Hier schreiben Hobbydichter für Lyrik-Freunde – meist Gereimtes und nur Druckreifes! Willkommen also, viel Vergnügen mit unseren Gedichten und deren Bebilderung!

Aufrufe unseres Blogs erfolgen automatisch mit Sicherheitsprotokoll "https". Am 18. Mai 2022 hatten wir unseren 600. Beitrag in den Blog gestellt!

Bereits seit Jahresbeginn bringen wir neue Folgen an Kalenderblättern und Monatsbildern. Darum herum dann das, was sich an Einfällen so ergibt – man wird sehen! Nun ja, was man auch sieht: wir "unterschlagen" seit einer ganzen Weile auch einen gewissen Anteil an sanfter Erotik nicht länger - die Zeiten sind eben so ...

Wir teilen den Lesern unseres Versbildners mit und bitten um Verständnis, dass wir auch weiterhin das monatliche Angebot auf 6 Beiträge beschränken - die Kontaktarmut dieser Zeit bringt leider auch eine gewisse Ideenarmut mit sich. Neueinstellungen erfolgen damit um die Kalendertage des 1., 6., 11., 16./17., 21./22., 25.-27. eines Monats.

Sonntag, 22. Oktober 2023

Vom Büchersammeln-1

 

Sammlung aus verschiedenen Ausgaben von Mary Shelley’s ″Frankenstein″
Foto: Andy Mabbett (5/2013); via Wikimedia Commons; Liz.: CC BY-SA 3.0


Liebe Anhänger unseres Lyrik-Blogs,

heute – und in einer sporadisch nachfolgend erscheinenden kleinen Serie – einmal etwas ganz anderes: kaum gereimt, aber textlich durchaus von einigem Interesse ...
Etwas ″sammeln″ ist eine nicht wegzudenkende Beschäftigungsmöglichkeit des Menschen, will sagen: der Menschen. Eine Antwort auf die Frage ″was sammeln″ ist gar nicht gefragt, denn sammeln lässt sich alles und jedes. Eine andere Frage ist schon die nach dem ″wie viel sammeln″ und als Konsequenz: wie viel Sammlungselemente machen eine Sammlung aus?

Ein Beispiel dazu.
Angenommen, Sie sammeln Briefmarken und besitzen schon einmal die Blaue Mauritius, die 9-Kreuzer-Baden und die rote Sachsen-Dreier. Drei Marken – aber eine kaum zu übertreffende Sammlung! Alt-Komiker Georg Schramm aus der früheren TV-″Anstalt″ würde das so kommentieren: ″Kleiner Scherz!“ Es sollten schon ein paar Sammlungselemente mehr unter den Leuten kursieren – und bei Büchern ist das der Fall. Mindestens drei könnten aber eine Sammlung bilden!

Das Büchersammeln kann sich dagegen auf sehr verschiedene Art und Weise vollziehen. Um mir nicht alles Diesbezügliche selber ausdenken zu müssen, habe ich mich nach einem Kronzeugen umgesehen – und bin fündig geworden:
Umberto Eco: Bücher sprechen über Bücher. 2015 bei Carl Hanser Verlag erschienen – eine nur mal 40-seitige, echt Eco’sche ″Giftspritze″, die auch so beginnt:
″Das Sammeln alter Druckwerke kommt wieder in Mode. Das ist merkwürdig in einer Zeit, die vom Aufbruch ins elektronische Publizieren gekennzeichnet ist. Oder vielleicht ist genau das der Grund: Wenn ein Gegenstand im Verschwinden begriffen ist, werden die übriggebliebenen Exemplare zusammengetragen.
Die Sammelwut betrifft die unterschiedlichsten Gegenstände: {...} geht man auf den Flohmarkt, so trifft man leidenschaftliche Sammler, die nach Telefonkarten suchen, nach Freimaurergegenständen, Postkarten, Aufklebern, ... Rasierklingen, Diplomen ...
Natürlich grenzt so etwas an Wahnsinn, während es sich beim Sammeln alter Bücher um etwas ganz anderes handelt″.                                                                                            [a. a. O., S. 5]
Um was es sich aber bei unserer Art Büchersammeln NICHT handelt, das ist ein ″Aufsammeln″ (allen Bedruckten, das zwischen zwei Deckeln eingebunden ist und uns den Weg versperrt) und auch nicht ein ″Ansammeln″ (durch Einstellen ausgelesener Bücher in ein Regal, um nie wieder auf sie zurückzukommen).
Was also ist es? Ein effektives Mittel, um die Flut an Büchern zu unserem eigenen Nutzen zu begrenzen. In einer kleinen Schrift, die aber wiederum ein Buch wäre, will ich dazu eine Anleitung geben.

Kein Debütant verbricht solch Buch;
nennt ihn auch keinen Dilettanten –
zu viel an Büchern ist ein Fluch:
es fehlen einfach Intendanten!
Drum nehmt dies hin als
den Versuch
mit Ecken noch und vielen Kanten –
und nicht bloß als ein rotes Tuch,
geschwenkt von einem Querulanten!

elbwolf (W.H.)

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Für das verspätete Posten dieses Textbeitrages bittet der Verfasser um Entschuldigung.
Der nächste Beitrag erscheint hier zum Monatswechsel.

Mittwoch, 11. Oktober 2023

Salomos Spruch

Pedro Berruguete (1450-1504): Salomon, ~1500.
Standort: Santa Eulalia, Parades de Nava; via Wikimedia Commons; lizenzfrei.

 

                           – Salomos Spruch –
          Ja, Weisheit übertrifft die Perlen an Wert,
          Keine kostbaren Steine kommen ihr gleich.

 

Salomos Sprüche
– ein Auch-Sonett –

Ein Spruch, wie Salomo ihn brachte,
gehört nicht zu den Billigwaren –
er ist gefügt zu offenbaren,
wie man vom großen Ganzen dachte.

Erfahrungen, die er einst machte
in Stunden, Tagen oder Jahren
gab er uns preis und wir erfahren,
wobei man weinte oder lachte.

Es nutzt uns schon, fortan zu wissen,
was er uns zu berichten hatte,
und das sind nicht nur Kurzgeschichten!

Denn Salomo war nie beflissen;
gab andrerseits auch nie Rabatte
er lehrte einfach uns die Pflichten ...

© Luzie Rudde

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Der nächste Beitrag wird am 16./17.10.2023 eingestellt.

Sonntag, 1. Oktober 2023

Kalenderblatt 10v2023 – Moden sind nun mal vergänglich!

Zwei hochgeschlossene Abendkleider und eines mit Ausschnitt.
Modebeilage einer Zeitschrift Anfang der "Goldenen 20er Jahre" (oder früher)

 

Moden sind nun mal vergänglich

Grad noch der Mode letzter Schrei ...
da war's mit dieser schon vorbei!
Doch was war vor ihr denn im Schwange,
und was wird nach ihr sein zugange?

Nun, vorher trugen Adelsbienen
nur unbequeme Krinolinen –
die hielten ab und auf Distanz
Galane, aber niemals ganz.

Und nachher kam sofort Marlene,
die steckte ihre schlanken Beene
flugs rein in eine Männerhose;
ihr Mundwerk aber war recht lose.

Heut folgt auf breiter Front ... Tattoo;
das kennt kein einziges Tabu
und legt die Modefans aufs Kreuz.
Die merken's nicht mal, nein – die freut's!

 

 


 Kalenderblatt 10/2023 –"Moden sind nun mal vergänglich!"
Verse © Wolfgang Herrmann al. elbwolf

Samstag, 23. September 2023

Von der Zeit

MsSaraKelley: Pedley Street (2013); Liz.: CC BY 2.0
Quelle: Back to the Future by Graffiti Life; via Wikimedia Commons

 

Von der Zeit

Es dreht sich stets, das große Rad,
An dem das Unbekannte zog.
Die Zeit – mit eingeteiltem Takt –
Schließt jeden ein in ihren Sog.

Die Lebenszeit, sie steht nicht still,
Ist wie ein Uhrwerk, das uns treibt,
Das seit dem ersten Tag beweist,
dass nichts von allem übrig bleibt.

Schau auf den Weg im Jetzt und Heut,
Es ist der deine ganz allein.
Geh ihn bewusst zu jeder Zeit,
Dann wird die Zeit dir gnädig sein.

Und kommt der letzte Glockenschlag,
Das Zeitrad steht ganz plötzlich still.
Dann hat man alle Zeit der Welt.
Ob man sie dann noch haben will?

© A. Weinhart

Freitag, 15. September 2023

Eile mit Weile

Marianne von Werefkin (1860-1938): Sturmwind, ~1915-17.
via Wikimedia Commons; gemeinfrei.

 

Eile mit Weile

Gibt's wirklich einen Anlass für den Spruch?
Ist er bloß ausgedacht? Denn beide Teile
erscheinen doch wie aufgesetzt in Eile:
die Sollstelle für vorbestimmten Bruch …

Als scheuten wir vor brandigem Geruch,
der uns ganz unerwartet eine Weile
zwingt einzuhalten, statt in Windeseile
zu unternehmen anderen Versuch.

Nun, abzuwägen gänzlich neue Mittel,
das brauchte schon ein Quäntchen mehr an Zeit
und solcher Aufwand tut uns meistens leid.

Da wählen wir kaum anderes Kapitel
und bleiben umständlich am alten Ort –
selbst der, der eilt, muss kaum gleich jemals fort.

© elbwolf

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Hinweis:
Nächster Beitrag wird am 23.9. online gestellt!

Freitag, 8. September 2023

Lebensalter

 Leopold von Kalckreuth (1855-1928 ): Die drei Lebensalter (1898);
Bayer. Staatsgemäldesammlung; via Wikimedia Commons; gemeinfrei.

 

Wer fragt schon danach?

Vergnüglich ist es nicht, das Älterwerden –
drum fragt auch keiner, ob es mir gefiel;
so wie auch niemand fragt, was für ein Ziel
verfolgte wohl mein Leben hier auf Erden.

Wie kam es überhaupt zum eignen Werden?
Es ging hervor aus fremdem Liebesspiel:
das ist nicht wenig und auch nicht sehr viel
und lässt im Nachhinein nicht zu Beschwerden.

Vergänglich ist das Dasein – wie wir wissen;
voll Mühen oft, was gäb es andre Wahl,
als uns zu ducken in die weichen Kissen?

Das Lebensalter ist nur eine Zahl.
Doch um es auch auf diese Frist zu bringen,
muss man gar manche öden Strecken zwingen.

© Luzie Rudde

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Hinweis:
Nächster Beitrag wird am 15.9. online gestellt!

Freitag, 1. September 2023

Kalenderblatt 09/2023 – Ein Pâris-Urteil zu Paris

Albert Guillaume (franz. Genremaler, Grafiker, Karikaturist, 1873-1942):
"Das Urteil des Pâris", ~1920 (?); via Wikimedia Commons; gemeinfrei.

 

Ein Pâris-Urteil zu Paris

Herabgestiegen hoch vom Berge Ida
ist Pâris auf das Feld der Èlysées
und sieht entzückt, wie dreifach eine Frieda     
sich drängelt in sein Auto-Cabriolet.

Die drei ­– sie wollten sich nicht lange spreizen:
der ersten kommt ihr Rückenschwung zupass;
die zweite weiß, dass Frauenbeine reizen;
die dritte zeigt sich ohne Scheu en face.

Die war's – sie hat den Pâris auch bestochen
und lacht den anderen jetzt ins Gesicht:
sie hat Helenen heimlich ihm versprochen ...
der Deal kam erst in Troja vor Gericht!

 


 Kalenderblatt 09/2023 –"Ein Pâris-Urteil zu Paris"
Verse © W. Herrmann al. elbwolf

Donnerstag, 24. August 2023

Erntezeit – seinerzeit

George Stubbs (1724-1806): Bei der Kornernte (1785).
Tate Gal., London; via Wikimedia Commons & The Yorck Project; public domain.

 

Genreszene des 18. Jh. nach der gängigen August-Ikonographie. Herausgeputzte Männer und Frauen bei der Ernte unter Aufsicht eines Berittenen: ein „Bühnenstück“, das die soziale Wirklichkeit der Landbevölkerung konsequent verleugnet.

 

 

Erntezeit – seinerzeit

Sie warfen sich in ihre beste Schale,
wenn es hinaus aufs Feld zum Ernten ging;
sie hofften nur, dass sie ein Künstler male
und sorge, dass der Segen grade hing.

Die Puppen stellte man in langen Reihen
und manchmal spielte man darin Versteck –
der Aufpasser zu Pferd tat's gern verzeihen;
und rührte sich ansonsten nicht vom Fleck.

Doch das ist – erstens! – heute längst vergangen;
heut rattern die Traktoren übers Feld;
und – zweitens! – geht das Korn nur zu erlangen,
wenn man den Acker mühevoll bestellt.

Doch die, die glauben Früheres zu kennen
und wehmutsvoll erzählen es dem Kind,
die sollten wirklich nicht um Altes flennen –
die Zeiten fliegen wie der Wirbelwind!

© teamwork (elbwolf – Str.1+2, Luzie Rudde – Str.3+4)

Mittwoch, 16. August 2023

Wenn du mich magst

Ludwig Hofmann-Zeitz (1832–1895):  Fensterln – bayerischer Brauch;
Stich (vor 1896); via Wikimedia Commons; gemeinfrei.


  Wenn du mich magst


Wenn du mich magst,
Dann lass mich leben!
Erdrück mich nicht
Mit deiner Last.
Was nützt es dir,
Wenn ich mich beuge
Und du mich dann verloren hast?

Wenn du mich magst,
Dann lass mich atmen!
Angst höhlt mich aus
Und engt mich ein.
So, wie du wolltest,
Dass ich wäre,
So könnt ich ohne Ängste sein.

Wenn du mich magst,
Dann lass mich lachen,
Auch wenn du meinst,
Das steht mir nicht.
Ich bin so froh
In jenen Stunden
Und Sorge hat dann kein Gewicht.

Wenn du mich magst,
Dann lass mich leben!
Verform mich nicht
Nach deinem Bild!
Ich müsste eine Maske tragen
Und für die Seele einen Schild.

Wenn du mich magst,
Dann lass mich lieben
Auf meine Art,
Die dir zu bang.
Die großen Flammen lodern heller,
Die kleinen dafür wärmen lang.

© A. Weinhart

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Anm.:
Den letzten Beitrag für Monat August posten wir am 24.08.2023.