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Sonntag, 23. November 2014

Reise nach Timbuktu oder Vergebliche Anstrengung

Urheber: Brocken Inaglory; Fata Morgana in der Mojave-Wüste (23.05.2007);
Quelle: wikimedia/commons; GNU-Lizenz für freie Dokumentation, ab Version 1.2


Reise nach Timbuktu oder Vergebliche Anstrengung
Eine etwas andere Fata Morgana

Die Neuigkeiten gaben Anlass zur Besorgnis,
Und das seit längrem schon, denn einfach jeder Plan,
Den man bisher zu Stuhl gebracht, verwandelte
Sich ins genaue Gegenteil der Absicht – wurde
Zu Fata Morganen.
Zwar sah es weiterhin so aus von großer Ferne,
Als wäre vieles noch recht ordentlich im Lot –
Doch Kunde über Misswirtschaft und Korruption
Ward lauter, machte unaufschiebbar eine Reise
In dies Timbuktu.

Der Möglichkeiten fortzukommen sind nicht viele,
Und schnell fällt die Entscheidung für ein Wüstenschiff.
Im Passgang schaukelt das Kamel durchs Dünenland,
Oasen liegen kaum auf seinem Weg, sind meistens
Nur Fata Morganen.
Die Karawane setzt des nachts sich in Bewegung,
Nachdem tagsüber wegen Hitze alles ruht.
Die Pfade durch das Sandmeer sind ganz ausgedünnt;
Vom letzten Brunnen sind es an dreihundert Meilen
Noch bis Timbuktu.

Besonderheiten dann am Pfad: die Tamarisken
Verkünden, dass das letzte Wegstück nun erreicht.
Bald glaubt man zu erkennen dieses Häusermeer,
Das lediglich verdächtig flirrt beim Näherkommen –
Wie Fata Morganen!
Dann die Ernüchterung in heißer Mittagsstunde:
Die Karawane ist der Wüste zwar entfloh’n
Doch hat sie leider ihr erklärtes Ziel verfehlt:
Das könnte nämlich vieles sein, da vorn im Glaste,
Nur nicht Timbuktu!

© elbwolf (21.11.2014)

Anmerkungen /(1) nach Wikipedia, bearb.; (2) nach Meyers Gr. Konv.-Lexikon, Bd. 19, S. 556-557)/:
1. Fata Morgana kommt aus dem Italienischen und bedeutet Fee Morgana, ein Name aus der im Mittelalter in ganz Europa verbreiteten Artussage. Morgana bewohnte die mystische und für Sterbliche unerreichbare Insel Avalon.
Eine Fata Morgana oder Luftspiegelung ist ein optischer Effekt, der auf der Ablenkung des Lichtes an unterschiedlich warmen Luftschichten basiert. Es handelt sich hierbei um ein physikalisches Phänomen und nicht um eine visuelle Wahrnehmungstäuschung bzw. optische Täuschung (wie das bei UFOs der Fall sein könnte).
2. Timbuktu ist eine Handelsstadt am Südrande der Sahara, in unfruchtbarer Umgebung, 15 km nördlich vom Niger. Die Stadt wurde um 1100 u. Z. von den Tuareg gegründet.
Der deutsche Forschungsreisende Barth konnte als erster Europäer umfangreiche Beobachtungen machen, ohne um sein Leben fürchten zu müssen, und berichtete darüber in seinen „Reisen in Zentralafrika“ (1857).
Es war wohl immer eine Kunst, bis nach Timbuktu zu kommen, aber eine noch größere, heil wieder heimzukehren.
PS - Ehe man mich ausfragt:
Ich habe mir natürlich Gedanken gemacht, warum meine Reise eben eine „vergebliche Anstrengung“ war und bin tatsächlich auf etwas gekommen – das Kamel war schuld!
Für die Reise hatte ich mir meinen Sitz zwischen die beiden Höcker montieren lassen und nehme nun an, dass ich durch das Schaukeln grade mal wieder eingedöst war, als das Luder (mit Verlaub!) an irgendeiner Dünenecke in die falsche Richtung abgebogen ist. Deshalb habe ich beschlossen, für einen Neuanlauf nur ein Dromedar zu verwenden: das hat nur einen Höcker und an dem muss man sich beim Reiten ständig festhalten. Das beschäftigt einen dermaßen, dass man gar nicht eindösen kann. Bis dann in Timbuktu grüße ich alle erst einmal zünftig mit
Salam alaikum!

Samstag, 15. November 2014

Kein leichter Weg auf den Parnáss!

Platte mit Apollon und den Musen auf dem Parnass, Urbino Mitte 16. Jh.
Standort: Kunstgewerbemuseum Berlin, Inv. Nr. K 1990; Quelle: wikimedia/commons
Vom Urheberrechtsinhaber FA2010 als gemeinfrei (weltweit geltend) veröffentlicht 2009

Der Parnass ist ein 2.455 Meter hoher Gebirgsstock in Zentralgriechenland, an dessem südwestlichen Fuß Delphi liegt. In der griechischen Mythologie ist der Berg Apollon geweiht und die Heimat der Musen, der Göttinnen der Künste. Deswegen gilt der Parnass als Sinnbild und Inbegriff der Lyrik.
Nach dem Parnass ist in Paris der Montparnasse benannt. /nach Wikipedia/

Kein leichter Weg auf den Parnáss!

Träumer! Du hegst vielerlei an Gedanken,
Siehst sie zu Bildern sich formen vor dir.
Willst dann in Worte sie kleiden, umranken,
Wünschst, dass sie blieben als dein Souvenir.

Tänzer! Du scheinst durch die Zeilen zu schweben,
Stolpre nur nicht, wenn du schreitest fürbass.
Lass diese Verse doch rhythmisch erbeben,
Leite hinauf sie zum Berge Parnass.

Verseschmied! Such nicht voll Hast nach den Reimen,
Oftmals sind die nämlich spärlich gesät,
Wählerisch magst du nicht sein, nur schnell leimen –
Ahnst nicht, wie bald so ein Vers dir missrät.

Schmeichler! Du schmierst eine Kelle voll Honig
Jedem ums Maul, lobst ihn über den Klee.
Süße ist Labsal, doch schmeckt sie bon-bonig,
Weckt falsche Hoffnung Poeten in spe!

Kritiker! Wahr’ dir die Freiheit beim Urteil,
Wollen und Können – wäg’ beides gerecht;
Spende auch Beifall für manches an Kurzweil;
Hohn gib nur preis, was tatsächlich zu schlecht.

Schließlich: Verleger! Was seid ihr so pinglig?
Gönnt doch dem Dichter mal einen Versuch.
Dem ist sein Anliegen meistens sehr dringlich –
Ihr tragt dagegen schon längst bestes Tuch!

Nachwelt? Ja, die ist besonders penibel,
Misst am Gesamten vergangenes Ding.
Flicht ihren Lorbeer nicht immer plausibel –
Niemand erachtet sie deshalb gering!

© elbwolf (2009; Neufassung 14.11.2014)

Anmerkung für Neugierige:Die Verse sind im
unvollständig-vierfüßigen Daktylus geschrieben
.

Sonntag, 9. November 2014

Nicht länger nur Wunschbild


P.-A. Renoir (1841-1919): Kahnfahrendes Paar (wohl Renoir mit seiner späteren Frau Aline), ~1881
Standort: Boston; Quellen: commons/wikimedia via Google Art Project dito The Yorck Project (Nr. 8243)
Liz.: gemeinfrei / public domain in countries with a ©- term of life of the author plus 90 years or less.
Ein Mann sieht sich unerwartet seinem Wunschbild von Frau gegenüber.
Renoir gibt das auf einzigartige Weise wieder und bleibt uns gegenwärtig.



Ich, Ich, Ich? – Du!

Ich
stell mir dich im Kopfe vor,
Wie ich dich gern erlebt;
Mein wacher Geist schon oft beschwor;
Seit langer Zeit erstrebt.

Ich zeichne dir die Bilder auf,
Die sämtlich nur gedacht,
Und die mir bisher stets zuhauf
Versuchung eingebracht.

Ich form für dich die Worte all,
Die durchweg ungesagt,
Mir sprudeln in so großem Schwall,
Obwohl sie recht gewagt.

Du stehst auf einmal da vor mir,
Sprichst mich ganz zärtlich an;
Was ich erhofft, kommt nun von dir
Und schlägt mich in den Bann.

elbwolf (2010 – ’14)
anfangs u. d. T. "In den Bann geschlagen"

Samstag, 8. November 2014

Dresdner Brückenbau (I – vorher )


Der Bauplatz der künftigen Waldschlösschenbrücke in Dresden
Autor: Steffen Kaufmann, 1.6.2003. GNU-Liz. f. freie Dokumentation ab Vs. 1.2
Hinweis: Wichtig der (sonst nur störende) Pfahl mit dem Schild „Landschafts-
schutzgebiet“!
Im Hintergrund rechts: der Wachwitzer Fernsehturm.
 Brückenbau-Ballade (I – vorher)
Limerick-Folge

Die Stadt ist ganz deutlich geprägt
Vom Fluss, der sie mittig zersägt.
          Einst standen die Rufer
          An beiden der Ufer –
Doch Kahnfahrt nicht jeder verträgt ...

Die Lösung dafür ist sehr alt,
Lässt heute wohl jedermann kalt:
          Man baut nämlich Brücken,
          Um ’nüberzurücken –
Erfreut sich der Bögen Gestalt.








So war das in früherer Zeit:
Man löste Probleme gescheit!
          Heut sucht man voll Tücke         
          Gesetze mit Lücke –
Und bricht dann vom Zaune den Streit!

Zwei Teams machen ziemlich auf stur:
Das erste entwirft „Hardware“ pur
          Und denkt an nichts weiter.
          Das zweite – gescheiter –          
Befürchtet Verlust von Kultur.

Schematischer Vergleich:Waldschlößchenbrücke
mit anderen Stadtbrücken, s o. „Blaues Wunder“
Vom Urheber „GmD“ 10.11.2005 als gemeinfrei (weltweit) veröffentlicht!







Das Welterbe hatte gelockt –
Wird ALLES nun wieder verzockt,
          Der Kampf um den Titel
          Ein vergeblich’ Kapitel?
Die „Erben“ sind sämtlich geschockt!

Derweil wuchten quer durch die Au
Die „Technos“ den stählernen Bau:
          Verkehr hat zu fließen –
          Wen könnt’ das verdrießen,
Was soll kulturelle Beschau?

Im Nu gab’s gefährlich Gemenge
Aus Weitblick und angstvoller Enge.
          Selbst Hufeisennase
          Verfiel in Ekstase …
Ein jedes erhielt tüchtig Senge!

Das Volk, das ja stets nur der Lümmel,
Zog rein man ins Schlachtengetümmel:
          Ohne richtige Kunde
          Ging’s zur Abstimmungsrunde –
Drauf nippt es bedeppert am Kümmel.

Der Titel? War umgehend futsch.         
Die „Technos“, die dachten: „Gut-Rutsch!"
Jetzt her diese Brücke,
Verkehrsader-Krücke!
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Und hatten gewonnen den Putsch!

Elbwolf (2009; 2013)


PS: Und so lief der Bau – oder auch nicht:
Erster Spatenstich am 29.11.2000 durch den damaligen Oberbürgermeister
2004 Aufnahme der Kulturlandschaft Dresdner Elbtal in das Weltkulturerbe
Verzögerung des Baubeginn bis zum 19.11.2007
  Das UNESCO-Komitee beschließt im Juni 2009 die Aberkennung des Weltkulturerbe-Titels
Am Morgen des 26.08.2013 wird die Brücke für den Verkehr freigegeben.


Blick auf den Brückenbogen der noch im Bau befindlichen
Waldschlösschenbrücke.
Autor: Karelj; 19.7.2012; GNU-Liz. f. freie Dokumentation ab Vs. 1.2






Dresdner Brückenbau (II – nachher )

Fußgängermonopol vor der Verkehrsfreigabe, 24./25.8.2013;
Foto+ ©: Dr. Bernd Gross; Liz. CC 3.0,
 


Der Verkehr rollt über die Dresdner Waldschlösschenbrücke,
Momentaufnahme 25.7.2014; Foto+©: elbwolf












Brückenbau-Ballade (II – nachher)
Limerick-Folge

Ja nachher … ist jedermann schlauer!
Ums Welterbe gab es schon Trauer
          Explodiert sind die Kosten
          Um erkleckliche Posten,
 Doch heut’ sind nur wenige sauer.

Der Betrachter kneift Augen ganz schmal,
Hält die Form dieses Baus für banal …
          Er wartet auf Züge …
          Doch sieht zur Genüge,
Dass nur Autos hier queren das Tal!

Doch etwas hat wirklichen Witz!
Du fährst bis um neun einen Flitz
          Mit „50“ hinüber.
          Nach neun wieder rüber
Mit „30“ – sonst trifft dich der Blitz!

Der Grund ist die Hufeisennase
Mitsamt ihrer flatternden Blase -
          Zwar sah sie noch niemand
          Doch lohnt sich solch Vorwand:
Kassiert wird mit wahrer Emphase!

Zehntausend ist’s so schon ergangen!
Wir anderen sollten nicht bangen:
          Es kommt uns’re Zeit,
          Wo alles bereit,
Auch uns in die Tasche zu langen!

So könnten in kommenden Jahren
All die, die ganz einfach nur fahren,
          Bezahlen – wie schlau –
          Den teueren Bau!
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Das wollte ich euch noch verklaren.

Elbwolf (2014)

Foto: elbwolf, 25.07.2014
Der Pferdefuß:
Wo hinten die Brückenbögen aufsetzen, stehen die beiden sog. „Traffi Tower“ und finden etwa alle 5 Minuten ein Opfer zum Blitzen. Jeder dieser „Abzocker“ kostet knapp 50.000 €, beide verursachen im Jahr etwa 800.000 € Unterhaltskosten.
Hochgerechnet macht die Stadt etwa 3 Mio. €/Jahr Plus an dieser einen Stelle! Ihre 32 Mio. € Eigenanteil an den Brückenbaukosten von insg. 181 Mio. € hätte sie nach etwa 10 Jahren wieder herein, aber nur, wenn weiter so munter geblitzt wird!
Ist das etwa kein Pferdefuß? (Quelle: nach „Bild“ vom 3.9.2013)

Freitag, 7. November 2014

Auf der Heide und im Wald (Parodie)

Lüneburger Heide, Blick vom Wilseder Berg (2007)
© Willow; Multi-license with GFDL and Creative Commons CC-BY 2.5

Auf der Heide und im Wald
Parodie auf “Im Wald und auf der Heide“
(Bornemann/Gehricke, 1816/1827).

Ich zieh’ mit großer Freude,
Statt dass ich Zeit vergeude,
Hinaus in Heid’ und Wald.

Die Kräutelein zu riechen,
Die Büsche zu durchkriechen -
Solch’ Lust lässt mich nicht kalt.

Ein Flachmann - meine Flasche;
Paar Münzen in der Tasche:
Da leidet man nicht Not!
Mir fehlt ein richt'ger Bello,
Grüß selber jeden "Hello" -
Dies ist mir stets Gebot!

Bin müde, will mich strecken
Und ruhen unter Hecken,
Erfreu'n mich an Natur.
Aus Angst vor einer Streife
Verzicht’ ich auf die Pfeife -
Ist trotzdem Leben pur!

Ein Hase läuft zick-zack-schnell,
Das Moorhuhn ruft gack-gack-gell,
Doch ich bin nicht auf Pirsch!
Das Füchslein gar, das rote,
Das reicht mir seine Pfote,
Ich brauch auch keinen Hirsch.

So zieh ich durch die Heide,
Sie dient dem Schaf als Weide,
Und schmecket ihm wie Seim.
Wenn Sonne sich dann neiget,
Der Nebel sachte steiget,
Dann kehr’ gestärkt ich heim.

(c) elbwolf (2009; 2014)

Mittwoch, 5. November 2014

November – ein Monatsbild

Vers © elbwolf, Grafik © saxonia44


November 

          Ein Martin war einst unter denen, derer wir gedenken
                 im Nebel-Monat, und von dem es mit Gewissheit hieß,
                        dass er nicht zögerte, den Bettelarmen zu beschenken,
                               der fror, weshalb er seinen halben Mantel ihm beließ.
          Solch Handeln ist durchaus nicht allgemein geworden –
          Denn wer so teilt, erhält dafür ja keinen Orden.

./.

Kleine weltliche November–Agenda

Zählung
Wer von den Monatsnamen alle richtig kennt,
Der müsste sich nicht sonderlich besinnen:
Der neunte war’s, jetzt elfter Monat! – nur verpennt,
Als man einst früher ließ das Jahr beginnen.

Namensgebung
In Holland war als Schlachtemonat er bekannt,
Die Deutschen hießen ihn – begreiflich –  Nebelung,
Karolus Magnus hat nur Windmond ihn genannt;
Als Trauermonat dient er der Erinnerung.

Bauernregeln
Behalten Bäume lange noch ein grün’ Gewand,
Dann kommt um vieles später erst der Winter.
Hüllt allerdings der Nebel ständig ein das Land,
So sieht man Massen Schnee schon jetzt dahinter.

Martinsgans
Im Angesicht des Mönchs aus Tours ehrt man die Gans:
Sie hat mit Schnattern einst zum Bischof ihn gemacht;
Am Elften ist sie heut’ für jeden Stimulans,
Dem sie zum Schmaus gebraten in der Pfanne lacht.

Karnevalssitzung
Am gleichen Elften haargenau um elf Uhr elf
Ruft jeder Elferrat (wer sonst?) zu tollen Tagen.
Manch Büttenrede nehmen Jecken als Behelf,
Um Streit von Köln nach Düsseldorf zu tragen.

Büttenrede
(Kurzfassung; das Original aus Köln einst „eigenohrig“ im ZDF gehört)
Ein Düsseldorfer hatte den Löffel abgegeben, sich am Himmelstor gemeldet, war aber von Petrus aufgefordert worden, zunächst im Empfangsraum Platz zu nehmen. Dort hingen die Wände voller Uhren, die allesamt die Zeit verschieden anzeigten und auch ganz unterschiedlich schnell gingen. Als Petrus einmal hereinschaute, fragte ihn der D-dorfer nach dem Grund. Ach, das seien gar keine Uhren – sie wären je­weils einer Stadt zugeordnet und würden nur weiterschalten, wenn dort gerade ein Dummer zur Welt käme! Erst nach einer ganzen Weile dämmerte es dem D-dorfer, dass er unerwartet die Riesenchance hätte, den uralten Streit darüber zu beenden, ob es mehr Dumme in Köln oder in D-dorf gäbe! Er entdeckte auch bald die Uhr von Köln, deren Zeiger komischerweise nur höchst selten einen Schritt weiterrückten; die Uhr von Düsseldorf fand er dagegen nirgends. Als Petrus erneut hereinsah, frag­te er ihn danach und bekam als Antwort: „Stimmt, die haben wir in die Küche umge­hängt und benutzen sie dort als Ventilator.“

© elbwolf, 05.11.2014
./.
Links
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Martin von Tours in der Kunst

Montag, 3. November 2014

Handarbeit – erotische Parodie (2/2)



Parodie auf die „Argumentationskunst“ im bekannten Gedicht von
Wilhelm Busch (1832-1908) “Die Selbstkritik hat viel für sich“ aus
der Sammlung „Kritik des Herzens“ .
Hier versehen mit einer Illustration des zu Busch zeitgenössischen,
damals weithin bekannten Malers – sogar Hofmaler des Zaren – und
Grafikers Mihály Zichy.
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|    Da selbst heute noch - nach über 100 Jahren -     |
|     dieser Meister erotischer Illustrationskunst     |
|    an das sittliche und/oder ästhetische Empfinden   |
|      von Betrachtern seiner Werke rühren könnte,     |
|       wird eine Grafik von ihm im Extrafenster       |
|   erst nach einem Klick auf folgenden Link gezeigt   |
|                    Zum Zichy-Bild                    |
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| Klicken oder nicht klicken – das ist hier die Frage! |
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Mihály Zichy (1827-1906): Aus dem Zyklus „Erato – Die Freuden der Liebe“.
Quelle: wikimedia/commons (dort als Blatt Liebe-5 geführt) – Liz.: gemeinfrei!
Buchausgabe „Erato“ von 1989 bei Kiepenheuer (Blatt 7), ISBN 3378003464.

Handarbeit
Erotische Parodie auf „Die Selbstkritik …“ von W. Busch

Die Handarbeit hat viel für sich.
Gesetzt den Fall, ich handwerk mich …
So hab' ich erstens den Gewinn,
Dass ganz entspannt ich nachher bin;

Zum zweiten denkt man, dass ein Weib
Der Mann nicht braucht als Zeitvertreib.
Doch hab ich drittens solchen Bissen
Mir schon klammheimlich aufgerissen;

Und viertens hoff' ich außerdem,
Dass Handarbeit auch ihr genehm –
Wär sie zu solchem Tun bereit,
Betrieben Handwerk wir zu zweit!

© elbwolf (2009-2014)

Enthalten im Almanach "Liebe, prickelnd wie Sekt"
Edition Wendepunkt, Weiden, ISBN 978-3-938728-21-5

Sonntag, 2. November 2014

Stündchen – erotische Parodie (1/2)



Parodie auf das Gebaren eines vorgeblich in Liebesdingen erfahrenen
Lebemanns – nach dem gar nicht so bekannten Gedicht „Ständchen“
von Wilhelm Busch (1832-1908). Ausgerechnet unser „Altreimer“ gibt
den Schwerenöter, wobei er doch von sich selbst gesagt hatte: „Ich
werde nie heiraten ... Bei meiner Schwester habe ich es nun auch gut.“

Ein großartig passender „Bildschmuck“ findet sich bei dem zu Busch etwa
zeitgenössischen Maler Félix Vallotton (1865-1925), dessen Werk eine
solche Galerie verlockender Schönheiten umfasst, dass der Leser selbst
per Klick entscheiden soll, welche er sich zum „Stündchen“ laden würde!
(dieses Nichteinbinden in den Text umgeht evtl. Fragen der Lizenzierung)

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|     Maid-1             Maid-2             Maid-3     |
|                                                      |
|     Maid-4             Maid-5             Maid-6     |
|                                                      |
|           Super-Maid-1        Super-Maid-2           |
|                                                      |
|                       Favoritin                      |
+------------------------------------------------------+
| Klicken - aber wo klicken – das ist hier die Frage ! |
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Stündchen
Erotische Parodie auf „Ständchen“ von W. Busch
 
Der Abend ist so heiß und schwül,
Das Bett gedeckt mit weichem Pfühl,
Es wartet, Liebes, nur auf dich -
Geliebte du,
Auch ich erwart dich inniglich!!
So komm herein zu Kerzenschein
In unser Liebes-Kämmerlein:
Befrei dich von der Kleider Fülle,
Leg ab und zeig dich ohne Hülle -
..........Gleich jetzt!

Dass du nicht kleidest mehr die Glieder!
Leg splitternackt dich zu mir nieder.
Lass deine Brüste meiner Hand -
Dein Körper raubt mir den Verstand.
Erfühlst du schon die Wolke neun?
Wirst nichts bereun -
Vertraue, Liebes, ganz auf mich,
Geliebte du.
Zu dieser Wolke bring ich dich -
..........Jetzt gleich!

© elbwolf (2009-2014)

Enthalten im Almanach "Liebe, prickelnd wie Sekt"
Edition Wendepunkt, Weiden, ISBN 978-3-938728-21-5

Samstag, 1. November 2014

Sonne zum Gleichnis


Beleuchteter Teil der Erdoberfläche, 2. April 2005, 13:00 Weltzeit (UTC)Bildschirmfoto per “kworldclock“; Quelle: wikimedia/commons;
Autor: Duesentrieb; Liz.: GNU General Public License, Vs. 2.0
Sonne zum Gleichnis

Sie macht uns in der Frühe munter,
lässt grell erglühn den fernen Horizont,
läuft einen Bogen, eingehüllt ins Blond,
von Ost nach West – und geht dort unter. 

Im Morgenlicht zeigt sie sich golden,
tagsüber hält sie uns behaglich warm;
selbst abends weht ihr leiser Hauch an Charme -
erst nachts sind wir nur die Abholden.

Fürs Leben gibt es kein Verzeichnis,
wie jeder Taglauf festgesetzt verrinnt –
man ahnt nur, dass etwas den Faden spinnt
und fände sicher manches Gleichnis.

Erst jugendlich und immer nehmen;
allmählich geben, weil herangereift; -
wenn schließlich Alter einen fühlbar streift,
wird langsam unser Selbst zum Schemen.

Erwägt der Sonne Angebote,
Denn keines ist gemacht als bloßer Scherz;
Schließt sie viel lieber in ein weites Herz,
Leiht ihr das Ohr zu jeder Note!

Mit Dank für die Anregung durch ein ähnliches
Gedicht einer befreundeten Poetessa!

© elbwolf (31.10.2014)
Nachtrag:

Mein Lieblingsschriftsteller Lion Feuchtwanger sagt es in seinem Roman „Goya“
(im Teil 2, Kap. 35) mit wenigen reimlosen Versen von unvergleichbar schöner
Poesie ganz anders und viel drängender, was man im Leben nicht verpassen sollte:
„Darum lasst uns / Tauchen in den / Tiefen Schoß der
Liebe; denn wir / Leben nur so / Kurze Zeit auf
Dieser Erde, / Und wir sind so / Lange tot.“
 
Anhang:

# Alles über den Sonnenaufgang 
# Alles über den Sonnenstand 
# Alles über den Sonnenuntergang