir neue Folgen an Kalenderblättern und Monatsbildern. Darum herum dann das, was sich an Einfällen so ergibt – man wird sehen! Nun ja, was man auch sieht: wir "unterschlagen" seit einer ganzen Weile auch einen gewissen Anteil an sanfter Erotik nicht länger - die Zeiten sind eben so ...

Wir teilen den Lesern unseres Versbildners mit und bitten um Verständnis, dass wir auch weiterhin das monatliche Angebot auf 6 Beiträge beschränken - die Kontaktarmut dieser Zeit bringt leider auch eine gewisse Ideenarmut mit sich. Neueinstellungen erfolgen damit um die Kalendertage des 1., 6., 11., 16./17., 21./22., 25.-27. eines Monats.

Mittwoch, 26. Januar 2022

Der Kreis und die Tangenten – ein Ghasel

V. M. Vogt: Die zwei Tangenten von einem Punkt aus an einen Kreis (2011);
via Wikimedia Commons; Liz.: CC BY-SA 3.0

 

Der Kreis und die Tangenten
/ Erotik schräger Geometrie – ein Ghasel /

Auf allen sieben Kontinenten
träumt jeder Kreis von den Tangenten:
sie sind in seiner Welt die Liebsten,
weil sie sich nie von ihm je trennten.

Wird eine kurz mal zur Sekante,
dann sind das nur Fisimatenten:
den Kreisumfang berührt sie vorher –
bei folgenreichen Komplimenten!

Noch besser eine zweite Grade –
das gäbe Raum Experimenten:
der Kreis, dann zwischen ihren Schenkeln,
der spielte gern den Abonnenten.

Zum Dreieck braucht' es noch die Dritte
und dann ist Schluss mit Konkurrenten.
Doch fängt der Kreis auf einmal Feuer –
gibt's keine weitren Prätendenten?

Laut mathematischer Erkenntnis,
das sagen alle Rezensenten,
gibt es sogar unendlich viele
rund um den Kreis als Int'ressenten.

Die zählt der Kreis vor lauter Wonne
auch schnell zu seinen eloquenten;
besetzt am Umfang alle Punkte
und widmet sich den Sakramenten.

© elbwolf 25.01.2022
-----------------------------------------------------------
Anm.:
Ursprünglich war das Gedicht eine freundschaftliche Streitschrift zwischen dem damaligen Community-Mitglied Ilse und mir am 9.10.2009 zwischen 16:47 und 22:09 Uhr. Da die einzelnen Partien heute nicht mehr genau fassbar sind, habe ich den Inhalt in einem Ghasel-Gedicht wiedergegeben – diese lyrische Form kannten wir damals noch gar nicht.
Ich hoffe, dass die Geometrieskizze nicht ganz überflüssig ist … 

Freitag, 21. Januar 2022

Der Tag neigt sich (Teamwork)

Abendlicht                                                                                          © Luzie Rudde

Ein Tag neigt sich

Der Tag geht – wie die vor ihm – nun zu Ende;
der Abend nähert sich mit langen Schritten;
wir stehen wie verzaubert da inmitten
und fragen uns, wer ebenso empfände.

Die Farbenbuntheit war des Tags Legende
und brauchte nicht um Augenmerk zu bitten, –
war wie geschenkt, von niemandem bestritten,
verblasst jedoch vor jeder Tageswende.

Am Ort, an dem wir uns befanden – Stille,
denn jedem wird einmal dort aufgebettet
und Ruhe wäre da sein letzter Wille.

Wir sind Geschöpfe von besondrem Schlag
und lange mit dem Leben fest verkettet –
erwarten drum stets einen nächsten Tag!

© Luzie Rudde, elbwolf (WH); 15.01.2022

Sonntag, 16. Januar 2022

Männer lesen/01 – "Ein Mann Ein Buch"

Ein Buch von Eduard Augustin, Philipp v. Keisenberg & Christian Zaschke
 für Süddeutsche Zeitung Ed., 2007; © Süddt. Zeitung GmbH, München


   Liebe Freunde und Besucher unseres Blogs!

Die berühmte Osiandersche Verlagsbuchhandlung bewirbt diesen Titel mit
"
Ein schlaues Handbuch [...], auf das Tick, Trick und Track neidisch wären."
(egal, dass diese drei Figuren in den Neuen Bundesländern keiner kennt),
lässt dem aber noch diese zu Herzen gehenden Worte folgen:

Das Kultgeschenkbuch – auch für Frauen, die sich für Männer interessieren

Männer pflegen andere Vorlieben und Interessen als Frauen. Wäre dies ein Buch für Frauen, müsste man einige Kapitel darin streichen, zum Beispiel: Wie man eine Boeing 747 landet, wie man in die Fremdenlegion eintritt, wie man eine Fliege bindet, wie man einen guten Anzug kauft, wie man Kriminalkommissar wird, wie man ein Bier zu Hause braut, wie man ein ordentliches Loch bohrt, wie man Papst wird, wie man nach dem Sex wachbleibt oder wie man bei der Geburt eines Kindes dabei ist, obwohl man es nicht selbst zur Welt bringt.
Ein Mann sollte einige Dinge wissen über das Leben.

 

Und da liegt die Werbung wieder auf Kurs, denn in den NBL gibt es doch tatsächlich Frauen, die sich für Männer interessieren!

Allerdings darf man bezweifeln, ob "ein Mann" tatsächlich wissen sollte, wie er eine Boeing 747 landet, in die Fremdenlegion eintritt (die hat z. Z. gerade noch 10.000 Mann) oder Papst wird – in den NBL besteht dafür vermutlich nur geringes Interesse.
Aber eines werden die gesamtdeutschen Frauen AUF JEDEN FALL zu schätzen wissen – WIE (besser: DASS) ein Mann nach dem Sex wachbleibt!
Ehrlich, das sollte selbst die Männer "mannweise" interessieren.

Liebe Freunde und Besucher unseres Blogs!
Wir werden versuchen, jeden Monat eine kleine Pikanterie aus besagtem "Handbuch" herauszupicken und sogar ein Gedichtlein darüber zu schreiben – es dürften aber in den meisten Fällen doch wohl Glossen herauskommen!

 

Pro Mann – dies Buch!
/ eine Parodie in Amphibrachen /

Beim Stöbern da fand ich ein Buch
das widmete sich dem Versuch,
den Männern, die dauernd belehren,
zunächst einmal selbst zu erklären,
dass vor jedem ersten Versuch
"Mann" schaute zuerst in dies Buch!

Der Mann hält sich wach nach dem Sex –
das fordert doch nicht nur 'ne Hex
und ist er davor auch gekommen –
warum ist so ganz er benommen –
das fragt sich doch heut' jede Hex
was hätte sie sonst denn vom Sex?

Als Ziel schwebt euch vor – Harmonie.
Das Buch gibt dazu Wann und Wie.
Am besten: gemeinsames Lesen,
das ändert am schnellsten sein Wesen:
"Mann" weiß bald von selbst – Wann und Wie.
Solch Glück heißt bei ihr ... Harmonie.

© gitte, 15.01.'22

Dienstag, 11. Januar 2022

Kristallene Stille (L. Winrich a. G.)

Autor & ©: Gerdt – Raureif am Mainufer (14.03.2007)
via Wikimedia Commons; Liz.: CC BY-SA 3.0


(I)     Winterkunst

Äste und Zäune von Raureif umhüllt.
Glitzernde Pracht im Spiegel
grell strahlenden Lichts.
Sonnenbrillentag. –
Spinnennetz hat die Tarnkappe verloren.
Kraftvolles Werk aus Kristall.
Winterkunst,
vergänglich und kalt.

 

(II)    Stille

Stille ist laut, denn sie lebt.
Ist es still, wenn du denkst, dass es so ist?
Es wird immer ein Laut sein, der die Stille stört.
Ein Rauschen, ein Rascheln, ein Klopfen,
ein Brummen, ein Ton, ein Laut.
Wenn du glaubst, es ist still,
dann ist es der Herzschlag,
der dröhnt, und der Zeiger der Uhr,
der die Sekunde misst.
Stille wird erst sein, wenn nichts mehr ist.


©
(L. Winrich a. G.)
 

Donnerstag, 6. Januar 2022

Monatsbild-01v2022: Wintermorgen

Wintermorgen                                                          © eigenes Foto der Verfasserin
/ Die Streifen auf der Böschung sind die Schatten des Wäldchens gegenüber /

Wintermorgen


Ein wunderschöner, kalter Wintermorgen,
den Sonnenschein und blauer Himmel ziert –
der Bäume Schattenspiele schön platziert.
Zwei Schwäne, schwimmend, scheinbar ohne Sorgen.

In dieser Stille fühl ich mich geborgen
ganz eingeschlossen und wohltemperiert;
ich bin ein Teil vom Ganzen und versiert.
Muss mich nicht sorgen um die Zeit von morgen.

Wie häufig zog der Winter plötzlich ein;
die Jahreszeit, sie unterliegt dem Wandel.
So und nicht anders wird’s auch diesmal sein.

Was es nie geben wird, ist drüber Handel.
Wir sind in diese Welt hineingeboren;
somit ein Teil von ihr – geh‘n nicht verloren.

© Luzie Rudde

Samstag, 1. Januar 2022

Kalenderblatt 01/2022 – Osterzgebirgsbilder von Udo Petzold

© Udo Petzold (*1950)                               Geising (Osterzgebirge), Kuhnauweg (~2010; Öl)

Wo ich auf die Welt kam
 

Die Häuschen sind wie Würfel hingestellt,
doch mit Picasso bitte nicht verwechseln!
Denn das ist meine eigne kleine Welt;
man hört die Leute unzweideutig sächseln.

Dort nehm den Malerpinsel ich zur Hand
und mal nostalgisch eine Gaslaterne.
Die Gegend ist als "Arzgebirg" bekannt –
und dies mein Erzgebirge preis ich gerne.

 

                    ↑ © Bild: Udo Petzold (s. u. Hinweis)                                      © Text: W. Herrmann 

Hinweis:
Das ©-Right für das Bild von Herrn Udo Petzold, Dresden, liegt
 – zusammen mit der Verantwortung für Bildbenennung und -datierung –
vollumfänglich beim Autor. Diese Wiedergabe entspricht einer einmaligen Gestattung
durch den ©-Inhaber und ist auch bei dieser nicht-kommerziellen Verwendung
auf "Versbildner" keinerlei Lizenzierung nach CC BY-SA 2.0-4.0 gleichgestellt!
Sämtliche Bilder befinden sich im Privatbesitz des Künstlers.

Kalenderblatt 01/2022 - Osterzgebirgsbilder von Udo Petzold
Geising (Osterzgebirge), Kuhnauweg (~2010; Öl)

Anmerkung:
Geising ist ein Stadtteil von Altenberg in Sachsen im östlichen Erzgebirge
unweit der
tschechischen Grenze. Der Geisinger Stadtrat stimmte am 21. Dezember 2010
mehrheitlich der Eingemeindung nach Altenberg zum 1. Januar 2011 zu.
Durch die Eingemeindung wuchs Altenberg auf eine Fläche von über 146 km² und wurde damit
 die mit Abstand größte Gemeinde im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.
Die Einwohnerzahl stieg von ca. 5.700 Einwohnern auf knapp 8.900 Einwohner.
Zugleich entstand eine neue regionale Touristenhochburg. [nach Wikipedia]

Freitag, 31. Dezember 2021

Guten Rutsch nach 2022!

Das "Tor der Hoffnung" in einer Lübecker Wohnanlage (Foto 2009);
Planung der Wohnanlage durch den Lübecker Architekten Willy Logner;
Grundstückserwerb erfolgte 1936 durch den Lübecker Rodolfo Groth,
das Richtfest wurde am 23. Februar 1937 gefeiert;

 

Licht am Ende des Tunnels?
/ englisches Sonett /

Noch die paar Stunden, und es ist vorüber 

ein weitres Jahr verging uns wie im Flug;
wir hoffen, Zeiten würden nicht noch trüber
wir fahren sowieso meist Bummelzug.

Gepäck, das wir auf Reisen mit uns führen,
das ist sehr oft nur auf gut Glück gepackt,
zu viel von dem; was andres fehlt; wir spüren:
nichts Optimales – es ist ganz vertrackt!

Wir tragen Hoffnungen in Hirn und Herzen
und schauen hilflos drein, was denn da kommt;
wir unterdrücken in uns Leid und Schmerzen
und helfen mit bei dem, was künftig frommt.

Was wäre, wenn wir einst in neuer Zeit
zusammen lebten ohne Zwist und Streit?

© Das Team von "versbildner"

-------------------------------------------------------
Unser DANK gilt diesen Freunden und Gästen des Blogs für ihre Beiträge:
-        Erika Müller-Pöhl für 12 Buchillustrationen zu den Kalenderblättern;
-        Manfred Albert für die 12 Zuarbeiten zur "Hanebüchenen Physik";
-        L. Winrich (a. G.) für vier Liebesgedichte;
-        Heliane Meyer für zwei Gedichte und
-        Herta Krondorfer (Österreich) für ihren lyrischen Beitrag am 9.11.'21.

Wir KÜNDIGEN AN für 2022 zwei neue Serien:
-        einen Sonntagsmaler mit Osterzgebirgsmotiven auf den Kalenderblättern;
-        eine Spottserie über "die Herren der Schöpfung", die alles nur nach Buch tun.

Und wir WÜNSCHEN den Freunden und Besuchern unseres Blogs

einen  guten  Rutsch  nach  2022!

Sonntag, 26. Dezember 2021

Hanebüchene Physik-12: Musizierende Gläser (mit Manfred Albert a. G.)


Diese drei Dinge braucht es für das Musizieren mit Gläsern:
1. Gläser (mindestens 7, für eine ganze Ton-Oktave);
2. Flüssigkeit, um die Gläser verschieden hoch zu füllen;
3. kundige Hände, die die Glasränder streichen – besser: streicheln!
Bei fester Anordnung der Gläser stellt das Ensemble ein Musikinstrument aus der Klasse der Idiophone (Selbsttöner bzw. Selbstklinger) dar – s. Foto!

 

Wenn nasse Hände zarte Gläser streichen …

Ist das "Singen" durch die Hände eingeleitet,
werden Schwingungen im zarten Glas verbreitet,
braucht es nur noch weitres zartes Händeschwingen,
um so ganze Melodien zu Stand' zu bringen.

Magisch scheint uns sicher auch das Theremin,
schwebt die E-Musik mit ihm wie Zeppelin:
ganz berührungsfrei, nur Hände und die Finger,
die allein sind hier für uns die Freudenbringer.

Rechts der Töne: Höhe, links der Laute: Stärke;
der Magneten Feld entlockt so ganze Werke,
was dem Synthesizer schon sehr nahe steht,
wenn es auch viel schwerer zu erlernen geht.

© M. Albrecht & elbwolf

 

© Raimond Spekking: Glasharfenspielerin in Köln (2008);
CC BY-SA 3.0; via Wikimedia Commons
 

Dienstag, 21. Dezember 2021

Chanson d'amour – Nachdichtung eines Volksliedes aus dem Französischen

 

Pompeo Batoni (1708-87): Susanna und die Alten, 1751 (Detail);
Standort unbekannt; via Wikimedia Commons; Public domain

Aus dem Sammelband im Karl Rauch Verlag (1938)
von
Josef Hochmiller (1872-1932):

Chansons d'amour XXXVII

/Chansons populaires de France/

Liebeslieder XXXVII
/

/Französische Volkslieder/

Il était une fille
une fille d'honneur,
qui plaisait au seigneur.

Un jour elle rencontre,
monté sur son cheval,
ce seigneur déloyal.

Preste, il met pied à terre,
entre ses bras la prend,
"Baise-moi, belle enfant!"

"Hélas" répond la belle,
le cœur transi de peur,
"volontiers, mon seigneur!

Je ne crains que mon frère,
s'il me voit dans vos bras,
il fera du fracas.

Montez sur cette roche
et regardez là-bas,
si l'on ne le voit pas."

Et tendis qu'il regarde,
celle qu'il veut mettre à mal
elle saute sur son cheval.

"Adieu, beau gentilhomme!"
et zeste, elle s'en va.
Monseigneur reste là.

Cela vous apprend comme
on attrape un méchant –
qui le veut se défend.

Da gab es einst ein Mädchen,
das tugendsam und recht grazil,
drum einem hohen Herrn gefiel.

Sie trifft ihn eines Tages,
er reitet auf dem Ross daher;
dem Herrn zu trauen, das fällt schwer.

Der Reiter springt vom Pferde,
umarmt das Mädchen ganz geschwind,
"Lass küssen dich, du schönes Kind!"

Erwidert ihm die Schöne
mit angsterfülltem Herzen "Ach,
recht gern, mein Herr!" und bleibt hellwach:

"Nur fürcht' ich, dass mein Bruder,
wenn der in eurem Arm mich sieht
mit grobem Schmäh euch überzieht.

Drum klettert auf den Felsen,
schaut euch rundum gut alles an,
ob man uns auch nicht sehen kann."

Der Herr tut wie geheißen.
Sie achtet nicht, was der studiert –
sie springt aufs Pferd und galoppiert.

"Adieu, du großer Reiter",
und wie der Wirbelwind davon!
Dem Kavalier bleibt nur der Hohn.

Was lehrt das einen jeden?
Den Spitzbub fasst man bald am Steiß,
wenn man sich zu erwehren weiß.

 

© elbwolf al. W.H.
(für die Nachdichtung; 20.12.2021)


---------------------------------------------------------

Anmerkungen:
Im französischem Original wird der erste Vers jeder Strophe vor dem
letzten Vers wiederholt, um eine Art Refrain-Charakter zu erzielen.
Die Kunstbeilage illustriert natürlich nicht die in den Versen geschilderte
Situation, zeigt aber die Abwehrhaltung der Frau in aller Deutlichkeit.